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Mffauische Reifung.
Frelheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistige« Wohl de« deutschen Volke«!
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Wiesbaden, Montag, den 29. Mai. 1848»
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Uebersichten und Erörterungen.
D Siebente Sitzung der deutschen National- Versammtung.
Frankfurt, den 26. Mai 1848.
Freitag, den 26. Mai, Vormittags 10 Uhr.
Präsident: Heinr. v. Gagern.
Tagesordnung: Mainzer Vorfälle. Raveaur'scher Antrag.
Der Präsident verliest die eingegebenen selbstständigen Anträge und Petitionen.
Der Präsident fragt die Versammlung, ob sie dem Abgeordneten Heckscher wegen der Dringlichkeit seines Antrages das Wort gestatten wolle, abweichend von der Tagesordnung. Wird besaht. .
Heckscher begründet in überzeugender Weise seinen Antrag zur Gründung einer deutschen Marine. Franke von Flensburg unterstützt lebhaft den Antrag und hebt die Wichtigkeit des Gegenstandes besonders durch den gegenwärtigen Krieg zwischen Deutschland und Dänemark hervor. v
Da kein Redner sich weiter meldet, so beschloß die Nationalversammlung mit großer Majorität, sofort diesen Antrag einem Ausschüsse zu überweisen.
Mainzer Vorfälle.
Hergenhahn als Berichterstatter besteigt die Red- slerbühne, um die Nationalversammlung mtt dem Ergebnisse der Untersuchn ngseommission bekannt zu machen. Der sehr lange Bericht gab ein Zeugniß von der Unparteilichkeil und Gerechtigkeit der Commission. Ergab ein zwmllch getreues Bild der unglücklichen Vorfälle, indeß nicht alle nach ihrem Ursprünge ermittelt werden konnten. Beide Theile, Bürger und Soldaten, trifft die Schuld. Seit längerer Zeit ist Nichts unversucht gelassen, die preußischen Soldaten durch höhnende, beißende, oft schändliche Reden und Zeitungsartikel, besonders in der Mainzer Zeitung, über Preußen und den König, zu erbittern. Alle Lie besondern kleinen Umstände anzuführen, die den gemeinen Soldaten reizen müssen und die Flamme endlich zum fürchterlichen Ausbruch brachten, unterlasse ich, da sie Ihren Lesern zum Tbeil bekannt und auch den Raum Ihres geschätzten Blattes zu sehr in Anspruch nehmen würden. —Aber auch auf der andern Seite ist gefehlt und in fast demselben Maße, wie von Seiten der Bevölkerung Mainz's. Es sind rohe Handlungen der Brutalität gegen Frauen, Kinder, überhaupt gegen gänzlich unschuldige Leute ausgeführt worden.
Zitz besteigt nun die Bühne und spricht gänzlich gegen den Bericht der Commission, donnert mit der größten Energie gegen die Preußen, hebt ihre Schuld
* Der Kirmeshut.
Eine Dorfnovllle vom Westerwald, von Eduard Wißmann.
1.
Blau und lächelnd sah an einem schönen Frühlings- atzende der Himmel auf das in Apfelbaumblüthen versteckte Dorf hinab. Die Sonne küßte eben mit ihren Feuerlippen den westlichen Raum deâ Waldes, die Kuh- herde zog langsam heim von der Weide, während daâ Hirtenhorn ihres Beschützers wehmüthig zu den Bergen hinübcrklang, und die Landleute kehrten singend und pfeifend vom Felde zurück, aber heute, wie es schien, eiliger, als sonst. Dies war jedoch auch kein Wunder. Denn ein ungewöhnliches Treiben belebte das Dorf. Kinder liefen jubelnd durch die Gassen, Weiber und Män- «er folgten ihnen. Alles zog sich nach dem großen Wirthshaus« tn der Mitte des Dorf.S. Von doct her erklang schallende Musik, und unter lautem Rufen und Lärmen ward ein bunt mit Blumen und Bändern ge- fchmückter „Maibaum" inmitten eines freien Pl-tzeS vor dem Hause aufgerichtet. Morgen war „Kirmiß" und die jungen Bursche, welche eben den schlanken Baum ausge- richtet hatten und jetzt in das Wirthshaus hinein nach Branntwein riefen, waren die Kirmeßbursche. Jubelnd empfingen sie den gefüllten Krug und ließen ihn eilig, einander zutrinkend, im Kreise herumgehen. Alles war Freud« und Lust. Nur Einer stand schweigend und trau- «g an der Eck« dtö Wirthshauses gelehnt unb schien die
durch seinen schwungvollen Vortrag unter dem Geschrei der überfüllten Gallerten hervor und will tn der für, zesten Zeit die gültigsten Dokumente für seine Angaben Vorbringen. Ist je ein Mann glühend begeistert für die Freiheit, für seine Vaterstadt und Mitbürger, so ist es Zitz. Aber er ist zu heftig, zu leidenschaftlich und was das Schlimmste ist, zu sehr Partei für seine Mainzer. Wer die Mainzer kennt, muß gewiß ein,gestehen, daß doch wohl nicht Alles so sein möchte, was Zitz zu ihrer Rechtfertigung bei den Unruhen vorbrachte. Unter donnerndem Beifall der Linken und der Gallerien und heftigem Zischen der Preußen trat Zitz ab.
