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Die Wiesbadener Volksversammlung vom 31. Mir».

Wiesbaden, den 3. Juni 1848.

Diefreie Zeitung" theilt in ihrer heutigen Num­mer die Adresse mit, welche in der am 31. Mai in den vier JahrSzeiteu stattgehabteu Volksversammlung beschlossen worden. Der Unterzeichnete wurde von dieser Versammlung in Gemeinschaft mit Herrn Lang zum Schriftführer gewählt und hat demgemäß, im Namen und Auftrag der Versammlung, die Ergebnisse, für wel­che sich die Stimmenmehrheit in der Versammlung auS- iprach, zusammen mit dem andern Schriftführer in der Adresse niedergelegt.

Man hat mir danach die Mitverantwortlichkeit für Alles, was in jener Versammlung gesprochen worden ist, zuschieben wollen. Für diejenigen, welche der Ver­sammlung mit beiwohnten, bedarf es nicht der Wie­derholung, daß ich keineswegs die Ansichten der Mehr- zabl der aufgetretenen Herren Redner gebilligt habe, sondern denselben geradezu entgegengetreten bin, worüber eS zwischen mir und Herrn Lang zu lebhaften Erör­terungen kam.

Ich habe daher nur das zu verantworten, was ich, nicht auch das, was die andern Herren gespro­chen haben. Die von mir in jener Versammlung ent­wickelten Ansichten über den Gebrauch des Ausdrucks Volkssvuveränität^ und über die von unserer Kammer bei dieser Frage eingenommene Stellung werde ich in dem morgigen Blatte darlegen. Man wird sich dann überzeugen können, ob sie so lebensgefährlich und hals- brechend sind, wie sie manchegeheime Volksmunkcler" (im Gegensatz der öffentlichen Volksredner) machen wollen. Karl Iraan.

Tagesgeschichte.

Deutschland.

Frankfurt, 1. Juni. fDie Resultate der Wah­len der Seeretäre der Nationalversammlung.) Ge­wählt wurden die Herren: Jucho mit 445, Simon von Breslau mit 356, Biedermann mit 289, Riehl mit 288, Simson von Königsberg mit 284, Schuler mit 284, Ruhwandl mit 264 und Fetzer mit 253 Stimmen. Die nächst größte Stimmenzahl erhielten die Herren: Mörig mit 139, Stremayr mit 117, Jordan mit 107, Dietsch mit 98, Spatz mit 97, Lich« nowsky mit 87, Rettig mit 64 und Moritz Mohl mit 54 Stimmen. Diese Wahlresultate sind noch nicht proclamirt worden.

Oesterreich. Wien, 28. Mai. (Manifest der Minister.) Wie vollständig das Volk über die Machi­nationen der Reaction gesiegt hat, bewährt folgendes Manifest des Ministerraths, das heute erschien:

Der Ministerrath erkennt die außerordentlichen Ver­hältnisse, welche es zu einem Gebote der Nothvendig- keit gemacht haben, daß sich ein Ausschuß von Bürgern, Nationalgarden und Studenten gebildet hat, um über die Ordnung und Sicherhell der Stadt und die Rechte des Volkes zu wachen, und ertheilt den Beschlüssen, welche der Ausschuß am 26. d. M. gemacht Hat, in Folgendem seine Genehmigung: 1) Die Wachen an den Stadtthoren werden von der National- und Bür­gergarde und der akademischen Legion allein bezogen, die übrigen Wachen aber von der National- undBür- gcrgarde und der akademischen Legion mit dem Militär gemeinschaftlich, die Wache im Kricgsgebäude wird als militärischer Posten vom Militär allem versehen. 2) Nur das zum Dienste nothwendige Militär bleibt hier, alles übrige wird sobald als möglich abziehen. 3) Graf Hopos bleibt, unter Vorbehalt eines gesetzlichen Vor- ganges, als Bürgschaft für das Zugesicherte und für die Errungenschaften des 15. und 16. Mai, unter Auf­sicht des Bürgerausschusses. 4) Diejenigen, welche die Schuld an den Ereignissen des 26. Mai tragen, wer­den vor ein öffentliches Gericht gestellt. 5) Das Mi- riisterium stellt an Se. Majestät das dringende An­suchen, daß Seine Majestät in kürzester Zeit nach Wien zurückkehren, oder, falls allerhöchst deren Gesundheit dieß verhindern sollte, einen kaiserlichen Prinzen als^tell- vertretcr ernennen. Das Ministerium muß zugleich an den neu gebildeten Ausschuß die Einladung stellen, dem­selben die Bürgschaften bekannt zu machen, welche Sr. Maj. für ihre persönliche Sicherheit unh für die Si­cherheit der kaiserlichen Familie gegeben werden können. Dasselbe stellt ferner das gesammte Staatseigenthum, so wie jenes des allerhöchsten Hofes, alle öffentlichen Anstalten, Sammlungen, Institute und Körperschaften in der Residenz unter den Schutz der Bevölkerung von Wien und des neu gebildeten Ausschusses und erklärt denselben unabhängig von jeder andern Behörde. Es muß demselben aber zugleich die volle Verantwortung für öffentliche Ruhe und Ordnung, so wie für die Si­cherheit der' Personen und des Eigenthums übertragen. Dasselbe muß endlich erklären, duß es die Staatsver­richtungen, welche ihm noch interimistisch anvertraut sind, nur so lange fortsetzen könne, bis sie entweder von Sr. Majestät zurückgenommen sind, oder das Ministe­rium der Mittel beraubt ist, mit voller Sicherheit seine Beschlüsse zu fassen und unter seiner Verantworlichkeit auszuführen. Wien, 27- Mai 1848. Im Namen des Ministerraths: Pillersdorf.

