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Ordre ziehen wir heute (am 30.) nach BokkerSteben (eine Meile südwärts von Apenrade) auf Vorposten. Gestern war Apenrade von Truppen ganz entblößt; dieselben hatten sich jedoch in der Nähe der benachbarten Holzungen coucentrirt, da die nach Flensburg führende Chauffe von einem im Hafen liegenden Krieg sich: ff be­herrscht wurde. Doch wurde die Anstcht ausgesprochen, daß wir einen Feind zu Lande schwerlich mehr zu sehen bekommen würden." (A- M.)

Altona, den 2. Juni. Dem Vernehmen nach ist Hadersleben noch nicht von den Dänen besetzt, obgleich sich ein Trupp Dragoner daselbst am 29. Mai gezeigt haben soll. Die Dänen standen nach den letzten Ver­richten noch in Christiansfelde. Indessen währt die Flucht der Deutschgesinnten aus Hadersleben und Apen­rade fort, zumal da die Dänen wieder einige Bürger aus Hadersleben mitgenommen und in Apenrade die dänischgesinnten Schiffzimmergesellen sich bereits Excesse erlaubt haben sollen. Hier, wie im ganzen Lande, herrscht über den Gang der Dinge die größte Ver­stimmung. Es ist heute wieder eine Anzahl gefan­gener Dänen eingetrcffen, wie auch die Matrosen, die von Capitän Hansen gegen die Korvette Galathca ver­wendet werden sollten und die jetzt ihren Lohn verlan­gen. Heute war ein albernes Gerücht in Umlauf, daß sich dänische Kanonenböte auf der Elbe gezeigt hätten. Auch von hier wird ein Abgeordneter nach Frankfurt in der Person des bekannten Dr. Wienbarg abgehen. ($. C.)

Zustand.

Republik Frankreich.

8 / 7 Paris, 2. Juni 1848.

Sitzung der National-Versammlung.

(Privat-Correspondenz.)

Die Sitzung wird um 1 Uhr eröffnet. Der Prä­sident ließt einen Brief von Barbes aus dem Gefäng­nisse von Vincennes vor. Barbes erklärt darin, daß die Louis Blanc zur Last gelegte Aeußerung in der Sitzung vom 15. Mai, nicht von diesem, sondern von ihm (Barbes) gesprochen worden sei. Der Brief wird sogleich der betreffenden Commission zugewiesen. Herr Berthelon liest den Bericht des Comite's für Algier über ein aus Algier bezügliches Dekret vor. Die De­batte wird auf den 5. Mai festgesetzt. Mehrere Adres­sen und Petitionen werden übergeben. Der Minister Flocon legt einen Gesetzesentwurf über das Regle­ment für die gewerblichen Schiedsrichter vor und die nöthigen Modifikationen, um das Dekret in gewissen Localitäten anwendbar zu machen.

Jules Favre, Berichterstatter der Commssssön 'we­gen der Verhaftung Louis Blanc's, hat das Wort. (Allgemeine Aufmerksamkeit.) Er macht auf die Wich­tigkeit der Frage aufmerksam, erklärt, daß die Commis­sion sich alle nur mögliche Mühe gegeben, alle Doku­mente geprüft und ihren Beschluß mit der Majorität von fünfzehn Stimmen gegen drei gefaßt habe. Er entkleidet vor Allen die Frage von allem politischen und Partei-Charakter, der Antrag des Generalprocu- rator sei gerechtfertigt durch die Wichtigkeit des Falls und die vorliegenden Judicien, und die Commission, welche die ganze Procedur geprüft habe, aber sich je­der Mittheilung darüber enthalte, trage auf die Be­willigung der Verfolgung an, sowohl im Jn-

I tèrèffe der Versammlung, als der Gerechtigkeit. Ja selbst Louis Blanc müsse wünschen, daß seine Unschuld gerichtlich anerkannt werde und nicht ein Verdacht, un­ter dem Deckmantel seiner Ungerechtigkeit auf ihm la­sten bleibe. (Tiefe Sensation.) Es wird beschlos­sen, daß der Bericht gedruckt und »ertheilt werde. Es handelt sich nun um den Tag der öffentlichen Discus- ft oh , Dornes schlägt morgen vor, die Majorität Montag. Louis Blanc, dcn man fragt, wann er die Discussion wünsche erklärt, er habe vorgestern gegen ein System protestirt, das ihm verderblich scheine, jetzt, da die Sache nur ihn persönlich betreffe, habe er nichts mehr zu sagen und enthalte sich. Der Tag der Discussion ist nach einer lebhaften Debatte und drei­maliger Abstimmung auf Morgen festgesetzt. Die Vorschläge, die Discussion aus Montag oder Dienstag festzusetzen, sind des Arbeiter-Bankettes wegen, verwor­fen. Die größte Aufregung folgt dem Votum, die Sitzung wird um eine Viertelstunde suspendirt. Leb­hafte conversirende Gruppen bilden sich auf allen Punkten des Saales.

