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Nassauische 3dfung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl deS deutschen DolkeS!
Wiesbaden, 22 Mai 1848.
Das vierteljährige Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden fl. 1. 45 kr. — Ein Abonnement für Wiesbaden auf 14 Ta-e
24 fr. — Ein MonatS-Abonnement für Wiesbaden 40 fr. — Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl- 1. 12 fr. — Man abonnirt in WO' baden in der Erpeditiott am Friedrichsplatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mu verhält» ißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.
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Deutschland.
D Zweite Sitzung der National - Versammlung.
Frankfurt, 19. Mai.
Heinrich von Gagern ist mit 305 von 397 Stimmen zum Präsidenten der National-Versammlung gewählt; Soiron erhielt 85 Stimmen, und wurde Vice- Präsident; Robert Blum nur 3.
Die Wahl Gagern's hat hier einen grenzenlosen Enthusiasmus hervorgerufen. Seine Rede ist sogleich nach Paris, London, Wien, Berlin geschickt und soll ein Meisterstück sein. Engländer und Franzosen haben den Herrn von Gagern laut für den ersten Mann Eurypa's erklärt. Die Stelle der Rede, in der er aussprach, daß der Beruf der Versammlung zur Verfassung Deutschlands in der unbedingten Volks-Souveränität liege, erregte den größten Jubel. Ferner erklärte er, daß, wenn er berufen sei, für die Dauer des Reichstages zu präsidiren, er seine Stelle als Minister niederlegen würde. Dreimaliges Hoch dankte dem deutschen Manne. (Die Rede von Gagern folgt morgen.)
Frankfurt, 20. Mai.
Heute ist keine Sitzung der National-Versammlung.
Deutsche Seemacht.
Als vor sieben oder acht Jahren in Bremen der Plan auftauchte, Dampfer mit archimedischen Schrauben über das Weltmeer zu schicken und eine regelmäßige Paketfahrt mit Newyörk einzurichten, machte der Verfasser dieser Zeilen, der damals am Rhein lebte, wiederholt auf die Nothwendigkeit einer Reichsflagge und Kriegsflotte aufmerksam , zum großen Verdruffe der Hamburger Presse, welche zu jener Zeit den „Südwasserpolitiker" verspotten zu müssen glaubte, während sie jetzt freilich ganz anderer Ansicht geworden ist. Nun haben wir die deutsche Flagge, und die Flotte wollen wir haben. Wir legen Hand ans Werk, weil die Noth drängt, weil wir daö Schimpfliche und Trostlose unserer Ohnmacht zur See fühlen. Besser spät als niemals. Der günstige Augenblick darf um so weniger versäumt werden, da die deutsche Nation vollkommen reif für die Flotte ist, im Binnenland wie an der Seekante.
Damals fragten wir, die Schutzlosigkeit unserer Handelsmarine ermessend, in schmerzlicher Bewegung mit den Worten des alten Arndt: „O, Du altes kriegerisches Germanien, dem einst die Völker sich verneigten, wohin?" Wir fühlen, wie niederschlagend eS sei, daß ein Land, dessen Handelsmarine nächst jener der Engländer und Nordamerikaner die bedeutendste der Welt ist, dessen Küsten sich in ejner Länge von etlichen hundert Meilen auü-
* Des Königs Ritt
nach der Nacht vom 18- zum 19 März 1848.
Es kommt daher geritten
Der König auf stolzem Roß:
Doch diesmal nicht inmitten
Der Krieger buntem Troß;
Es reiten ihm zur Seite
Volksmänner, einfach, schlicht,
Und die ihn heut' begleiten —
Schmückt Stern und Orden nicht.
Ihr Zierrath ist nur wenig:
Ein schwarz-roth-golden Band,
— Die Zierde auch der König
Für Heut' am besten fand. —'
Nicht königliche Wappen,
Nicht goldner Kronen Zier,
Ein einfach Band, ein Lappen,
Ein ächtes Volkspanier.
So sieht man durch die Gaffen
Im Feierschritt ihn zieh»,
Und unzählbare Massen
Vom Volk begrüßen ihn;
Endloses Jubelrufen
Das Volk dem König beut,
Nicht „an des Thrones Stufen",
Nein, „aus der Mitte" heut.
Was deutschem Volk gebühret,
Die Freiheit er versprach:
„Von heute an datiret
Sich Deutschlands Ehrentag.
Er hat die Bahn gebrochen,
Dem König Friedrich Heil!
