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hättet, welche sich, stets mißtrauend, den Volksblicken entziehen, woran übrigens nur Eure Umgebung schuld war. Ihr mußtet dem Zuge Euerer Herzen folgen, denn ich halte alle deutschen Fürsten für gcmüthSgut, so wäret Ihr glücklich in und mit Eurem Volke! " Ich weiß eS, daß eS dem .Fürsten die kleinste Kleinigkeit kostet (wenigstens früher kostete), sich bei dem Volke dauernd beliebt zu machen. Nur ein freundlicher Blick oder Gruß, ein gütiges Wort, etwas wenig Conversa- tion mit einem Bauersmanne, Handwerker oder sonstigen Geschäftsmanne, gewann die Herzen für Lebenszeit. Darum Ihr Fürsten weiß ich nichts besseres anzurathen, alS: reiSt in Euren Ländern öfters umher, die Län­der sind ja auch meistens nicht so groß, Ihr gewinnt Euch dadurch die vollkommenste Liebe Eures Volkes und lernt etwas, waS Euch bisher noch fremd war, nämlich mit eigenen Ohren hören und mit eigenen Augen sehen. Ihr sollt sehen, daß ich recht habe und mein Glaube durch Euch selbst gerechtfertigt wird.

Dann noch zur ferneren Beherzigung Ihr Fürsten! Wenn einmal die deutsche Neichüvcrsammlung in der Art gestaltet werden sollte, daß sie für die Folge auS einem Ober- und einem Unterhause besteht, so sorgt dafür, daß Ihr meistens persönlich im Oberhause sein könnt, denn daS ist bei weitem besser, als so eine Stellvertretung durch Andere, die immer nicht wissen, wie sie daran sind und ob sie cS Euch recht machen oder nicht.

Zum Schlüsse noch das Ihr Fürsten! haltet treu bei Eurem Volke, eS lohnt dann Euch die Treue über­schwenglich. ES droht dem Vaterlande Gefahr, und zwar von .Rußland und |von Frankreich, die allein zu berücksichtigen sind; daS andere ist Klcmigscit. Die Für­sten dürfen also mit Rußland nicht fraternisiren, und müssen gegen Frankreich mit aller Kraft auflreteu. Misch n sich Russen in die deutschen Angelegenhei­ten, so seid Ihr verloren, Ihr Fürsten! Dadurch würde allgemein die Republik erklärt und die Franzosen hercin- gezogen werden. UedrigenS gestehe ich auch ganz offen, daß ich mich tn dem Falle zu Frankreich halten würde, indem eS mir genehmer wäre, den französischen Leichtsinn zu ertragen, alS mich dem entwürdigenden, kleinlich des­potischen russischen Knutenregimente zu fügen, waS ntm« mermehr geschehen soll, lieber daS Leben verloren.

Also Ihr Fürsten Deutschlands! ehrlich, klug, wach! Damit genug. H ch.

2 Kammer - Verhandlungen.

4. Sitzung. (Schluß.)

Wiesbaden, den 31. Mai 1848.

Als Ergebniß der gestrigen Ausschußwahlen theilen wir nachstehendes mit:

1. Ausschuß zur Prüfung des Ministerialbudgets: Blum, Born, Hehncr, Jung, Jufti, Lang, Wencken- bach 11;

2. Des Rcgierungsbudgets Nro. 1: Schultheiß Bellinger, F. Bertram, Creutz, v. Eck, Heyl, Jung, Kramer, Schmidt, Wimpf;

3. des RegierungöbudgetS Nro. 2: Gergens, Groß­mann, Habel, Keim, Lang, Lotichius, Remy, Siebert, Weilbacher, Wenkenbach, Zollmann;

4. des Justizbudgets: v. Eck, Heyl, Leisler, Remy, v. Schütz, Tripp, Wehrfritz;

5. des Militârbudgeis: Creutz, Gergens, Hatzfeld, Justi, Lotichius, Preiß, Wimpf, Zollmann;

6. des Einnahmen-und Ausgabenbudgets: Bertram, Keim, Kürtel, Leisler, Philipp Müller, Schlemmer, Siebert, Unzicker, Wehrfritz;

7. Ausschuß zur Prüfung des Gesetzes über Volks­bewaffnung: Fresenius, Großmann, Gödecke, Wenken­bach L, Zollmann;

8. des Preßgesetzes: Creutz, Gergens, Habel, Mül­ler, v. Schütz;

9. des Jagdgesetzes»: Gergens, Jung, Müller 1L, Schmidt, Unziker;

10. des Gesetzes über Haftbarkeit der Gemeinden: Habel, Keim,'Philipp Müller, Großmann, Wirth.

5. Sitzung.

Wiesbaden, den 31. Mai 1848.

Das immer noch nicht in praxi beseitigte Vorlesen des Protokolls hat wieder eine entsetzliche Zeit geraubt.

