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Freiheit, Wahrheit und Recht I
Materielles und geistiges Wohl des deutschen VolkeSl
Wiesbaden, Dlerrstag, den 30. Mai. IS^S»
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Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.
0 Unsere Stellung zur nassauischen Ständekammer.
Die Antwort auf die Thronrede.
Wiesbaden, den 28. Mai 184^.
„Ich hatt' einen Kameraden, Einen bessern findst Du nit. . Die Trommel schlug rum Streite, Er ging an meiner Seite In gleichem Schritt und Tritt"
Wer kennt nicht diese gemüthliche Strophe unsers großen Sangesmeisters Ludwig Uhland?*) Sie enthalt die Grundlage der Stellung, welche diese Blätter der nassauischen Ständekaminer gegenüber einzunehmen sich bestreben werden. Sie wollen derselben zur Seite gehen in gleichem Schritt und Tritt als ein treuer Kamerad.
Unsere Ständekammer in ihrer Zusammensetzung im Ganzen hat die öffentliche Kritik der Presse nicht zu scheuen. Sie enthält hervorragende geistige Kräfte und treffliche, schlichte und biedere Charaktere. Bei einzelnen mag freilich in dieser Beziehung noch ein wenig das so genannte „Lampenfieber" vorherrschen, welches den jungen Schauspieler ergreift, wenn er die ersten Male auf jenen Brettern, die die Welt bedeuten, Lem Publikum gegenüber tritt, daS für ibn, die Große ÄS Ruhms oder die Schmach der Vergessenheit bringen wird. Man hât uns sogar gesagt, daß ein De- putirter unsere Bemerkung über das Maaß des ihm zu Gebote stehenden Scharfsinns äußerst krumm genommen habe. Aber mein Gott, wer den Muth hat, als öffentlicher Charakter aufzutreten, der muß doch auch die Unerschrockenheit haben, den unschuldigen Nadelstichen der Kritik Stand zu halten.
Wir wollen uns also durch eine solche Empfindlichkeit eines Einzelnen nicht znrückschreckcn lassen, sondern die Verhandlungen der Kammer stets begleiten, indem wir an demselben Tag, an welchem die jeweilige Sitzung stattgefunden, ein kurzes Referat darüber mittheilen, in der Folge aber einzelne Gegenstände aus der Verhandlung, welche entweder an und für sich oder durch die Art, wie sie discutirt wurden, Interesse bieten, in besonderen Artikeln einer kritischen Beleuchtung unterziehen.
Einen wörtlichen Abdruck der Protokolle halten wir
*) Beiläufig bemerken wir, daß wir zuerst in diesen Blät- tern auf Uhland's ,/Herzog Ernst" als bestes Festspiel bei Eröffnung des Parlaments hinwiesen. Das Frankfurter Theater gab ihn am 18. Mai unter endlosem Beifall. ,
* Der Kirmeshut
Live Dorsuovllle vom Westerwald,
von Eduard «ißmann.
(Fortsetzung.)
So sang'â in dem kleinen Hause. Da öffnete sich daS halb verschlossene Fensterchen ganz, und ein wunderschönes Mädchengesicht, wie man's kaum in einem Dorfe vermuthen sollte, schaute heraus, und wandte, vom Hellen Mondscheine beleuchtet, daS große feurige Auge hinauf zum gestirnten Himmel, und neigte dann daö blonde Köpfchen nieder, und sah ^inab auf die duftenden Rosen und Weißdornblüthen — und weinte herzlich.
„Keine Freude nicht mehr, keine Freude nicht mehr!" wiederholte sie leise, indem sie einen mit Blumen und Bändern verzierten Männerhut betrachtete, den sie in den Händen hielt. Dann fuhr sie langsam fort:
„Ach, wenn er für ihn wäre, wie schön würde er ihm stehen zu den braunen Locken und wie glücklich würde ich sein! — Waâ er jetzt wohl treibt, ob er an mich denkt? — ach nein, nein, er hat mich vergessen! Schon drei Tage warte ich jeden Abend, aber vergebens, vergebens. Er kommt nicht mehr wie sonst, wo er kaum die Dämmerung erwarten konnte — nein, er hat mich vergessen, er denkt nicht mehr an mich!"
Und sie beugte sich vor und weinte von Neuem.
für zu zeitraubend und rauinstehlend, als daß wir uns demselben unterziehen könnten. Dieselben werden ohnehin in einer offieicllen Ausgabe zusammen mit dem Jntelligenzblatte ausgegcben und genießen auf diese Art eine Verbreitung, welche jeden weiteren Abdruck entbehrlich macht.
