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Staatseigenthum, — die Leute kamen angerücki mit ihren Beuteln, wollten gleich in Wiesbaden ihren Antheil in Empfang nehmen, weigern noch eben die Zahlung des Pachtgeldes, demoliren die Waldungen und bauen aus dem gestohlenen Holze Häuser auf Domai- nialländereieu. Man sprach von Wegschaffung der Zehnten — und jetzt sagen die Pflichtigen, es gäbe keine Zehnten mehr, und die, welche denselben abgelöst, verlangen Rückbczahlung der Annuitäten (dazu kamen denn noch in neuerer Zeit von Juristen gehaltene Versammlungen in Limburg, die eben nicht, wie cs scheint, zu einer Belehrung- viel beitrugen.) Man sprach von wohlfeilem Staatshaushalt; da kommen die Leute und verweigern die Zahlung der Steuern. Will aber eine Behörde auftreten und ihre crecutive Gewalt (?) geltend machen, so lachen die Schultheißen entweder die Behörde aus und verharren mit ihrer Gemeinde in der Anarchie; oder sie suchen die Befehle zu vollziehen und werden dann abgesetzt und durchgeprügelt. Das sieht sich aus einiger Ferne gär nicht so böse an, allein wer über die Sache ein Urtheil haben will, muß sie täglich sehen und hören. Alle Staatsgewalt hat aufgehört etwas zu gelten. Der Pöbel jagt die öffentlichen Diener hinweg, die ihm aus Dren st treue und In- teresse am allgemeinen Wohl den anarchischen Weg zu verstellen suchen; der Pöbel legt Feuer an ihre Wohnungen und versperrt Thüren und Fenster, um sie und die Ihrigen einem sichern Tod zu weihen.
Und bei allem diesem entblödet man sich nicht, gegen die, welche gegen eine solche Gewaltherrschaft anzukämpfen suchen, über Reaction Zeter und Mordio zu schreien.
Der Gewerbstand hat natürlich bei dieser Anarchie am Meisten gelitten; — das Zutrauen ist gewichen. Wer mag . noch Geld ausgeben, so lange man nicht im Stande ist, sein Eigenthum vor den Händen der Bösewichte zu wahren, die mit blinder Zerstörungswuth darüber hcrfallcn können? Unsere Slandckammer, die eben mit frischen KräftöN, von dem Zutrauen des Volkes berufen, Zusammentritt, anstatt auf Mittel zu sinnen, solche Mißstände zu heben, kämpft Tage lang über einige Worte, die doch bei Gott in dieser schweren Zeit mehr als je Formalität waren, und während sie da ist, über die größtmögliche Ersparung im Staatshaushalt zu wachen, laßt sie die gleichgültige Erwiederung auf die Thronrede dem Lande über tausend Gulden kosten. Während dessen veranlassen Gewerb- treibende Versammlungen in Limburg, wozu sie die Leute aus dem ganzen Herzogthum zusammenrufen, die nach beendigter Sitzung nach Haus zurückkehren, voll Aerger über die getäuschten Erwartungen und das Geschwätze, das sie anhören mußten, sowie die unhaltbaren Projekte, die nun aber freilich weder von Gewerbetreibenden noch von National - Oekonomeu herrührten.
Durch dieses Alles aber wird dem allgemeinen Uebel nicht abgeholfen, vielmehr scheinen wir Tag zu Tag einer größeren Anarchie entgegen zu gehen. Noch ist der Haufe, der die Gewalt auf den Thron setzen möchte, nur klein, und der Bürger, der etwas zu verlieren hat, ist dem Treiben feind. Täglich kann man hören, wie Handwerker, "besonders aber begüterte Bauern , in wahrhaft herzzerreißendem Jammer über die traurigen Verhältnisse aasbrcchcn, und versichern, vier- Simpel Steuer mehr bezahlen zu wollen, wenn es wieder wäre, wie vor dem 4. März.
So sicht es in unserem lieben Nassau aus; treu und wahr ist meine Schilderung; — man widerlege sie!--
Gewiß ist, daß man große Errungenschaften nicht auf dem Beschcerlischchcn findet, daß sie Opfer kosten, und daß Revolutionen nicht an dem Kaminplätzchen gemacht werden. Aber cs ist wirklich Zeit, die Krisis zu überwinden , alle Kräfte aufzubieten , um die Ordnung wieder herzustellen und es zur öffentlichen Anerkennung zu bringen, daß man erst einmal die durch die Revolution erworbenen Institutionen einführen und ausbilden muß, statt sich ohne Aufhörcn in Revolutionen zu überstürzen und sich am Ende, wenn nicht todt, doch bankerott zu revolutioniren.