Die Anfechtung der Montabaurer Urwahl wurde nach Antrag der Commission und nach kurzer Debatte verworfen.

Es kommen nunmehr die Anträge

1. von Bertram über Errichtung von Credit - und Hülfsbanken,

2. von Leisler, Jung und Gergens auf Errichtung einer Landeshypothekenbank zum Vortrag.

Wir halten den letzter« Antrag für einen überaus wichtigen, ja vielleicht geradezu für den wichtigsten, welcher auf unserem Landtage voraussichtlich wird ge­stellt werden. Er umfaßt die materielle und sociale Frage (welche zwar dermalen noch im zweiten Gliede steht, aber bald eine belangreichere sein wird, als die politische) in ihrem ganzen Umfange, soweit es sich um das Herzogthum Nassau handelt, und zeichnet sich aus durch tiefgehende Begründung und scharfe Fassung.

Wir theilen die Motion in diesen Blättern voll­ständig mit und laden wegen ihrer großen Wichtigkeit zur Besprechung derselben ein.

Die Motion auf Erricktunq einer Landes-Hypothekenbank.

Antrag der Abgeordneten Leisler, Gergenö und Jung.

Atgrâuduug.

8. 1.

Der Staat befindet sich gegenwärtig in einer un­gewöhnlichen Finanzlage. Die Einnahmen haben sich vermindert, während die Ausgaben gestiegen sind. Hierzu werden wir gegenwärtig noch besonders in An­spruch genommen durch die Unterstützungen, welche der allerwärts gesunkene Kredit gebieterisch verlangt. Hier­zu helfen, ist eine unsere ersten Aufgaben. Wie die Ausgaben vermindert werden sollen, wird sich bei der Diöcussion des BudjetS zeigen.

Wir unterlassen daher eine Erörterung dieser Frage und beschränken uns darauf, zu untersuchen:

1) Auf welche Weise der Staat gegenwärtig in den Besitz der nöthigen Geldmittel gelangen kann?

2) Wie ihm eine neue, nachhaltige Einnahme von Bedeutung (wenigstens 200,000 fl. jährlich) verschafft werden kann? und

3) Welche Geldverwendungen genwärtig die noth­wendigsten sind.

§. 2.

Wir schlagen unser gegenwärtiges Bedürfniß auf vier Millionen an. Brauchen wir weniger, so ist es desto besser. Einstweilen nehmen wir diesen Betrag in Aussicht, um eine sichere Rechnung zu machen.

In unserer Münze dieses Geld schnell zu prägen, geht aus leicht begreiflichen Gründen nicht an. Ein Anlehen auf Obligationen kostet wenigstens fünf Pro­cent Zinsen und eine Provision von 20% und liefert das Geld doch nur langsam.

Wir schlagen daher vor, vier Millionen unverzins­liches Papiergeld zu creiren.

Die Frage des Papiergeldes ist eine der schwierig­sten in der Finanzwelt. Wir wollen die zahlreichen Abhandlungen darüber nicht vermehren. Unser Haupt­grund, daß unser Vorschlag gelingen werde, ist d i e Erfahrung.

Während alle Staatspapierc um 20 und mehr Procente gefallen sind, steht das preußische Papiergeld noch pari, werden die bayerischen Hypothekenscheine in ganz Deutschland für voll angenommen und verliert das Papiergeld der sächsischen Staaten höchstens einige Procente.

Hierauf gründen wir den Satz, daß, wenn wir ein Papiergeld schaffen, welches besser ist als diese, dasselbe jedenfalls die gleiche Abnahme, höchst wahr­scheinlich aber eine noch viel bessere finden werde.

Wir glauben, daß auf folgende Weise ein solches Papiergeld geschaffen werden kann.

(Fortsetzung folgt.)

* Auch ein Wort über das nassauische VolkSschulwesen.

Wiesbaden, im Mai 1848.

(Fortsetzung und Schluß von Nr. 74.)

In gemischten Schulen sollte man nicht erst lehren, was die Menschen trennt, sondern was sie einigt und verbindet. In Nassau war's so; daß es anders ge­worden, wem haben wir dies zuznschreiben? Der wahre Geist des Christenthums hat uns dies nicht gebracht; denn nach dem haben wir Alle einen Vater, eine Pflicht, einen Himmel! In dem früher angeführten Merkchen heißt es so:

