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Bewegung der deutschen Presse.

Welche Sympathien, welche Stärke wird Preußen am Parlament haben?

Vcrlitt, im Mai. Die Volksvertretung am Bun- destaqc tritt in's Leben, und bald muß sich offenbaren, welche Sympathien, welche Stärke wir Preußen dort haben. Niemals war die Stimmung der deutschen Nation von dieser Wichtigkeit, niemals ihr Ausdruck in solche Macht gestellt. Es wäre traurig, wenn wir mit dieser Macht in Zwiespalt genethcn, und diese Gefahr ist uns nahe. Der Entwurf einer Reichsver- sassunq, wie er als einstweilige Ausarbeitung vorliegt, ist offenbar zu scharf geschnitten, so scharf daß keiner der größern deutschen Staaten ihn annehmen kann, außer derjenige der zugleich mit der Kaiserwürde be­schenkt wird. Wir sind zwar bisher zu sehr zersplit­tert gewesen, aber so streng uns in Einheit drängen zn tvodeh, dürfte ebenso unheilvoll sein; die Selbststän­digkeit der Staaten und Stämme braucht nicht bis zu diesem Grade aufgegeben zu werden, die bugdesmäßige Stärke läßt sich durch andere Formen waren. Ein seltsamer Zustand ist es in jedem Betracht daß die Abgeordneten von ganz Deutschland, die unsern freilich mit einbegriffen, über unsere preußische Zukunft ent­scheiden, während ein eigenthümliches preußisches We­sen unabhängig von jenen Einflüssen im Lande fortbe­steht, und auch fernerhin bestehen wird, doch wir können es nicht läugnen mit nicht einem Drittel oder Viertel mehr von dem alten Bestand und Ansehen wenn es von jenen deutschen Sympathien ge­trennt sein müßte! Wir sehen dieß als ein großes Unglück an, nicht nur für Preußen, sondern auch für Deutschland. Wir laufen Gefahr im Streben nach der größten Einheit sogar diejenige geringe zu verlie­ren die wir noch bisher hatten. Käme der Bundes­staat nicht zu Stande, und wir hätten dabei den Staatenbund cingebüßt, so fiele Deutschland völlig aus einander, die Auflösung wäre schlimmer als die nach dem Presburger Frieden eingetretene, da nach Nieder­legung der Kaiserwürde durch den Kaiser Franz das ganze Reich in allen seinen Ländern preisgegeben lag, und ein großer Theil sich in den Rheinbund rettete! Möge solche Schicksalswendung uns entfernt bleiben! Der König von Preußen hat seit der schnöden Ver­kennung welche sein begeistertes Auftreten für ein neues einheitliches Deutschland von so vielen Seiten erfahren, keinen neuen Schritt gethan der auch nur den Schein einer ehrgeizigen Bewerbung haben könnte. Diese war in der That seinem Geist und Sinne fern, er hatte nur der großmüthigen Wallung seines edlen Herzens gehorcht. Denn edel ist dieses Herz gewiß, und mit geschickes würdig; die Wolken der Vergangenheit sinken weit hinter uns zurück, und der Blick ist muthig in Helle Zukunft gerichtet. Der König hat seine "neue Gesinnung durch Thaten gezeigt; das deutsche Volks­thum in Schleswig fand durch ihn seinen ersten, seinen kräftigsten Schutz; die Volksthümlichkeit der Polen hat er durch gerechte, staatsweise Zugeständnisse geehrt; wenn in beiden Fällen seinen Absichten nicht völlig ent­sprochen worden, jene Hülfe für Schleswig militärisch und diplomatisch zu lange hingezogen blieb, diese Aus­gleichung in Posen durch unsinnige Maßregeln gestört und verdorben wurde, so trifft darüber den Monarchen kein Vorwurf, sondern nur die Werkzeuge deren er sich dabei zu bedienen hatte Werkzeuge denen noch zu sehr der Geist (oder Ungeist des alten Regierungswe­sens anhaftete, welches überhaupt unsere größte Hem­mung in Preußen ist, unsere größte Klage. Diese Schatten sind es, die leider auch auf das Ansehen und dèn Willen des Königs noch immer verdunkelnd fallen, und die Eigenschaften verdecken, die ihn wahrhaft aus­zeichnen. Wir sagen es ohne Scheu, die preußischen Volksvertreter in Frankfurt werden mehr den Sinn

!des Königs ausdrücken und darlegen als unsere Staats­beamten eS bis jetzt gethan, die konstitutionellen mit einbegriffen! (Allg. Ztg)

Geschäftsstockung. Amerikanische Nachrichten

Notsi deutscher Auswanderer.