Die Sitzung wird um 3 Uhr wilder ausgenommen. Man hat im Conferenzsaale versichert, daß sobald die Bewilligung zur Verhaftung und Verfolgung Louis Blancs ertheilt sei, der General-Procurator Portalis die Bewilligung verlangen werde gegen Etienne, Arago, den Ünterstaatsseuetär des Kriegs Charra und gegen Ledru-Rollin die gerichtliche Verfolgung einzuleiten und Verhaftsbefehle zu erlassen, ein Gerücht, das nicht wenig Aufsehen macht und in den Andeutun­gen der Presse, derAssemblée nationale und anderer Blätter Bestätigung findet. An der Tagesordnung ist die Entwickelung von Vorschlägen. Der Vertreter Pleignard hat das Wort um seinen Vorschlag zu ent­wickeln, wie das Projet der Constitution disculirt wer­den solle. Eine lange Debatte, ohne Interesse für das Ausland, erhebt sich über diesen Vorschlag und dauert bei Postschluß noch fort.

Man hat gestern auf dem Thore des Lurembougr- Palastes, den Arago, Garnier - Pages, Marie bewoh­nen, ferner am Stadtbause, wo Armnnd Marrast re- sidirt und am Generalstabe der Nationalgarbe, wo Clement Thomas (Alle aus der Redaktion des Natio­nal hervorgegangen) herrscht, große Zettel mit der Inschrift:N a t i o n a l - Werkstatt." angeschlagen, die von der Polizei sogleich abgerissen wurden.

Alexander Weil tritt noch immer als Candidat für die National - Versammlung auf und erklärt heute im Corsaire, daß er nicht mit dem Doktor Carl Weill in Stuttgart, bekannt durch bieRevue retrospeetive" zu verwechseln sei. Jener sei Doktor und Deutscher, er sei kein Doktor und Franzose. Es gibt Leute, die darauf wetten, daß Alexander Weill nicht gewählt werden wird.

Paris, den 3. Juni.

In der gestrigen Sitzung der National-Versamm- luug wurden noch mehrere Vorschläge entwickelt, unter Anderm, der des Vertreters Pietri (aus Corsica) der die Widerrufung des Verbannungs-Dccretes gegen die Napoleoniden vorschlägt. Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung in Betracht gezogen und wird näch­stens discutirt werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Vorschlag angenommen werden wird. Die gerichtliche Verhaftung Louis Blanc's ist der Gegen­stand der Journal-Polemik, die meisten sprechen sich

gegen die Ertheilung der Bewilligung aus. Man ver-^ sichert, daß die Prokuratoren Portalis und Laudrin erklärt haben, ihre Entlassung zu geben, wenn die Versammlung die Bewilligung verweigert. Louis Blanc hat eine Brochüre erscheinen lassen, in der er die Vor­gänge des 15. Mai, insofern sie auf seine Person Bezug haben, auseinander setzt. Es ist bemerkenswerth, daß die reactionären Journale plötzlich Angst bekom­men und daß dieAssemblee nationale, die noch vor drei Tagen auf das Heftigste gegen Louis Blanc los zog, jetzt plötzlich für ihn auftritt und die Ver­sammlung auffordert, im Interesse ihrer Würde und künftigen Sicherheit die Bewilligung zu verwei­gern. Es scheint, daß dieAssemblee nationale sich an das alte Sprichwort erinnert: Heute mir, mor­gen dir.

Die Arbeiter haben beschlossen, ihre Stimmen mit Einstimmigkeit auf Emil Thomas, den verschwundenen Er-Director der National - Werkstätten zu übertragen, und ihn zum Vertreter zu wählen, damit er öffentlich über die letzten dunkeln Vorgänge Aufklärung geben könne.

Briefe aus London versichern auf das Bestimmteste daß Lord Palmerston im Begriff stehe, seine Entlas­sung zu geben, und daß zwei seiner Collegen mit ihm abtreten würden.

Die Journale kündigen die nahe bevorstehende Er­richtung eines Polizei Ministeriums an. Soll­ten die schönen Tage des Savary, Fouche und Decazes wiederkehren. Werden denn unsere Staatsmännee nicht begreifen, daß die Polizei keine der inhaltschweren Fra­gen unserer Zeit lösen kann.

