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Naffauischc MMg.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

ÜEL^L^!^ ......... V-1.

Wiesbaden,

Donnerstag, den 25. Mai.

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Uebersichten und Erörterungen.

9 Jakob Grim m.

Wicsbaden,-den 23. Mai 1848.

Wer kennt nicht den Namen Grimm? Ein Name, der in den Reihen der erhabenen deutschen Geister einen der ersten Plätze einnimmt, den das Anstand als den Vertreter deutscher Wissenschaft, deut­schen Fleißes und deutscher Ehrenhaftigkeit nennt, ein Mann, der in die tiefsten Schachte der deutschen Sprach-, Geschichts- und Rechlsssrschung hinabgestiegen ist und mit dem unermüdlichsten Eifer eines acht deutschen Gelehrten das leuchtende Gold des Volksthums zu Tage gefiedert hat, dem weder die Geschichte des kleinsten deutschen Landes in ihren geringsten Einzel­heiten, noch die Entwickelungen und Fortbildungen des deutschen Volksrechtes, noch die verborgenste deutsche Mundart unbekannt ist, ein Mann, der seine gan,e Zeit damit zugebracht hat, das Leben des deutschen Volks in seinen geheimnißvollsten Tiefen der Sitte, der Sage, der Geschichte, der Rechtsbildung, der Sprache und der Literatur zu belauschen und die Ergebnisse seiner Forschungen der staunenden Mit- und Nachwelt Eingestellt hat als unvergängliche Denkmale des ruhm­reichen deutschen Geistes, ein Mann endlich, der sich nicht scheute, seine Existenz in das Spiel zu setzen, als es galt, den verfafsungsbrüchigen Uebergriffen eines eigenmächtigen Fürsten entgegenzutreten, der lieber mit den Göttinger Siebenern in die Verbannung zog, als Vsn Zumuthungen eines Ernst August Cumberland Folge leistete.

Und dieser Mann, der noch in der jüngsten Ver­gangenheit den Versammlungen der deutschen Shrach-, Rechts- und Geschichtsforscher die glänzendsten Proben seiner eminenten Befähigung, seiner ächt deutschen Ge­sinnung abgelegt hat, dieser Mann ist nicht ge­wählt i n das deutsche Parlament, weil er es, bei seinem schlichten, einfachen, bescheidenen Charakter nicht über sich gewinnen konnte, irgendwo als Wahl- candidat aufzutreten.

Die deutschen Fürsten haben bisher Jakob Grimm Nicht ausgezeichnet. Der schlichte bürgerliche Mann mit seinen einfachen Manieren war kein Mann der Höfe. Frankreich hat ihn zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, aber einen deutschen Orden hat er nicht. Möge das Volk verbessern, was die Fürsten versäumt haben, möge das deutsche Volk zeigen, daß es einen Dank hat für die Bestrebungen eines des Hervorragensteu der deutschen Geister. Jakob Grimm muß in das Parlament. Wir können gradezu sagen: Er fehlt in demselben. Wir müssen diesen schimmernden Edel­stein, der sich in der Tiefe verborgen hat, aufsuchen und der Krone der deutschen Volksräihe einverleiben.

Deutschland und die Donaumündungen.

Deutschlands militairische Vertheidigung.

(Schluß.)

Wehr system. Zufolge der deutschen Bun- besässe besteht das Bundesheer nach Maßgabe der jetzi­gen Bevölkerung von 40,300,000 Stelen zu 1 Przt. derselben in 403,000, auf dem Kriegsfuße zur Hälfte mehr, in 004,500 Mann , welche Truppen auch darüber hin vorhanden sind. Mit dieser aus tüchtigen Soldaten bestehenden Streitmacht können wir, ohne die außerdeut- schen Kräfte Oestreichs und Preußens zu bedürfen, zwar einer jeden der uns gefährlich gegenüber stehenden Mächte mit Erfolg die Spitze bieten; sie ist aber nicht zurei­chend, wenn wir zu beiden entgegengesetzten Seiten von der ganzen Macht der Franzosen und Russen zugleich an- gegriffen würden, und keine Alliirten zur Seite hätten. Eine Verminderung btr stehenden Truppen, verbunden mit einer wohl eingeübten und starken Landwehr in überall gleichmäßiger Einrichtung würde wohl ungleich größere Stärke darbieten, und zugleich den weitern großen Vor­theil gewähren, daß Hunderttausende von regsamen Hän­de« dem Ländbau und den Gewerben erhalten, und der materielle Wohlstand dadurch außerordentlich befördert werden würde. Nehmen wir beispielweise zu unserer Landwehr uub stehenden Macht alle Waffenfähigen non 20 bis 30 Jahren, und diese zu 4'/, von hundert See­len an, so würde dieses von oben erwähnter Volkszahl

Wir haben dazu eine letzte günstige Gelegenheit.

