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Militär von Rendsburg nach Kiel versetzt. Aus dem Norden erbalten wir wenig Berichte von Belang. Apenrade ist von dem Tann'schen Freikorps und einer Abtheilung Preußen besetzt. Eine andere Abtheilung soll nach Hadersleben vorgerückt sein. — Ein Gerücht behauptet, die Dänen wären auf der Insel Norderney gelandet. (H- E.)
Zustand.
Republik Frankreich.
Paris, den 13. Juni. Schluß der gestrigen Sitzung. General Bedeau sprach für den Commissionsantrag. Lamartine suchte das von der Regierung ringkhaltene System zu rechtfertigen. Während seiner Rede hatte das weiter unten erzählte blutige Ereigniß statt. _ Lamartine nahm sie in den Faden seiner Rede auf und erklärte auf eine Anfrage des Hrn. Larabit, daß die Regierung bereits ein Dekret erlassen habe, wornach gegen Lonis Bonaparte das Gesetz von 1832, wornach die Glieder seiner Familie vom französischen Gebiete verbannt sein sollen, auf das Strengste angewendet werden solle, bis die Nationalversammlung anders entschieden haben würde. (Es lebe die Republik.) Die beiden Napoleoniben Louis und Pierre versicherten ihre Anhänglichkeit an die Republik. Die geheimen Fonds wurden am Schlüsse der Sitzung mit einer Mehrheit von 569 gegen 112 Stimmen bewilligt.
Der eben erwähnte Vorfall war der, daß auf dem Eintrachtspkatze sich Gruppen von offenbar bezahlten Menschen gebildet hatten. Ein Mensch mit dem Ruf:
„Es lebe der Kaiser" feuerte eine Pistole auf den General Thomas, der jedoch nicht getroffen wurde. Da» argen wurde ein Kapitale der Nationalgarde an der Hand verwundet. Der Platz wurde von der bewaffneten Macht alsbald gesäubert. Während des Nachmittags hatten sich in der Nähe des Saals die gewöhnlichen Attrougements gebildet. — Immer mehr Truppenconcentrationen in und um Paris. — In Metz wird eine polnische Legion gebildet.
Rußland.
Von der russischen Grenze, 5. Juni. s Con- centration der russischen StreitkräfteJ Man meldet auch die Bildung russischer Heere in der Nähe der türkischen Donauprovinzen. In der That ist die dermalen in den verschiedenen Ländern der österreichischen Monarchie immer mehr überhandnehmende Anarchie für Rußland zu lockend, als daß dasselbe daraus nicht Nutzen zu ziehen suchen sollte. Längst schon hat es die kirchlichen Sympathien, welche die Serben, Dalmatcn und theil- weise die Kroaten und Slawonier an Rußland knüpfen, zu unterhalten gesucht und zwar nicht vergebens. Jetzt, wo diese Völkerschaften im Gähruugèproceß neuer politischer Gestaltung begriffen sind, gilt es, dieselben für den Czad zu gewinnen. Der PanslawiSmuö, längst von Rußland aus genährt, beginnt in Böhmen, Mähren, Ungarn zur That zu werden. Ursache genug, gegen Oesterreich, das geschwächte, eliizuschreiten und die Erbschaft deS Panslawismus anzutreten. Daher die Versammlung russischer Armeen an den Grenzen der Walachei. Für Deutschland kann dies nur angenehm sein. Vergißt der russische Koloß, daß nnr der Gedanke der Einheit in
militairischen Unternehmungen sicher zum Ziele führt, dann sind seine Anstrengungen vergebens. Theilt er seine Armee, indem er sie zur Hälfte an der preußische», zur Hälfte an der österreichischen, beziehungsweise türkischen, Grenze aufstellt, dann kann er nirgend mit der gehörigen Kraft wirken. Preußen und daS hinter demselben liegende Deutschland darf dann das russisch-polnische Heer nicht fürchten. Aber wird das im Innern zerrissene und in Italien so sehr beschäftigte Oesterreich der russischen Donauarmee widerstehen können? Wir hoffen dies, da gewiß gerade eine russische Invasion die verschiedenen österreichischen Volküstämme, wenn nicht die slawischen, so doch die deutschen und ungarischen zur Einigkeit führen würde. Wahrscheinlich würde man von den wackern Ungarn wieder das besonnte Moriamur pro rege nostro! welches einst den Thron Maria Theresia's rettete, hören. Ein vou Deutschland unterstützter österreichischer Ausstand in Masse würde die Russen bald wieder zurücktreiben. Lassen wir sie also sich immerhin auch im Süden concentriren um so leichter werden sie besiegt werden.
