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Bemerkung, daß er jedenfalls seinen Freunden genügen, und nicht langer bei einem CorpS bleiben werde, daS sich mit Katzenmusiken und Haussuchungen befleckt habe. werde ihn freuen, den deutschen Hut mit ihnen ab­zulegen, sonst wäre er genöthigt, eS allein zu thun. Die Studenten lachten und votirtcn eine Sammlung von je einem Kreuzer für den Mann, um ihm den ver­schmähten deutschen Hut abzukaufen. Alâ ich Abends um 10 Nbr nach Hause ging, sah ich Gruppen von Ar­beitern diese Placate noch beim Luternenschcin lesen, die aber lachten nicht. Gestern (26.) Morgenâ verkündete ein Maueranschlag von Montecucculi der Legion, sie habe sich binnen 24 Stunden aufzulösen, die Gewehre abzuliefern, und sich der Nationalgarde einzureihen. Die Nationalgarde wurde mit Vollstreckung dieseâ Mandats beauftragt. Aber nicht ein Mann derselben ließ sich bli­cken, sondern die hiesige Garnison mit 30 Kanonen um­zingelten den UnivcrsitätSplotz und besetzten die Thore der Stadt.

DaS kleine Häuflein der Studenten, die sich gerade in der Stadt befanden, konnte und wollte sich nicht zur Wehre setzen, da ertönten die Sturmglocken von allen Archen. Die Allarmtrommel wurde geschlagen, Tau­sende und aber Tausende von Arbeitern zogen der Stadt zu; in weniger als einer Stunde waren alle Zugänge und alle Straßen um die Universität mit stockhohen Bar- .'ikadcn bedeckt, die Fenster öffneten sich, Kasten, Tesche flogen herab, um als Basis der Verschanzungen zu die­nen, Frauen in den elegantesten Anzügen trugen Steine zu, die Nationalgarde und die Bürger hielten wieder zu den Studenten wie ein Mann , und ehe drei Stun­den vergingen, war nicht der Raum von 50 Schritten in der ganzen Stadt ohne Barrikade, das Militair mußte abziehen und wurde in die Kasernen konsignirt. Graf Hoyoâ wurde von den Studenten gefangen genommen, und wird alâ Geißel auf der Universität bewahrt. Sonst verging der Tag so ruhig, alö eS in einer Stadt sein kann, wo jede Straße wenigstens 3 Festungen bildet. Zn der Nacht gegen 12 Uhr tönten wieder die Sturm­glocken und die Trommeln; das Militair soll einen Ver­such gemacht haben, beim Kärnther und Burgthor her- änzudringen, wurde aber so kräftig zurückgedrängt, daß weichen mußte. Andere sagen, dieß sei nur ein blin­der Lärm gewesen. Heute werden alle Barrikaden noch erhöht und befestigt, und daS Volk ist entschlossen, sich nicht mehr durch schöne Worte täuschen zu lassen. Man fordert Geißeln für alle Errungenschaften, die Entfer­nung deâ MilitairS von Wien, oder die Rückkehr des Kaisers oder wenigstens eines kaiserlichen Prinzen binnen 14 Tagen. Nur rothe oder schwarze Fahnen (Sieg oder Tod) wehen von den Barrikaden, auf mehreren steht mit großen Buchstaben:Der Verräther am Vaterland Montecucculi oder der Verräther an der Legion Collo- « .vor-daâ, Gericht LLS..Volkes!"

Auf unserm Stiege (NuprechtSstiege) oder bei unse­rem Hause sind drei Barrikaden. Die Haltung der Ar­beiter ist eine bewundrungSwürdige; sie sind ruhig und höflich, ihre Parole lautet: Gut und Blut für die Stu­denten. Geschossen wurde bei der ganzen Affaire nur einmal, gestern in der Frühe, bei der Besetzung der Thore durchs Militair. Zwei Personen, ein Bürger und ein Techniker, verloren dabei daS Leben.

Etoöcz und Erzherzog Stephan sind am 25. hier­durch nach Innsbruck. Sie werden, so sagt man, kate­gorisch fordern, der Kaiser sollte entweder nach Wien oder nach Pesth kommen. Die Besitzenden ziehen in Masse von hier fort.

