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Naffauischc Reifung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
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Wiesbaden, Mittwoch, den LS. Mai. 18â8.
Das vierteljährige Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden fL 1. 45 kr. — Ein Abonnement für Wiesbaden auf 14 Tag, 54 kr. — Ein Monats-Abonnement für Wiesbaden 40 kr. — Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl. 1. iS kr. — Man abonnirt in Wies» badem in der Expedition am Friedl'ichsptntz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.
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Uebersichten , Erörterungen und ^Aktenstücke.
Die Territorial -Einthcilung Deutschlands.
Eben beginnt zu Frankfurt Deutschlands eouftitui- rende Nationalveriammlung. Seit ihrer Berufung ist die politische Vage nach Außen wie nach Innen gar gewaltig verändert. Dank iiichtsleruenden und iiichis- vergessenken Ueberstürzungstendenzel» hat die deutsche Reform bewegung biuneu dritthalb Monaten ihre ganze Jugendpbase durchlaufen. Hcckcr-Slruve's republikanische phystalforee Partei ist niede»geworfen; von den Coustitutionellinonarchischeii scheiden sich bereits milk- eonscrvative, ftmiflconfcrviwve, retrosvektive Elemente: sogar die alte Diplomatie mit ihren Einschlaferungs- und Zsolirnngsgewohnheiteii bliest »vieder hervor Himer halbgeöffneten Fensterläden.
Was können — was werden unter solchen Um- stänben die Männer thun, deren Weisheit und Gesin- nungstreue die Zukunft von nahe an vierzig Millionen Deutscher anvertraut ist? Steht von ihnen ein vol leudeter, dauerverheißeiider Grundbau, steht blos eine Geleqenbeitsschöpfung zu erwarten, nlemanven vollständig mißfallend; eine Acte, b.i deren Unterzeichnung alle Tbeile sich ein Stelldichein für kommende Tage zurufen?
Die siebenhundert können viel, wenn sie klar unk entschieden wollen. Denn noch hat die öffentliche Mei mnig, nicht allenthalben das Frierkleiv abgelegt. Auch wohnen mehr denn einem deutschen Cabinelte aufrichtige ForOhrittsgedauken inne.
Ob sie auch werden? Diese Frage ist schwer zu lösen. Deutschland bedarf lebendiger Gestaltung; ee bedarf freien Wesens von der Ortsgemeinde, bis hinauf zu dem Ratwnalparlamente; es bedarf vor allem thatsächlicher Befreiung der Regierungen sowohl, als der Regierten, von jener tiesgewurzelten, tausendarmi- gen, hnreaukratischen Institution, welche, trefflich in manchen ihrer Individualitäten, verderblich wegen ib rcS verwitterten Gesamitypus, gleich einer Eiskruste zwischen Fürsten und Völkern lagert, Wärme und Verständniß aufwärts urd abwärts hindernd. Wird wohl die Bersammlug Herr werden, die minke kn halb der bureaukralischen Kaste entnommen ist? Gon gebe cs. Nächstes und schwierigstes Problem bleibt wohl immerhin jenes der zu schaffenden Centralbnndcs- StaatSgewalt.
Unter zahllosen Projekten liegen zwei vor, entschieden gewichtig nach Ursprung und Gönnerschaft — das Erbkaiserthum und das Triumvirat. Das Erbkaiser-
* Der Krrmeshut.
Eine AorsnovlUe vom Westerwald,
von Eduard Wlümanu.
(Fortsetzung.)
Erst spät trennten sie sich; noch einen Kuß drückte Heinrich an der Thür auf ihre Lippen und ei te davon. Doch bald kehrte er heimlich zurück und schlich sich leise an den Ort, wo er sich vorhin vor Hannchens Vater uno Peter verborgen hatte; dort holte er einen dunklen Gegenstand aus der Hecke hervor, hüllte ihn sorgsam in ein Tuch, nnd ging dann, ihn mit der einen Hand hinter sich versteckend, wieder hinweg.
Hannchen war in das Haus zurückgekehrt. Verschie- idenartige Gefühle beweibten ihre Brust. Mit Staunen .erfüllte sie das plötzliche Verschwinden des Hutes, mit Schmerz die ewige Trunksucht ibred VaterS, aber mit Freurc, mit unsäglicher Freude die treue, beständige Liebe Heinrichs. Lange dachte sie noch an ihn; da sie aber wußte, daß ihr Vater so bald nicht nach Hause kommen würde, so schürte sie bad Licht so, daß es ganz klein und sparsam brennen mußte. Dann legte sie sich ruhig zu Bette, faltete die kleinen Hände auf der Bettdecke und betete; und betete für alle Menschen, namentlich aber für ihren Vater ttub für Heinrich, und während D»S Betens schlief sie ein, und betete noch sott während
thum kann, unseres Erachtens, nur Werth behaupten aus dem dynastischen und tcrritoril-regtininalen Gesichtspunkte ; so fern nämlich den Fürsten daran gelegen wäre in einem Augenblick, da das demokratische Princip sich des Bodens unter ihren Füßen bemächtigt, mtudcstenö den Schlußstein monarchisch conftruirl zu wissen.
