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Reichstag auf täglich 5 fl. 30 kr. (einschließlich Service und Alles Uetoge) festzusetzen. Dieser Betrag entspreche Dem, waS auch bereits die andern deutschen Staaten festgesetzt hätten. ES frage sich, ob die Kammer diese Anordnung genehmige.

Bei der Abstimmung erklärt sich die Kammer ein­hellig dafür.

Regierungspräsident Ler antwortet auf die in der letzten Sitzung von dem Abgeordneten Siebert gestellte Anfrage:

Nach dem neuesten Vereinszolltarif betrage der Zoll von Gewehren 17 fL 30 kr. per Centner. Eine Er­niedrigung oder ein Erlaß desselben könne Seitens ein ö einzelnen Zollvereinöstaates nicht bewirkt werden. Aller­dings könne man für einzelne Transporte f. g.Frei­pässe erwirken. Dieselben enthielten aber keine Befrei­ung von dem Zoll, vielmehr werde der Betrag dessel­ben demnächst bei der Vertheilung der ZollvereinSreve- uuen dem betreffenden Staate als Zahlung aufgerechnet.

Siebert. Wie er vernommen, habe aber das Großherzogthum Hessen für die von ihm aus Lüttich be­zogenen Gewehre sich Erlaß des Eingangs - Zolles er­wirkt.

Lex. Wahrscheinlich doch nur einenFreipaß", wo­nach denn der Betrag demnächst dem Staat in Abzug komme.

Zollmann. Er halte cs für gerathen, sich bei Anschaffung der Gewehre nicht zu übereilen. Das Par­lament werde und müsse ein Caliber für das gesammte deutsche Heer festsetzen. Das solle man erst abwarten, um sich nicht doppelte Kosten zu machen.

Leiöler. Er meine, daß man nicht abwarten, son­dern die Sache rasch betreiben solle. Er erwähne hie­bei, daß das Haus Moldenhauer in Cassel der Regie­rung oder dem Generalkommando bereits vor längerer Zeit eine Offerte von 13,000 Stück Gewehren gemacht, hierüber aber bis jetzt keine Antwort erhalten habe. Er sehe einer Auskunft über den Grund davon ent­gegen.

Hehner. Bis das Parlament in seiner bekannten Langsamkeit anS Caliber komme, werde noch viel Was­ser den Rhein hinunterfließen. Daraus könne man nicht warten.

Wenckenbach 2. sei ihm bekannt, daß die Herrn Hüttenbesitzer Frank und Giebeler auf der Adolphs­hütte bei Dillenburg ein ganz vortheilhafteS Anerbieten in Bezug auf Lieferung von'Gewehren gemacht hätten. Er empfiehlt dasselbe der Regierung.

Müller 2. Es sei wohl begreiflich, daß ohne Waffen auch keine Volksbewaffnung denkbar sei. Wo dieselbe bereits so weit organisirt sei, ohne bis jetzt 'Gewehre zu haben, da verfalle sie schon wieder und an vielen Orten wolle sie sich gar nicht organisiren, bevor sie Gewehre erhalten habe. Man könne die Bestim­mung des Reichstages über ein einheitliches Kaliber nicht abwarten. Es sei jedenfalls besser, daß wir Ge­wehre hätten, wenn auch von einem Kaliber, das von dem einzelner andern deutschen Staaten abweichè, als daß wir gâr keine Gewehre und gar kein Kaliber hätten.

Iusti. Die Vertheilung der bereits aus Belgien cingegangenen Gewehre sei auch sehr ungleich vorge­nommen worden, einzelne Orte seien entschieden dabei zu kurz gekommen, diejenigen, welche am öftesten und am lautesten geschrieen, hätten Alles erhalten. So viel er wisse, habe die Negierung der Kammer zugesagt, sie wolle,wenn die Gewehre eingingen,der Kammer hiervon und von der Art der Vertheilung Anzeige machen. Beides sei nicht geschehen.

RegierunSpräsident Ler. Eine solche Zusicherung sei seines Wissens nicht ertheilt worden und müsse die Voraussetzung derselben auf einem Mißverstänvnisse Seitens des Herrn Abgeordneten beruhen. Es seien neuerdings 500 Gewehre eingegangen und mit der Vertheilung derselben begonnen woroen. Zum Zweck der vollständigen und gleichmäßigen Vertheilung nach Maßgabe der Bevölkerung und der localen Bedürfnisse sei von der Regierung ein Generalrescript an sämmt­liche Beamte erlassen' worden, wodurch dieselben ang^ wiesen würden, die Anforderungen direkt an die Volks- bewaffnungscommission zu richten und die ihnen abge­gebenen Gewehre alsdann an die einzelnen Gemeinden des Amtes zu verteilen.

