der ersten Einrichtung aus eigenem Beutel bestritten. Dies zur Steuer der Wahrheit.
Oesterreich. Wien, 8. Juni. (Der Krieg. Ca- marilla. Graf Stadion.) Briefe aus Tirol vom 30 Mai bringen die traurige Nachricht von der Uebergabe der Festung Peschicra an die Piemontesen. Der tapfere I. M. L. Nath, welcher die Vertheidigung so ehrenvoll geleitet, ist bereits mit zwei Stabs- und meh- rern Artillerieoffizieren in Innsbruck eingetroffen. Vom Feldmarschall hört man, daß er, leider noch zu schwach gegen die feindliche Uebermacht, sich vor Goito befinde. Dieß scheint auch durch einen vom Kriegsministerium der Wiener Zeitung von gestern Abend übergebenen Bericht bestätigt zu werden. Reisende aus Triest melden, daß in Venedig große Bedrängniß herrsche, indem nur noch die Passage über Chioggia frei sei. Abtheilungen des Weldenschen Armeekorps sind schon bis in die Nähe von Mestre vorgerückt. — Privatbriefe aus Innsbruck melden, daß seit der Ankunft des Ministers Wessenberg die reaktionäre Camarilla gänzlich gelähmt sei und auch der Einwirkung des volksfreundlichen Erzherzogs Johann kein Hinderniß mehr entgegen stehe. Auch wird gemeldet, daß der Kaiser noch vor Eröffnung des Reichtstags zurückzukehren gedenke. — Graf Stadion reist Morgen nach Innsbruck ab. Er soll sich entschieden für den Fortbestand des Ministeriums Pillersdorf ausgesprochen haben und den Grundsatz anerkennen, daß es nur dem Reichstag anheimzustellen sei, ob ein neues aus seinem Schooße hervorgehendes Ministerium gebildet, oder das gegenwärtige durch Männer des allgemeinen Vertrauens ergänzt werden soll.
(Oester. Ztg.)
Triest, 7. Juni. (Schlüffe gegen die feindliche Flotte. ] Aus dem Postskriptum des heutigen Journals des österreichischen Lloyd ersehen Sie, daß wir in der letzten Nacht zwar kein Bombardement — denn die feindlichen Schiffe erwiederten die Schüsse nicht — aber wohl eine Kanonade hatten. Ungefähr 50 Kugeln wurden den Schiffen entgegengesendet, welche sich in den Hafen ziehen wollten. Nachträglich hören wir, daß eines der feindlichen Dampfboote sehr übel zugerichtet ist, ein zweites und eine Fregatte mehr oder weniger gelitten haben. Ein päpstliches Küstenfahrzeug, welches in der Nacht auslaufen wollte, wurde ebenfalls beschossen und sein Takelwerk von feindlichen Kugeln weggerissen. (Allg. ZI
Preußen. Berlin, 10.Juni (Ruhe.) Die Bewegung, welche der gestrige Beschluß der constituirenden Nationalversammlung hervorgerufen hat, ist bis jetzt ohne sonderliche Folgen verlaufen, wenn man nicht die etwas seltsame Serenade vor dem Hotel des französischen Gesandten mit ihr in Verbindung bringen will.
(D. Ä. Z.)
Berlin, 9. Mai. (Adresse an die Nationalver- sammlungI Die Bürgerwehr hat, dem Vernehmen nach, die Absicht, der Nationalversammlung hierselbst eine Erklärung (mit ganz freier Unterzeichnung) einzusen- den, des Inhalts, daß sie die Vorfälle am 9. vor dem Sitzungsgebgude tief bedauere und Alles, was in ihren Kräften stehe, thun werde, um die Unverletzlichkeit der Deyutirten zu bewahren. (V. Z.)