Aber gerade die Fürsten wollen von einem Erbkai - ser mchlS wissen, uno dem deutschen Bolte vermag eitle Einrichtung nimmer znzusagen, deren Schooß, wie uns scheint, Alles eher, als Bürgschaften für achte Nationaftrccheiten umschließt. Auch das Lriuinvirai hat seine höchst bedenklichen Seiten. Selbst von den meisten sein.r Vertreter sehen wir dasselbe nur als Movisorlüm empfohlen, wahrend fürwahr mit einem Provisorium da ntche geholfen ist, wo über kurz oder lang neben dem nationalen auch manch re^i i inales Gefühl sich verletzt fühlen dürfte, und wo vermöge d^r jährliche» Parjamentssessienen dem freien Wort eine geregelte ^eliendmachnng gesichert bleibt. Unseres Erachtens böte sich ein weit einfacheres Mille! dar. Woruocr klagt der Deutsche vorzugsweise? Worin ruhl das eigentliche Unheil der Lage? Offenbar in Cer anomalen Semtormlcireumscripnon Deutschlands. Man greife nach einer in allen Traditionen wurzelnden Form.
Ein Einverständniß der Dhnastien und der Natio- ..alversammlnng gruppirie mit Rücksicht auf historische Grundlagen und aus bestehende Militär-Verfassung lanlnuüche deutsche Gebiete in sieben Kreise, und zwar in der Art, daß die mit eigenem Armeecorps begabien Staaten selbstständige Kreise bilden, daß an die übrigen drei Königreiche ass^^freisausichreibende Fürsten" die verwanden Staaten, wo möglich desselben Armee- corps sich aiischlicßeii, und daß den freien Städten meßen ihres eigenthümlichen Prinzips die Eigenschaft eiileö eigenen Kreises beigelegt werde. Man bilde aus den Kernen der sieben Kreise (Oesterreich, Preußen, B. p rn, Württemberg, Sad)sen, Hannover, dann kein Repraseiltame» der Freien Stabte) die „Bundcsstaals- regierung" lind ermächtige diese, entweder nach einem layrllchen Turnus das Präsidium zu führen, oder periodisch ihren Vorsitzende» zu wählen. Man gebe endlich, falls in Absicht an» Ceinralfeageu höchster Ordnung, wie Krieg und Friede, Aenderungen der Ceutral- versassuug rc. , die Bundesstaalsregierung an zustimmende Bota des Plenum gebunden bliebe, das Sich- verstandigen der kreisaussch reibenden Fürsten und der jeweils kreisaus.chreibenden Stadt mit ihren Curie» Kreis - Zusammentritten anheim. Schnell werden die Schtvierigkeitewsich lösen.
Eine solche Einrichtung böte den deutschen Einzel- herrschcrthumen und Gebieten die Bürgschaft selbstständiger Fortdauer. Sie gewährleistete aber auch ber
deS Schlafes, denn sie träumte von schönen lichten Engeln und von Heinrich. —
3.
Am andern Abende schwangen in der größten Stube des Wirthshauses die Kiriiießburschcn ihre Mädchen im lustigen Tanze. Auch Mancher, den kein buntgeschmück- ter Hut zierte, drehte sich fröhlich im Kreise. Unter diesen war des Schulzen Heinrich mit seinem Hannchen, nach dem Aussprüche Aller, die den» Tanze zusahen, Dao schönste und löblichste Tänzerpaar.