v. Schmerling aus Wien tadelt sehr bitter die Art und Weise, wie Zitz die Untersuchungseommission fast Lügen straft. Die Commission ist durch das Vertrauen der Nationalversammlung zusammengesetzt und ihr Bericht müsse maßgebend sein und der An altpunkt für die Nationalversammlung bleiben. Er heißt alle Maßregeln des Gouverneurs gut und will aus dem Bericht der Commission ersehen, daß die gefallenen Soldaten durch Meuchelmord gerödtet sind. Es ist nämlich erwiesen, daß sie durch Dolchstiche und Kugeln von hinten her ihren Tod fanden. Dolche und Sensen, die später abgeliefert sind, sind keine Waffen für eine Bürgerwehr. (Vielfache Unterbrechung, Bravorufen, Zischen.) Das Lob, das Zitz den österreichischen Soldaten zolle, theile er vollkommen, er wolle aber zur Ehre der Oesterreicher glauben, daß sie bei ähnlichen Vorfällen eben so wie die Preußen gehandelt und übrigens nur schwer wären ab- gehaltkil worden, mit den Preußen vereint gegen den UeberMuth der Mainzer zu streiten. Der Grund, warum die Mainzer stets in gutem Einvernehmen mit den Österreichern standen, liege in der geringen politischen Bildung des österreichischen Soldaten unb bei vielen Regimentern in der geringen Kenntniß der deutschen Sprache."
Robert Blum spricht: das Vertrauen der Mainzer zu ihren bürgerlichen Behörden sei gänzlich verschwunden, denn diese seien nur die Werkzeuge der Gou- verneurSgewalt. Wir sind in Mainz von Beschwerden und Klagen der Bevölkerung förmlich erdrückt und konnten leider nicht allen abhelfen. Man möge nur die Zeit in Betracht nehmen, in welcher durch Reden und Zeitungsarkel eine Erbitterung genährt sei. Oder hätte man schweigen sollen, wie Berlin durch die rohe Militärgewalt 16 Stunden lang bombardirt sei, oder solle man schweigen, wenn man es wagt, f §f den Prinzen von Preußen zurück zu rufen. Nicht bloß Mainzer Blätter, die ganze deutsche Presse sei frei.und auch jetzt in Aufruhr und wenn also von Einzelnen scharfe Aeußerungen gefallen, so treffe das nicht die ganze Stadt.
Fürst Lichnowsky, ein ächter Preuße, widerlegt Zitz in obwohl heftigem, doch geordnetem Vortrage fast
Scene der Fröhlichkeit gar nicht zu bemerken. Dies war des Schulzen Heinrich, der schönste Bursche im gan- zrn Dorf. Er trug, wie die Andern, den einfachen blauen Kittel der dortig n Gegend, und die baumwollene, auf der einen Seite niederhängende Qnastenmütze; aber die dichten braunen Locken, die sich unter derselben hervordrängten, und die fast großen blauen Augen, die so betrübt vor sich hinsahen, zeichneten ihn von den klebrigen aus.
„Komm doch her, Heinrich," rief ihm jetzt einer der Kirmeßburschen zu, „waâ stehst Du denn so allein dort an der Ecke? komm her und trink einmal mit und, ed gibt ja noch Branntwein genug, am Dir Deine Traurigkeit zu vertreiben — da trink mal!" und mit diesen Worten bot er ihm den Krug dar. Alle andere tranken ihm jetzt ebenfalls zu.
Nur der lange Peter blieb zurück und brummte für sich in den Bart: „ja schmeichelt Ihr ihm nur immer, wenn ich ihn allein hätte, wollte ich ihm auch schmeicheln, aber mit meinen Fäusten oder gar mit" — das klebrige verschluckend, drehte er sich eilig um und ging die Gaffe hinab.
„Ader Heinrich", sagte jetzt der erste der Kirmeß- burschen wieder, „warum bist Du nur immer so traurig und mißmuthig? sei doch lustig und fröhlich wie wir. Siehe nur, wie schön wäre ed, wenn Du jetzt auch die Kirmcß mithalten könntest; und gewiß würde jedes Mav' chen im Dorfe sich glücklich geschätzt haben, wenn Du ihm Deinen Hut zum Aufschmücken gegeben hättest.
