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NaffautsHe Zeitung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden,
Montag, den K. Juni
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Holländische liebergriffe in Limburg.
Wenn wir an Eider und Königsau die Dänen zu ihrer Pflicht zurückgeführt und die Rechte zweier deutscher Herzogthümer sicher gestellt haben, dann werden wir allem Anschein nach an der Maas wieder vorne ansangen müssen und durch bewaffnete Erecution dem Herzoge von Limburg den Beweis zu liefern haben, daß dieser und der König von Holland zwei eben so verschiedene Personen sind, wie der König von Dänemark und der Herzig von SchleSwig-Holstein.
Der alte Bundestag hat auch an der Maas schwere Schuld auf sich geladen und seinen Mangel an deutschem Ehrgefühl in kläglichster Weise bethätigt. Wie er geduldig zusah, daß die deutschen Truppen Holsteins dänisch befehligt wurden, so gab er auch alle deutschen Interessen in Limburg preis, wo die Holländer nach Belieben walten und schalten. Limburg ist ein zu Deutschland gehörendes Herzogthum und seine Bewohner wollen nicht zu Holland, sondern zu uns gehören. Der König der Niederlande aber und dessen Cabinet haben sie immer für Holland ausgebeutet und Limburg in einer unerträglichen Zwitterstellung gehalten, so daß die Limburger nie wußten woran sie waren, und bald in den Regen, bald unter die Traufe gebracht worden. Wenn eü sich um Lasten handelt, so erklärt man sie für Holländer, wenn -fl*-R««hte verlangen, welche den Hollandern zustehen, so sagt man ihnen: ihr seid keine Holländer, sondern gehört zum deutschen Bunde. So waren und sind die Limburger weder daS eine noch das andere. Aber sie wollen Deutsche sein und sie werden eS sein und bleibe», da die unwürdige Taschenspielerei, welche sich der holländische König gegen ein zu uns gehörendes Land erlaubt, jetzt ein Ende nehmen muß.
Schon im Jahre 1842 drangen die Limburger in einer energischen Eingabe darauf, daß der Unverträglichkeit ein Ende gemacht und ihnen daS Recht werde, welches sie mit allem Fug ansprechen. Sie wollten ganz deutsch sein; sie machten darauf aufmerksam, daß nicht zwei Verfassungen neben einander Gültigkeit haben konnten, daß die Limburger nicht in den Generalstaaten sitzen wollten, da sie zu Deutschland und nicht zu Holland gehören; sie wiesen nach, daß die gezwungene Verbindung des Herzogthums mit Holland sich durch nichts rechtfertige und nicht dauern könne, und daß die Verbindlichkeiten der Limburger gegen Deutschland von einem älteren Datum seien als gegen die holländische Verfassung. Wir wollen, sagten sie, und können nicht zweien Herren dienen und zweien augehören. Wir sind Deutsche und wollen keine holländischen Steuern zahlen. Die Rechtlosigkeit muß aufhören.
Aber die holländische Regierung dachte an nichts weniger als den Limburgern gerecht zu werden und sie aus einer falschen Lage herauszuziehen. Sie kümmerte sich um staatsrechtlich gültige Verträge nicht im Mindesten, obwohl namentlich der Traktat von 1839 das Herzogtum nicht im Mindesten mit Holland, sondern mit Deutschland vereinigt hatte. Daher verlangt seitdem Limburg Trennung von Holland; es will daß seine Vereinigung mit Deutschland endlich zur Wahrheit werde.
Aber Holland hörte nicht. Da kam die deutsche Revolution, dann das Vorparlament, und nun ist die verfassunggebende Versammlung in Frankfurt eine Thatsache. Auch für Limburg wurden die Wahlen ausgeschrieben zu innigstem Verdrusse des holländischen CabinetS, aber zum Jubel der Bevölkerung, welche sich beeilte, ihre Sympathien für die deutsche Sache auf das Lebhafteste zu bethätigen. Ueberall in Städten, Flecken und Dörfern wehte wie durch Zauberschlag die schwarz-roth-golrene Fahne; von allen Seiten zogen die Wähler mit dem deutschen Banner herbei, um die Parlamentswahl vorzunehmen, die auf Hrn. v. Scherpenseel, einen standhaften und energischen Vertreter der Rechte Limburgs, siel. Die Begeisterung war allgemein. In Baldenberg äußerte sie sich am entschiedensten. Ein Mann, der für eine Trennung von Holland und Vereinigung mit Belgien sprach, erregte die größte Erbitterung. Die Maastrichter Zeitungen wurden als Gegner der deutschen Sache geächtet, für verrätherisch erklärt und abbestellt. Unter allgemeinem Zuruf wurde als Wille deS Volkes von Limburg erklärt: „In jedem Falle wolle man deutsch, aber wenn eü sein
müsse, lieber des Teufels als holländisch sein." Der Trinkspruch auf daS große und freie deutsche Vaterland und auf Limburg, daö freie deutsche Herzogthum, wurde von sämmtlichen Wählern begeistert ausgenommen; während ein Toast auf den „Herzog", den man der Form halber vorschlug, mit allgemeinem Schweigen erwiedert wurde. Man hörte in dem Lande, das die holländische CabinetSpolitik als eine niederländische Vogtei betrachtet, nur deutsche Reden und deutsche Lieder.
