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NaffauuHc Zciliin>;

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, Freitag, den 30. Juni. IMS.

Abonnements auf dieNassauische Zeitung," nebst deren (wöchentlich zweimal erscheinenden Gratis-Beilage)Allgemeines Kirchen- und Schulblatt," wolle man pro Juli schleunigst machen bei dem nächst gelegenen Postamts. Preis pro Juli bis Septbr bei allen Postanstalten des Herzogtums nur fl. 2. 12 kr. incl. Postprovision. In Wiesbaden abonnirt man mit fl. 1. 45 fr vierteljährlich bei der Expedition am Friedrichsplatz.

Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

$ Zur Charakteristik derNassauischen Allgemeinen."

Motto:Herr, erlaube mir, daß ich unter die---fahre."

Wiesbaden, den 29. Juni.

Unsere Leser erinnern sich, daß wir neulich indem Artikelder Heyopopeyo- Verein in Wiesbaden" ein humoristisches Zerrbild der kürzlich hier entstandenen Gesellschaft gaben, in der Absicht, auf deren augen­scheinliche Schwächen hinzuweisen. Manches Mitglied dieses Vereins, das uns persönlich bekannt ist, hat herzlich über diese Carrieatur gelacht.

Nicht so das bekannteOrgan," dieNassauische Allgemeine." Sie sah ein, daß sie durch einen in's Aschgraue getriebenen Servilismus und durch wahr­haft puerile Angriffe auf die Linke unserer Kammer sich in den Augen des Landes etwas stark blamirt habe, und da sie einen überwiegenden Spekulationsgeist be­sitzt, so sah sie natürlich auch ein, daß dies ihrem Abon­nement für das vor oer Thüre stehende Quartal einen großen Nachtheil bringen werde.

Sie saß also, von der Wahrheit dieser Thatsache durchdrungen, da, in tiefsinnige Spekulationspläne ver­tieft, an den Nageln kauend.

Da kam unser Artikel über denHeyopopeyo- Verein."

Viktoria!" rief R., ^Viktoria!" rief S.,da haben wir^s, da können wir uns helfen!"

Ihr Plan war nun der: Wir fallen nun mit aller Wuth über dieNassauische Zeitung" und über deren Redakteur her, werfen ihnen alles erdenkliche Zeug, Sinn und Unsinn, vor und suchen ihn namentlich als einen Verächter achtbarer Bürger" darzusteÜen. Das hilft, das führt die Abonnenten unserer damit reicher gesegneten Concurnentin abunduns zu. Damitmanaber unser Manoeuvre mcht gleich Durchschaue, so setzen wir unsere selbstgemachten Artikel alle in denSprechsaal" (dessen Verantwortung wir bekanntlich schon neun* hundertneunundneunzigmal abgelehnt haben) und un­terzeichnen sie:Ein Mitglied der Gesellschaft für Frei­heit, Ordnung, und Recht" oder sonst wie, so daß man glauben muß, es herrsche eine allgemeine Aufregung gegen die odiöseNassauische," und dann haben wir gewonnen. Viktoria! Viktoria!"

Aber Halt, nein, der Redakteur derNassauischen," dem Ihr Rücksichtslosigkeit vorwerft, von dem Ihr sagt, daß er mitimmer plumpern Hieben Euch geißele,"

Die Rarrenburg.

Don Aralbert Stifter.

(Fortsetzung.)

Und wie sie im heißen Sonnenscheine immer weiter gingen, so stiegen ihnen die rothen Felsen immer größer entgegen, und Heinrich bemerkte endlich, daß in dieselben eine hohe Pforte gehauen war, mit einem eisernen mas­siven Thore verschlossen, daran eiserne Schlösser hingen, und wie man näher kam, so sah man auch die gräfli­chen und die Gerichtssiegel auf den Schlössern. Hein­rich erkannte augenblicklich hieran den rothen Stein der Scharnast, dessen Bedeutung ihm Robert heute Nacht auseinander gesetzt hatte; ed überflog einen Augenblick sein Herz, wie wenn die Schatten seiner vergangenen Tage um ihn flatterten, und alle die seiner Ahnen ob dem Gewölbe schwebten, wo sie ihre Seelen geschrieben niederlegen mußten.

Neben dieser Pforte war eine andere, aber sie war nicht in den Felsen gehauen, nicht massiv und nicht ver­siegelt, sondern sie war ein hohes breites Eisengitter, durch das man auf einen andern fernen Garten sah, in welchem statt der Blume einige Kreuze standen, statt des Obclièkeü ein weißes Crucifix von vier Linden, und statt des Gartenhauses eine Kapelle, von den Eichen überschattet, die ihre Riesenäste über die Gartenmauer hereinstreckten.

Hi eh er, dachte Heinrich, waren freilich viele Ge­schlechter gewandelt, die Einen mit schweren Worten im

er ist allerdings auch hier plump und rücksichtslos ge­nug, Euch einen Strich durch die Rechnung zu machen, nicht dadurch, daß er sich in weitläufige Diseussion ein- läßt, sondern einfach dadurch, daß er die Sache dar- legt, wie Ihr die ganze Geschichte als Abonuentenköder anwendet, wie Ihr den armenVerein für Freiheit, Recht und Ordnung" als Euern Affen mißbrauchen wollt, der Euch die Kastanien aus der Asche hole.

Damit seid Ihr dem öffentlichen Gelächter preis- gegeben und gerichtet.

Meine Freunde aber, welche natürlich o schlechte Welt! nicht alle Abonnenten derNassauischen All­gemeinen" sind, bitte ich, sich die Nro. 87 und 88 der­selben zu verschaffen. DieSprechsale" dieser beiden Nummern beschäftigen sich mit nichts, als mit meiner unbedeutenden Person.

Es nimmt sich gar ergötzlich aus, fast als ob die liebenswürdigeAllgemeine" die Absicht hätte, mich zum berühmten Manne zu machen. Alle, selbst die wider­sprechendsten Tugenden, rühmt sie mir nach.

In dem einen Artikel sagt sie, ich halte meine An­sicht für die alleinseligmachende und absolut wahre, jede sich ihr entgegenstellende Meinung und Persönlichkeit suche ich zu geißeln und zu unterdrücken.

In dem andern Artikel wieder sagt sie, ich habe gar keine Ansicht, sondern liebäugele mit allen Ansichten und allen Parteien.

Seltsamer Widerspruch! Großartige Selbsttäuschung! Oder sollte dieAllgemeine" wirklich glauben, daß ich jemals mit ihr geliebäugelt hätte. Dieser Gedanke könnte mich zur Verzweiflung treiben.

Zum Schluß fordert man mich auf, zu erklären, in welchen politischen Grundsätzen derVerein" von den meinigen abweiche. Das ist mehr gefragt, als ich be­antworten kann, da ich die Grundsätze des Vereins gar nicht kenne. Denn die allgemeinen Redensarten in der Zuschrift" wird man wohl nicht fürGrundsätze" ausgeben wollen.

Der Unterschied derNassauischen Zeitung" und ihrer Redaktion und derAllgemeinen" und der ihri­gen ist jedoch einfach der, daß diese demjenigen, was sie (in vielen Fällen mit Unrecht) für die Wege des Ministeriums hält, schwanzwedelnd folgen zu müssen glaubt, während dieNassauische" ihren eigenen Weg geht und keinem fremden Einfluß ihr Haupt beugt.

Das ist wohl klar?

Zu guter Letzt einen guten Rath :

Will dieNassauische Allgemeine" in Zukunft ihren Sprechsaal" wieder mit solchem Zeug füllen, so möge sie dessen Ueberschrist ändern in:

Menagerie."

Haupte, die Andern mit ewig stummem Munde. Zu­letzt mag wohl die räthselhafte Narcissa eingegangen sein,--und wer wird dann kommen?--son­derbarer Weise fiel ihm in diesem Augenblicke daS Kind, Pia, ein, als ob er es mit dem inneren Auge schon ir­gendwo zerschmettert liegen sähe.

Ich habe die Schlüssel nicht zu dem rothen Steine, sagte Ruprecht,sie liegen im Christoph-Hause anfbe- wahrt, auch wißt ihr ja, gestrenger Syndikus, wie ihr damals mithalftet das Obrigkeitssigill hier anzulegen; denn die Bücher da drinnen reden nur zu Leuten, die aus dem Blute unserer Grafen find, und jeder Tropfen ist ausgeschrieben, der seit siebenhundert Jahren auS ei­nem ihrer Herzen rann, und keiner darf es lesen, der nicht ein Kind der Familie ist, aber zu dem andern

Thore habe ich die Schlüssel."

Und er schloß daö Gitter auf und führte sie durch eine heitere Allee von Linden auf den Kirchhof. war der stillste Ort, den Heinrich noch aus der Burg gese­hen hatte, ordentlich zum Frieden und Schlummer la­dend; denn von drei Seiten war er durch den Eichen­wald des Julian umgeben, so daß fast kein Lüftchen, ja beinahe fast kein Ton von außen zu dieser Insel drin­gen konnte, und von der vierten Seite deckte die Lin­denallee das Schloß so, daß nur hie und da graue Stucke

Zen hereindämmerten, depj lich rauschen, und sahen noch das Wegflattern deS Ge-

Rest aber von schönen, dunkelgrünen Kronen bedeckt war. wandeS und den Sprung des Hundes: daS wilde, scheue So war der Ort wie eine abgeschiedene Waldwiese, die Kind, Pia, war in ihrer Abwesenheit bet Ruprecht ge- iu Gefährten nu/den blauen Himmel hat und das nie* wesen, und hatte bei ihrer Ankunft die Flucht ergriffen; verfließende Gold der Sonne. Auch war jene wim- sie sahen nur noch, wie sie hinter einem Hollunderbusch,

zu Gefährten nur den blauen Himmel hat und das nie*

Angeblicher geheimer Vertrag zwischen Rußland, England, Oesterreich und

Preußen.

Die Weserzeitung berichtet aus Berlin vom 24. Juni: (Wir überlassen die Verantwortlichkeit für nachstehende Mittheilung unserm Herrn Corresponderten.) Es ist uns Nachricht von einem zwischen England, Preußen, Oesterreich und Rußland abgeschlossenen Tractate zu­gekommen, w.lcher mit dec Anwefenheit des Prinzen von Preußen in enger Verbindung gestanden Haden soll. Die Anwesenheit des Prinzen von Preußen in London sei auch dazu benützt worden, bei der englischen Regierung anzufragen, welche Stellung dieselbe bet ei­ner Schilderhebung der republikanischen Elementen in Deutschland einnehmen werde. England soll sich ver­pflichtet haben, den republikanischen Elementen in Deutschland nicht nur keinen Beistand zu leisten, son­dern sogar gegen sie zu operiren, (??) wenn man auf eine wirkliche- deutsche Einheit verzichte und wenn die Unabhängigkeit Dänemarks bis fast an die Eider ga- rantirt werde. Rußland würde im Fall einer repu­blikanischen Bewegung in drei Kolonnen auf Wien, Krakau und Berlin marschiren lassen und England sich in diesem Falle verpflichten, den Tscherkeffen in seinem Rücken auf keine Art und Weise Unterstützung gewähren. Ich theile diese Nachricht einfach mit, ohne mich darüber in Raisonnements einzulaffen. Ein hier circulirendes Gerücht von einem Tractate zwischen Preußen und Nordamerika, wonach wir eine Unter­stützung von nordamerikanischen Kriegsschiffen zu er­warten haben, beweiset sich nach dem obengenannten Tractate wohl als begründet; wenn aber in unseren Häfen wirklich amerikanische Kn'egsschiffe einlaufen werden, so sind sie entweder zum Schutze der nord­amerikanischen Interessen in der Nord- und Ostsee, oder zur Unterstützung der demokratischen Partei in Europa bestimmt. (??) Wenn jetzt wirklich Friedens- Unterhandlungen mit Dänemark eingeleitet werden, so sind wir der Meinung, daß dieselben nicht bloß aus dem Rücktritte des dänischen Ministers Orla Lehmann, sondern ebenfalls durch jenen geheimen Tractat erklärt werden müssen.

Die Spcn. Ztg. eifert gegen das in Berlin ver­breitete Gerücht, baß der Prinz von Preußen mit Pe­tersburg in lebhaftem Briefwechsel stehe,um mit Hülfe russischer Bajonette einen neuen preußischen Staat zu gründen."

melnde Bevölkerung von Kreuzen und Zeichen nicht da, womit sonst so gerne die Erhabenheit eines Todtengar- tenö zerstört wird, und womit der Mensch seine armen Flitter, mit denen er sein Leben behängt hatte, auch in dieses ernste Reich de» Abstraction hereintrödelt: sondern es war nur dunkler, hingehender Rasen mit tausend Blümchen und Kräutern; nur einige Kreuze waren da, die Ruhestelle treuer Diener des Hauses bezeichnend, und eln anderes hohes von weißem Marmor stand als all­gemeines Symbol in der Mitte des Gartens zwischen alten, schöngewachsenen Linden. Einige Mitglieder deS Geschlechtes ruhten ohne Zeichen und Monument, wie sie eS verordnet, unter der allgemeinen einfachen Decke des Rasens; andere lagen mit Wappen, Emblemen, Or- namentcn und Prunk, auch, wie sie es verordnet hat. ten, in der weitläufigen Gruft unter der Kapelle. Em einziger Sarg in der Gruft war ganz einfach von Eichen­holz gezimmert, und stand nicht das geringste Zei- chen, ja nicht einmal ein Name darauf. Die Freunde konnten nicht fragen, weil Ruprecht nicht mit ihnen in die Gruft hinabgegangen war, sondern an dem Thore oben ihrer harrte. Aber auch hier fragten sie nicht, weil ein anderes Ereigniß ihre Aufmerksamkeit ansprach, und sie die Frage vergessen ließ, nämlich, wie sie daS

dunkle Thor- der Kapelle heraustraten, hörten sie es plötz-