Er hat es fest versprochen,
Jetzt wird uns unser Theil!"
dehnen, auch nicht ein einziges Kriegsschiff auf dem Salzwasser habe, während doch sogar der Barbareske von Tunis seine Brigantinen auslaufen lasse. Denn die österreichische Flotte ist keine rein deutsche, sie kann Nord- und Ostsee nicht decken, und ist auf daö Mittelmeer angewiesen.
Aber eS gab Zeiten, in welchen Deutschland auch zur See die erste Kriegs- und Handelsmacht war. Freilich, in den Lehr- und Lesebüchern der Geschichte, die von Cyrus, Nero und Tamerlan so ausführlich erzählen, wird nichts darüber berichtet. Wie gewaltig wir einst zur See gewesen; selbst daS Andenken an die früheren Großthaten unserer Schiffer ist einem späteren Geschlechte abhanden gekommen. Man erinnert wohl an den alten Glanz und Ruhm der Hanse; aber besser wird es sein, wenn wir unseren Vorfahren nacheifern und durch die That beweisen, daß wir uns den Anforderungen der Zeit gewachsen zeOen, daß der große Moment nicht kleine Menschen findet.
Die Nothwendigkeit, daß unser Seehandel einer Kriegsflotte bedürfe, wird jetzt endlich von keinem mehr bestritten. Wir wissen wohl, daß die Zeit vorüber ist, da ein Lübeckischer Bürgermeister im skandinavischen Norden nach Belieben Könige ein- und absetzte; aber wir wissen auch, daß eS uns Deutschen zur Schmach gereicht, die Mündungen unserer Hauptströme von einem einzigen dänischen Kriegsschiffe gesperrt zu sehen, ohne daß wir etwas dagegen vermöchten. Daß wir aber eine treffliche Kriegsseemacht besitzen könnten, daß wir nicht ferner von dem Belieben eines winzigen Nachbars abzuhängen brauchen, daran zweifelt gleichfalls Niemand. Wir hatten einst Kriegsflotten, wir können und werden sie wieder haben, weil eS jetzt unser Wille ist. Darum rasch ans Werk. Wir besitze» Schiffe nnd Holz, Eisen und Matrosen, an gutem Willen, an Einsicht in das Bedürfniß fehlt eS nicht, und sollte nicht auch daS Geld vorhanden sein für den Schutz der Seegrenze, nachdem wir seit dem Frieden dreitausend Millionen Thaler für das Landheer verausgabt worden? Wie ständen wir jetzt, wenn nur der dreißigste, ja nur der sechszigste, Theil dieser Summe für den Schutz der Küstengrenze verausgabt worden wäre?
Die Absolutie und die Schreiberherrschaft aber warf den Blick nicht auf die See, das freie, männerkräftigende reine Element. Auch die Ostsee wurde völlig versäumt. Die Staatslenker in Berlin rechneten auf ewige politische Freundschaft mit dem Czar, der doch 1828 die Absicht, wo möglich das Land bis zur Weichsel seinem Reiche einzuverleiben, so klar ausgesprochen hat. Aber wie wenig dynastische Allianzen werth sind, davon hätte schon das Beispiel der holl. Oranten überzeugen können. Preußens Seehandel übertrifft jenen des russischen Reichs um das Doppelte, es besitzt an der Ostsee eine weite Küstenstrecke und hat doch kein Kriegsschiff. Es befestigt Lötzen und Königsberg, es hat feine FestnngSlinien an
Der König reitet schweigend, Mit kummerschwerem Sinn, Reicht rechts und links verneigend Die Hand zum Drucke hin; Doch tiefe Trauer präget Auf seinem Antlitz sich: „Sprich, König, was beweget, Was schmerzt so bitter Dich?" „Schmerzt Dich's, daß nun begonnen Der Völker Freiheitstag,
Der Freiheit klare Sonnen Durch richte Wolken brach? Schmerzt Dich's, daß diese Farben Von allen Zinnen weh'n, Und die, die sic erwarben, Jetzt um Dich Wache steh'n?" „Vermissest Du die Schaaren, Die man von Dir verjagt.
Weil sie die Ursach' waren, Daß es nicht längst schon tagt'; Gercut's Dich, daß die Pforte Zu Dir jetzt offen steht, Das Volk mit freiem Worte Zu seinem König geht?"
Der König schüttelt schweigend Sein kummervolles Haupt, Spricht rechts und links hinzeigend: „Dies mir die Ruhe raubt! Nicht durch des Friedens Fluren Zieh' ich beglückend ein, Hier trägt des Mordes Spuren Ein jeder Pflasterstein!" „Hätt' ich von selbst gewähret. Was meinem Volk gebührt, Was es mit Recht begehret, Ihm selber zugeführt,
Weichsel und Oder, aber bis vor wenigen Wochen besaß eS kaum eine einzige Strandbatterie. Da kamen denn die Dänen und lieferten den Beweis, daß Kantâ ewiger Frieden vorerst noch ein Hirngespinnst geblieben ist.