Havpt/ 6. Mai. So eben wurden durch Anschlag auf dem hiesigen Börsenplatz die Fallimente der bedeu­tendsten Häuser zu New-Jork bekannt gemacht, unter denen das Haus For und Livingston, welche man die Rothschilde Nordamerikas nannte und das mit nahe an sechs Millionen Dollars, also über 20 Millionen Franken, fallirt haben soll. Dieß die natürliche Rück­wirkung der Zahlungseinstellungen der Pariser und Havrer Häuser. Vorerst ist aller Handelsverkehr mit Frankreich ganz eingestellt, das Wegbleiben der ameri­kanischen Paketboote angekündigt, von denen das letzte keine Tonne Fracht mehr erhielt und dessen ganze La­dung in 300,000 Fr. Silber besteht. Welches Aus­sehen diese HiobSposten hier gemacht, ist nicht zu be­schreiben. Dieß fehlte noch. Zu gleicher Zeit mit dieser Nachricht erhielten wir die des Aufstandes in der Hauptstadt der amerikanischen Freistaaten etwas ausführlicher. Das Volk von Washington hatte den 18. April, nachdem ein förmlicher Aufstand zu Gunsten des Fortbestehens der Sklaverei ausgebrochen war, weil die Gegner des schändlichen Sklavenhandels die Entweichung von ungefähr 80 Sklaven^begünstigt hatten, das Bureau der New-Era, ein der Sklaverei ungün­stiges Journal, umzingelt, dessen Fenster und Thüren zertrümmert und nur mit Mühe entgingen Redacteure, Schreiber und andere Angestellte dem Tod durch den Strick. Das Schiff, welches die befreiten Sklaven entführt hatte, wurde wieder eingeholt, die Unglücklichen geknebelt und furchtbar mißhandelt,^ und wieder nur mit genauer Noth entging dessen Capitän dem Tod durch die fast übermenschlichen Anstrengungen der Be­hörden. Die vereinigten Staaten von Nordamerika sind noch das einzige Land der Christenheit, in welchem der Menschenhandel gesetzlich gestattet und geschützt wird, und wo es hinreicht nur eine mißbilligende Meinung gegen diesen die Menschheit entehrenden Handel zu äußern, um ohne Weiteres durch die moder­nen Republikaner gesteinigt oder gehängt zu werden. Dennoch, es lebe die Republik quand méme . . i . Hoffentlich werden die europäischen Neurepublikaner sich auch dieses bald zum Muster nehmen! Noch immer sind an 300 der unglücklichen deutschen Fami­lien hier in der Vorstadt Graville, und jetzt dem Ver­hungern nahe, da kein Mitglied derselben mehr Arbeit erhält noch arbeiten darf. Das Elend dieser armen Leute ist unbeschreiblich; jahrelang wurden sie hier auf das mildthätigste unterstützt und ernährt, der deutsch- v>^t-st^nAsch» CÄPt'fWrtip jpn» ^Jftnm Dtüitj hat fern möglichstes gethan die Lage der armen Leute zu er­leichtern, aber alle Ressourcen sind erschöpft, die hier wohnenden Deutschen sind meist selbst durch die Zeit­umstände in eine sehr schlimme Lage versetzt, den Fran­zosen geht es nicht viel besser, und dann hat die Stadt jetzt Tausende von brodlosen Arbeitern zu ernähren. Es bedürfte 34000 Gulden diese Unglücklichen, die buchstäblich am Verhungern, und deren große Mehr­zahl Württemberger sind, nach Amerika zu schaffen. Wenn ihre Landsleute in Deutschland etwas für sie thun wollen, bevor sie auf faulem Stroh umkommen, so ist es die höchste Zeit, sonst wird es auch hier wie­der zu spät.-- (A. 33

Vertin, IO. Mai. (Schwedens Einmischung.) Man giebt sich bis diesen Augenblick hier noch der Hoff­nung hin, daß die Entscheidung, welche nunmehr Schwe­den in Bezug auf den Kampf in Dänemark getroffen hat, zu keinen weiteren Verwickelungen führen werde, einerseits weil der Abschluß des Friedens mit Dänemark nach den gestern hier angekommeneu Nachrichten als ziemlich gesichert angesehen wird, und andererseits weil der schwe­dische Gesandte bei seiner Anzeige, daß der König Oscar