Heinrich erwiederte anfangs nichts, dann aber sagte
Schritt vor Schritt und gibt Anlaß zu förmlichen Tumulten. Aufruhr in der Versammlung. Aufruhr auf den Gallerien. Er fordert die Schleswig'schm Abgeordneten auf, über die Tapferkeit der preußischen Truppen in Schleswig, ihre Mannszucht, ihr Betragen gegen den Bürger ohne allen Rückhalt zu reden.
Franke und noch ein Schleswig'scherAbgeordneter ergießen sich in großen Lobeserhebungen über den vortrefflichen Geist der preußischen Armee.
Welcker stimmt für Tagesordnung, will nicht, daß die Nationalversammlung die Regierung der einzelnen Staaten übernehme, der von Zitz hereingeschleuderte Antrag sei nur geeignet, Zwietracht zu säen. Zitz sei Partei, befangen und verdächtige die hessische Regierung. Der Bericht der Commission müsse der Anhaltspunkt sein. Man solle sich durch Zitz nicht auf den Boden der Revolution verleiten lassen.
Heckscher erklärt Lichnowsky und Welckers Heftig- feit für unpassend, es zweifle ja Niemand an der preußischen Tapferkeit. Von größter Wichtigkeit sei die Anwendung der politschen Maßregeln der Nationalversammlung in vorliegendem Falle.
Wydenbrugk aus Weimar spricht für Tagesordnung, die Hauptaufgabe sei die deutsche Reichsverfassung. (Abstimmung.)
Noch 35 Redner haben sich gemeldet. (Ruf nach Abstimmung.) , , <
Die Nationalversammlung beschließt zur Tagesordnung zu schreiten und den großherzoglich hessischen Behörden zu überlassen, die geeigneten Maßregeln zu ergreifen. Die Minorität gibt ihre Namen zu Protokoll.
Die Sitzung wird um 2% Uhr geschlossen. Nächste Sitzung den M., Vormittags 10 Uhr. Tagesordnung: Raveaur'scher Antrag.
Ein Brief des Prinzen von Preußen an pommersche Kreisstände.
Unter dem 19. April richteten die Stände des Belgarder Kreises einen mit 40 Unterschriften versehenen Brief an den Prinzen von Preilßen, in welchem sie diesen baten; „statt im fremden Lande seinen Wohnsitz unter ihnen aufzuschlagen." Darauf haben die genannten Stände folgende eigenhändige Antwort des Prinzen erhalten:
Meine Herren! Mit Freude und Rührung habe ich die Adresse der zum Belgarder Kreistage versammelt gewesenen Stände, welche an mich die Aufforderung enthält, in Ihre Mitte zurückzukehren, entgegengenom- men. Sie war mir ein neuer Beweis jener Liebe und Anhänglichkeit, welche die treuen Pommern gegen das Königliche Haus und gegen mich so ost bechärigt haben. Ihre Akr.sse hat meinem Herzen wohlgethan
er verdrießlich: „Ach, Ihr wißt ja, daß ed im Dorfe nur ein Mädchen gibt, das ich mir zum Kirmesmädche« hätte wählen mögen, und mit diesem in Zukunft auch noch eine Silbe zu reden, hat mir mein Vater, deffe» Strenge Ihr kennt, aufs heftigste verboten."
„Nun", entgegnete einer der Andern , „muß ed den» gerade dieses Hannchen fein, ed gibt ja auch außer ihr noch schöne Mädchen genug im Dorfe; und da Wt mir ein, dies wäre ja doch nicht gegangen; die hat ja schon den Hut eines Andern zum Aufputzen."
„Waâ!" rief Heinrich heftig, „sie hat den Hut eines Andern, wessen Hut? sage mir's schnell oder" —
„Nun den Hut des langen PeterS, denke ich."
„Donnerwetter!" schrie Heinrich, und ein eigene« Gemisch von Zorn und Schmerz sprach and seinen Zügen und mit den leisen, aber heftigen Worten: „er soll lhn doch nicht haben!" eilte er hastigen Schritte« der Wohnung seines Vaters zu, während die Andern mit erstaunten Gesichtern zurückblieben.
Es ist Sitte bei den Kirchweihfeierlichkeiten, daß jeder Bursche des Dorfes, der an dem Feste näheren Antheil nehmen will, seinen Hut einem Mädchen zum Aufschmücken gibt. Diese verziert ihn mit Blumen, Bändern und Flittern mancherlei Art, vielleicht in der zarten Hoffnung, bald ähnlich geschmückt, an der Hand deâ hübschen Jungen vor dem Altare zu stehen. Und dieses Mädchen ist dann während der ganzen Kirmeß beinah« die beständige Begleiterin des Burschen, mit ihr tanzt er fast ausschließlich, und sie hängt au feinem Arme, wenu mit wallenden Fahnen und mit notier Mu.