Brandenburg hatte unter dem großen Kurfürsten seine Kriegsflotte, jetzt besitzt Preußen zur Deckung seiner Küste nicht einmal eine Scheerenflotte, welche sich für die Ostsee trefflich eignet. Als Spanien jenem Kurfürsten die Erfüllung einer gerechten Forderung verweigerte, sandte er seine Flotte an die Spanische Küste und machte sich selbst bezahlt. Es waren hauptsächlich deutsche Seeleute, welche 1790 die Schlacht am Swenskesund gewannen und pommersche Matrosen speisten damals ihre Seemanökost von erbeutetem Silbergeschirr. (Schl, f.)
H Wiesb aden, 19. Mai.
Das von Drärl er- Manfred während der Saison herausgegebene Blatt „der Kursaal," sowie die „allgemeine Bä Verzerrung" vom Hofrath Mühl in Baden-Baden bezogen bisher jedes eine Subvention von 250 fl. von hier, weil man glaubte, daß sie das Interesse unserer Bäder förderten und deshalb eine milde Gabe verdienten. Ob die Voraussetzung, daß sie unseren Bädern nützten, eine richtige war, steht, bei der geringen Verbreitung des ersteren Blatts und bei dem ausschließlich Baden -Baden'schen Interesse des letzteren, sehr dahin. Unsere Regierung soll nun, von dem Grundsatz ausgehend, baß Subventionen überhaupt nichts taugen, und daß unsere nun so zahlreichen nassauischen Blätter (wir zählen deren sichelt, nämlich; die „Na s s auische Zeitung," die „Nassauische Allgemeine Zeitung," die „Freie Zeitung," den „ V o l k s f r e u n d," die „Taunusblätter," sämmtlich in Wiesbaden erscheinend, den in Weilburg erscheinenden „Lahnboden" und das von Dr. Robert Haas in Dillenburg herausgegebene „deutsch-nassauische Dolks- blat t") die Interessen unserer Bäder, falls dies überhaupt nöthig sein sollte, auf journalistischem Gebiete hinreichend wahren werden, der Wegfall dieser Zuschüsse beantragt haben. Falls diesem Anträge Folge gegeben würde, dürfte der „Kursaal" schwerlich fernerhin noch erscheinen.
X Wiesbaden, 20. Mai.
Für die Zeit der Abwesenheit Hergenhahu's in Frankfurt wird die Leitung der Ministerialgeschäfte durch die Herren Präsidenten Vollpracht und Rabt besorgt werden. Das Präsidium der Landesregierung führt in zeitweiser Verhinderung des Herrn Präsidenten Vollpracht der OberappellationsgerichtS - Vice- Präsident Ler; die Directorial - Geschäfte werden in Abwesenheit der zum Reichstag in Frankfurt gewählten Regierungsräthe Schepp und Hehner durch die Herren Geh. Regierungsrach Gieße u. Negierungsrath
Säh' ich mit freud'gem Ahnen Hier die drei Farben weh'n, , , Die jetzt mich schrecklich mahnen An das, was hier gescheh'n!" „Das ist das Schwarz vom Grabe, Das Blutroth, als das Gold Der Freiheit, seine Habe Das Voll von mir gewollt!
So mahnt mich diese Fahne, Dies schwarz-roth-goldne Band, Daß icb im blinden Wahne Den Ruf des Volks verkannt."
„Was mir, dem Volk zu bringen Die Pflicht schon längst gebot , Das zwang ich zu erringen Durch blut'gen Kampf und Tov; Statt selber einzuladcli Die tapfern Meinen hier, Ging über Barrikaden Des Volkes Weg zu mir!" ,
„Die Tapfern , die gefallen, Sie schweben all' mir vor, Die Sterberufe hallen Vernichtend an mein Ohr. Wird mich mein Volk auch tragen In Liebe und in Huld, Ich hör's doch ewig fragen: „Wer sühnt des Blutes Schuld?""
Der König reitet schweigend Mit kummerschwcrcm Sinn, Reicht rechts und links verneigend Die Hand zum Drucke hin.
— Da bäumet sich mit Keuchen Des Königs stolzes Roß;
Es war ein Haufe Leichen.
Der ihm den Weg verschloß. V