Herr Prvcuraicr Schenck von Dillenburg, welcher in dem Westerwälder Wablbczirk zum Parlaments­mitglied gewählt worden und zugleich Mitglied unserer dermalen versammelten Ständeversammlung ist, wird, das Unvereinbare dieser beiden Ehrenämter wegen der gleichzeitigen Verhandlung einsehend, das Mandat für das Parlament niederlegen. Der Westerwälder Wahl­bezirk hat also neu zu wählen.

Möge er Jakob Grimm wählen. Er wird sich da- durch einen glänzenden Ruhm durch ganz Deutschland erwerben. Er wird ewig stolz darauf sein können, einen solchen Mann abgeordnet zu haben.

Es mögen ihn von Euch nur Wenige persönlich kennen, die einst in Göttingen als begeisterte Schüler zu seinen Füßen gesessen' haben, aber sein Name ist bekannt in ganz Deutschland, in ganz Eurnpa!

Wir haben selbst Prokurator Schenck zur Wahl in das Parlament empfohlen und die Caudidatur dieses trefflichen Mannes entschieden unterstützt, aber in dem Falle, daß er, um einem Jakob Grimm Platz zu machen, ausschiede, würde unser Bedauern über seinen Austritt mit der aufrichtigsten Freude über den Eintritt eines unsern größten Deutschen gepaart sein.

D Dritte Sitzung der deutschen National Versammlung.

Frankfurt, 2?. Mai 1848, Vormittags 11 Uhr.

Präsident: Hömr. v. Gage r n.

Vorle)unades Protokolls der Sitzung vom 19. Mai.

Der Präsident macht bekannt, daß eine große An­zahl selbst landiger Anträge eingelaufen find: 1) von Eisenmann über Staatsschulden und deutsches Sraats- bürgerrecht. 2) Von Holland aus Braunschweig, über Hebung des deutschen Verkehrs, Aufhebung der Zoll­schranken. 3) Von Venedey, eine Protbstalion gegen die Gültigkeit der Wahl des Abgeordneten aus Posen. Noch wurden Glückwünsche, darunter einer mit der famosen Unterschrift: Justus I. aus Burg Zion; vor- gelesen.

Tagesordnung: Antrag Naveaur's aus Cöln, das Zusammentreffen des preußischen Landtags mit der deutschen Nationalversammlung betreffend.

Raveaur besteigt die Rednertribüne:Es könne unmöglich der Fall sein, daß neben dem gesetzgebenden deutschen Reichstage in Frankfurt noch eine constitui- reiide Neichsversammlung bestehen und beschließen könne. Gern glaube er, daß es in Preußen nothwendig sei, die Volksvertreter in der Hauptstadt zu versammeln, diese dürften alsdann aber nur Beschlüsse fassen, die zur Wiederherstellung der Ordnung, zur Hebung des Handels 2C. dienen, -immermchr aber gesetzgebend auf- treten."

des Bundes 1,813,500 Manu betragen. Hiervon würde % Przk. von obiger Seelenzahl oder 134,000 Mann gewiß hinreichend sein, den Glanz der Throne und die innere Sicherheit der.ider zu behaupten, und diese aus 35,000 Mann Reuterei, 24,000 Artillerie und 16,090 Genie, Train u. s. w. an Feldtruppen (weil diese Waffengattungen einer unausgesetzten Uebung be­dürfen), sodann in 59,300 Mann Leibgarden der Bun- dessürsten, Festungsartillerie und Veteranen zu Fuß zu Festungsbesatzungen, welche sämmtlich geworbene, zugleich auserlesene Truppen wären die Landwehr aber in der ganzen Feldinfanterie, sowohl an Linien- als leich­ten Truppen und einer verhältnißmäßig kleineren Masse Reuterei und Artillerie bestehen, dergestalt, daß die ver­schiedenen Waffengattungen der ganzen Macht in daS gewöhnliche Verhältniß von einem Reuter zu 5 bis 7 Fußgängern und % bis % Artillerist zu stehen kämen. Außer diesem jederzeit schlagfertigen BundeSheere, wel­ches in Offensivkriegen auch außerhalb des Landes zu dienen verpflichtet wäre, würde ein gleichfalls organi- sirter, aus lauter gedienten Truppen bestehender Land­sturm alle Waffenfähigen von 30 bis 50 Jahren be­greifen.

Gleichmäßigkeit der Truppen in Organisation, Ue- bung und dienstlicher Verrichtung ist daS Bedürfniß einer Kriegsmacht, wenn sie ihrem Zwecke vollkommen ent­sprechen soll. Daher müßte nicht nur ein, von dem ganzen Bunde bestellter, nur ihm verantwortlicher, Ober- feldherr an der Spitze deS HeereS stehen, sondern daS- selbe in allen Theilen nur eine Bundesfahne, ein glei­

Ein Mitglied trägt darauf an, jedem Redner nur zehn Minuten Zeit zum sprechen zu gewähren.