15, Sitzung der constituirenden National- Versammlung.
Freitag, den 9. Juni Vormittags 9 Uhr.
(Schluß.) ,
Ein anderer Hamburger, Rèesset, brachte im Auftrage, wie er erklärte, einiger Gleichgesinnten, .einen Aenderungsantrag, welcher eine Vermittelung zwischen den Aenderungen des berichterstattenden Ausschusses und dem Amendement Jordans einleiten sollte. Dr. Giskra unterstützte diese» Vermittclungsantrag, der darauf hinausgeht, daß man, nachdem der Rückzug der deutschen Truppen aus Jütland nach Schleswig eine geschichtlich abgeschlossene Thatsache sei, von der Bundesversammlung Aufklärung über die daraus bezüglichen Vorgänge verlangen dürfe, auch kräftige und energische Maßregeln fordern müsse, um den deutschen Waffen in Schleswig Nachdruck zu verschaffen und die Dänen aus DeutZch- land berauozuwerfeu; endlich daß der eventuelle Fric- deusschluß der Nationalversammlung unterworfen werden müsse. — Wie Professor Wurm hielt hierauf Professor Fr. v. Raumer aus Berlin eine staatsrechtliche Vorlesung über die Angelegenheit, wobei er die Hergänge erzählte, um darzuthur, daß die preußische Negierung alles Mögliche gethan, um die Sache zu einem rühmlichen Ausgang zu bringen. Aus den Eröffnun
gen, die Hr. v. Raumer jum Besten gab, indem er die „preußische" Politik in Allem zu rechtfertigen suchte, hätte man meinen sollen, der Redner sei im Besitze dessen, was das Berliner Kabinct bezüglich Rußlands im Schilde führe.
Dr. Alex. Zimmermann aus Schandow wollte, daß die Nationalversammlung den Berichierstatterausschuß ermächtige, die nöthige Auskunft über die Ursachen der letzten Vorgänge von den Negierungen einzuziehen. Der Nordschleswiger Michelsen bemühte sich, gegen den Aus- schußbericht darzuthun, daß die Unzertrennlichkeit ganz Schleswigs, sowohl durch die Urkunden und Verträge, als durch den unzweifelhaften Willen der Bevölkerung, bestätigt werde. Der Redner hob dabei dabei hervor, daß die Nationalität und Sprachgleichheit durchaus nicht ein und dasselbe sei. Nachdem »och einige Redner für das Rieffer'sche Amendement gesprochen, erhielt der Abgeordnete Stavcnhagen das Wort, um gegen den Ausschußantrag zu sprechen, jedoch keineswegs im Sinne der frühern Redner, welche Vcrbcsserungsanträge gestellt. Seine Argumentation schien darauf hiiiauszu- gehen, daß es nicht in der Befugnis) der Nationalver- samn.lung liege, sich in dergleichen strategische Dinge zu mischen. Der Redner beantragte in Uebereinstimmung mit seinen dargelegten Ansichten, die Nationalversammlung zolle nach den von der Bundeoversamnilung in dieser Angelegenheit geschehenen Schritten und Auf- Schlüssen zur Tagesordnung übergebe». Die Rechte und das Zentrum riefen ungestüm nach Schluß der Debatte, während die Linke entschieden auf Fortsetzung drang, eine Ansicht, die auch der Präsident aufrecht erhielt, indem er noch einer Reihe von Rednern das Wort gab.
Besonders kräftig sprach Vogt aus Gießen für den Jordan'schen Antrag. Er bemerkte, nicht auf vergilbte» 'Pergamenten und Urkunden beruhe das Recht Deutschlands auf Schleswig, sondern auf dein Beschluß des Vorparlaments, welches sich dieses Recht genommen. Bei seinem Angriff auf das Verfahren der preußischen Regierung in dieser Angelegenheit müsse er wohl untere scheiden zwischen der preußischen Regierung und dem preußischen Volke. Die strategischen für den Rückzug geltend gemachten Gründe verglich er den technischen Bedenken, die von den Regierungen auch, gewöhnlich aufgeführt werden, weil sie, wie der Wille Gottes, über die Vernunft gingen. Nachdem er sich in eine scharfe Kritik der Friedesbedingungen eingelassen, kam er auf die Raumer'schcn Aufschlüsse und fragte, wcßhalb man, wenn man vor einem Krieg mit Rußland wegen der Kriegsgeübtheit des russischen Heeres Bedenken trage — warum man denn am Rhein Truppemnassen über Truppenmassen aufhäufe, die nur gegen ein Volk gerichtet sein könnten, das uns die Bruderhand reiche. Er schloß mit der Aufforderung, kräftig und durchgreifend zu handeln, die Aushebung des Sundzolls, die Einverleibung ganz Schleswigs zu fordern und bei Geltendmachung dieser Forderung den Krieg nicht zu scheuen, komme er von Dänemark, England oder Rußland.
