Naffamschc Scifunfi.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutsche» Volkes!
Wiesbaden, . Freitag, den 26. Mai. 18â8.
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Uebersichten und Crörterungen.
9 Eine Prophezeiung Weitzel's.
Wiesbaden, den 24. Mai.
Johannes Weitzel, geboren den 24. Oktober 1772 in Johannisberg, gestorben den 10. Januar 1837 in Wiesbaden, war einer der hervorragendsten Geister und ehrenwerthesten Charaktere, die unser Nassau hervorgebracht hat. Er genießt als Publizist, neben Schärfe des Verstandes und umfassenden Kenntnissen, den seltenen Ruhm einer unerschütterlichen und stets sich gleich bleibenden Gesinnung. Als ihn die Karlsbader Beschlüsse hinderten/ ohne Censur zu schreiben, gab er die für ihn so ehrenvolle publizistische Laufbahn auf, weil er der Ansicht war, eine journalistische Wirksamkeit unter der Controle der Censur sei eine halbe und deßhalb eine verächtliche. Preußen suchte ihn unter äußerst vortheilhaften Anerbietungen zur Gründung eines Organs der prcußiichen Regierung zu gewinnen; als er aber sah, daß hierbei möglicherweise seinen Grundsätzen zu nahe getreten werden könne, schlug er das Anerbieten aus.
Zur Erinnerung an diesen Mann, auf welchen Nassau stolz sein kann, theilen wir nachstehend ein kleines Bruchstück aus einer Denkschrift mit, welche Weitzel im Jahre 1818 an den preußischen Staats-Kanzler Fürsten von Hardenberg über den Zu st and der Rheinprovinz richtete. Man wird hieraus erkennen, von welcher rücksichtslosen Freimüthigkeit und Wahrheitsliebe Weitzel beseelt war und wie richtig er mit prophetischem Blick den künftigen Gang unserer staatlichen Entwickelung voraussagte, so daß er sich nur in der Zeit irrte, indem er einen Zeitraum von fünfzig Jahren annahm, während ein solcher von dreißig Jahren (1818 bis 1848) zur Bewirkung des Umschwungs hin- ; reifte.. , ? ■ r I
Das Bruchstück lautet so:
«Ich sage nochmal», die Stimmung der Zeit ist wesentlich demokratisch; in den aufgeklärten Ländern ist sie es besonders und somit auch am Rhein. Das Wort wird den nicht schrecken, der die Sache kennt. Freiheit und Gleichheit, dieser so verschrieene Ruf, an welchen sich schmähliche und furchtbare Erinnerungen knüpfen, ist das Loosungswort der Gegenwart, das, wo auch nicht allenthalben laut und öffentlich ausgesprochen, doch in den Herzen der Völker wiederhallt: Freiheit, die Befug- niß, nur dem Gesetze zu gehorchen, Gleichheit, die allgemeine Verpflichtung, einem und demselben Gesetze lunterthan zu sein, Iu fünfzig Jahren ist in der schönsten Hälfte von Europa der Sieg dieses Wahlspruchs entschieden. Diese Freiheit und diese Gleichheit werden dann ihre Herrschaft begründet haben, ob auf eine blutige oder unblutige Weise, das hängt von unS ab. Die privile-
girten Kästen können den Kampf fortsetzen, das Gebäude der politischen und gesellschaftlichen Ordnung Beschränkungen preisgeben, vielleicht eine europäische Revolution erzwingen; aber um zu siegen, wäre ein größeres Wunder nöthig, als Josua es gewirkt; die Zeit dürste durch ihre Befehle nicht nur still stehen, sondernZmüßte zurück- gehen, wenigstens um ein halbes Jahrhundert. Daß dieser demokratische Geist wesentlich monarchisch ist, bedarf kaum einer Erwähnung. Ohne erbliche Monarchie weder Freiheit noch Sicherheit, darüber sind alle Verständige unter uns einig; aber auch darüber, daß diese Freiheit und Sicherheit, wie die Festigkeit des Thrones selbst, ihre Bürgschaft in einer Verfassung finden, welche der königlichen Macht, in ihrem Bestehen und in ihrem Wirken den Willen, die Einsicht und die Kraft der Nation zur Grundlage gibt.»
D Vierte Sitzung der deutschen National- Bersannnlung.
granb'urt, 23. Mai 1848, Vormittags 10 Uhr.
Präsident: Heinr. v. Sagern.
Vorlesung des Protokolls der Sitzung vom 22. Mai.