Wien, 29. Mai. f Gestaltung der Dinge. Der Sieg des Volkes entschieden.) Dietrichstein und Hoyos wurden vom Wohlfahrtsausschüsse freigegeben. Letzterm wurde bedeutet, er möchte die öffentliche Meinung achten und sich zu Hause halten. Vor sein HauS wurde eine

SicherheitSwache gestellt. Bombelles Bruder, der par- mesänische Minister schlimmen Andenkens, befindet sich in Hitzing. Der Wohlfahrtsausschuß läßt ihn gänzlich unbehelligt, ja würdigt ihn keines Blickes, weil er nicht für die Sünden seines Bruders verantwortlich sei. Wir glauben, daß die Vergangenheit dieses Herrn Grund zu Besorgnissen gäbe. Montecucculi ist flüchtig, er hatte bereits das Decret, das ihn zum Premiermi­ster ernennt, in der Tasche. Stadion sollte Minister des Innern, Hye Minister des Unterrichts werden. An die Stelle der abgetragenen Barrikaden sollen, wie ich höre, Kanonen treten. Es heißt, morgen werde der Kaiser eintreffen. (?) Das Landvolk, das man überall als Feind der Wiener proclamirte, sympathisirt mit ihnen. Das Sturmläuten in der Nacht vom Freitag auf Samstag wurde in der Umgebung Wiens erwiedert und rief viele Landleute als Bundesgenossen nach Wien. Der Sieg des Volkes ist so entschieden, daß die Reac­tion keine Zukunft hat. Die panslavistische Frage scheint bald für uns glücklich gelöst zu werden. Jellalich ist flüchtig, Gay gefangen, somit die südslavische Bewe­gung gebrochen. (?) In Prag scheint bereits Arg­wohn und Zwietracht scheint Platz zu greifen. Nach meiner Ansicht wird der 31. Mai, wo der große Con- greß der Slaven gehalten werden soll, die Schwäche der Slaven enthüllen. Hier sind vor der Hand die Swornost- nnd Slavenbänder, die so herausfordernd zur Schau getragen wurden, gänzlich verschwunden. An Collorcdo's Stelle wird Hauptmann Möring, Ab­geordneter zur deutschen Nationalversammlung, (als Schriftsteller unter dem Namen Cameo bekannt) zum Commandanten der akademischen Legion gewählt wer­den. Die Stimmung der Provinzen wird Wien wieder günstig. Von Ollmütz, Brünn, Grätz und Prcßburg sind Deputationen hier eingetroffen, die im ehemaligen Kloster der Büßerinnen am Rennwege ausgenommen wurden. Von Pesth und Linz werden Deputationen erwartet. Mit der Nationalversammlung in Frankfurt ist man nicht zufrieden, da sie über das Formwesen nicht hinauskommt. Wir verlangen Thaten von den Bolksräthen in der Paulskirche.

Preußen. Berlin, 31. Mai. Die Minister haben die Avreßfrage zu einer Kabinetsfrage gemacht. Das Ministerium erklärte, es wolle keine Stunde län­ger vor der Versammlung stehen, ohne daß sich gezeigt habe, weß Geistes Kind es sei und für welches es gehalten werden müsse! Es kommt zur Abstimmung, wobei sich eine überwiegende Majorität für die Ent­werfung einer Adresse an den König ergibt.

Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten.