Berlin, 9. Mai. (Vorfälle vor dem Sitzungs- gebäudcI Als der Minister v. Arnim heute aus der Versammlung kam, wurde er von einer aufgeregten Volksmenge, unter der sich das Resultat der Abstimmung mit Blitzesschnelle verbreitet hatte, umringt. Er soll die Umstehenden, die von ihm Rechenschaft verlangten, gefragt haben, warum sie nicht nach Hause gingen und arbeiteten, weil heute kein Sonntag sei. Die Menge drängte nach der Universität, wohin ihn Studenten, die ihn sogleich schützend zu umgeben versuchten, zogen. Die Thore der Universität wurden sofort geschlossen, die Menge abgesperrt und nur Studenten zugelaffen. In der Aula knüpfte Hr. v. Arnim an seinen Dank die Bemerkung, daß er früher Burschenschafter gewesen
„Gott grüß Euch, Vater EraâmuS," sagte er eilig zu dem Wirthe, der mit seinem großen Hunde auf der Gasse stand und mit dem Schmiede und einem Fuhrmann« plauderte, welcher Fuhrmann eine Art Wochenbote war, und alle Sonnabend bei dem Wirthe zur grünen Fichte anzukommen pflegte, wo er Alleü abgab, was immer für die Fichtauer auS dem Flachlande eingelau- fen fein mochte. Sein Schecke stand im Stalle, fein Wagen im Schoppen und er saß in der Abendsonne auf der langen Gassenbank deü Wirthshauses, seine GebirgS- pftife rauchend und Neuigkeiten aus dem Lande draußey auskramend. — „Gott grüß Ench, Vater Eraâmuö," sagte also der angekommene Wanderer, „ich werde nur schleunig die Sachen in mein Zimmer hinauftragen und sogleich wieder herabkommen, und Euch eine Menge auS- fragen. Ich habe heute die wundervollsten Ruinen ent« deckt und sie sogar gezeichnet." Und somit ging er die Treppe hinan.
„Nun das geht dem noch ab, daß er das verrückte Schloß gefunden hat," sagte der Wirth zn den zwei andern, aber der hinauflaufende Mann hatte diese Worte mit seinem scharfen Gehöre vernommen, und wurde dadurch nur noch mehr gespannt. Nach abgelegtem Gepäcke und mit einem gehörigen Hauârocke angethan, kam er in dem Augenblicke wieder herunter, ein Papier in der Hand tragend, auf dem ein weitläufiges auf Felsen herumgruppirteS Mauerwerk mit Bleistift sauber skiz- zirt war,
„Daâ ist doch ein höchst merkwürdiges Gebäude/ sagte er, „ich bin vollständige vier Stunden selbst mit
und deßhalb eine Art von Anrecht auf den Schutz der Studenten habe. Von den Deputirten waren in die Aula nachgeeilt Jung, Brill. Schulz aus Wanzleben. Jung, eben so wie Schulz, baten die Versammlung dringend, die Person des Ministers zu schützen, die sichere Rückkehr nach Hause möglich zu machen und durch Gewaltthaten gegen eine einzelne Person nicht die Sache der Freiheit und der ganzen Partei zu gefährden, weil es ohnehin nicht an gehässigen Angriffen aus den verschiedenen Provinzen fehlen dürfte, die von Neuem auf Verlegung der Nationalversammlung dringen würden. Salis wollte genau konstatirt wissen, ob Herr v. Arnim wirklich verletzt und thätlich insultirt worden sei. Er wurde sicher in seinen Wagen, der unterdeß angelangt war, befördert. Beim Abschiede sprach Hr. v. Arnim noch den Wunsch aus, diejenigen, die ihn geschützt hatten, auch persönlich kennen zu lernen, und lud die Versammlung ein, ihn in den weiten Sälen des Ministeriums zu besuchen, eine Einladung, die mit tiefem Stillschweigen^angehört wurde. Bald darauf hatte Sydow dasselbe Schicksal. Auch er soll indeß durch die Universität sicher nach Hause geleitet worden sein.
— Die Spannung, mit welcher die Abstimmung in der Nationalversammlung über den Behrend'schen Antrag erwartet wurde, hatte schon während der Sitzung große Volksmaffen in der Nähe des Gebäudes versammelt, in denen sich eine vielfache Aufregung zeigte. Es traten Redner in verschiedenen Gruppen auf, welche theils beruhigende, theils aber auch aufregende Ansprachen hielten. Schon stellte sich die Absicht heraus, daß ein Theil der Masse in den Sitzungssaal eindringeu wollte. Einer der Redner drang jedoch mit seiner Meinung so weit durch, daß man beschloß, nur eine Deputation, gebildet aus vier Personen, wobei ein Arbeiter, in die Versammlung zu senden. Die ausgestellte Bürgerwache erklärte jedoch, Niemanden den Eingang gestatten zu dürfen. Die unruhig werdende Masse wurde abermals beschwichtigt und man beschloß nunmehr eineu Bürgcrwehrmann mit der Anfrage bei dem Präsidenten der Nationalversammlung zu beauftragen, ob er eine Deputation empfangen könne? Die Antwort kam zurück, daß der Präsident im Sitzungssaal Niemand empfangen, jedoch in den Vorraum hinauskommen wolle. Dorthin begab sich nun die Deputation. Inzwischen war das Resultat der Abstimmung bekannt geworden und versetzte die Massen außerhalb in erneuerte Aufregung. (V. 3 )
