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Ausland.
Republik Frankreich.
Paris, 24. Juni, 11 Uhr. Die meisten Eisenbahnen find abgebrochen; da es jedoch wahrscheinlich ist, daß die Post dennoch Anstalten trifft, die Briefe zu befördern, so will ich Ihnen, so lange ich noch Hoffnung habe, zur Poft zu gelangen, in Kurzem berichten, welche Wendung die Dinge seit gestern Nacht genommen. Leider sind meine Voraussichten richtig gewesen; denn wir befanden uns am Anfänge eines förmlichen Bürgerkrieges. Der Regen hatte gestern um 4% Uhr aufgehört, und sogleich begann der Kampf von Neuem und hartnâcker, als den ganzen Tag. Nach Mitternacht hörte das Feuern auf; allein schon bis dahin hatten die Insurgenten mehrere Stellungen wieder erobert, die sie früher verloren hatten. Während des Waffenstillstandes überfielen sie das Waffenmagazin der Nationalgarde und bemächtigten sich unter- Anderem 14 Kanonen; auf dem Bastilleplatz, wo 4 Kanonen gegen eine Barricade gerichtet und dieselben von der Artillerie zu Fuß und zu Pferd bewacht waren, erlauerten die Insurgenten einen günstigen Augenblick und bemächtigten sich auch dieser 4 Kanonen. Um 3 Uhr Morgens begann die Kanonade und das Peleton- seuer von Neuem und dauert bis jetzt fast ununterbrochen fort. Wie groß die Anzahl der Verwundeten schon sein muß, können Sie sich denken. Die Revolution ist heute fortwährend siegreich und hat nicht nur all ihr gestriges Terrain wieder erobert, sondern ist auch in dem Augenblicke im Besetzen der ganzen Eile, des ganzen Faubourg St. Marceaur, des Faubourg St. Antoine und der ganzen Strecke von der Straße gleichen Namens bis zur Straße Rambuteau; ferner der Vellette, des Platzes St. Gervais, von wo aus der Angriff auf das Hotel de Ville vorbereitet wird. Auf diesem ganzen ungeheuren Gebiete sind häuserhohe Barrikaden aufgepflanzt, unter deren Schutze die Insurgenten auf die Truppen der Linie und der Nationalgarde ein mörderisches Feuer unterhalten, ebenso aus den Fenstern und von den Dächern der Häuser herab. Auf diese Weise in großem Vortheil gegen die zwar numerisch überlegene öffentliche Macht, und bei der Entmuthigung, die bereits unter der Linie und Nationalgarde einreißt, würde es mich nicht überraschen, wenn der Insurrection am Ende der Sieg bliebe, was um so wahrscheinlicher wird, als die Mobil-Garde schwankend ist und ein Theil derselben bereits übergegangen sein soll, als ferner die ganze republikanische Garde aus Seiten der Insurrektion kämpft und, wie es heißt, einige Compagnien des 75. Linienregiments gestern die Waffen gestreckt haben. — Durch den Telegraphen wissen Sie bereits, daß Paris in Belagerungszustand erklärt — eine Maßregel, die jetzt eben so unnütz als überflüssig ist; wenn die Regierung die Revolution bewältigen will, bleibt ihr nichts übrig als die Stadt bombardiren zu lassen, was allerdings die Bourgeoisie schwerlich zugeben wird. — Wie gestern sind auch beute alle Zugänge zu den Schlachtfeldern abgesperrt, ja, heute sind sogar alle Gassen gesperrt, so daß man nur noch die einen hinein und durch die andern hinaus kann. Es stellt sich jetzt als unverkennbar heraus, daß der Aufstand schon lange her vorbereitet war und keine andere als eine socialistische Bedeutung hat. Die Insurgenten kämpfen unter den Losungsworten: „Brod oder Tod!" und „Eine demokratisch-sociale Republik!" Gestern Abend wurde auf mehreren Punkten mit ihnen parlamentirt; die Einen sagten, daß sie die Waffen niederlegen wollten, wenn Ledru-Rollin und Lamariine, die ernstlich die Organisation der Arbeit wollen, von ihren Collegen aber daran verhindert werden, allein
in der erecutiven Gewalt blieben; die Anderen verlangten, daß die ganze Regierung abtrete, die National- Versammlung sich auflöse und eine provisorische Regierung aus Proudhon, Pierre Lerur und Barbös sich bilde. — Die vorstehenden Angaben habe ich von Nationalgardisten, welche die Verwundeten nach den Spitälern oder nach Hause trugen, vernommen. Sollte ich vor Abgang der Post noch etwas Wichtiges erfahren und es an Ort und Stelle bringen können, so werde ich es in einem zweiten Briefe thun.