Briefkasten.
Antwort an M. Schr. in R.: Betrug für 1847 — 108 286 fl. 48 kr. Br.
Sechserbüchse für die deutsche Flotte bei Wilhclm Friedrich am Friedrichsplatz.
Bis zum 4. Juni eingegangen . ... ff. 104. 7 tr.
Am 16. Juni sind eingegangen:
Von H. Stutte aus Bierstadt 6 fr.
Zusammen fl. 104. 13 kr.
Täglicher Anzeiger für Allkündigungen aller Art.
Das in meine m V erläge erscheinende Bild des inmister-lPräsidenteik
(415)
(nach dem Originalgemälde von L,. Knaus; in einer Kreidezeichnung von Ant. Fay) ist nunmehr in der Zeichnung vollendet und können binnen acht Tagen davon Exemplare abgeliefert werden.
Die Zeichnung ist in grösster Vollendung und höchst gelungen ausgeführt, was einige Probeabdrücke beweisen. Für Diejenigen, welche vor der Subscription das Bild erst sehen wollten, bemerke ich, dass ich den
Subscriplionspreis pr. Exemplar auf weissem Papier fl. 1;
4 „ „ auf chinesischem Papier fl. 1. 30 kr.
noch einige Zeit bestehen lasse, und alle Interessenten dieses ausgezeichneten Bildes nunmehr ersuche, ihre Subscription bei mir gefälligst anmelden zu wollen.
Wiesbaden, den 16. Juni 1848.
Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz.
Vom Westerwald.
Werfen wir einen Blick auf unser Vaterland. Was war es noch vor Kurzem? Em Land der Knechtschaft und Verwüstung; bis aus Westen ein Heller Strahl sein Licht a ch rn unsere Dunèelheit sendete. Freudig begrüßie jeder wackere Deutsche vie neue Sonne und Nassaus biedre Bewohner waren mit die ersten, die den Weg des Lichts betraten. Geführt von Männern, für des Volkes Wohl durchdrungen, gab Nassau das Vorbild ein Joch abzuschutteln, welches lange schwer auf einem edlen Volke gelastet — ein wahrhaft entwürdigendes Joch für eine Nation, wie die unsre. Be- geistrung für die neue Freiheit und Dank für die edlen und hochherzigen Männer, die sie erstritten und dabei Gut und Beut aufs Spiel setzten, beseelten allgemein.
DaS Volk kannte und verehrte diese Manner, die ihnen den Weg zum Recht und zur Freiheit gebahnt hatten, und eine wahrhaft große Begeisterung erfüllte jeden Rechtlichen, besonders für einen Mann, dem das eigen Leben nicht zu theuer gewesen, und der eö für des Volkes Wohl zu opfern bereit war, und ganz in dem Sinn, wie dieser wahre Dolksfreund begonnen, handelt er unverrückt fort. Wer kennt nicht unsern biedern Dolksmann Hergenhahn und wer fühlt sich nicht aufs innigste zum Danke gegen ihn verpflichtet? Wer wagt eS, diesem deutschen Biedermanne Gesinnungen unterzuschieben, die nie in dieser edlen Brust Raum finden können? Wer wagt eS, die teuflische Saat deS Mißtrauens unter Nassau s Bewohner auszustreuen? Es sind die Volksfeinde, die im Geheimen schieichen mit einem Herzen voll Neid und Scheelsucht.