Aus Schlesien, 6. Juni. (Die Rekrutirung und Rüstungen.) Daß sich Preußen, wie sehr es auch von der radikalen Partei in West- und Süddeutschland verkannt und geschmäht wird, dennoch auf alle Eventualitäten vorbereitet, welche dem gemeinsamen Baterlande von Osten her drohen könnten, das sehen wir hier deutlich durch Thatsachen bewiesen. In diesen Tagen ist die Aushebung der Rekruten erfolgt. Sonst geschah dieselbe im August, weil die ausgehobenen Mannschaften vom Oktober an militärisch ausgebildet wurden. Dieses Jahr ist dieß schon jetzt geschehen und in zwei Monaten kann diese ganze Mannschaft bereits disponibel sein. Auch werden dießmal mehr Rekruten aus- gehoben als früher und die zum Train nöthigen erhalten auch ihre Anweisung. Zugleich gehen drei mobil gemachte Batterien nach dem Posenschen ab. Daß diese nicht die Bestimmung haben, die dortigen Insurgenten zu besiegen, ist klar, da die Insurrektion längst unterdrückt ist. Wenn man dagegen durch sie die dortigen Gränzen besetzt, wenn die Festung Posen in Vertheidigungszustand gesetzt wird, wenn eine starke Nc- krutirung die Reihen unserer Linienregimenter vermehrt, so liegt es auf der Hand, daß man es von Seiten Preußens für nöthig findet, eine achtunggebietende Stellung den an unsern östlichen Gränzen immer mehr sich anhäufenden russischen Streitkräften gegenüber einzu- nehmen. (D. A. Z.)
Anlegung meiner Steigeisen rings um dasselbe herum- geklcttert, und habe durchaus keinen Eingang entdecken können."
„Ei so," sagte der Wirth und sah die andern zwei pfiffig an.
„Was denn, ei so, die Sache ist haarscharf, wie ich sage und ich sehe nicht, waâ für ein „ei so" Ihr dazu habt."
„Ich meine nur," antwortete der Wirth, „daß daS jeder Mensch in der Fichtau weiß, und daß eS wunderbar ist, daß Ihr allein es nicht wisset."
„Wisset, — ich sehe nicht ein, woher ich eS wissen sollte, ich sage Euch ja, ich habe heute daS Styloß gerate erst so frisch erfunden, als hätte ich vor dritthalb- hundert Jahren Amerika entdeckt. In Eurem Lande unterstützt man Forschungen so wenig, daß sie den schönsten Marmor unbeachtet liegen lassen, oder höchstens Schweintröge daraus machen. Ihr selbst habt Eure Mistjauche hinten mit Stücken deâ feinsten KorneS ein- gedämmt."
„Hab' ich daâ? ei, ei, Oheim, wenn ihr weiter forschen werdet, so werdet ihr auch Thürstöcke undWa,- serkufe» davor finden, und wenn Ihr dort überhaupt forschen dürftet, so fändet Ihr in Annenâ Schlafkanuncr die feinsten Fenstersimse davon gemeißelt, und ein Waichtisch und Weihbrunnenkeffel und ich weiß nicht, waS noch, und in der Penitz liegen noch unzählige Stücke und Blöcke, auf die Niemand achtet, als die Forellen, die drunter aus- und einschliefen."
„Hab' Alles schon gesehen und beobachtet!" entgeg
Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten.
Rendsburg, 9. Juni. (R. T ) Bon Sundewitt erfahren wir, daß täglich Ueberläuser von den Dänen bet den Unsrigen ankommen, es sind geborne Schleswiger, welche versichern, daß man alle mögliche» Vorsichtsmaßregeln ergriffen, um ihr Entkommen zu verhindern. Dat Gleiche versicherte uns einer von den hier angekommenen Gefangenen, Unterofficier bei den Jägern, ein ge- borner Itzehoer. Unter Andern hat man die Schleswig- HolsteinerIdurch die ganze Armee so verthat, daß nur 14 Mann in einer Compagnie beisammen sind. — Rach der Aussage jener Flüchtlinge stehen auf Assen 16 Bataillone mit einer Stärke von 800 bis 1000 Mann.
Bei dem Gefecht am 5. d. M. verlor die reitende preuß. Artillerie 3 Mann und 11 Pferde; von der Feldartillerie waren nur die Haupitzen im Feuer. DaS Gefecht vor den Höhen von Düppel bewegte sich in einem fehr beschränkten Terrain; die Dänen entsandten einige Zeit Colonnen aus ihrer festen Position, später qher hielten sie sich auf der Höhe, gedeckt durch daâ Geschütz ihrer Schiffe und sandten nur Tirailleure vor. Nach 6 Uhr kam noch die Meldung, daß Artillerie und Jäger, welche von den Höhen abgedrängt waren, sich nach Alse» einschifften; ihnen nachgesandte Husaren und Jäger ka- men jedoch zu spät und erbeuteten nur acht vortreffliche Pferde. Die preußische Jntanterie hat sich vortrefflich geschlagen, namentlich daâ 12. Regiment.
