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Beilage zu Nr. 86 der Nassauischen Zeitung.

Wiesbaden. Montag, L2. Jutti L8L8.

wohl aber an Männer, die sie ausführten. Das Resultat der übrigen Wahlen wird bekannt ge­macht, zu Vice-Präsidenten sind gewählt »Horden, die Vertreter Bethmont, Marrast, Cordon, Cormenin, Por« talis und Lacrosse, zu Sekretären, die Vertreter ^Ed­mond Lafayette, Laudrin und Berard. Die Sitzung wird in der größten Aufregung um 7 Uhr aufge­hoben.- ___________

Das Resultat der gestrigen Sitzung ist in allen seinen Theilen, von der ersten Interpellation an, bis auf die Wahlen des Bureaus eine entschiedene Nieder­lage für die Regierung. Man kündigte gestern Abend bereits die Demission des Iustizministers Cremieur an wahrscheinlich wird das ganze Ministerium bald nachfolgen und auch die Erèkutiv-Commissioit nicht mlhr lange regieren. Die Versammlung hätte gestern schon die Regierung stürzen können, jede motivirte Tages­ordnung wäre durchgegangen, sie hat ihr noch eine Gnadenfrist gelassen, blos um selbst Zeit zu gewinnen und eine neue Regierung vorzubereiten. Wir treten somit in die dritte Phase der Revolution, wir haben Den ersten Abschnitt der enthusiastischen Republik am 15. April geschlossen, wir haben jetzt die gemäßigte Republik, wir nähern uns der Herrschaft des alten Liberalismus von 1830 mit allen seinen Kunststückchen und Winkelzügen. Welche Gegenwirkung diese allmâ- âLuânvanvlungen haben werden, läßt sich noch nicht absehen, allein es ist möglich, daß die Bourgeoisie, die noch nicht auf den Höhepunkt ihrer größten Macht­entwickelung angekommen ist, sich am Ruder behauptet und wir eine nord-amerikanische Republik mit etwas veränderten Formen bekommen. Die Rückkehr zur Mo­narchie würde die Stellung der Bourgeoisie mehr ge­fährden als eine bürgerliche Republik, eine République sage, honnète et moderée, wie die Journale der Er« Linken sagen und so dürften selbst die Sieger für den Augenblick die Idee einer monarchischen Reaction auf* geben. Was den wahren Freund der wahren Freiheit tröstet, ist der Umstand, daß die Persönlichkeiten immer mehr in den Hintergrund treten, während die Princi­pien den ersten Platz einnehmen.

Es ist erstaunlich, wie rasch sich jetzt die Menschen abnutzen; es bedurfte achtzehn Jahre Zeit, um ThierS Mole und Guizot abzunützen; jetzt sind Lamartine, Ledru-Rollin, Arago und ein Dutzend andere Notabi­litäten in drei Monaten fertig geworden und daS Reich des Hrn. Thiers wird wohl auch nicht länger dauern. Endlich wird dann das Feld für neue Menschen und für neue Ideen leer werden. Die neue Idee erwarten wir nicht von Frankreich, wir erwarten sie mit ganz Europa, von dem stets gedankenreichen in politi­scher und sozialer Hinsicht noch jungfräulichem Deutschland und an neuen Menschen, um sie hter durchzuführen, wird es nach der purgirenden Operation, die wir jetzt durchmachen, wohl auch nicht fehlen.

Der Moniteur zeigt bloß in zwei Zeilen an, daß der Justizminister Cremieur seine Entlassung einge­schickt habe.

Die Regimenter in der Umgegend haben vorgestern den Befehl erhalten, sich in Eilmärschen snach ParrS zu begeben.

Der Jndicateur von Brest zeigt an, daß mehrere

Justizminister die Sache erzähle. Er. überläßt sich nun den heftigsten Angriffen gegen die Regierung unter dem immer steigenden Tumulte und zieht besonders gegen den armen Cremieur zu Felde, der ganz vernichtet da sitzt.

Der Minister Flocon will die Frage auf ihre wahre Grundlage zurückführen. Er sei nicht in der Erekutiv- Commission, es" sei gar nichts (unauslöschliche Heiter­keit), die Sache sei Sache des. Iustizministers gewesen, die anderen Minister seien nicht befragt worden. In der Sitzung selbst haben sie vor Allem als Repräsen­tanten gehandelt und gestimmt. Es habe sich um die Rechte, um die Unverletzlichkeit der National - Reprä­sentation gehandelt und nicht um ein gerichtliches Ur­theil als Geschworne. Im Namen der Erekutiv-Com-. Mission protestirt er gegen jede politische Auffassung der Frage. Herr Jules Favre habe als Regicrungs-' Mitglied nicht nöthig gehabt, das Amt eines Bericht- Erstalters anzunehmen, habe er es doch gethan und dann solche Conclusionen aufgestellt, so habe es den andern Regierungsmitgliedern frei gestanden, dagegen zu votiren. Er (Flocon) behalte sich auch als Mini­ster seine Unabhängigkeit vor. Nach einem scharfen Seitenhiebe auf A. Marrast, der zuerst ausgesprengt hatte, Louis Blanc sei auf dem Stadthause gewesen, und der es dann öffentlich wiederrufen habe, kam er nochmals darauf zurück, daß die Frage für die Regie­rung keine politische gewesen sei.

Ein Mitglied der Linken erklärt drrf^gcmse'^Dc^ batte als eine bcjammernswerthe Erscheinung. Die Kammer habe am Samstag ein Votum nach ihrer Ue­berzeugung gegeben und jetzt wolle man auf dieses Votum zurückkommen und es ändern. Pagnerre, General -Secretär der Erekutivs- Commission bestätigt die Genauigkeit des Verbalprozesses der Regierungs- Sitzung. Man schlägt die motivirte Tagesordnung vor. Die National-Versammlung geht nach Anhörung der Erklärungen der Herren Portalis und Laudrin zur Tagesordnung über. Heftiger Tumult. Mehrere Redner eilen ans die Tribüne, keiner kann zu Worte kommen, endlich erscheint Garnier-Pages, Mitglied der Regierung. (Tiefe Stille.) Er bedauert es, in die­ser traurigen Debatte das Wort nehmen zu müssen, aber er thue es nur, um den einzigen Gedanken, den die Erekutiv- Commission hatte, zu erklären. Wo es sich um die National-Souveränität, um die Unverletz­lichkeit eines Vertreters gehandelt, habe die Erekutiv- Commission nicht für und nicht gegen handeln wollen, sie habe sich enthalten. (Sehr gut!) Durch eine sehr bedeutende Majorität wird zur einfachen Tagesordnung übergegangen und die motivirte somit verworfen. Das Resultat des Scrutins der Präsidenten-Wahl wird be- l annt geinacht, Hr. Senard hat unter 698 Stimmen 83 erhalten, 115 Stimmen haben sich auf ver- ; chiedene Namen zersplittert. Die Versammlung ieht sich in ihre Bureaux zurück, um zur Wahl des ^Vice-Präsidenten und der Secretäre zu schreiten.

Um 6 Uhr gkehrt die Versammlung aus den Bn- 7 eaur zur öffentlichen Sitzung zurück. Der Minister i cs Innern legt das Gesetz über die Zusamflienrottun- , zen vor, das einen sehr entschiedenen Charakter hat rnd strenge Strafen aufstellt. General Baraguay »'Hilliers bewerft daß es nicht an Gesetzen mangle,