Siebert. Er habe gehört, daß von den 500 Ge­wehren eine Partie in den Zeughäusern zurückbehalten und dadurch der Volksbewaffnung entzogen worden sei.

Regierungsrath Werren: Er könne hierüber in Folge seiner frühern Stellung als Amtmann in König­stein zufällig Auskunft geben. Es seien nämlich we­gen des dringenden localen Bedürfnisses an die Stadt Königstein Gewehre aus den nöthigen Vorrath des Zeughauses abgegeben werden, unter der Bedingung, daß dieselben aus der demnächst eingehenden Lieferung ersitzt würden. Dieß werde das Verhältniß sein, von welchem der Herr Abgeordnete spreche.

W imps: Es sei auch ein Mißstand, daß die Volks- bewaffnungskommission, die aus lauter Wiesbadenern bestehe, nicht schon, wie dies^doch in der Absicht ge­legen, Leute aus dem Lande'zugezogen habe. Das Land sei es müde, sich von Wiesbaden auö alsPro­vinz" behandeln zu sehen.

. .Hehner: Er halte es für unzweckmäßig, die Ver­theilung der Gewehre den Beamten zu überlassen, wer da am lautesten schreie, der bekomme am meisten. We- nlgstens müsse man ein Princip der Vertheilung auf- stellen, wamit es nicht Sache der reinen Willkühr werde. Er sei für das Princip der vollständigen Gleichmäßigkeit.

Werren. Das Prinzip der vollen Gleichmäßig­

keit sei zwar das richtige, aber es sei nicht in seiner ganzen Cousequenz durchführbar, bei den nach und nach eingehenden Lieferungen kämen dann in eine Gemeinde 23 Stück Gewehre. Das sei so viel wie nichts, exerzieren u. s. w. könne man damit noch nicht. Deß­halb dürfe man die Gewehre nicht unter einer gewissen Anzahl abgeben, und außerdem müsse man neben der Zahl der Bevölkerung auch die besonderen localen Verhältnisse berücksichtlgen. Die ganze Sache werde am besten demnächst bei Vorlage des Berichtes der Commission für Volksbewaffnung zur Verhandlung kommen.

Reg.-Präfldcnt Ler: Er hoffe den Bericht der Volksbewaffnungskommission, dem man jeden Tag ent­gegensehe, bald'vorlegen zu können; derselbe werde sich wohl auch über diese Frage (die Vertheilung) ver­breiten, und habe alsdann die Kammer Gelegenheit, auf den Grund dieser Vorlage zu verhandeln.

Krämer meint, man müsse vorerst bei Austheilung der Gewehre besonders diejenigen Ortschaften berück­sichtigen, welche Märkte hätten (Emmerichenhain).

(Schluß folgt morgen.)

Tagesgeschichte.

Deutschland.

Großherz. Hessen. Darmstadt, 27. Juni. Das Gesetz über Creirung von 2 Millionen Papier­geld in fundirten Scheinen ist von der 2. Kammer in ihrer Sitzung fast einstimmig angenommen worden.

Baden. Mannheim, 28. Juni. (Unruhe und Conflicte mit dem Militär.) Kaum war der Schreckens­eindruck aus den Gemüthern verschwunden, den vor­gestern der Ausbruch einer Feuersbrunst, wobei ein Menschenleben zu Grunde ging, verursachte, als auch gestern Abend wieder auf's Neue allgemeine Unruhe sich der hiesigen Einwohner bemächtigte. Die häufigen Neckereien, welche von Seiten roher Menschen an den bayerischen Soldaten verübt wurden, gaben gestern Veranlassung zu einem Straßenauflauf. Zwei hiesige Bürger, Struvianer durch und durch, aufgeregt und angetrunken durch die Verhaftnahme zweier Freischärler, welche von Wien kommend mit dem Mittagszuge nach Basel wollten, erlaubten sich vor der Wohnung des Stadtkommandanten anzügliche Redensarten, Drohun­gen und brachten Hecker ein Hoch und dem Fürsten Taris ein Pereat. Daß die dortige Wachmannschaft solche Demonstrationen nicht als Komplimente hinnahm, kann man sich leicht denken, sie trat unter das Gewehr und nahm die Unruhestifter in Haft, um sie der ge­eigneten Behörde zu übergeben; da kam es nun zu Collisionen. Aus der Menschenmasse, welche sich unter­dessen angesammelt, eilten einige Bloufèmnänner hervor und suchten die Gefangenen mit Gewalt zu befreien;, doch die Soldaten zogen blank und mit einer beträcht­lichen Zahl Hiebe, mit der flachen Klinge ausgetherlt, wurden die Befreier zurückgeschlagen und die Verhaf­teten in das Gefängniß abgeführt. Unterdessen rief der Generalmarsch sämmtliches Militär in die Kaser­nen, Patrouillen durchzogen die Straßen, in welchen die Menge neugierig auf und nieder wogte, und ohne weitere Exzesse, aber erst' spät in der Nacht trat die Ruhe wieder ein. Die Stimmung des Militärs ist eine höchst gereizte, laut und fast herausfordernd hört man einzelne Soldaten mit freudiger Zuversicht einen baldigen und blutigen Zusammenstoß mit den Bürgern besprechen; cs wird der äußersten Wachsamkeit von beiderseitigen Behörden bedürfen, um einem solchen Unglücksfalle vorzubeugen.

