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Nassauische 3nhmg.
Freiheit, Wahrheit nnd Recht!
Materielles und geistiges Wohl deS deutschen DolkeS!
Wiesbaden, 19. Mai IMS.
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Deutschland.
§ Die Zuriickberufung des Prinzen von Preußen.
Wiesbaden, den 17. Mai 1848.
Das preußische Ministerium hat einen sehr bedenklichen Schritt gethan, — bedenklich nicht nur für das preußische Ministerium, sondern auch für ganz Preußen, ja für ganz Deutschland. Wir fürchten zwar nichts von dem Prinzen von Preußen an und für sich. Mag er der eingefleischteste Reactionâr sein, er wird nicht im Stande sein, das Rad der Weltgeschichte rückwärts zu rollen. Aber wir fürchten alles von dem Eindruck, den diese Nachricht in den nächsten und entferntesten Kreisen machen wird.
Das preußische Ministerium hat zwar von dem alten vereinigten Landtag in Folge des entscheidenden Gewichts, welches der so lange in einer mehr als zweifelhaften Stellung dem Ministerium gegenüber verharrende Vincke, durch seine plötzliche Entscheidung für dasselbe, in die Wagschale warf, ein glänzendes Vertrauens-Votum erhalten, allein man kann keineswegs sagen, daß es eine durchaus haltbare Stellung, eine durch das ganze und volle öffentliche Vertrauen gesicherte, habe. Es hat nicht allein alle Angehörigen des bisherigen Systems gegen sich (was freilich, wenn auch-deren Zahl groß ist, an und für sich wenig zu sagen haben würde), es hat auch — und das ist ungleich wichtiger, die democra- tischen Elemente des preußischen Staates gegen sich, welche in ihm ein bloßes Bourgeoisieregiment erblicken und in seinem Streben ein Einlenken nach den Fußtapfen der Juli-Institutionen Frankreichs, nach der ausschließlichen Herrschaft der Hauptrepräsentanlen des dritten Standes und einer Zurückdrängung des so genannten „vierten Standes," sehen. Zu diesen Gegnern wird es aber in Folge solcher Maßregeln, wie die Zurückberufung des Prinzen von Preußen, einen großen Theil seiner bisherigen Anhänger hinzufügen und auf diese Weise eine Majorität g e g e » sich bilden, welcher es nothwendig unterliegen muß. Stürzt aber das Ministerium Camphausen in Folge der gemeinsamen Anstrengungen dieser seiner Gegner, welche großen Theils ganz entgegengesetzte Zwecke verfolgen, dann wüßten wir kein Ministerium, welches grade in einem solchen Augenblicke „möglich" wäre. Selbst ein Ministerium Vincke würde sich dann kaum halten können. Es gäbe ein Provisorium, ein Zwischen- reich, das für Preußen selbst die bedenklichsten Zustände herbeiführen und auch für ganz Deutschland nicht ohne
Der Pflanzer.
(Ku« »,n „Miffisippi-Dildkr, Lickt- und Schuttenjeiten tranSatlantischkn Leben».") von Friedrich Verstärker.
(Schluß.)
Alles vergebens! lachte Hannibal, indem er ein frisches Stück Kautaback in den Mund schob; ans Werk ihr Bursche! fort mit ihm! wir müssen wieder in stille- reS Wasser zurück, sonst verlieren wir die Uebrigen; ich kann jetzt schon nicht mehr ihre Segel erkennen. Fort mit ihm!
Die Neger folgten schnell und, wie es schien, mit freudigem Eifer, den gegebenen Befehl; der Unglückliche wurde trotz seines Sträubens aufgehoben, hing einen Augenblick schwebend in ihren Fäusten und flog dann, von einem lauten „a-hoy-y" des Führers begleitet, in die hochaufspritzende und über ihm zusammenschlagende Fluth. , ■ >
Hannibal hatte indessen das Segel losgebunden, daß es im Winde flatterte, der Kahn, nicht mehr stromauf getrieben, hielt in seinem Laufe inne und aufmerksam beobachteten die Neger, wie der Ertrinkende wieder auftauchte, untersank und noch einmal empor kam. Als sich aber die trübe Fluth auch dießmal über ihm schloß, ergriff Hannibal daâ Steuerruder und mit geschwelltem Segel flog das leichte Boot, von einem scharfen Süd
bedeutende Rückwirkungen sein würde. Wir müssen daher nicht bloß im Interesse des preußischen Ministeriums, sondern im Interesse von Preußen und von ganz Deutschland den begangenen Mißgriff bedauern und wünschen, daß er wieder zurück,genommen werde.
Mag der Prinz von Preußen reactionär oder nicht reactionär (?) sein, mag er sich in neuerer Zeit noch so sehr für Schleswig interessirt, noch so sehr für die deutsche Flotte gearbeitet haben, — von dem Blutbad in Berlin hat er sich nicht rein gewaschen, er hat die öffentliche Meinung gegen sich. Dieser Satz ist unbestreitbar. Er wird nicht nur von der Fortschrittspartei in Preußen als das Haupt der Reactionärs angesehen, sondern von den Reactionärs in Preußen selbst. Das beweisen unwiderleglich die zu seinen Gunsten in einzelnen Theilen des preußischen Heers, in einzelnen Landen der Monarchie (z. B. in Pommern) in einzelnen Organen der rückschrittslustigen Presse (z. B. der Stettiner Zeitung) zu seinen Gunsten laut gewordenen Demonstrationen. Sein öffentlicher Charakter ist nicht zu bezweifeln, mag sein Privatcharakter sein, wie er will. Hier handelt es sich bloß um den ersteren, der letztere kann gar nicht in Betracht kommen.