Dagegen werden wir selbstständige Motionen und einzelne belangreiche Vorträge, welche eine besondere Berücksichtigung verdienen, sofort vollständig mittheilen. Die Herrn Deputirten, mit welchen der Redacteur dieses Blattes persönlich bekannt und befreundet ist, — und das ist quantitativ und qualitativ die Mehrzahl derselben — haben ihm desfallsige Zusage gemacht. Auch wird unser Blatt von der Hand einzelner unter den Deputirten demnächst einige sehr schätzbare A»o- arbeüungcn bringen.
Unserer Zusage gemäß wollen wir nun noch ein Paar Worte über die Verhandlungen sagen, die in Betreff der Antwort auf die Thronrede statt halten.
Der Entwurf des Berichterstatters ist durchgefaUen. Er mag sich mit den Worten Schiller's trösten: „Wahrlich, im schwierigen Werk Allen genügen ist schwer!"
Denn es war, auch abgesehen von der Länge und dem rhetorischen Schmuck des Entwurfs, welcher bei den meisten Kammermügliedern Anstoß erregte, schon an und für sich unmöglich, den Erwartungen und Ansichten der Kammer Genüge zu leisten, weil man dieselben noch gar nicht kannte.
Ehe die'Kammer zu dem Ausschuß sagen konnte: „Mache mir eine Thronrede," mußte sie ihm zuvor sagen: „Ich stelle mir unter einer Thronrede dieses oder jenes vor."
Die Vorstellungen der Kammer waren aber in diesem Punkt sehr abweichend von einander.
Nach den Aeußerungen Mancher mußte man an- nehmen, daß sie daS Verhältniß der Adresse zu der ihr nachfolgenden Kammcrscssion auffaßten, wie das eines Registers zu dem Buch, wie das einer Ouvertüre zu einer Oper. Man glaubte, Alles was bereits gethan sei und noch gethan werden müsse, das müsse bereite vollständig und en détail in der Adresse angekündigt sein. So stritt man, ob daS Militär auf die jetzigen oder auf die zukünftigen Gesetze zu vereidigen fei; man stritt sich darum, ob 'cs sich bei der Dom anen frage um Eigenthum handle oder um Besitz und Benutzung, ferner, ob die Zehnten aufgehoben oder abgelöst werden sollten; man stritt über die Art der Besteuerung und schlug sogar vor, schon in der Adresse eine provisorische Umlage auf Capital und Besoldungen einznführen, wobei indeß zu bemerken, daß die Besoldungen schon längst besteuert sind.
Wir glauben nun, daß, wenn man sich so in die
Da fielen ihre Augen wieder auf den Hut, den sie noch immer in der Hand hielt, und fuhr mit sich selbst redend fort:
„Ich hoffte seinen Hut schmücken zu können und halte nun den eines Andern in der Hand, eines Andern, den ich nicht leiden mag, der mir verhaßt ist. O, ich sühle, eS war nicht recht von mir, und ich hätte es auch nicht gethan , wenn mein Vater noch so sehr ge- droht und geflucht hätte; aber als er mich bat, waS er ja so selten thut, da mußte ich nachgeben, da dachte ich ihm eine rechte Freude zu machen, und er ist doch so selten froh. — Aber wenn ich mir's denke, während der ganzen Kirmeß immer in der Gesellschaft dieses Verhaßten sein zu müssen — und wenn er mir dann begegnete und mich mit seinen großen Augen traurig und vorwurfsvoll ansähe — o Heinrich, Heinrich!" —
Und sie schob den Hut zur Seite auf das Fenster- brett, stützte ihr Köpfchen auf den Arm und ließ Thräne auf Thräne im Mondschein niederrinnen, nieder auf die duftenden Rosen und Weißdornblüthen, von denen sie gierig aufgcsogcn wurden.
Sie hatte eâ nicht bemerkt, daß mittlerweile zwei Männer in das Haus eingetreten waren, und erst als sie mit Fluchen und Lärmen in die Stube traten, richtete sie sich erschrocken vom Fenster empor.
„Hannchen", rief der eine der Eingctretrncn mit der lallenden Stimme eines Branntweinberanichten, „warum sitzest du denn da im Dunkeln? Du brauchst jetzt nicht mehr an Oel zu sparen, wir werden wieder reich wer-
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Emzelnheiten einlassen, jede erst nach langen Erörterungen zur Entscheidung reife Frage bereits in der Adresse berühren und fast schon abtbun will (ohne dabei zu bedenken, daß man dadurch überall sich selbst präjudi- cirt und sich eine Schlinge anlegt an den bis jetzt fes- sellosen und und unbefangenen Geist des redlichen Fortschritts) — dann könnte man unsern Hergott selber mit Abfassung des Entwurfs chargiern und er brächte es nicht fertig, sie Majorität für sich zu gewinnen.