Hamburg, 10. Juni. Gestern war an der hiesigen Börse daS Gerücht verbreitet, die britische Regie- rung würde zu Gunsten Schleswigs nicht nur durch Frie- denSvermittelnng interveniren, sondern auch Schiffe zum Schutze der deutschen Küsten senden, wenn Dänemark noch länger den Krieg fortsetzen sollte. Höchst wahrschein, lich bezieht sich tiefe Intervention aber nur auf den Fall, daß die vorgeschlagenen Friedenöbedingungeu nicht angenommen würden vom dänischen Staate, und im Norden Schleswigs gährt eâ so gewaltig gegen Dänemark, daß gar nicht abzusehen ist, wie lange der Krieg noch dauer» und welche Folgen er noch herbeisühren wird. Man weiß immer noch nicht genau, weßhalb die deutschen Truppen zurückgezogen worden sind und eS ist aller Grund vorhanden, einer Mittheilung Glauben zu schenken, die mir in dieser Hinsicht von meistens gut unterrichteter Seite gemacht wurde. Man sagt nämlich der König von Preußen wäre unwillig gewesen, weil die übrigen Mächte, welche zum 10. ArmeecorpS Truppen stellèn, seiner Aufforderung, mehr Mannschaft nach Schleswig zu schicken, nicht nachkommen wollten und habe sich deßhalb ganz und gar aus diesem Kampfe zurückziehen wollen, und nur den Vorstellungen der Minister wäre eS zu danken, daß General Wrangel, schon auf dem Rückwege begriffen, Gegenbefehl erhielt und die Befugniß den Kampf forszusetzen. Die russische Intervention zu Gunsten Dänemarks, wird durchaus in Abrede gestellt.
(Fr. O.-P.-A.-Z.)
Zustand.
Republik Frankreich.
Paris, 10. Juni. Aym ViMräßhenten der Nationalversammlung, an die Stelle BethmontS, wurde heute George Lafayette erwählt, mit 304 Stimmen unter 546 Votanten. Um 2% Uhr tritt Hr. Thiers in den Saal; auch Victor Hugo bemerkt man, welcher sich auf der dritten Bank der äußersten Rechten nie- verläßt. Caussidiere setzt sich auf die letzte Bank der äußersten Linken neben Louis Blane - »ns -4»è-*on seinen Freunden mit Händedrücken empfangen. Thiers ist nicht nur in Paris, sondern auch in Rouen mit ungeheurer Majorität in die National-Versammlung gewählt worden, trotz der größten Anstrengungen, welche von den Republikanern de la veille gemacht worden, um seine Wahl zu hintertreiben.
Paris, 11. Juni. Die gestrige Sitzung der Nationalversammlung beschäftigte sich fast ausschließlich mit Berichterstattungen über Petitionen, erhnlt aber
nete der Wanderer, „außer dem Waschtische und dem Weihbrunnenkeffel, die Fenstersimse sah ich von außen
— aber da habt Ihr wohl Thürpfosten, daâ ist gut, allein eines Euerer Herdecken ist auch von rothem Marmor, während das andere von Ziegeln ist; — aber das ist Nebensache — Ihr sagt da von Forellen — haben wir morgen welche? Ihr habt sie unS auf Sonntag versprochen."
(Fortsetzung folgt.)
Heinrich v. Gagern.
Dem Ansehen nach scheint er ein angehender Fünf- ziger. Sein Wuchs ist hoch und kräftig, seine Haltung ist edel und imposant. Eine hohe Stirne, etwas schroff vortretend; die Haare ziemlich kurz, ein klein wenig struppig, eine Mischung von schwarz und grau; die duu- kein Augenbraunen, eng zusammentretend, buschig aber edel gezogen, geben der ganzen Physiognomie den vorherrschenden Ausdruck tiefen Ernstes. Das dunkle Auge ist unbeschreiblich schön, der Blick melancholisch umwölkt, so lange kein äußerer Gegenstand ihn besonders auzieht — wird scharf nnd durchdringend, wenn die Aufmerksamkeit angeregt ist, und wirft Gluthen und Flammen bei gesteigertem Affecte. Der Mund ist von ächt napoleonischem Schnitte...... Selbst der gröste Theil d^r äußersten Linken hatte dem außerordentlichen Talent des Mannes huldigend die Stimme gegeben, wie schon ine Fassung einiger Wahlzettel beurkundete: Bürger Gagern aus Darmstadt.