die Absendung von 15,000 Mann beschlossen habe, im Auftrage seiner Regierung ausdrücklich hinzufügte, daß die Schweden sich jedweden direkten feindlichen Handels gegen das deutsche Bundesheer enthalten würden, dem Könige von Dänemark vielmehr nur die erwähnte Trnp- penmacht Behufs einer Besetzung und Beschützung der dänischen Inseln, zur Disposition gestellt worden seien, um demselben so die Möglichkeit zu gewähren, sein ei­genes Heer zum Schutze des dänischen Festlandes zu verwenden. Eine officielle Anzeige, daß Rußland als dritte Macht diesem Bunde zu Gunsten Dänemarks bei­getreten sei, ist hier noch nicht eingegangen, obwohl mass sich keinen Augenblick verhehlt, daß die Sympathien Ruß­lands in dieser Frage auf Seiten Dänemarks stehen. Diese Erwägung aber vor Allem hat, wie wir bereits gestern anbeuteten, den Wunsch, sobald als möglich mit dem Kriege gegen Dänemark unter billigen Bedingungen zum Ende zu kommen, hervorgerufen, und es kann so bei dergleichen Bereitwilligkeit von beiden Seiten der Friedensabschluß nicht lange mehr auf sich warten lassen.

S^tlih/ 12. Mai. Die Ruhe Berlins scheint für morgen ernstlich bedroht. Der heute früh auch in der Vossischen" undSpener'schen Zeitung" mitgetheilte An­trag des Staatöministeriumö beim Könige auf Zurückberu­fung des Prinzen von Preußen und die Genehmigung desselben von Seiten des Königs am Vorabende der mor­genden ersten großen Bürgerwehr-Parade haben die größte Aufregung der Gemüther hervorgebracht. Schon heute Morgen, bald nach 8 Uhr, umstanden zahlreiche Volks­gruppen die Straßenecken, an denen sich folgendes Pla­kat befand:Der König hat den Prinzen von Preußen zurückberufen. Daö Staatsministerium ist dafür verant­wortlich. Jeder, der diese Zurückberufung mißbilligt, erscheine morgen nicht bei der Musterung der Bürger­wehr. Nur der Volkswille kann den Prinzen von Preu­ßen zurüchberufen." Unter den besonderen Gruppen fan­den sich bald Redner, die daS Für und Wider erörterten. Einem Freischärler, der dabei die Worte brauchte:der Prinz von Preußen werde, wenn er zurückkomme, eine Leichen-Parade halten", entgegnete ein Arbeiter im Schurz­fell :Der Prinz von Preußen ist nichts als erster Bür­ger, und wenn die anderen Generäle und Officiere, welche am 18. und 19. gegen uns commandirt haben, ihre Stel­len behalten und zurückkommen dürfen, so kann er eS auch. Was Einem Recht, ist auch dem Andern billig." Diese Argumentation schien vielen Beifall zu finden; wie denn der Prinz von Preußen hier in Berlin mehr An­hänger hat, alS man draußen glaubt. Dieruhigen Bürger" gehören auch dazu und meinen uur, sei noch etwas zu früh zu solchem Schritte. Indessen blieb dem Ministerium bet dem Herannahen der constituirendcw Versammlung und bei dem Andringen zahlreicher Adressen auö der Provinz wobt feine. anberetSSISH tifcri^

ich Ihnen schon neulich schrieb, daß der Prinz von Preußen wiederholt brieflich erklärt habe, daß er jede von dem Könige vereinbarte Constitution zu beschwören bereit sei, wird jetzt durch des Königs eigene Erklärung auf den Antrag des Ministeriums bestätigt. Nachschrift, Nach­mittags. So eben erfahre ich, daß die auf morgen an­gesetzte große Musterung der Bürgerwehr abbestellt wor­den ist. (D. a. Z.)

Wie die Weser-Zeitung aus Berlin vom 10. Mai berichtet., habe daö Staatöministerium auf den Bericht des General v. Colomb über die Kapitulation der pol­nischen Insurgenten sofort Beschluß gefaßt und den Ge- neral angewiesen, 1) in Betreff der Führer deS Aus- standeS, die bei dieser Gelegenheit mit den Waffen in der Hand gefangen genommen wurden, die ganze Strenge deS in der Provinz proclamirten Standrechts in Anwendung ZU bringen; 2) alle sonstigen Personen, welche bei den Insurgenten die Stelle von Offerieren bekleideten, na­mentlich auch die gefangenen polnischen Gutsbesitzer und Edelleute, unter sicherm Geleit nach den Festungen Küst- rin und Kolberg tranöportiren zu lassen; endlich 3) die große Zahl der verführten gemeinen Leute vollständig zu entwaffnen, vorläufig aber sie in Freiheit zu setzen.