Professor Waitz, ein 6 der Mitglieder des berichterstattenden Ausschusses, ging bei seiner Vertheidigung der englischen Politik gegen Deutschland so weit, daß er meinte, auch mit keinem Wort dürfe derselbe in der Nationalversammlung zu nahe getreten werden, England sei der wahre Verbündete Deutschlands. In gleicher Weise suchte er die preußische Regierung in ihrem Verfahren in der schleswigschen Angelegenheit zu glori- ficiren und appellirte, wie bei seiner Partei cs üblich, an das „Vertrauen!" Am Schluß seiner Rede brachte er einen Vcrmittelungsvorschlag, von dem er «neuste, daß alle Parteien damit einverstanden sein könnten, indem darin energische Maßregeln zur Währung der Ehre und des Interesses Deutschland getroffen würden.
Raveaur, der gleichfalls ein Amendement brachte, sprach dabei seine große Genugthung aus, daß er heute aus dem Munde des Bundestagspräsidenten den Grundsatz der Volkssouveränität so unnurwunden habe an- erfemmi hören, und als dieß große Heiterkeit in der Versammlung erregte, fügte er hinzu, es sei ihm diese Freude voller Ernst und sie gleiche der über die Rückkehr des verlornen SohnS.
Nachdem noch Herr Heckscher aus Hamburg den Antrag des Ausschusses in einer Rede vertheidigt, die von Rathschlägen, von Condeöccnz gegen die Mächte, namentlich gegen England, strotzte, kam es zur Abstimmung. ' Der Antrag des Ausschusses ward abgelehnt, was unendlichen Jubel auf der Gallerte hervorrief. Der Waitz'sche Vermittelungsautrag ward angenommen; ein davon getrennter Antrag, daß der abzuschließende Friedensschluß der Genehmigung der Nationalversammlung unterworfen werden müsse, gab, als er von der Rechten und dem Centrum angenommen war und namentliche Abstimmung verlangte, Anlaß zu einer langen Debatte über die Geschäftsordnung, auf welche gestützt die Mehrheit der Minderheit das Recht bestritt ,' die° namentliche Abstimmung noch ein treten zu lassen. Nachdem man endlich doch darein willigte, ward auf Vorschlag des Präsidenten dieselbe bis zum Schluß der Sitzung angenommen.
9 Berichtigung.
Wiesbaden, den II. Juni 1848.
Unter den Debitoren der Ländeskrevitkasse, welche in der achten Sitzung der Stänkevcrsammlumz unterm 9., d. M. namentlich aufgrfnhrt^ sind, "'chmit auch Herr Jakob Betrau« mit einer Summe von ww TU welche er persönlich entlehnt haben soll. Das t|t m- beisen ein Irrthum, denn dieses Kapital rührt von einem übernommenen Gütcrkomplcr her,- wo mit dem Guts
besitzer jene Hypothek auf den neuen Besitzer überge- gangen ist, wovon wir uns nach vorgelegten Dokumenten überzeugt haben. Das im Jahr 1841 aufgenommene Kapital ist in Anuitäten rückzahlbar, beträgt sitzt noch circa 5100 fl. und es sind dafür Güterstücke im Tarationswerth von 11091 verpfändet.
Tagesgeschichte.
Deutschland.
Oesterreich. Teplitz, 29. Mai. s Versammlung in ZinnwalvJ Gestern wurde zum zweiten Male auf ben böhmisch - sächsischen Gränzmarkcii von deutschen Männern getagt, hoch oben auf bem Gebirgskamin in Zinnwald. Eshatten sich wohl an 1200 deutsche Män- ner aus Böhmen und Sachsen zusammen gefunden. Einstimmig und von ganzem Herzen sprach man sich für cii^ festes Zusainmenhalteii aller verwandten deutschen Stämme unter einander aus.