Re udSburg, den 29. Mai. Die Schleswig-Hol­steinische Zeitung meldet Folgendes:Diesen Nachmittag ist hier die Nachricht von «ttAn ziemlich bedeutenden Zusammentreffen mit de» Daneu auf Sundewitt einge­laufen. Der gestrige Tag (Sonntag den 28. d.) war zur Ablösung der vor Alsen auf den Vorposten stehenden Bundestruppen bestimmt. Davon müssen die Dänen, die überhaupt in dortiger Gegend durch ihre Spione gut bedient werden, Kunde erhalten haben. Bedeutend ver­stärkt durch Truppen, die in den letzten Tagen wieder von Fühnen nach Alsen übergeführt worden waren, un­ternahmen sie eine Landung auf dem diesseitigen Ufer, die man deutscher SeitS nicht in ihrer ganze» Bedeut­samkeit bemerkt zu haben scheint, da die Aufmerksamkeit von den ab- unv zuziehenden eigenen Truppen in An­spruch genommen war. Bald nach der Aufstellung des neuen Pikets sah man sich plötzlich von einer großen dä­nischen Ucbermacht an Infanterie und Artillerie unter der Düppeler Höhe angegriffen, während gleichzeitig westlich von Ekensund (bei Alnoer und Treppe) eine Anzahl von Schiffen und Kanonenböten erschien, als solle auch hier eine Landung bewerkstelligt werden. Of­fenbar wollten die Dänen dadurch die deutschen Streit­kräfte theilen, was ihnen jedoch nur in geringem Grade gelang. Auf den Düppeler Höhen entspann ftc^ nun ein sehr heißer Kampf, in welchem auf beiden Seiten durch Geschützfeuer große Verluste an Verwundeten und auch an Tobten (Zahlen lassen sich noch nicht angeben) herbeigeführt sind. Die Dänen haben ruhmvoll gefoch­ten. Ihre Anzahl wird auf 8000 Maun geschätzt, die unter dem Schutze ter Schiffskanonen, so wie flankirt' durch Geschütze auf dem Lande in den Kampf gestellt wurden, während die Unsrigen kaum 7000 Mann stark gewesen sein mögen. Die Entscheidung des Kampfes stand mehrere Stunden hin, bis endlich gegen 7 Uhr Abends die deutschen Truppen sich veranlaßt sahen, den Rückzug über Gravenstein und nördlich davon bis gegen Quars anzutreten, während die Dänen sich Gravenstein, wo unser Nachtrad stehen blieb, bis auf etwa eine Stunde näherten.

Altona, 30. Mai. Die deutsche Diplomatie hat wieder einen sehr wohlverdienten Nasenstüber erhalten, wie ich fürchte, doch noch nicht stark genug, um nach- hqltig zu wirken. Bekanntlich ist bereits deutscherseits gemäß den englisch-russischen FriedenS-Präliminarien Jütland geräumt und die Contribution aufgehoben wor­den heute geht die Nachricht ein, daß die Dänen von Alsen her, 8000 Mann stark, auf dem festen Lande gelandet und die dort stationirten Deutschen, wahrscheinlich Mecklenburger, zum Rückzüge genöthigt haben, wie es scheint mit Verlust mehrerer Kanonen. Zugleich ersieht man aus der heute Morgen angckom- menen kopenhagener Post, daß die Dänen von den gestellten vorläufigen Friedensbevingungen nichts wissen wollen und an eine Herausgabe der Schiffe nicht den­ken. Wahrscheinlich wird die rasche bedingungslose Räumung Jâtland's ihren Kriegsmuth gerade nicht

vermindern. Nun wird neuerdings nach Berlin u. s. weiter berichtet werden und nach einiger Zeit der Be­fehl zum neuen Vordringen wieder eintreffen. Inzwi­schen haben die Dänen weiter gerüstet und die schwe« dische Hülfe ist fertig. Dabei heißt es, die preußische Regierung könne nicht mehr Truppen senden und die hannoveranlsche wolle nicht. Das ist die deutsche Ein­heit. Man scheint in Berlin die Dänen noch gar mcht zu kennen, obgleich die Verhandlungen über den Sundzoll bereits hinlänglich Gelnzenheit dazu gegeben hatten. Sie sind ein zähes Volk und mit Vernunft- gründen kommt man ihnen nicht bei. Man muß da­rauf schlagen und wieder darauf schlagen. General Wrangel kannte seine Leute. Ich habe nicht eher Ver­trauen zum Frieden, als bis das deutsche Heer dermaßen verstärkt worden, daß es den vereinten ^Schweden und Dänen die Spitze bieten kann und nöthigenfalls gebo­ten hat.