Tretet darum zusammen, Ihr rechtlich gesinnten Nassauer, prüfet erst, ehe Ihr glaubet oder gar richtet und verrammel, prüfet, ob die Beschuldigungen auch lls^'.vder ob sie nicht von solchen ausgesprochen, ^etz und Ordnung mit Füßen treten möchten e che den alten Zustand nur zu gerne im Ge- Seid gerecht und zeigt Euch dadurch der Frecheil würdig!
denjenigen Männern, welche stets nach Pflicht und Gewissen handeln, ohne Rücksicht auf eignen Vor theil, gehört mit vollem Rechte auck .
Re-chenau. Er gehört nicht zu ben^ welche rst n"a ch d-m 4. März den Volksfreund Tul pen' "ein, er ist stets und zu allen Zeilen!-' wesen. Offen sprach er sich stets über das aus was für das allgemeine Wohl geschehen müßte, ohne Rücksicht auf das Ansehen der Person; er achtete niemals auf
den Nachtheil, der oft für ihn daraus entsprang, wo es galt, die Wahrheit mit Nachdruck zu sprechen, nicht der Kränkungen, die ihm darum widerfuhren.
Reichenau ist ein Mann von unerschütterlicher Rechtlichkeit und Jeden, der ihn kennt, muß es tief schmer- zen, ja empören, daß eine Beschuldigung, wie die in Nr. 94 der „Freien Zeitung" gegen ihn aufgebracht worden ist. Nach seinem Wunsch und Willen wäre schon früher Vieles an den Gesetzen für das Militär verbessert worden; aber noch sind keine neue Gesetze da; soll nun nicht Anarchie die Oberhand gewinnen und somit den Uebelwollenden in die Hände gearbeitet werden, so muß das alte Gesetz vorerst in Kraft bleiben, bis eS durch das neue, bessere ersetzt ist.
In diesem Sinne erwiderte er auch die Aussorderung der Offiziere, weit entfernt, denselben ihr Petitionsrecht verkürzen zu wollen. Nehmen wir aber selbst an, er sei in dieser Sache etwas zu weit gegangen, so wollen wir deßhalb seine Verdienste nicht verkennen, seine Würde für's Vaterland nicht vergessen und finden es unverzeihlich, ihn auf eine solche Art hinzustellen, wie dieses geschehen. Irren kann einmal der Beste, aber darum ist er nicht weniger ein volksfreundlicher Biedermann. Aus Neichenau'ö Leben geht hervor, daß er des Volkes Wohl stets vor Augen hatte; er war es, welcher schon längst gewollt, daß jedem braven Soldaten der Zutritt in die Militärschule gestattet würde, damit er sich die Kenntnisse erwerben könnte, die ihn dereinst zum Offizier befähigten. Eine humane Behandlung verlangte er stets von Seiten der Vorgesetzten gegen die Untergebenen und er selbst, ohne die gesetzliche Ordnung außer Acht zu lassen, ließ sie Jedem widerfahren.
Ich erachte eS daher für Pflicht, ernstlich zu warnen, nicht ohne Weiteres Beschuldigungen zu glauben, die oft aus sehr unlauteren Quellen geflossen, nicht ohne Weiteres Männer zu entfernen, die durch ihr redliches Wirken grade in jetziger Zeit mehr wie je Noth thun. Männer, welche mit Freude und Stolz auf den 4. März zurückblicken, welche dem Höchsten danken, daß sie diesen Tag erlebten; solche Männer werden nie über sich selbst das große Beste vergessen und kein Opfer scheuen für dasselbe stets zu wirken; darum, Freunde der guten Sache, vertraut ihnen! Während der Fremde im Lande stets Fremder bleibt, hängt der Eingeborne mit warmer Liebe an dem Lande, das ihn geboren und widmet ihm mit Freuden seine letzten Kräfte, seinen letzten Blutstropfen. (416)
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Drues und -Ler.ag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Redarteur: Star! Braun. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.