Robert Blum bittet, man möge in dieser hochwich­tigen Sache, die möglicherweise eine Spaltung in Deusch- land erzeugen könne, die Zeit des Redners nicht so kur; beschneiden.

Heckscher aus Hamburg stellt den Antrag, man möge den Antrag Naveaur's in die Abtheilung verweisen. Eisenmann, Gumprecht, Biedermann un­terstützen diesen Antrag; Venedey will durchaus keine zwei conftituimibe Versammlungen in Deutschland, Entweder, so sagt er, bleiben wir deutsch, oder werden wir preußisch. Während man zögert, den Ravaurschen Antrag durch die "Debatte in Angriff zu nehmen, han­delt man schon in Berlin.

Fürst Lichnowöky, wohl einer der feurigsten jungen Redner, erklärte sich in gehaltvollem Discours für den Antrag Heckschers.

Mehrere sprachen noch für Heckschers Antrag und tragen darauf an, alle Amendements, Vorschläge im Sinne des Navaurschen Antrags zu führen. Man solle sich hier nicht übereilen, nicht in Collision mit dem großen Preußen gerathen, Preußen würde Alles ver­meiden, Beschlüsse zu fassen, die den Gesetzen des deut­schen Reichstages widersprechen.

Wesendonk will sofortige Debatte über Ravaur's Antrag, ebenso Cetto. Der Präsident liest nun die Amendements zum Ravaurschen Antrag vor: v. Eisen­mann, Reißinger aus Oesterreich, Dahm aus West­phalen, Cetto, Rößler aus Oels, Wigmann.

Veucdey's, Gumprecht's und Anderer Aträge, im Sinne des Ravaurschen, werden ebenfalls verlesen.

Glaß ans Rheinhessen, dringt, wie Wesendonk, auf augenblickliche Debatte, indem er meint, man solle nicht wie das weiland deutsche Reichskammergericht zu Wetz­lar verfahren. .

Endlich wurde mit großer Majorität Heckscher's Antrag angenommen.

Eisenstuck aus Sachsen donnerte die Versammlung ziemlich grob an, ob man denn wieder anfangen wolle, die wichtigsten Sachen in's Schleppseil zu nehmen, wurde jedoch von der ganzen Versammlung stürmisch zum Schweigen gebracht. Km'eriem trägt darauf an, sofort die Commission zu erwählen, um Leu Antrag Naveaur's zu berathen.

Der Präsident ladet die Abtheilung ein, sich um 4 Uhr in ihren Lokalen zu versammeln, um den Ausschuß für Naveaur's Antrag zu wählen.

Venedey will schon morgen den Antrag berathen wissen, was jedoch wegen der Ausschuß-Arbeiten abge­lehnt wurde. Mittermaier dringt auf Bericht-Erstak- tung des Ausschusses für morgen.

Tagesordnung: Wahl einer Redaktionff-Cvmnn ssiKt

ches Exercitium , eine Bekleidung und Bewaffnung ha­ben, welche sich von allem Ausländischen scharf unter­schiede. und eS dürfte also nicht wieder wie im vorigen Jahre(l 843)die daS Gefühl verletzende Erscheinung Vorkom­men , daß dänische Offiziere in deutschen Lagern deutsch« Truppen kommandircn.

Damit aber der Feind unS nicht unvorbereitet über­rasche , oder doch durch geignete Hindernißmittel von dem Eindringen in daS Innere des Landes abgehalten werde, wären sowohl am Rhein wie an der Oder eine Anzahl Festungen nöthig, welche eine wirkliche, d. h. nicht ein­gebildete, sondern unbesiegbare Stärke böten, also nicht wie die bisher gebräuchlichen der französischen Mode (die fast überall nichts taugt) als Körper ohne Seele, des feindlichen Geschützen nur leblose Stein- und Erbmassen und unbewehrte Vertheidiger entgegensetzen, u-b damit wir für den Fall gleichzeitiger gewaltiger Angriffe von beiden Seiten her auS ganz Deutschland unsere Macht aufS schleunigste nach jedem bedrohten, oder wirklich au- gegriffenen Punkt versetzen, und so den Feind durch Uebermacht erdrücken könnten, dazu würde ein über daS ganze Land verbreitetes System von Eisenbahnen bienen. Wir können jedoch über diesen hochwichtigen, außer de« Bereich unsers Zweckes liegenden Gegenstand unS hier nicht verbreiten und beziehen unS daher auf die Schrift: Deutschlands Vertheidigung gegen den äußern Feind und das sie befördernde System der Eisenbahnen. Stutt­gart, 1842."