Eine der Tagesfragen ist die Wahl des Herrn Thiers zum Deputirten die Regierung und die Republikaner fürchten nicht nur, daß Thiers in Paris gewählt, sondern daß er mitEclat, d. h. mit einer großen Stimmenzahl, wie einst (wir sprechen vom 31. April) Lamartine gewählt ward. Die Re­publikaner de la weille (sehr geistreich in der Augsb. Allg. Ztg.: die Republikaner derNachtwach e"" übersetzt) die alten Republikaner sehen diese Wahl gern, da sie die Situation schärfer charakterisirt und auf die Massen umfangend wirken dürfte. Wird übri­gens Hr. Thiers auch in Paris nicht gewählt, so ist seine Wahl in Rouen sicher. Daß Caussibiere wieder gewählt wird, scheint außer allen Zweifel.

Am österrrichischen Gesandschafts-Hotel ist die öf­fentliche Versteigerung der Möbeln und Effekten des Gesandten Appony für den 7., 8., 0. und 10. Juni vorgeschlagen. Der Graf kehrt also nicht mehr nach Paris zurück er hat den hiesigen Gândschââ sten 23 Jahre lang, seit 1825, wo er dem Baron Vincent folgte, bekleidet zur großen Zufriedenheit des Fürsten Metternich, während die hier lebenden Oester­reicher allen Grund haben, seinen Abgang keineswegs zu bedauern.

Die Zusammenrottungen an den Thoren St.-Denis und St.-Martin dauern fort; sie haben einen feindli­chen Charakter und die Frage der National-Werkstätteu ist Gegenstand der Discussion.

Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.

(372) Motto: Der Esel muß Schläge haben.

In Nr. 80 d. Bl. ist eine AntwortAnnonce des Gastwirth Ullrich aus dem Taunushof in Biebrich", deren Grobheit gemäß dieselbe wohl von ihm entsprungen sein könnte, jedoch der Styl ihn durchaus nicht als Verfasser bekundet.

Die Annonce in Nr. 78 d. Bl. hatte nur zum Zwecke, auf eine sehr schonende Weise den Gastwirth auf seine schlechte Bedienung aufmerksam zu machen, und würde es ihm viel besser angestanden haben, dem Bedürf­niß so rasch als nur möglich abzuhelfen, statt seiner Bildung gemäß aufs schnellste mit Flegelhaftigkeiten zu dienen.

Dies Bedürfniß bitten wir daher nochmal zu beseitigen und erklären hiermit aÜenfallsigen ferneren groben Ausfällen deS Herrn Gastwirths nicht mehr zu erwiedern. Mehrere seiner Gäste.

Die Snbfcriptian

auf das

Bild des Minister-Präsidenten

HMchchi,

nach dem Originalgemälde von Ludw. Knaus, von dem Künstler selbst gezeichnet, hat, heute mit Unterzeichnung in die Subscriptionslisten begonnen. Da die ersten 500 Ab- ' Kreidezeichnung, welche von Herrn Knaus nach dem von ihm in jeder Beziehung

m höchst gelungener Arbeit ausgeführten Originalgemälde ebenfalls gezeichnet wird, an die ersten oOO Sudscribenten nach der Reihefolge ihrer Einzeichnung seiner Zeit abgegeben werden, so btttet der unterzelchnete Verleger Alle, welche sich für das ausgezeichnete Bild interessi- ren, recht bald die Unterzeichnung bei ihm zu bewirken.

^ubscriptionsaretse sind für I Exemplar auf starkem Kupferdruckpapier fl. 1.

f 5 plar auf chinesischem Papier mit breitem Rande fl. 1. 30 fr. Wiesbaden, 30. Mai 1848.

Bekanntmachung.

In der Nacht von dem 23. auf den 2-1. Mai l. J. sind einem Einwohner aus Waldaubach aus seinem Hause folgende Geldsorten mit einem weißen leinenen Beutel, welcher in der Mitte ' ' ' mit schwarzer Tinte

bezeichnet war, entwendet worden:

1) Ein Fünffrankenthaler;

2) Ein Kronenthaler;

3) Ein Laubthaler;

4) Circa 10 ganze Preußische Thaler;

5) Circa 30 Preußische Thaler in '/, und %, Stücken;

6) Circa 7 Preußische Thaler in */12 Stücke;

7) Circa 6 ganze Guldenstücke;

8) Circa 2 Gulden in 6 Kreuzerstücken.

Ich ersuche die betreffenden Justiz- und Polizei­behörden auf diesen Diebstahl zu invigiliren, und etwaige Jndicien zu weiteren Verfolgung mitzutheilen.

Herborn, den 2. Juni 1848.

Herzoglich Nassauisches Amt.

(374) RullmaNN.

373)

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