Ueber sie wurde daher viel gesprochen und geflüstert, aber nicht allein, weil sie daS schönste aller Paare waren. sondern auch, weil man sichs nicht erkläreu konnte, wie sie auf einmal so öffentlich und sorgloS hier mit eina der tanzten, da man doch wußte, wie streng Heinrichs Vater diesem den Umgang mit Hannchen verboten hatte. Dazu kamen die Gerüchte, welche sich im Dorfe über daS Verhältniß deS langen Peters zu Hannchen, und das räthseihafte Verschwinden des KirmeßhiiteS verbreitet hatten. Kein Wunder also, wenn die Äugender Zuschauer, besonders der neugierigen Weiber, beständig auf sie gerichtet waren. Doch sie merkten nichts davon, sie sahen nur sich, sie dachten nur an sich. Sorglos, wie zwei Schmetterlinge, die im Sonnenschein an Den Blumen dahin flattern, unbekümmert um das dietz des Knaben, daS über ihnen schwebt, hüpiteu auch sie im Tanze dahin. Und doch waren schon während der ganzen Zeit aus der finstersten Ecke der Stube zwei stechende Augen auf sie gerichtet, in denen ein Netz der Bosheit
Gesammtheit dasjenige, was eminent Noth thut — Die Vorzüge massenhafter Gliederung. Durch sie erhielte Deutschlaiid eine Coll.kl'vregilniiig, bestehend aus wenigen, durchaus bedeutsamen Staaten öder Repräsentanten von Slaatengruppen. Durch sie wäre zudem, wie der Einheit, so der gesetzlichen Freiheit, die möglichste Gewähr zugewendet. Die Einihcilnng Deulsch- lauds wurde sich hiernach wie folgt bilden: Erster Kreis: Oesterreich. (Erstes, zweites, drittes Aimee- .orps). Zweiter Kreis: Preußen. (Viertes, fünftes, sechstes Armeecorps). Dritter Kreis: B yer». (Siebendes Armeecorps).. Vier,er Kreis: Krciöausschrei- oenber Fürst. Württemberg (achtes Armeecorps); Dann Baden (achtes Armeecorps); Hessen - Darmstadt (achtes Armeecorps); Nassau (iieuiitcö Armeecorps); Hessen - Homburg (Reservedivision); Hobcnzollern-He- chingen (R serpedivjsio») ; Hohenzollern - Siegmaringen (Reiervedivision); (Liechtenstein (Reservedivision); Fünfter Kreist Krelsausschrei wnper Fürst. K nigreich Lachse» (ncunlkS Armeecorps); kann: Hessen-Kassel (neuntes Armeeeörps); Sachsen-Weimar (Reservedivi- siou); Sachsen Cobirrg-Gotha (Neservekivision) ; Sach- seu-Meiuingen' (Reierved,Vision); Sachsen - Altenburg (Risirvedivision); Anhalt-Dessau (Reserve ivision); Auhalt-Bernburg (Reservedivision); Reuß-Greitz (R'- servekivisiou); Reirß-Schleitz (Reservedivision); Reuß- Lobenstein-Everod0if (Reservedivision) ; Schwarzdurg- Sonberobauien (Reservedivision) ; Schwarzburg - 3tu> dolfftakt (Reservedivision). Sechster Kreis: Kreisaumschreibender Fürst. Hannover (zehntes Arme'ecörps)z kann: Meckenbnrg - Sch verin (zehntes Armeecorps)'; Mecklenburg-Strelitz (zebnicsArmeecorps); Oldenburg (zehntes Aimeeeorps); Brauiifchweig (zehntes Armp^- corps); Schleswig - Holstein (zehntes Armeecorps); Luremburg (Befatziing derFestiing Lnremburg) ; Ktphe« Deiiuiold '(Reservedivision) ; Schäuinburg-Lippe (Rö- serverdivision) ; Waldeck (Reservedivision). Siebenter Kreis: Freie Städte. Frankfurt (Spezialreserve): Hämhurg (zehntes Armeecorps) ; Lübeck (zehntes Ar- meceorps); Bremen (zehntes Armeecorps).
dkafsauisches.
K itik deS erschienenen Entwurfs über die künftige Ansübunq der Jagd im Herzogthnm Nassau.
S. Boin Main, 25. Mai.
Mit Vergnügen haben wir den freisinnigen Entwurf der zukünftige» Jagdordnung für das Herzogthum Nassau gelesen, doch finden wir die nachfolgenden Punkte nicht sachgemäß.
Artikel 5 gibt die Erlaubniß , daß Jeder, welcher und der Falschheit war, verdrrblicher noch als bad des Knaben für die Schmetterlinge — cd waren Die Augen oed langen Peter. Lange schon hatte er unbeweglich hckr gestanden, und fortwährend aut daS schöne Paar geschaut. Jetzt fuhr er plötzlich auf und mit den Worten: „ed ist Zeit!" und einem teuflischen Lächeln ging er hastig zur Thür hinaus. , .
So war schon tief in der Nacht. Die meisten Zimmer deS Wirthshauses waren noch mit lustigen Bür- und Branntweintrinkern ange'uüt , und in der großen Stube wurde noch immer getanzt. Heinrich und Hannchen hatten sich, vom Tanze ermüdet, zurückgezogen und an ein Tischchen iu der Ecke gesetzt, wo sie ungestört und selig mit einander plaudern konnten.
Da'wurde auf einmal der Lärm draußen auf der Treppe lauter; Alles drängte sich nach der Thüre und herein traten der lange Peter, der Schulze deS DorftS und zwei Polizeivieuer. .
ist der Dieb deines Huteö, Peter, zeige mir ihn,'damit ich ihn festnehmen lasse."
„Hier in der Ecke, Herr Schulze" , erwiederte bsé» fer mit höhnischem Lachen, und schritt auf einen kleinen kleinen Tisch in der Ecke zu, ^hier sitzt er, schaut olüc her, Herr Schulz!"
Er schaute hin, aber entsetzt fuhr er zurück, deffv ber, worauf Peter mit dem Finger zeigte — war sein Sohn Heinrich.
„Jft'S möglich 's Heinrich, dâ hättest den Hat gestoßen , du wärst ein Dieb?" rief er schmerzlich auS, „o