— 4 Uhr Nachmittags. Man hört Kanonade und Gewehrschüsse weit seltener als früher, der Kampf ist aber noch nicht zu Ende, da ich während des Schreibens feuern gehört. Ueber den Stand des Kampfes ist unmöglich etwas Genaues zu erfahren, da man aus keiner Gasse mehr heraus kann, ohne einen erweislichen Grund anzugeben, und selbst dann wird man von zwei Nationalgârdisten nach dem Orte, wohin man will, begleitet. — Die Nationalgardisten selbst sind von ziemlicher Verschwiegenheit und geben auf keine Frage über den Stand der Dinge Bescheid, sei es, daß sie cs selbst nicht wissen, oder weil sie nichts Erfreuliches mitzutheilen haben.
Paris, 25. Juni. Sitzung der Nationalversammlung. Morgens 8 Uhr. Der Präsident eröffnet Folgendes: Die Nacht war ruhig. Das Faubourg St. Marceau bittet um Reorganisation der Municipalität des 12. Arrondissements. General Cavaignac hat drei Repräsentanten ersucht, sich diesem Geschäfte zu unterziehen. Es werden dem Minister des Innern
3 Millionen für außerordentliche Unterstützungen angewiesen. Fortsetzung der permanenten Sitzung um i Uhr. Den mitgetheilten Nachrichten zufolge eröffnet der Präsident, daß der Kampf noch fortbaucrt, die Insurrektion aber immer mehr an Terrain verliert. Herr Flocon gibt beruhigende Versicherungen über die in Paris vorhandenen Lebensmittel - Vorrüthe. Ein Dekret verlängert die Protest- und Zahlfrist der vom 23. bis 25. Juni laufenden Wechsel um 5 Tage.
10 Uhr Morgens. In diesem Augenblicke sind noch 2 Hauptpunkte in den Händen der Insurgenten. La Chapelle, von der Barriere Rochechouart bis zur Barriere St. Denis; Faubourg und Boulevard du Temple, und der Faubourg St. Antoine. — Auf dem Boulevard du Temple, in der Nähe der „Filles du Calvaire," drang die gardé mobile in mehrere Häuser und besetzte dieselben mit Gewalt, indem sie die Insurgenten herauswarf.
10% Uhr. Die Nationalgarde von Havre, 7—800 Mann stark, ist eben angelangt und hat vor der Nationalversammlung Revue passirt; auch die Nationalgarde von Compiegne ist eingetroffen. — Ein Repräsentant^ erzählt, daß er gestern mit den Insurgenten in la Chapelle gesprochen habe. Die von den Chefs gestellten Bedingungen waren folgende: Auflösung der Nationalversammlung, Auflösung der Nationalgarde von Paris. Caussidière an der Spitze der Regierung mit Lamartin und Ledru-Nollin zur Seite. Freilassung der Gefangenen zu Vincennes. 30 Millionen für die Nationalwerkstätten. 400 Millionen für die arbeitenden Klassen, im Budget vorzusehen.
12 Uhr. Eine typograpische Presse ist heute in der Nationalversammlung ausgestellt worden. — Man versichert, daß im Quartier Bourbonnais wieder Barrikaden errichtet würden und daß man am Quai der Messagerie wieder aus den Fenstern schieße. — In der Gegend des Pantheon hat man eine große Menge Flinten in die Brunnen und Kloaken geworfen, und 200 Flinten sind in der Straße Saim-Honorè weg- genommcn worden.
Straßburg, 26. Juni, Morgens 10 Uhr. Keine
I Post ist aus Paris eingetroffcu. Jede telegraphische ! Commuuication fehlt. Alles schwebt in Unruhe und Sorgen. — Nach 10 Uhr. Die Malle ist eingetroffen. Nach einer fürchterlichen Kanonade sind die Insurgenten geschlagen worden und das Gesetz hat die Oberhand. Der Verlust an Menschenleben soll ungeheuer sein. Paris brennt an verschiedenen Stellen.
Großbritannien.
London, 23. Juni. Den Times zu Folge hat Großbritannien die constitutionelle Regierung in Palermo anerkannt. Es handelt sich, da England überall der Gründung neuer Republiken entgegenarbeitet, jetzt darum, den Sicilianern einen König zu geben; man nennt den zweiten Sobn des Königs von Sardinien, den Großherzog von Toskana, Beauharnais (?) und — Louis Napoleon. Sicilien wird und ward schon früher von Malta aus mit Gewehren versorgt. Denkt England nicht an die Nemesis, die es für sein Intri- guenspiel gegen Neapel in Irland ereilen 'könnte? Könnte Frankreich nicht mit gleichem Recht die Irländer mit Waffenvorräthen versorgen, damit diese im Stande seien, ihren Unabhängigkeitskrieg gegen England durchzusetzen? Auch scheinen die Times über die Anerkennung Siciliens von Seite der englischen Regierung mehr bestürzt als erfreut zu sein. Sicilien aber wird so gut als Portugal empfinden, was es heißt, England die Existenz eines Volkes in die Hände zu geben. Die Palermitaner feierten übrigens ihr neues Glück, aus der Unabhängigkeit von Neapel in die doppelte Abhängigkeit von Sardinien und England zu gerathen, durch eine an drei Abenden wiederholte Erleuchtung der ganzen Stadt.
Neapel.
Am 22. ist in Zürich ein Brief des Commandanten des Luzerner Regimentes in Neapel an die Regierung von Luzern gelangt, des Inhalts, daß der König von Neapel sich vor der Wuth des andringenden Volkes auf ein englisches Dampfschiff zurückgezogen habe.
Vermischtes.
Der Schultheiß von M. meinte: „Was doch der Herr W. in L. ein höflicher Mann ist! Er hat, ohne daß wir es bestellt haben, für unsere arme Gemeinde eine Vorstellung an die Landstände wegen Aufhebung des Zehntens gemacht. Er hat sie sogar lithographiren lassen, und sie uns dann zum Unterschreiben zugeschickt. Für all die Arbeit- verlangt er nur 30 kr.; die haben wir ihm gern übersendet." Aus die Mittheilung, daß diese Ehrenbezeugung, (das Ueberfdftcfcn* derselben lithographirten Vorstellung ohne vorherige Bestellung mit gleicher Anforderung) allen Gemeinden des Hcr- zogthums widerfahren sei, und daß dies Geschäft dem Herrn W., wenn die übrigen Gemeinden seine Aufopferung so willig anerkennten, wohl eine Reineinnahme von wenigstens 200 fl. liefere, wurde der Mann in seiner guten Meinung etwas umgestimmt.
Hrn. E. Stahl in Limburg bescheinigen wir hiermit, daß er nicht der Verfasser ober. Einsender des Artikels „der Zehnt-Prokurator" in Nr. 98 der Nass. Zeitung ist.
Die Redaction der Nass. Zeitung.
Nebst „Allgemeines Kirchen- und Schulblatt."
Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.
Bei Unterzeichnetem ist erschienen: Entwurf des deutschen Reichs - Grundgesetzes.
Der hohen, deutschen Bundesversammlung als Gutachten der 17 Männer des öffentlichen Vertrauens überreicht am 26. April 1848.
Frankfurt a. M. Benj Krebs.
Exemplare des obigen wichtigen Werkes (Preis 12 Kr.) sind bei mir eingetroffen.
Wiesbaden. Wilhelm Friedrich,
(483) - Buchhändler am Friedrichsplatz.
CimEM-MZEICE.
Freitag, den 30. d. Mon. Abends 6 Uhr wird Unterzeichneter die Ehre haben, unter freundlicher Mitwirkung der Madame Nu sch und der Herren Pecz und Bogler eine
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^WWOWJWm des LWW^âK) zu geben.
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