In schneidendem Gegensatze zu dem Allen steht daö Verfahren der holländischen Behörden, die sich an dem Schalten der Dänen in Schleswig-Holstein ein Muster genommen zu haben scheinen. In jedem Ort, der die deutsche Fahne aufgesteckt hat, sind holländische Erecu- tionStruppen gelegt! Alle, deren deutsche Gesinnung erprobt ist, werden vorzugsweise mit Einquartierung bedacht. Als in Eyöden daS schwarz-roth-goldene Banner unter Jubel durch die Straßen getragen ward, fielen holländische Gendarmen über die Bürger her, hieben scharf ein und stahlen die Fahne. Und um den Hohn gegen Deutschland recht auffallend zu machen, will laut dem amtlichen Maastrichter Blatte die Regierung erklären: „daß die niederländischen Gesetze und die niederländische Gewalt allein in Limburg gelten sollen!" Quousque landein ?
Daâ wäre eine offene Kriegserklärung gegen Deutschland, und unS läge als die nächste Pflicht ob, ohne Weiteres unser Herzogthum militärisch zu besetzen. Denn was will der Herzog von Limburg? Ist er etwa König von Holland? hat auch er verderbliche und widerrechtliche Grillen von Staatseinheit? Er möge bedenken, daß die Zeit des alten Bundestags vorüber ist, und daß ein deutsches Parlament, in welchem auch Limburg vertreten ist, die Rechte und die Ehre unserer Nation mit Scharfe und Nachdruck wahrzunehmen den Willen, die Befug- niß und die Macht hat. Das Parlament wird den Limburgern zur Gerechtigkeit verhelfen; eâ wird sie eben so wenig im Stiche lassen, wie es die SchleSwig-Hol- steiner preisgegeben hat. Hier handelt es sich um die Ehre Deutschlands und eine volköthümliche Vertretung wird diese nicht so leichten Kaufs in die Schanze schlagen wie der alte Bundestag.
Wir haben überhaupt viel zu regeln und zu ordnen an unseren Grenzen. Die Diplomatie hatte eö in Wien so gekartet, daß die preußische Grenze eine halbe Stunde diesseits der Maas läuft, und daß Maastricht und Venlo niederländische Festungen wurden, daß sie auch jetzt noch nicht zu Deutschland gehören. Mit Limburg hat Deutschland ein Recht an der Maas, und wenn wir, wie vor- auSzusehen, zur Handelseinheit kommen, so wird Limburg natürlich in dieselbe eingeschlossen werden. Doch daö ist für den Augenblick eine Erwägung, die erst in zweiter Linie kommen darf. Vorläufig handelt eü sich um die Ehre der Nation, und wir zweifeln keinen Augenblick, daß Reichstag, Negierungen und Presse in dieser Bezie- Hung ihre Pflicht thun werden.
Also: Limburg voll und ganz deutsch!
Nassauisches.
Die Motion auf Errichtung einer Landes - Hypothekenbank.
Antrag der Abgeordneten Leisler, Gergens und Jung.
Fortsetzung.
§. 9.
Die wohlthätigen Wirkungen der Bank auf Handel, Verkehr und Industrie sind leicht zu ermessen. Wir beschränken uns daher auf die Nachweise des jährlichen Gewinnes an Geld für die Landes-Steuercaffe.
Die Errichtung der Hypothek und des Papiergeldes sind die einzigen Auslagen. Wenn dagegen die ganzen 4 Millionen in Cours gesetzt werden, so gewinnt die Bank jährlich die Zinsen, welche nur zu 4 Procent umgeschlagen 160,000 fl. betragen.
Die Bank wird überdies noch klingende Kapitalien in das Land ziehen; dies geschieht auf folgende Weise:
Die Capitalisten haben seither ihr Geld zum größten Theil in Staatspapieren angelegt. Sie sind dazu hauptsächlich durch den richtigen Eingang der Zinsen und die Leichtigkeit ihrer Erhebung bewogen worden. Der nun drohende Verlust eines großen Theils den
Capitals wird künftig die meisten Capitalisten von deS Staatspapieren abwenden.