Oesterreich. Prag, 24. Juni. (Die Zustände.) Die Kleinseite mit dem Hradschin bietet daö bewegte Bild eines militärischen Lagers. Das auf doppelten Sold gesetzte Militär campirt im Freien, auf den Hö­hen des Volksgartens sind die Militärbacköfen errichtet, und fast möchte man daraus schließen, daß sich der unbehagliche Belagerungszustand noch lange hinziehen solle. Man spricht zugleich von einer gänzlichen Ucber- siedelung aller Civil- und Militärkanzleien und Kassen von der Altstadt auf die Kleinseite. Mittlerweile wird der Verschwörungsprozeß mit unablässiger Thätigkeit fortgesetzt. Zwei Appellations- und drei Criminalräthe sind beigezogen. Heute früh circulirte in der Stadt das Gerücht, Buquoy und Villani seien auf freien Fuß gesetzt worden. Gestern wurden noch mehrere Hansslichungen vorgenommen, unter andern im Fran- ziskanerkloster und in der Faster'schen Wohnung; zu­gleich wurde gestern der czechische Literat Fingerhut und der Rottenmeister aus dem Provinzialstrafhause gefänglich eingezogen. Dem Vernehmen nach ist gestern ein angeblich russischer Emissär in dem Augenblicke, als er den Postwagen besteigen wollte, verhaftet wor­den. (C. B. f. B.)

Triest, 20. Juni. Die feindliche Flotte ist heute seewärts unter Segel gegangen und vom Leucht­thurm von Salvere nicht mehr zu sehen.

Preußen. Berlin, 27. Juni. (Bürgermeister Grabow.) Heute wurde Bürgermeister Grabow von Prenzlau zum Präsidenten der ReichslandtagSversamm- lung durch 238 auf 383 Simmen gewählt, nachdem Herr Camphausen das Anerbieten, ihn zum Präsiden­ten zu wählen, abgelehnt und bald nachher seine 9iet|e nach Köln angetreten hatte. -

Posen, 21. Juni. IDle Russen.) Von versch.e- denen Seiten sind heute hier Nachrichten angelangt, daß den bei Tborn und Kalisch stehenden beiden rus­

sischen Armeecorps durch Armeebefehl vttfâudkl worden sei, sie würden binnen kurzem die preußische Grenze überschreiten und daß man nur die bestimmte Marschordre vom Kaiser erwarte.

Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten.

Rendsburg, 24. Juni. In den letzten Tagen sind hier wieder bedeutende Verstärkungen zum 10. Armeekorps durchmarschi'rt, so daß in Folge der vom Bundestage getroffenen Maßregeln hoffentlich bald die gesetzmäßige Stärke desselben hergestellt sein wird. Eine Compagnie des Tann'schen FreicorpS hat unsern Dienst verlassen, da ihre Absicht, republikanische Gleichheits- Tendenzen in der militärischen Organisation des Corps burchzusetzen, bei dem Major v. d. Tann natürlicher Weise keinen Anklang fand. Mehrere Mitglieder der­selben haben wir mit dem blutrothen Bande und der DeviseFreiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" geschmückt, in unseren Straßen umherwandeln sehen. Sie tragen sie, wie man sagt, sich dem Heckerschen Rebellenhaufen anzuschließen. (R. T.)

Altona, den 26. Juni. Aus Schleswig wird wieder über die Ankunft und den Wettermarsch der verschiedenen Truppen-Abtheilungen, namentlich Mecklen­burger, berichtet, die von hier in der letzten Zeit ab- gegangen. Die mehrfach erwähnten preußischen 24# Pfänder und Haubitzen sind übrigens von Schleswig wieder zurückbefördert worden, und man meint, sie soll­ten zur Küstenbedeckung zwischen Kiel und Eckernförde dienen. (Privatttachrichten zufolge sind unsere Hambur­gischen Hanseaten von Rendsburg nordwärts abmar» schilt. Auch sind hier gestern gegen 200 Mann Preußen zur Completirung der im Felde befindlichen Corps durch- gekommen.