Beifolgende Flugschrift enthält die Punkte, welche daS Volk gewährt wünscht: Waâ wir wollen. Da wir erkannt haben, daß die reaktionäre Partei den Sieg des souverainenen Volkes zu schmälern beabsichtigt, so wol­len wir: 1) daß daS gejammte Militair Wien verlasse und die russische und italienische Grenze besetze, 2) daß alle Errungenschaften deS 15. Mai ungeschmälert auf­recht erhalten und die konstituirenbe Versammlung schleu­nigst nach Wien berufen werde; 3) daß von amtlicher Seite Abgeordnete in die Provinzen abgeschickt werden, welche unsern Brüdern daselbst bekannt machen, daß Al­les , waâ wir gethan , nur im gemeinsamen Interesse der ganzen Monarchie geschehen sei; 4) Aufhebung der Klö­ster; 5) Einführung einer Einkommen- und Armensteuer; 6) Beeidigung des MilitairS auf die Verfassung; 7) Gleich­stellung aller Nationalitäten; 8) Innigster-Anschluß an Deutschland; 9) baldigste Rückkehr des Kaisers unter Anfrechthalrung der Errungenschaften deS 15. Mai; 10) daß alle jene, welche den Kaiser zur Abreise durch falsche Vorspielungen bewogen haben, vor ein VolkSge- richt gestellt werden. Im Namen des Volkes.

So eben erfahre ich, daß eS sich herauSstellt, wer­den Befehl zum Auârücken des MilitairS gegeben: Es waren drei Mitglieder deö Sicherheitâkomite'S, Graf Breuer, Dr. Hye und Professor Endlicher. Auf Befehl eines neuen Sicherhcitükomite'ü, weiches sich gebildet, wird nach ihnen gefahndet. Die innere Stadt und die Basteien starren heute von Barrikaden; in den Haupt­straßen der Vorstädte wird der Bau derselben noch fort­gesetzt. Schauerlich sehen die Züge von Barrikadenma­chern aus, wenn sie kommen oder gehen mit ihren Werk­zeugen auf den Schultern; aber noch schrecklicher als die Männer sehen die Weiber auS, welche sich als Gehil- sinen mit Schaufeln, Hacken, Picken und Spaten den Zügen anschließen. Furchtbar schön war der Barrika- denbau heute Nacht bei Fackelschein unter dem wilden Lärm, der unzertrennlich davon ist. Auf allen Plätzen werden Reden an das Volk gehalten gegen die Reaktion ober einzelne bekannte Männer derselben. Graf Dietrich­stein, der Oberstkämmerer, ist auf der Universität, eben­falls wie Hoyos als Geißel gegen die Reaktion festgt-j

halten. So eben verbreitet sich das Gerücht, in Jnnâ- druck sei unruhig geworden auf die Nachricht hin, wie sehr man die Ereignisse deS 15. Mai in Wien ent- stellt dort verbreitet habe. Der Kaiser sei nach Botzen abgereiSt und die Innsbrucker hätten nach seiner Abreise die Jesuiten versagt. (Diese Nachricht kann ich übri­gens nicht verbürgen.)

Aus Schleswig-Holstein, 30. Mai. (Waffen­stillstand. Nachrichten vom Kriegsschauplatz.) Die Friedensgerüchte erhalten und verstärken sich.' Am ge­nauesten ist die Angabe derHamburger Börsenhalle" vom 27. Mai: Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß am 24. d. der Sohn des Generals Wrangel in Berlin angekommen ist, um einen Waffenstillstand zur Ratifikation vorzulegen, welchen General Wrangel mit dem Oberfeldherrn der dänischen Truppen abgeschlossen hat. Als Basis desselben wird bezeichnet: die deutschen Truppen ziehen sich bis über die Schlei zurück, die Dänen versprechen, Nord-Schleswig zu verlassen, und geben die angehaltenen Schiffe wieder heraus. Man glaubt allgemein, daß dieser Waffenstillstand ratificirt werden wird. Auf dec Rückkehr aus Berlin ist Hr. v. Wrangel mit dem gestern Nachmittags abgegangenen kieler Gahnzuge nach dem jetzt in Hadersleben befind­lichen preußischen Hauptquartier abgereist, und zwar, seiner eigenen Angabe zufolge, als Ueberbringer von friedlich lautenden Depeschen." Auch eine andere Nach­richt sagt:Das Hauptquartier des Generals Wran­gel ist wirklich Nach Hadersleben verlegt; Prinz Fried­rich mit den schleswig-holsteinischen Truppen wurde in Tondern^erwartet. Wie es scheint, soll Jütland vor­dem 1. Juni geräumt sein; von der Räumung Schles­wigs ist noch nicht die Rede." Die Nachrichten vom Kriegsschauplätze über das Erscheinen und Verschwinden von Kriegsschiffen haben kein weiteres Interesse. Nur eine Nachricht derBörsenballe" über einen Freischaa- renkampf vom 21. Mai theilen wir mit:Der wackere Aldosser hat wieder von sich hören lassen. Ein paar hundert Schritte vor der Schiffbrücke vor Aarösund lag ein Kriegodampfschiff, das ihm ein Dorn im Auge war. Er begrüßte es mit einer Salve seiner Freischaar, be­kam Antwort aus den 24pfünvern des Dampfschiffs, die ihm aber keinen Schaden zufügten, und so entspann sich ein Kamps, der fast den ganzen Tag anhielt, bis sich des Dampfschiff und ein Kutter, der ihm zu Hülfe gekommen war, entfernten, und zwar nicht ohne Ver­wundete oder Todte, wie man meint, während von den Freiwilligen kein Verlust erlitten ward. Ain folgenden Tag kamen beide Schiffe wieder und eröffneten ihr Feuer gegen die deutsche Fahne, die auf der Schiffbrücke wehte. Das Freikorps verhielt sich ruhig, doch wurden leider 3 Mann einer Patrouille verwundet, zwei leicht, dem dritten wurde ein Bein weggeschossen." Die dänischen Blätter beginnen schon, sich die jämmerliche Lage ihres Landes zu Herzen zu nehmen.