Es bleiben daün hauptsächlich noch die Privathypo- theken. Sie waren seither wenig beliebt, wegen des nicht pünktlichen Eingangs der Zinsen. Dieser Umstand wird sich in unserer Zeit noch vergrößern. Die Capitalisten, dieses wohl einsehend, halten daher ihr Geld für den Augenblick eingeschossen und verlieren lieber die Zinsen. Diese Lage aber ist für sie sehr unange« nehm. Sie werden deshalb schnell nach einer Gelegenheit greifen, um wieder Zinsen zu erhalten. Wenn man daher eine Einrichtung bieten könnte, welche die Sicherheit der Privathypotheken mit dem richtigen Zinseneingang der Staatspapiere verbände, so würden die Capitalisten eine solche Gelgenheit zur Geldanlage nicht lange unbenutzt lassen.
Eine solche Gelegenheit schafft unsere Bank. Folgendes einzelne Beispiel dient zur Erläuterung.
Die Bank gibt einem Inländer gegen gerichtliche Hypothek ein 5procentiges Darlehen von 20,000 fl. Später meldet sich ein auswärtiger Capitalist, der 20,000 fl. im Lande anlegen will. Die Bank cedirt ihm nun diese Hypothek und verbindet sich, die Zinsen mit 47, pCt. pünktlich an den Gläubiger zu bezahlen. Für diese Garantie bleibt der Bank das weitere 7, pCt. Der Capitalist hat also die Sicherheit der Privathypothek, verbunden mit dem pünktlichen Zinseneingang des Staatspapicrs. Es unterliegt keinem Zweifel, daß eine solche Gelegenheit, das Geld anzulegen, bald einige Millionen klingender Capitalioneu in das Land ziehen wird.
Kein Land in Deutschland hat bis jetzt noch den Capitalisten eine solche Einrichtung geboten. Die Capitalisten werden gern zugreifen, denn der Verlegenheit, von ihrem eingeschlossenen Gelde keine Zinsen zu erhalten, wird dadurch abgeholfen.
Aber nicht nur diese müßigen Gelder werden bei uns angelegt werden, sondern, da der Zinseneingang beinahe in allen Ländern stockt, so werden die Capitalisten ihre Capitalien dort kündigen und bei uns an- legen. ,
Die Bank gewinnt an jeder Million 7i PCt. Rechnet man, dâß nur 3 Millionen Placirt werden, so ist es ein jährlicher Gewinn von 150,000 Gulden.
§. 10.
Die jetzigen Verhältnisse sind von der Art, daß man zufrieden sein muß, wenn man ein Auskunftsmittel findet. — Die Vollständigkeit unseres Planes verlangt aber, daß wir auch den Zeitpunkt betrachten, wo nach 4 Jahren die 4 Millionen Scheine wieder eingelöst werden sollen. Wir wenden uns um so lieber zu dieser Betrachtung, da wir so glücklich find, in unsern Verhältnissen nicht bloß die Hülfe, sondern nebenbei auch noch eine neue Rente für die Landeskasse von mehr als 100,000 fl. finden zu können.
Unser Staat besitzt 143,812 Morgen Domamal- Waldungen. Wir nehmen hiervon den siebten Theil mit 20,000 Morgen und verwandeln sie in Ackerfeld. Das Holz wird verkauft und der Erlös auf dieHypo- thekenkaffe zu 4 pCt. angelegt.
Nach der seitherigen Erfahrung hat der Morgen dieser Waldungen seither kaum 3 fL tährlich Rente geliefert. Die 20,000 Morgen haben daher 60,000 st. rentirt. Der Holzbestand beträgt, gering angeschlagen, der Morgen 12 Klafter, wovon man die Klafter zu 12 anschlagen kann. Wir werden daher von ledem Morgen 144 fl. für das 'Holz erhalten, was von 20 000 Morgen 2,800,000 fl. beträgt. Diese geben m 4 pCt. jährlich eine Rente von 115,000 fl. Der in Ackerfeld zu verwandelnde Waldboden wird an diejenigen Bewohner des Herzogthums, welche kein Grundeigenthum besitzen, also an die ärmste Klasse für 2 fl. 30 fr. jährlich verpachtet: dies beträgt von 20,000 Morgen 50,000 fl., hierzu die oben berechneten Zinsen des Holzerlöses 115,000 fl., so erscheint eine Jahresrente von 165,000 fl.; dermalen rentiren jene 20,000 Morgen 105,000 fl.
Neben diesem bedeutenden Gewinn, welcher allen Einwohnern zu gut kommt, wenden wir der ärmsten Klasse derselben durch jenen Pacht eine Unterstützung von solcher Großartigkeit zu, wie wir fie mittelst Geld nicht zu leisten vermögen, denn was kann man dem besitzlosen, oftmals mit Hunger kämpfenden Manne Besseres geben, als ein Stück Land, worauf er seine Nahrungsmittel zu ziehen vermag. Man rechnet 5 Per