Nach einer Mittheilung des freiwilligen Dragoners voin 23 d. aus Lügumkloster ist auf dem Kriegsschau­plätze wenig oder nichts Neues vorgegängen. Das nördliche Corps des Feindes steht ziemlich unverändert in der schon seit einiger Zeit innegehabten Position. DaS Hauptquartier soll sich in Christiansfeldc befinden. In Styding, Hommeleff, Maugstrup und auf verschie­denen anderen Punkten tu einem Umkreise von 2 Mei­len stehen die dänischen Truppen dislocirt. An der Befestigung von Hadersleben wird, den eingegangenen Nachrichten zufolge , eifrig gearbeitet. Die Lage der Stadt und der nächsten Umgegend erleichtert es sehr, sich dort seht fest zu verschanzen. Die Brücke in der Stadt nach Apenrade ist abgebrochen, die nach dem Süden führenden Wege sind aufgegraben und ver­schanzt. Die Haderslebener Föhrde, die im Westen und Norden der Stadt befindlichen Waldungen, sowie die Höhenpunkte bilden, wie versichert wird, die Stütz­punkte der sehr starken Vertheidigungs-Linie. Niemand mirb jetzt nach dem Süden mehr durchgelassen. Die Stärke dieses Corps wird schwerlich über 8- bis 9000 Mann sich belaufen, wobei indessen nicht zu verkennen ist. daß auch ein schwächeres Corps in dieser Position, welche die Entwickelung größerer Streitkräfte nicht zu­läßt, ein ungleich stärkeres Heer aufhalten kann, zu­mal da die Dänen in dem für sie ungünstigeren Falle sich nach Norden zu Wasser oder nach Osten übers Wasser zurückziehen können. (A. M.)

Zustand.

Republik Frankreich.

Paris, 27. Juni. Die freie Circulation ist zwar heute in unserer Hauptstadt fast überall hergestellt, aber zu den Barrieren hinaus, oder von da in die Stadt zu gehen, ist noch untersagt. Es ist nämlich sehr vic- len Insurgenten gelungen, aus Paris zu entkommen und sich auf den Höhen zu verschanzen. Dieser letzte Versuch der hinsterbendcn Empörung kann jedoch durch­aus keinen Grund zu Besorgnissen geben. Die Stel­lung, welche diese Leute jetzt eingenommen haben, ist für sie, da sie keine Zeit fanden, sich daselbst zu befe­stigen, durchaus nicht haltbar. Man sagt, sic waren auch in den großen Friedhof Pere Lachaise gedrungen, der dann gewiß von ihnen verwüstet wird. In einiger. Entfernung vom Louvre ist die Cirkulation wieder untersagt worden, weil daselbst eine große An­zahl Gefangener ist. Diesen Morgen fand ein Auf­stand der Gefangenen statt, welche im Carrvnsscl be­wacht werden. Man hat unverzüglich die energischesten Maßregeln ergriffen, worauf die Ruhe wieder herge­stellt ward. In der Nähe dieses Platzes ist jedoch, zur Vorsicht, die Circulation auch verboten worden. Gestern Abend um 8 Uhr konnte man nur mit der größten Schwierigkeit in das Quartier St. Antoine kommen. Diesen Morgen versperrt die bewegliche Bür­gerwehr das Boulevard Beaumarchais ungefähr auf Büchsenschußweite von der Julisäule. Wer, wichtiger Geschäfte halber, nach der Vorstadt St. Antoine muß, erhält eine Begleitung. Diese Nacht ist leider in den Mutierten wieder Blut von Bürgerwehr geflossen. Die verschiedenen Gerüchte, die hierüber umlaufen, timmen darin überein, daß viele Gefangene entkommen vollten und die Flintenschüsse in der Dunkelheit unbe­absichtigte gegenseitige Verletzungen hervorbrachten. Auch Patrouillen schossen diese Nacht aus strafbarer Nach­lässigkeit auf einander, was einige Verwundungen ver­ursachte. Einige Anführer derselben hatten nämlich die Parole vergessen, woraus nothwendig Mißverständ­nisse entstehen mußten. Ueber den Zustand in den Provinzen gab in der heutigen Sitzung der National­versammlung Präsident Senart folgenden Bericht: In Limoges hat die Nachricht von den Ereignissen zu Pa-