Wien, 4. Juni. (Gerüchte über den Kaiser. Das Ministerium. Croaliens und Siebenbürgens Anschluß an Ungarn. Deputation nach JnnsbruckZ Die alten Zustände! Aufregung durch die Gerüchte, als zögen die Truppen.von Galizien her, als wollte der Kaiser abbanfen, während andere Gerüchte wissen wollten, für des Kaisers Rückkehr sei bereits Quartier in Linz bestellt, wo er einige Zeit weilen wollte. Die Wahlen für den auf den auf ben 26. Juni nach Wie» berufenen constituirenden Reichstag sind ausgeschrieben. Zudirekie Wahlen dabei. Das Ministerium sucht den Sicherheitsausschuß zu veranlassen, seine Wirksamkeit zu Gunsten dcö Ministeriums niederzulegen. Man zweifelte, daß er jetzt schon zu diesem vernünftigen Entschlusse, ohne den an einen Zusammentritt des Reichstags nicht zu denken wäre, fommen werde. Kroatien bat sich wirklich unterworfen- und der fiebenbürgische Landtag Anschluß an Ungarn beschlossen. Besorgnisse darüber unter den Sachsen. Die ersten Siegesberichte Radetzky's waren in Wien bekannt. Von der nach Innsbruck bestimmten großen Deputation war bereits ein Theil abgegangen. (A. Z.)
Wien, 4. Juni. (Die Sachsen in Siebenbürgen. Der Kaiser. Die Arbeiter. Die Bank.) Aus Siebenbürgen erfährt man, daß die Sachsen sich zu großem Widerstand gegen die am Reichstag ausgesprochene Union mit Ungarn rüsten. — Die in mehrern Blättern angedeutete Thronentsagung des Kaisers wird bezweifelt, vielmehr ist mit Grund anzunehmen, daß derselbe einstweilen seinen Wohnsitz auf einer der schönen Familien- Herrschäften in Oberöstcrrcich nehmen wird, zu welchem Ende in Linz schon Logis bestellt worden sei. In letzterer Stadt waren die flüchtig gewordenen Grafen Mon- tecucculi unb Breuner a»gelangt und ganz ungenirt umhergegangen; allein auf die Anzeige, daß ihnen eine Katzenmusik drohe, hatten sie sich weiter entfernt. — Die neue Deputation nach Innsbruck geht noch heute ab. — Die Wahlen zur Reichsverfammlung, die am 26. d. M. stattfinden soll, sind durch die heutige Wiener Zeitung ansgeschricbcn. — Die Aufregung, welche durch die gestrigen Arbeiterunordnungen hcrvLrgcrufr» wurde, hat sich wieder gelegt. Durch Proclamatiönen wurde ben Arbeitern bedeutet, daß die neu anzuwec- benben Bataillone zur italienischen Armee bestimmt seien und nur Aufforderung, nicht Zwang dabei Platz greife. Eine weitere Aufforderung geht dahin, zur pünktlichen Leistung der Verzehrungssteuer (Accise) zu ermahnen. Endlich werden in Folge der eingetretenen Verunglük- fungen die Schießübungen der Nationalgarde auf die neu einzurichlcnden Schießstätten beschränkt. — Die Bankmission nach England ist total verunglückt. Die neuen der Wassermarke entbehrenden ein - und zwei- Guldenbanknoten unterliegen sehr der Gefahr der Verfälschung und man will sogar schon von nachgeahmten Banknoten dieser Kategorie gehört haben. — Gestern fand eine stark besuchte Nachtmusik vor der Universität statt; die dabei gespielte Marseillaise wurde lebhaft beklatscht und mußte wiederholt werden.
Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten.
F lens bürg, 6. Juni. Schon gleich nach dem Schluß meines gestrigen Schreibens vernahmen wir die Begebenheiten vom Nachmittag und Abend des 5,Juni. Um 11 Uhr Abends kamen schon viele Wägen, die mit Verwundeten beladen waren, zur Stadt herein. Dieser Trauerzug wiederholte sich die ganze Nacht dlirch. Zum Theil wurden die armen Leute, um die Wagen wieder leer zu bekommen, damit sie andere holen konnten, bis man im Hospital Raum gewinnen konnte, auf das Trottoir darnieder gelegt. Eö fehlte aber nicht an mitleidigen Leuten, die ihnen vielseitig Linderung ihrer großen Schmerzen verschaffen suchten. Noch I jctz? halten mehrere Wagen vor den Krankenhäusern. Gestern Nachmittag griff das 20. und 31. preußische Regiment den Feind bei Nübbel mit lautem Hurrahruf an. Bis Düppel trieben die Preußen die Dänen zurück. Hier besetzten sie ihre Verschanzungen auf dem Düppeler Berge sehr stark; der Feind nahm da zugleich eine sehr vortheilhafte Stellung ein. Die Preußen konnten nur von vorne angreifen, weil die Seitenflügel von dem auf dem nahen Wasser liegenden Schiffen beherrscht wurden. — Also — mit einstimmigem Hurrah stürmten unsere deutsche Truppen auf die Schanze los; aber das fürchrerlicheKauoncnfeucr wüthete so, daß es eine Unmöglichkeit war, den Feind her- auszutreiben. Die Preußen zogen sich demnach zurück.