Nachdem von Schwetschke, Eisenmann und Andern Reklamationen gegen die Richtigkeit des Protokolls erhoben waren, und die Namen der bei Abstimmung über den Naveaur'schen Antrag in der Minorität gebliebenen Deputirten verlesen waren, kamen die selbstständigen Anträge zur Verhandlung. Das Verlesen dieser Anträge währte fast 1 ^ Stunde. Sie hatten mehr oder minder Hebung des Gewerbsteißes, des Handels, die Rechte der deutschen Staatsbürger, Bildung einer dirigirenden Centralgewalt zum Inhalt.
Von Martini ein Antrag: das Verfahren des Obcrpräsidenten der Provinz Brandenburg, v. Meding, die Ansichten eines Abgeordneten nach seinen Grundsätzen zu bestimmen, durch den Reichstag entschieden zu mißbilligen.
Ruhe aus Hanau spricht gegen das zeitraubende Borlesen der oft sehr weitschweifig motivirten Anträge und schlägt vor, diese durch den Druck an die Versammlung zu bringen.
Zitz bittet nach der Tagesordnung um das Wort, die letzten Mainzer Vorfälle betreffend.
Rob. Blum bittet, die Discussion über die selbstständigen Anträge fallen zu lassen, da die Commission zur Bearbeitung der weitern Geschäftsordnung, bald mit ihren Arbeiten am Ziele sei.
Vorlesung der Petitionen und Eingaben.
Der Präsident berichtet, daß die Commission zur Prüfung der Wahlen sich constituirt und den Staats- minister a. D. v. Lindenau zum Vorsitzenden gewählt habe.
Abgeordneter Blumenröder, (ein alter schwacher
Mann) wollte eine Rede ablesen, wurde daran verhindert, wollte nun sprechen und blieb fürchterlich fief< ken, mußte unter großem Gelächter abtreten.
Die Tagesordnung war erschöpft und Zitz sprach nun mit siegender Beredsamkeit von den bedauerlichen Mainzer Vorfällen, war aber offenbar zu sehr Partei und verdächtigte das preußische Militär auf die anf- faUendste Wl.se. Meinte dagegen, Alles was die Bürger, überhaupt Mainzer, zur Entstehung dieser unseligen Vorfälle gethan, sei sehr unbedeutend.
Es wurde nun viel gesprochen, und endlich ein Ausschuß zur Untersuchung gewählt, der eine Commission nach Mainz absenden wird, die Sache an Ort und Stelle zu untersuchen.
Schluß der Sitzung um 2 Uhr Nachmittags.
Morgen den 24. Vormittags i 1 Uhr ist die fünfte Sitzung.
56. Sitzung der deutschen Bundesversammlung vom 22. Mai 1848.
Der großherz. Hess. Bundestagsgesandte, Freiherr von Level, zeigt seine Abberufung an und sudstiluirl vorläufig zur Führung der Stimme des Großherzog- thums Hessen den königl. würtembergischen Gesandten.
Von dem Gouverneur der Bundesfestung Mainz, General von Hüser, wurde eine Zuschrift vom 21. o. M. mitgetheilt, nach welcher es an dem bezeichneten Tage zwischen dem dort garnisonirenden preußischen Militär und der Bürgerwehr von Mainz zu ernsten Conflicten gekommen, mehrere preußische Soldaten erschossen und verwundet, in Folge dessen aber von dem Festuugsgouverneur die Stadt in Belagerungszustand erklärt und die Untersuchung des Vor,gefallenen durch eine gemeinschaftliche Commission in Aussicht gestellt worden war. Die in Folge dessen zur Wiederherstel- lung der Ruhe und Ordnung von dem Gouverneur ergriffenen Maßregeln unterstellte der Letztere der Genehmigung der Bundesversammlung und diese wurde denn auch, da es sich um eine Bundesfestung handelt und das Abgeordnete eben eine Folge der Erklärung der Stadt im Belagerungszustand ist, nach dem Gutachten des Militärausschusses ausgesprochen und dem Festungsgouverneur die Rückantwort ertheilt, daß er, in Verfolgung des vorschwebenden Zweckes, mit Festigkeit und Mäßigung vorschreiten soll.
Bei dieser Gelegenheit kam zur Sprache, daß der Bundesbeschluß vom 25. April d. I., §. 341, die Vereinbarung der über die Volksbewaffnung zu erlassenden Gesetze mit den §§. 14 und 15 des Bundes- festungsreglements betreffend, noch nicht zur Erledigung gebracht ist. Derselbe hatte zum Gegenstände, an die großh. Hess. Regierung das Ersuchen'zu richten, sofort die geeigneten Einleitungen zu treffen, damit den §§• 14 und 15 des Bundesfestungsreglements in der
» * * Fa u st.
Er stand in der dämmernden Bergesschlucht.