wurden in Bereitschaft gehalten, und sobald sich ein Fremder auf der Pflanzung zeigt, anfangs unter feier­lichem Gepränge, später mit düsterem unheilverkünden­dem Schweigen begraben, wozu die Weiber ihre Tod- tengefänge heulten. Bald erreichten wir unsern Zweck; die Nachbarn zogen einen Cordon, um sich vor Anste- ckuug zu wahren., und wir lebten von der Zeit an ziem­lich sicher. Den Verdacht aber noch zu verstärken, töd- tet^n wir ein paar Kühe und hielten die Aasgeier da­von ab, so daß Einer, der sich dem Platze näherte, den Verwesungsgeruch unfehlbar wittern und glauben mußte, es seien die unbeerdigten Leichname der so schnell hinter einander Verschiedenen,

> ^^Pl«» glückte; wir schifften uns ein, segelten ., 'msippi hinauf, lagen während deS ersten Tages

^ch'^bruch , der uns und unsere Kähne barg, b" Zweiten Nacht den Atchafayala

& e^^ «eüer rine Entdeckung zu

ten wir' Maulttüer- ^ x ^ mexikanischen Golfes soll-

^pt , daâ uns auf eine viel leichtere und. schnellte Ar't an das Ufer des ersehnten Landes trug. %i'"rt gekommen, wanderten wir frohen Muthes weiter in« JnnKre, und jetzt schallt schon von allen Seiten der Art- schlag meiner Neger und das Prasseln der überwundenen Stämme. TexqS ist noch ein junges, kräftiges Land, und mit den Mitteln, die mir gegenwärtig zu Gebote

stehen, habe ich die besten Hoffnungen, in kurzer Zeit wieder ein wohlhabender Mann zu sein und nach und nach meine Schulden bezahlen zu können, ohne dabei selbst -an den Bettelstab zu kommen.

Noch nenne ich Ihnen meinen Aufenthaltsort nicht, obgleich ich nicht besorge, einen meiner Gläubiger hier zu sehen. Ich will eS erst zu etwas Tüchtigem gebracht haben, dann sollen sie von dem alten Hawthorn hören, und ich hoffe, wir werden noch in späteren Zeiten, sei eS in Texas oder Louisiana, manches Glas Brandy zu­sammen trinken und manches freundliche Wort mit ein­ander wechseln.

In herzlicher Freundschaft

Ihr

verstorbener und wiedererstandener

William Hawthorn.

Deutschland und die Donaumündungen.

(Fortsetzung.)

Deutschlands Militairmacht gegenüber derjenigen von Rußland.

Zu den 631,300 Mann regelmäßiger Truppen Ruß- .anbs kommen noch für den Krieg die unregelmäßigen ruppen der Kosaken in vielen Stämmen, besonders der

vonischen und tschermonischen, welche zusammen an 400,000 Bewaffnete betragen sollen, sodann der Tataren, wozu die Baschkiren gehören, der Kalmücken u. a. Dieser über ein ungeheures Gebiet zerstreuten, doch meist in den westlichen und südlichen Theilen deS europäischen Rußlands und am Kaukasus befindlichen Macht steht eine Kriegsflotte zur Seite, welche jetzt an 40 Linienschiffe, 25 Fregatten und Dampfschiffe und mehrere hundert kleine Kriegsschiffe und Kanonenböte mit 40,000 See- leuten enthält, und ihre Hauptstation im finnischen Meer­busen und im schwarzen Meere hat,

Dagegen besteht:

Die Landmacht der deutschen Staaten im jetzigen Friedenöstande, und zwar der östreichischen Monarchie in 271,000, der preußischen in 115,600 und der übrigen Bundesstaaten in etwa 115,000, zusammen 501,600 Mann; im Kriegszustände aber die erstere, mit Einschluß der Landwehr, der Militärgränzer und dem ungarischen Aufgebote in 560,000, der folgenden mit Einschluß deS ersten Landwehraufgebots in 356,000 und der übrigen Staaten nach der Bestimmung der Bundesakte zu an­derthalb Przt. der Bevölkerung von 16,900,000 See­len in 235,300, zusammen in 1,169,500 Mann. Hiezu kommt noch die kleine östreichische Flotte von 8 Linien- schlffe», eben so vielen Fregatten und einer bedeuten- den Anzahl kleiner Kriegöfahrzeuge. Will man hierzu bte bewaffnete Macht der OSmanen rechnen, so soll dieselbe zu Land in ungefähr 124,000 Mann regulir- ter Truppen und mit der unregelmäßigen LehenSreuterei in 220,000 Mann, die Kriegsflotte in 12 bis 15 Lini-