Flensburg, 29. Mai. Die vergangene Nacht bestätigte uns die traurigen Begebenheiten des gestrigen Tages. An 20 Wagen mit Verwundeten fuhren im Laufe der Nacht in die Stadt herein, und noch heue Morgen kamen mehrere an. Die Dänen waren gestern Morgen schon sowohl von Sonderburg über die Brücke wie an verschiedenen andern Stellen ans Land gegan­gen und fielen auf diese Weise gleichsam von allen Seiten, über die Deutschen her. Unsere Truppen waren sehr in die Enge getrieben, aber sie vertheidigten sich so muthig gegen den in Massen herandrängenden Feind, daß es diesem trotz seiner Ucbermacht nicht gelingen konnte, weiter ins Land hinein vorzudringen. Leider verloren wir viele deutsche Brüder; aber daS Blut eines jeden floß nicht, ohne sich an manchen Dänen gerächt zu haben; ja die tapfern Deutschen haben wie Männer gestanden. Manche der Unsrigen, namentlich Mecklenburger, sind in die Hände des Feindes gefallen. Man behauptet, daß dieses Gefecht das bedeutenste gewesen, das bisher vorgefallen. Es dauerte bis Abends 8 Uhr. Die Deutschen jagten alsdann den Feind mit dem Bajonnet auf seine Schiffe zurück und setzten sich wieder in Düppel fest.

Heute Vormittag entspann sich wiederum ein sehr lebhaftes Gefecht, welches 45 Stunden anhielt. Die Dünen sollen sich jetzt ruhiger verhalten. Eben kom­men wieder Verwundete an. Heute Nachmittag traf ein preußisches Kürassier-Regiment hier ein. Auch einige preußische Infanterie-Regimenter kamen mit klingendem Spiel und vollen Muthes hier an. General Wrangel kam um halb sieben Uhr in unserer Stadt an.

Anstand.

Skepubli? Frankreich.

/ 7 Paris, 3L Mai 1848.

Sitzung der National - Versammlung.

(Privat-CorreSpondenz.)

Nachdem am Schlüsse der gestrigen Sitzung noch mehrere Mitglieder über die Stellung der Patrone zu den Arbeitern, über die Unterschleife in den National­werkstätten u. s. w. gesprochen hatten, wurde die all­gemeine Diseussion geschlossen. Die vier Artikel des Decrets wurden rasch nach einander angenommen und das Ganze des Gesetzes mit Einstimmigkeit votirt.

Die Nationalwerkftätten sind somit in ihrer bishe­rigen Stellung legal aufgehoben und es wird sich nun zeigen, in welcher Art die Regierung diese bedeutende Maßregel ausführen, und wie sie von den 120,000 Arbeitern der Nationalwerkftätten ausgenommen wer­den wird.

Die lange Debatte über die Beziehungen der voll­ziehenden Gewalt zur Nationalversammlung ist endlich gestern beendigt worden. Der gesunde Menschenver­stand hat zuletzt den Sieg davon getragen und der Artikel 3 ist mit folgender, von der Regierung, wie von der Commission angenommenen Fassung votirt worden: Die äußeren militärischen Anordnungen für die Si­cherheit der National - Versammlung, gehören in den Bereich der vollziehenden Gewalt, ohne jedoch bei au­ßerordentlichen und dringenden Fällen, über die der Präsident zu urtheilen hat, das durch die Artikel 83 und 84 des Reglements fesigestkllte Recht des Präsi­denten der Nationalversammlung birede Truppen - Re-» quisitionenzu machen, zu beeinträchtigen. Lamartin Hatto, obwohl leidend, selbst das Wort genommen, und durch seine offene, gerade Sprache schnell alle Bedenklichkei­ten und Spitzfindigkeiten zerstreut, die die Herren Du­faure und Labordiere um die so einfache und so prak­tisch klare Frage der Einheit des CommandoS aufzuthürmen versucht hatten. Herr Rolland legte hier­auf den Bericht des Ausschusses über die Unvereinbar­keit von besoldeten Aintsverrichtungen mit der Stelle eines Volksvertreters vor. Der Bericht trägt darauf an, daß kein Volksvertreter, der nicht schon Beamter ist, während der Dauer der Sitzung und bis nach dm nächsten Wahlen Beamter werden oder irgend eine Besoldung erhalten könne. Ausgenommen hiervon sinh die Minister, dieUnterstaatssekretäre, der Polizeipräfekt, der Maire von Paris, der Oberkommandant der Na­tionalgarde und der General- Prokurator des Apella- tiongerichts zu Paris. Aber auch diese Personen kön­nen nicht noch nebst ihrem Gehalte die Entschädigung für die Volkstretung beziehen. Kem Volksvertreter darf sonst auf die ihm zugewicsene Entschädigung von 25 Frs. täglich verzichten. Die Vertreter können mit Missionen im In- oder Auslande beauftragt werden. Der Entwurf wird übermorgen erörtert werden. Heute