Der allgemeine Religionsunterricht" (wie er da­mals in Nassau bestand)hat die Aufgabe, den Gegen­satz zwischen Katholiken und Protestanten zu vermitteln; in ihm gewinnen die Glieder der verschiedenen religiö­sen Parteien das Gefühl und den Gedanken bei Ein­heit in bem Glauben an den Heiland und lernen sich als Ebristen kennen, ehren und lieben. Wie die innig­sten Freunde in bestimmten Punkten abweichende An- sichten haben können, die sic der Freundschaft nicht un­würdig machen können, so gestatten sich die Christen gegenseitig die abweichenden konfessionellen Ueberzeu­gungen, in denen sie einander toleriren und gewähren lassen. Dietz ist denn auch der schöne Geist, der durch das klare Volk der Nassauer geht. Finstere Zeloten werden natürlich, weil sic ihr partikuläres Prinzip zum allgemeinen erheben wollen, gegen eine solche Stimmung eifern; allein der helle Menschenfreund, der berechnende Staatsmann, der Regent, der sein und seines Volkes Interesse wahrhaft versteht, wird darin die goldnc Frucht einer glücklichen Einrichtung deS ErziehungSwesenS erkennen."

Weiter unten heißt es:

Ich kenne den allgemeinen Religionsunterricht auf den Nassauischen Schulen; ich habe ihn als Direktor deS Landseminariums, in einer Anstalt, wo er die meiste Schwierigkeit haben könnte, selber ertheilt; ich habe seine Früchte gesehen. Nirgends in der Welt wird man mehr wahre, warme Religiosität, weniger Freigeisterei, aber auch weniger Mucker, Spucker, Augenverdreher, Mirakel und Spektakel, nirgends ein schöneres Verhältniß der verschiedenen ConfessionS- verwandten zu einander finden, alS in Nassau. Dort ist Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit und Freundschaft und Friede zwischen Katholiken und Protestanten" u. s. w.

Dieser Unterricht hat in den letzten Jahren auf­gehört im Seminarium und in den Volksschulen. Warum und seit wann und weshalb? das dürfen die Leser nicht erst fragen. Jeder kennt ja die religiösen Wirren, die unserer Zeit vorausgingen und jener finstre Geist hatte sich auch in unser liebeS Nassau geschlichen. Hoffentlich wird ihn die helle Frühlingssonne vom 4. März verscheuchen; denn am Tage wandeln ja die Gespenster nicht.

Dieser allgemeine Religionsunterricht ist es denn auch, der dem Lehrer in der deutsch-modernen Volks­schule verbleiben muß; der Geistliche baut in dem Confirmantenunterricht auf diesen seinen confessionellen Religionsunterricht.

Ohnehin kann auch der Geistliche nicht in allen Schulen seines Kirchspiels den Religionsunterricht ge­ben und es wäre den doch eine tolle Idee, wenn das Kind bis in sein 13. und 14. Lebensjahr keinen Re­ligionsunterricht erhalten sollte. Auch ist es eben so

(Siehe den Verfolg in der Beilage.)

Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.

Ai- Subskription

auf das

Bild des Minister-Präsidenten

Strgtnl*,

nach dem Originalgemälde von Ludw. Knaus, von dem Künstler selbst gezeichnet,

hat heute mit Unterzeichnung in die Subscriptionslisten begonnen. Da die ersten 500 Ab- der Kreidezeichnung, welche von Herrn Knaus nach dem von ihm in jeder Beziehung in höchst gelungener Arbeit ausgeführten Originalgemälde ebenfalls gezeichnet wird, an die ersten 500 Subscribenten nach der Reihefolge ihrer Einzeichnung seiner Zeit abgegeben werden, so bittet her unterzeichnete Verleger Alle, welche sich für das ausgezeichnete Bild interessi- ren, recht bald dre Unterzeichnung bei ihm zu bewirken.

LubscriptlonSpreise sind für 1 Exemplar auf starkem Kupferdruckpapier fl. 1. fut 1 Exemplar auf chruefischem Papier mit breitem Rande fl. 1. 30 fr.

Wiesbaden, 30. Mai 1848.

C$3$) Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz.

Edictalladung

der Gläubiger des Johann Dommershausen und dessen Ehefrau Magdalena, geb. Keiser zu Weisel.

Nachdem durch rechtskräftiges Urtheil vom 27. März 1848 über das Vermögen des Johann Dommershausen und dessen Ehefrau zu Weisel Concurs erkannt ist, so werden alle, welche an diese Concursmaffe dingliche oder persönliche Ansprüche haben, aufgefordert, solche Montag den 26. Juni 1848 Morgens 8 Uhr dahier zu liquidi- ren, bei Vermeidung des ohne weiteres Decret eintreten­den Ausschlusses von der vorhandenen Masse.

St. Goarshausen den 19. Mai 1848.

Herzog!. Nassauisches Amt: (341) Hildenbrand.

(340) Von einer Herrschaft wird eine zweispännige Droschke für die Sommer-Saison zu miethen gesucht.

Dieselbe muß in ganz gutem Zustande und nach neuer Bauart sein.

Das Nähere im Geschäftsbureau von

E. Leyendecker.

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Redacteur Karl Brann. Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich,