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Freiheit, Wahrheit und Recht!

M serielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 2L Mai 1848.

Das vierteljährige Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden fl. 1. 45 kr. Ein Abonnement für Wiesbaden auf 14 Tage 24 fr. Ein Monats - Abonnement für Wiesbaden 40 fr. Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl. 1. 12 fr. Man abonnirt in Wies­baden in der Expedition am Friedeichsplatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhält»ißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.

An unsere Leier!

DieNassauische Zeitung" wird in Zukunft zur bes­seren Uebersicht des Stoffes und zur Bequemlichkeit der Leser folgende Abschnitte bilden:

I. Uebersichten und Erörterungen.

Leitende Artikel über die wichtigsten Fra­gen der Politik überhaupt, über die An­gelegenheiten Deutschlands und die beach- tenSwerthesten Neugestaltungen in Nassau insbesondere.

II. Nassauisches.

Diskussionen über solche Fragen, welche zunächst für Nassau von besonderem In­teresse sind, und Nachrichten über naffau^ ische Zustände und Ereignisse.

III. TageSgeschichte.

Nachrichten über öffentlichen Ange­legenheiten nach den 'Abtheilungen:

1. Deutschland.

2. Ausland.

IV. Vermischtes.

Sonstiger Stoff von Interesse, der in keine der obigen Abtheilungen gehört.

V. Feuilleton,

enthaltend den UnterhaltungS- und Be- lehrungüstoff; dasselbe wird jedoch weg­bleiben, wenn zu viel wichtige politische Nachrichten und Ereignisse vorhanden sind. Wiesbaden, den 22. Mai 1848.

Die Redaktion.

Uebersichten und Erörterungen.

Wiesbaden, den 22. Mai 1848.

Se. Hoheit der H enoq eröffnete heute die Stände­kammer mit folgender Thronrede:

Meine Herren und lieben Stände!

Ich heiße Sie willkommen in Ihrem neuen Berufe. Ein verjüngtes Leben ist aufgegangen über unserem Vaterlande.

Ich schließe mich ihm an mit vollem Herzen.

Mein Ziel ist wie das Ihrige, die größtmöglichste Verwirklichung der Freiheit und Wohlfahrt der Einzel­nen wie der Gesammtheit.

Lassen Sie uns nach diesem Ziele streben, mit Entschiedenheit, mit Wahrheit, aber auch mit klarer Erkenntniß dessen, was wahre Freiheit ist.

Meine Herren und lieben Stände!

Was ich in dem mit meinem Volke geschlossenen neuen Bunde am 4. März d. I. übernommen, soll,

Deutschland und die Donaumündungen.

Deutschlands Militairmacht gegenüber derjenigen von Rußland.

(Fortsetzung.)

Dagegen besteht die bewaffnete Macht der deutschen Staaten, wie oben angeführt worden, aus dem Kriegs­fuße in 1,169,500 Mann und ist, wenn wir auch einige Hunderttausend zu Reserven und Besatzungen, und die uns zu Gebote stehende moralische Kraft abrechnen, doch von so großem Uebergewicht, daß das russische Reich in Europa allem menschlichen Ansehen nach gar bald unter­liegen müßte. Wir stützen diese Behauptung 1) auf den verhältnißmäßig geringen aktiven Widerstand, wel­chen die Russen 1812, ungeachtet der großen Unterstü­tzung Englands an Geld und andern Kriegsbedürfnissen, dem Einfalle Napoleons entgegensetzten, wo ihr Reich, ohne die verzweifelte Aufopferung der Hauptstadt und die eingetretenen Naturereignisse gegen weniger wie die Hälfte obiger Truppenzahl fast unfehlbar verloren gewe­sen wäre; 2) auf die außerordentliche Anstrengung, welche sie 1831 nothwendig hatten, um nach mehrfach erlitte­nen harten Schlägen daö kleine Polen (etwa den fünf­zehnten Theil seiner Gesammtbevölkerung) mehr durch den Verrath einiger Kriegshäupter wie durch Waffenge­walt zu überwältigen; 3) aus die ewige Geldnoth (?) deü Reichs, welche noch fühlbarer wird durch die geringe

so viel an mir liegt, ohne jeden rückhaltigen Gedanken zur vollen Entwickelung kommen.

Die Volksbewaffnung ist in ihrer Organisation begriffen. Eine Commission, aus der Volkswehr selbst gebildet, ist mit deren möglichster Beschleunigung be­schäftigt. Das provisorische Wehrgesetz wird Ihnen zur Prüfung vorgelegt werden.

Die Preßfreiheit besteht in vollem Maaß, ebenso das Recht der freien Vereinigung.

Das Militär hat den Eid aus die Verfassung ge­leistet; es ist fortan vor Gott verpflichtet, zu deren Aufrechthaltung mitzuwirken.

Ich habe angeordnet, daß Ihnen sämmtliche auf die Domänen bezügliche Documente und Akten vorge­legt und alle Aufschlüsse, die Sie wünschen, gegeben werden sollen.

Die Frage, die wiederholt den Frieden des Landes störte, wird auf diesem Wege zur Lösung kommen.

Ein Gesetzes - Entwurf zu Inner freien, auf dem Prinzip der Selbstverwaltung beruhenden Gemeinde­ordnung wird Ihnen vorgelegt werden.

Ihrer Zustimmung im Voraus gewiß, habe ich die letzten Reste der Feudallasten, die Jagdfrohnden in Bezug auf die Domänen ohne Entschädigung auf­gehoben; ein Gesetzesentwurf zur Aufhebung des Jagd- regals ist bereits veröffentlicht und zur Beseitigung der Bannrechte, sind Einleitungen getrosten worden.

Dem in der Arbeit befindlichen Entwurf zu einer neuen Verwaltungsorganisation soll das Princip der möglichsten Vereinfachung und der vollständigste Tren­nung der Justiz von der Verwaltung zu Grunde lie­gen, welche letztere durch einen frei gewählten Beirakh aus den Bürgern eine volkstümliche Grundlage er­halten wird.

Die Rechtssprechung wird öffentlich und mündlich sein, und Schwurgerichte werden in Strafsachen eine weitere Garantie der unabhängigen Justiz gewähren. Auch darüber wird Ihnen ein Gesetzvorschlag vorge­legt werden.

Eine, den Anforderungen der Gerechtigkeit, gegen die Gesammtheit des Volks entsprechende billige Ablö- lösung des Zehntens wird Gegenstand Ihrer Thätigkeit sein müssen. Zum Schutz und zur Förderung der In­teressen der arbeitenden Classen, zu welchem Zwecke, eine besondere Commission ernannt worden, werden Ihnen Maaßregeln vorgeschlagen werden.

< Das auf die gegenwärtige Verwaltungs-Organi­sation gegründete Budjet wird Ihnen zur Prüfung übergeben werden. Die Verbesserung des Steuersistem's zum Zweck der möglichst gerechten Vertheilung der Staats-Lasten nach Verhältniß des Einkommens wird Gegenstand Ihrer Untersuchung sein.

Es ist mein inniger Wunsch, daß unser deutsches Vaterland zu nationaler Einheit gelange und dadurch

Wohlhabenheit der Unterthanen und ein gehässiges Sperr­system, das ganz Europa ihm entfremdet und wodurch es bei zerrütteten Finanzen nichts weiter gewonnen hat, als eine kümmerliche Industrie, die nicht auf eigenen Füßen stehen kann und endlich 4) auf den schon viele Jahre gedauerten, mit vielen großen Verlusten verbun­denen fruchtlosen Kampf gegen einzelne Stämme der durch ihre nationalen Eigenthümlichkeiten so merkwürdi­gen kaukasischen Gebirgsvölker (einige Stämme der Tscher- keffen, die Tschetschcnzen, ein Stamm der Midschegi, und einige leSghische Stämme), die zusammen wohl nicht über 6 bis 700,000 Seelen enthalten, aller aus­wärtigen Zufuhr an Kriegsbedarf entbehren, und in ih­ren Operationen vereinzelt sind. Wir glauben einen be­sondern Accent legen zu dürfen auf diesen bedauerlichen in Europa noch nicht genug gewürdigten Vertilgungs- krieg, in welchem bisher 23 Regimenter Reuterei und 138 Jnfanteriebataillone (mit Einschluß der irregulären und Besatzungstruppen wenigstens 180,000 Mann) ge­gen eine Hand voll freiheitliebender Männer kämpften, die aber ein so großes moralisches und physisches Ge­wicht entfalten, daß vom Dnieper her noch ein ganzes Armeecorps gegen sie beordert werden mußte, und die in Polen stehenden Truppen haufenweise über die preu­ßische Gränze desertiren, um nicht gegen die HeldendeS Kaukasus geschickt zu werden, und werfen nun die Frage auf: was würden diese Völkchen, welche zusammen etwa 2,500,000 Seelen auSmachen, wohl vereinigt ver­mögen?

Hieraus erhellt wohl zur Genüge, daß die russische

in Macht und Größe wachse. Zu diesem Zweck ist gegenwärtig die constituirende National - Versammlung in Frankfurt vereinigt. Hoffen wir, daß es ihr ge­lingen werde, den rechten Weg zu jenem großen Ziele zu finden.

Ich lade Sie ein, Ihre Arbeiten zu beginnen. Möchten dieselben zum Heile des Landes gereichen, damit noch die späte Zukunft segnend auf die Zeit zu­rückblicke, in welcher der Grundstein zum neuen Auf­bau des Staats gelegt worden ist.

Demnach verlaß der Minister-Präsident Hergenhahn den Eid, welchen jedes Ständemitglied nach der Ver­fassung abzuleisten habe. Die Mitglieder der Kammer begaben sich einzeln bei Namensaufruf vor den Thron und schwuren den Eid. Der Minister erklärte nun­mehr im Auftrage Sr. Hoheit des Herzogs die Stände- kammer für eröffnet und ersuchte die Mitglieder in ihrem Sitzungssaal die Arbeiten zu beginnen.

Se. Hoheit der Herzog verließen hierauf unter drei­maligem Hoch Seitens der Kammermitglieder und eines sehr zahlreichen Auditoriums den Thronsaal.

§ Die Eröffnung der Nassauischen Stände.

Wiesbaden, den 22. Mai 1848.

Heute wurde die nassauische Stäurekammer eröffnet, die erste deutsche Ständekammer, welche zugleich auf dem Einkammersystem und auf einem reiu demokratischen Wahl­gesetz beruht, das StandeSunterschied-, Glaubenâunter- schieve, Rücksichten auf Vermogcnöbesitz, Beschäftigungs­art, Alter u. f. w. nicht mehr kennt.

Ww sind dem PartikularismuS, dem Sonder-Pa­triotismus, dem Einengen in die vier Pfähle eines klei­nen Ländchens, welches uns vou der gemeinsamen deut­schen Sache abschließt, stets fremd gewesen; aber dies hindert nicht, daß wir mit einem gewissen Stolz darauf zurückblicken, wie Nassau sowohl in der allgemeinen deut­schen Erhebung zur Zeit der Befreiungskriege, als auch in der, welche im Jahr 1848 Deutschland, ja die Welt ergriffen hat, stets in der ersten Reihe mar­sch irt ist.

Die Thätigkeit der Gesetzgebung in Nassau von 1803 bis 1818 bemächtigte sich aller großen Ideen, welche damals neu und umgestaltend in die Welt traten und suchte sie auf ihrem kleinen Gebiete zu verwirklichen.

1803 wurde die freie Uebnng jedes Gottes­dienstes proklaunrt.

1808 brachte die Aufhebu ng der Leibeigen­schaft.

1809 wurde die körperliche Züchtigung ab- g -schafft.

1811 führte eine gleiche Besteurung, mit Auf­hebung aller Befreiungen, ein.

Politik, die klug genug ihre wahren Kräfte zu würdigen weiß, wenn sie alle deutschen Staaten in voller Ein­tracht und mit festem Willen sich gegenüber, und somit den Sinn jenes erhabenen Ausspruchs deâ Erzherzogs Johann verwirklicht sieht, außer ihren diplomatischen Ge- genanstalten unserer Erwerbung der fraglichen Landstriche und Rechte nichts weiter entgegen setzen, vielmehr ihre Entwürfe auf günstigere Zeiten verschieben werde, eS feie denn, daß es ihr gelänge, die von gleicher Bergrö- ßerungSgier beseelten, so leicht entzündlichen Franzosen ihrem Interesse dienstbar, und ihnen glauben zu machen, wie die durch unsere Einigung bewirkt werdende Stärke ihnen selbst gefährlich werden müsse, indem wir bei der ersten günstigen Gelegenheit die uns früher gehörigen Länder Elsaß und Lothringen zurückfordern würden wie dagegen die Erwerbung unserer Rheinlande für sie vortheilhafter feie ; als die entfernte Aussicht eines ein­träglichen Handels mit den inner asiatischen Völkern und eines politischen Einflusses auf dieselben, wodurch sie sich nur von uns abhängig machen, und welche ohnedieß die Britten möglichst eingeschränkt zu halten sich bemühen würden. Dieß wäre nun freilich ein grober Trug, aber die russische Diplomatie ist der französischen weit über­legen, die Franzosen sind leichtgläubig und lassen sich von der Schmeichelei am Gängelbande führen, und ob- gleich wir schon nach der festgewurzelten Natur unsers Charakters ganz unfähig sind, die Rechte anderer Nati­onen anzutasten, so könnten Trugschlüsse und angeregte Eroberungssucht sie dennoch zu einer Allianz mit Ruß­land führen.