Wild schwankte der Wald von des Sturmes Wucht; Ein Gewitter toste, der Bergstrom schoß, Nur schweigend ruhte der Felscoloß.
Und an den mosbärtigen Felsen fest
Hielt er die klopfende Brust gepreßt,
Und rief mit der Stimme ticfvröhnendem Laut, Daß die Bögel scheu aus den Nestern geschaut:
Du Stein des Gebirges. Jahrtausende alt, Warum bist du so stumm, warum bist du so kalt? Schließ' auf den erstarrten, verwitterten Mund , Und thu' das Geheimniß der Schöpfung mir kund!
Ich war an Seele und Leib so stark,
Da rann mir der Zweifel versengend durch's Mark, Er lehrte mich singen sein wildes Lied — Meine Jugend schwand, mein Lenz verschied.
So treibt's durch Gewitter und Sturm mich nun, Uyd läßt mich nicht rasten und läßt mich nicht ruhn. So ruf' sch dich an mit ticfvröhncndcm Laut, Daß der eigenen Seele verstohlen graut:
Du Stein des Gebirges, Jahrtausende alt, O sei nicht so stumm, o sei nicht so kalt, Schließ' auf den erstarrten, verwitterten Mund
Und thu' das Geheimniß der Schöpfung mir kund! —
Der Fels blieb stumm, doch der Sturmwind scholl Durch die schwarzen Tannen, wie Zornes voll.
Und seiner Stimme tiefdröhnenden Klang
Warf der Zweifler hinein in des Sturmes Gesang.
Du brausender Wind, der auf schnaubendem Roß Das All umwettert, du Nachtgenoß, O brause so unverständlich nicht, Gib über das Wunder der Welt mir Licht! —
Der Sturm fuhr vorbei und verstummte fast, Der Waldstrom noch toste in feuriger Hast, Und seiner Stiinme tiefdröhnenden Schall Warf der Zweifler hinab in den Wasserfall:
Was soll dein Rauschen, du springende Fluth? Du bist der Erde weißadriges Blut — O hemme den rastlos strömenden Lauf Und löse das Räthsel des Lebens mir auf! —
Der Strom schoß vorüber durch Fels und Stein, Durch die Waldnacht zuckte des Blitzes Schein. Und seiner Stimme tiefdröhnenden Ton
Warf zum Himmel des Zweifels unseliger Sohn:
Du gelbes Feuer, das niederfährt,
Und flammend und zuckend sich selbst verzehrt, Komm herab, ich will's, ich gebiete dir — Was ist das Sterben, o sag' es mir!
Und nieder fuhr im Gedankenflug
Der flammenzuckende Blitz und erschlug Den Zweifler in donnerndem Wetterstrahl — Hinsank er zur Erde todtenfahl.
Und wie er hinabglitt regungslos, Da bot ihm der Fels sein graues MooS, Das den Fuß ihm besäumte dicht und reich, Zum Schlummerkissen schwellend und weich.
Der Sturmwind klagte dumpfbrausend dazu, Und deckte mit Blättern den Todten zu.
Wild schoß der Waldstrom die Schlucht hinab, Mit Thränen besprengend das laubige Grab. —
* Den Berichten von gänzlicher Entblößung und apostolischer Armuth Ludwig Philipps gegenüber lese man Folgendes, was aus Philadelphia der Köln. Zeitung geschrieben wird: Man erwartet hier mit aller Zuversicht die Ankunft Ludwig Philipps, welcher, waS Ihnen viel- leicht bekannt sein dürfte, ein sehr bedeutendes Vermögen in Amerika besitzt. Man hat sich die Mühe genommen, in der Bank von Pennsylvanien, welche daS Schuldbuch des Staates führt, nachzusehen, ob nicht der Exkönig der Franzosen StaatSgläubiger des von Wilhelm Penn gegründeten Staates ist, und siehe, man fand, daß er bloß die niedliche Summe von 500,000 Dollars gut hat. Wahrscheinlich hat der Napoleon des Frieden« dem friedliebenden Stifter der Quäker, welche ebenfalls an keinen Krieg glauben, einen Beweis feiner Achtung geben wollen. Zudem soll noch der entthronte FriedenS- kaiser ein großes Eigenthum in New-OrleanS und aus- gedehnte Ländereien im Westen der Union besitzen. Sie ersehen hieraus, daß man ihn nicht zu bemitleiden braucht, wenn »eine Krongüter zum Besten der arbeitenden Klassen öffentlich verkauft werden. Alle Napoleouidea, welche hier seit dreißig Jahren anwesend gewesen, haben Amerika verlassen und sich nach Frankreich eingeschifft; dafür erwartet man jetzt die Ueberbleibfel der alten aad neueren Bourbonen.