Die provisorische Regierung hat unterm 25. Mai d. J. verfügt, daß von den schleswig-holsteinischen Truppen die deutsche (schwarz- roth -goldene) Cocarde getragen werden soll.

ZusianQ.

Republik Fraukreich.

r~7 Päris, 30. Mai 1848.

Sitzung der National Versammlung. (Privat-Corrcspondenz.)

Der Schluß der gestrigen Sitzung der National- Versammlung ward durch' die Discussivn über das Gesetz, welches die Beziehungen der vollziehenden Ge­walt zu der Nationalversammlung feststellen soll, aus- gefüllt. Bekanntlich hat die Commission den von der Regierung vorgelegten Gesetzesvorschlag wesentlich ver­ändert und den letzten Artikel ganz weggestrichen. Die­ser letzte Artikel gibt dem Pzafidenten' der National- versammlnng das Recht, im Falle die Sicherheit der Nationalversammlung bedroht würde, den Generalmarsch schlagen zu lassen, schreibt ihm aber vor, sich über alle Maßregeln, die außerhalb des Sitzes der National- Versammlung zu ergreifen sind, mit der vollziehenden Gewalt in's Einvernehmen zu setzen.

Die beiden ersten Artikel der Commission, die keine wesentliche Aenderung enthalten, wurden nach einer ziemlich lebhaftem Debatte angenommen. Sie besagen, daß die Mitglieder der vollziehenden Gewalt das Recht haben, den Arbeiten der Nationalversammlung nicht beiznwohncn, daß sie jedoch gehalten find zu erscheinen, wenn die National-Versammlung sie zu hören wünscht, und in diesem Falle muß der Antrag durch wenigstens 40 Mitgliedern gestellt werden und wird durch eine Botschaft dem Präsidenten der vollziehenden Gewalt mitgetheilt. Die Mitglieder der vollziehenden Gewalt müssen ferner gehört werten, so oft sie cs verlangen. Ueber den letzten von der Commission gestrichenen Ar­tikel entspann sich nun eine lebhafte Debatte, in der Ledru - Rollin und Marie, beide Mitglieder der voll­ziehenden Gewalt, sprachen, und vor Allem erklärten, daß ses sich hier durchaus nicht um einen Zwiespalt oder um eine Gewaltanmaßung zwischen der vollzie­henden Gewalt und der Nauonakversammlnng handle, aber auch zugleich zu bedenken geben, wie gefährlich es sei, die vollziehende Gewalt zu schwächen und ihr die Mittel zu schmälern, im Augenblicke der Noth ener­gisch handeln zu können.

Der Kriegsminister General Cavaingnac setzte eben­falls auseinander, wie gefährlich cs sei, wenn es in solchen Fällen zwei oberste Leitungen gebe, die eine in Luremburg, die andere im Palais Bourbon, beide

vielleicht verhindert mit einander zu commuuiciren und nun Beide Befehle gebend, die nicht nur einen mora­lischen, sondern anch einen materiellen Zweck herdetfüh- ren könnten. Er schlug daher folgendes Amendement vor: 3m Falle es nöthig wird, für die Sicherheit der Nationalversammlung zu sorgen, befiehlt sjdet Präsident der Nationalversammlung der vollziehenden Gewalt jene Maßregeln zu ergreifen, die nöthig sein dürften. Hierüber entspann sich nun eine sehr heftige Discussivn, in der besonders Herr Bureau de Puzy nachzuweisen suchte, daß gerade das, was dieses Amen­dement wolle, am 15. Mai ja geschehen sei und so traurige Folgen gehabt habe.