Diese Adresse soll eine Antwort fein auf die Thronrede.
Sie muß sich also genau an diese halten, muß kurz, klar und präcis sein wie diese. Jedes Wort zu viel ist vom Uebel.
Sie muß die einzelnen Sätze der Thronrede beantworten, affirmativ oder negativ, wie es in der Absicht der Kammer liegt, die affirmativen durch Anerkennung und Dank, die negativen durch Beschränkungen und Erweiterungen, Modificationen u. s. w.
Dann einen passenden Anfang und Schluß dazu, unter Beobachtung der unter civilisirten Menschen üblichen Formen (denn wir halten die sich funb gebende Wuth gegen die Formen für etwas kindisch; nirgends bestehen sie z. B. mehr als in England, aber nock kein Mensch hat behauptet, daß sie dort der Freiheit schaden) und das Ganze ist fertig.
Hoffen wir, daß es morgen endlich fertig wird, und hoffen wir, unsern Lesern einen Entwurf mittheilen zu können, in welchem Inhalt und Fassung mit einander wetteifern.
D Achte Sitzung der deutschen Natronal- 8>erfammhnifl.
Präsident: Hcinr. v. Gagern.
Tagesordnung: Raveaur'scher Antrag.
Verlesung des Protokolls der Sitzung vom 27. Mai.
Freuden theil aus Stade will die Thatsachen der Mainzer Vorfälle in das Protokoll ausgenommen wissen, ebenso die Verbesserungsanträge.
Der Präsident ist derselben Meinung.
Auf Schaffrath's Antrag werden die Namen der in der Abstimmung in der Minorität gebliebenen Abgeordneten vorgelesen; eS mögen nahe an hundert Namen sein. Noch einige Abgeordnete eilen zum Tisch, um ihre Namen denen der Minorität beizusügen.
Eisenmann tadelt, daß man gegen die Bestimmung der Geschäftsordnung dem Berichterstatter und Antragsteller nicht gestattet habe, daS Wort vor Schluß der Debatte nochmals zu ergreifen.
Biedermann protestirt gegen den gestrigen Beschluß.
Der Präsident schlägt nun vor zur Tagesordnung überzugchen und bittet einige der noch eingeschriebenen Redner auf daS Wort zu verzichten.
den. noch reicher alS wir früher waren, drum schnell ein Licht, schnell! und sei froh wie ich, juchhe!
„Vater, Vater, wo bist Du wieder gewesen!" sprach Hannchen mit sanftem Vorwurf und ging dann hinaus in die Küche um Licht zu holen.
Hannchens Vater hatte nicht immer in den Verhältnissen gelebt, in denen er sich jetzt befand; er war reich gewesen, geachtet und angesehen von Allen, die ihn kannten. — Er war früher Schullehrer im Dorfe, geliebt von seinen Schülern und geschätzt von seinen Vorgesetzten, zu deren größter Zufriedenheit er sein Amt verwaltete. Er war ein guter Lehrer und ein vorzüglicher MusikuS, denn er war es, der Hannchens Stimme die Weichheit und Fülle des Gesanges gelehrt, die man an ihr bewunderte. Doch ein böser Stern schien über dem Schullehrer aufgegangen; seine Frau, eine tüchtige Bäu- rin aus dem Dorfe, starb plötzlich dahin in der Fülle ihrer Kraft; er hatte sie geliebt und ihr Tod beugte ihn tief. Um sich zu zerstreuen, suchte er Gesellschaft aus, gerieth unter schlechte Genossen, die ihn in'â Wirthâ- Haus und immer wieder in'ü Wirthshaus führten, und lank von Stufe zu Stufe immer tiefer und tiefer herab. Dies erfuhren bald seine Vorgesetzten;< er wurde seines Dienstes entlassen, verkaufte allmälig Hab' und Gut und zuletzt sogar seine Violine und sein altes Klavier, von dem Hannchen mit Gewalt loSgerifien werden mußte, als es fortgebracht wurde, So war eS denn endlich dahin gekommen, daß ihm nichts geblieben, alS daS schlechte Häuschen, daS er mit Hannchen bewohnte, und einègr