Die Aufregung der Versammlung wuchs von Mi­nute zu Minute, die heftigsten Interpellationen kreuz­ten sich, endlich gekäng es dem Präsidenten durchzu- setzen, daß das Amendement der Commission zugewie- sen und die Discussivn heute fortgesetzt werde. Der Charakterzug dieser ganzen Discussivn ist gegenseitiger Mangel an Offenheit. Die Majorität der National- Versammlung hat noch immer die nicht ganz aufge­klärten Ereignisse vom 15. Mai auf dem Herzen, sie hat etwas gegen die vollziehende Gewalt und doch traut sie nicht, dieselbe abzusetzen, da sie die gewaltige Sri sie fürchtet, und auch im Grunde Niemanden hat, um ihn an die Stelle der Abtretenden zu setzen. Die Regierung ihrerseits will nicht abtreten, da sie recht gut weiß, daß die Reaktion dann freies Spiel hätte» und so stellt sie ebenfalls nicht offen die Kabinetsfrage. Wie lange dieses Schach bieten fortdauern soll, ist nicht vorauszusehen, es wird aber zu lange fortge­setzt, wohl nicht zu einem Matt, gewiß aber zu einem Patt beider Parteien führen, und ist diese gegenseitige Stimmung erst einmal eingetreten, so haben Restaura­tion oder Anarchie ein leichtes Spiel.

Die Nationalversammlung sollte entschiedener und offener handeln, bat sie kein Zutrauen zu der Regie­rung, so soll sie diese absetzen und eine andere ernen­nen, denn sie ist ja souverän, in keinem Falle darf sie aber die vollziehende Gewalt so schwächen und läh­men, denn die so verstümmelte Gewalt wird nie etwas leisten können, und die gemäßigte Partei zur Regierung geworden, würde die Unvollkommenheit des Regierungs- Instrumentes am schmerzlichsten empfinden. D-e .anar­chische Partei, wenn sie in den Besitz dvr Gewalt ge­langen sollte, wird sich an diese legislativen Beschlüsse nicht kehren, sondern sich rasch bemühen, die Diktatur einzusetzen.

Der gestrige Tag ist ruhig vorübergegangen, die militärischen Vorsichtsmaßregeln dauerten die ganze Nacht und auch heute noch fort. Ehe die Frage der Nationalwerkstätten nicht befriedigend gelöst, ist die größte Wachsamkeit nothwendig. Einzelne Erzessen sanden gestern statt, man schlug die Tambours, welche den Gcneralmarsch schlugen, die Trommeln ein, ent­waffnete einzelne Nationalgarden, die sich auf ihre Sammelplätze begaben, allein die Mehrzahl der Be­völkerung schritt sogleich energisch ein und verhaftete die Ruhestörer.

Man versichert heute, daß die Arbeiter jedes ge­waltsame Unternehmen aufgegeben haben und heute ihre Petition durch zwölf Delegirte der Nationalver­sammlung übcrschickcn werden. Gestern waren zahl­reiche Haufen auf den Boulcwards versammelt, die zwar eifrig debattirten, jedoch einen höchst friedlichen Charakter hatten.

DiePatrie" kündigt beute die Verhaftung des Herrn Backe an, der, wie man sich erinnern wird, mit der Errichtung der mobilen Garde zu Pferde beauftragt war, die zu einer Untersuchung führte.

Dasselbe Blatt zeigt an, daß gestern mehrere Indi­viduen , die Waffen unter ihren Kleidern verborge» hatten, in den Tribünen der Nationalversammlung ver­haftet werden sind.

Im Schlosse des Herzogs von Noailles (Legitimist) hat eine polizeiliche Haussuchung stattgefunden.

Alerander Dumas empfiehlt die Herren Thiers(!!) lind Emil von Girardi» (!!!) den Wählern von Bordeaur.

DieAssemblée nationale erklärt mit Bestimmt­heit, daß die Commission der vollziehenden Gewalt nur noch wenige Tage Eristen; vor sich habe und stimmt bereits ein Triumphlied über ihren Fall ai^

Die Presse verlangt genaue Rechnungsablago der provisorischen Regierung über die Verwendung der Gelder, die sie am 24. Februar in die öffentlichen Kassen gefunden und über die Summen, die sie seitdem eingenommen habe.

Wir baden heute Nachrichten aus Neapel bis 21. d. M. Alle Provinzen waren im Aufstande und mar- schirten gegen die Hauptstadt. Neapel selbst war noch immer im Belagerungszustände und die rothe Flagge webte von dem Forts. Die nach der Lombardei ge- 'chickten Truppen sollen zurückberufen sein.

Thiers tritt nun doch als Candidat für die Volks- Repräsentation anst er ist in Paris, Rouen, Marseille und Algier vorgeschlagen und er müßte entschiede­nes Unglück haben, wenn er nicht an einem dieser Orte gewählt würde. Mit ihm erhält die dynastische Partei erst ihr Haupt.