Ihn jetzt zurückberufen, war gewiß nicht nothwendig. Wenn er die Verfassung beschwor, nachdem man sie beendigt hatte (was so schnell nicht gehen wird), war es frühe genug. Aber jetzt konnte er füglich bleiben, wo er war.
Jetzt wird seine Rückkehr ein Signal sein zum Mißtrauen, selbst in Kreisen, deren sich dasselbe bis jetzt noch nicht bemächtigt hatte. Es wird das Signal sein zu einem Ksmpf gege».^»» M.-n«».»..., ....... dessen Sieg mehr als zweifelhaft ist.
Wir billigen daher vollkommen die Adresse der rheinischen Städte, welche, ohne sich auf weitläufige Motive einzulassen, die hier nicht an ihren, Platz wären, einfach gegen diesen Act protestiren. Der Zustand der öffentlichen Meinung ist noch zu reizbar, zu krankhaft empfindlich, als daß er so gewagte Experimente zuließe.
0 Vieberich, 17. Mai.
Bekanntlich hat der Minister v. Gagern unmittelbar nach Erscheinen des Sitzungsprotokolls vom 4. Mai den hessischen Gesandten v. Lepelt desavouirt. Wir Nassauer warten seit 8 Tagen vergebens, ein Gleiches von unserem Volksminister Hergenhahn zu vernehmen. Seine Aeußerung in dem Fünfziger - Ausschuß bringt uns nur seine persönliche Meinung; das ganze Land würde sich freuen, wenn er eben so entschieden, wie v. Gagern die Erklärung abgäbe, daß der nassauische Gesandte eben so gegen 'diè Grundsätze unseres gegenwärtigen Gouvernements gehandelt habe.
wind getrieben, dem Ufer zu und glitt an diesem schnell und geräuschlos hinaus
Der Morgen dämmerte schon, alö die Flüchtlinge an der Mündung eines kleinen Flusses auhielten, der unterhalb Tunica in den Missisippi fällt.
Hier ist der Platz, sagte Hannibal, der jetzt wieder zn seines Masters Barke gesegelt war; wenn wir den Tag über beilegen wollen, so findet in diesen Dickichten keine Seele unsern Versteck. Morgen Nacht können wir dann Atchafayala erreichen, auâladen und die Reise zu Land fortsetzen, ehe die furchtsamen Creolen eS gewagt haben, die „Pesthöhle", wie sie unsere Plantage in der letzten Zeit getauft, zu betreten. Was sie für Augen machen werden, wenn sie die todten Kühe in der Hütte finden!
Gut! erwiederte Hawthorn, wir wollen Deinen Rath befolgen, aber die Wachtposten nicht vergessen. — Hast Du den Gefangenen auch sicher verwahrt?
Sicher! erwiederte Hannibal und glitt mit seiner kleinen Barke zuerst in die Flußmündung.
Fünf Wochen nach diesem Vorfall erhielt Turnbull folgenden Brief auü Texas.
TcraS, den 4. Dezember 1840.
Mein theuerer Herr!
Da Sie der einzige Mann in Louisiana sind, dessen Meinung mir nicht gleichgültig ist, fühle ich mich gedrungen, Ihnen eine kurze Erklärung meines scheinbar
Die Eröffnung der eonstituirenden Versammlung.
Frankfurt, 17. Mai.
Sie fragen, ob denn endlich die Eröffnung der eonstituirenden Versammlung fest auf den morgigen Tag beschlossen sei.
Nein, bis jetzt noch nicht.
Gestern hielten die biö jetzt hier anwesenden Parlamentsmitglieder Sitzung. Es mochten deren, mit Zurechnung der neu eintretenden, gegen 200 sein. Man tollte von der einen Seite den Antrag, definitiv zu beschließen:
„Die conftituirende Versammlung wird den 18. Mai, Morgens 9 Uhr, in der Paulskirche eröffnet,"
allein die gewöhnlichen und schon so oft gehörten Bedenken wogen vor, so daß sich die Majorität dahin aussprach, daß man heute Abend um 7 Uhr in einer alsdann abzuhaltenden Sitzung beschließen solle, ob die Versammlung morgen eröffnet werden könne, oder nicht.
Die Sache ist also noch zweifelhaft. Zu den Feuern ist es noch zu frühe, und die kirchlichen und bürgerlichen Feierlichkeiten, welche Sie in Wiesbaden auf ben 18. angeordnet haben, suspendiren Sie noch etwas!
Gleichwohl hoffen und wünschen wir dringend, daß ft^ die Versammlung für die morgige Eröffnung entscheiden werde, selbst wenn auch noch nicht die hinreichende Anzahl Mitglieder da sein sollte. Es bedarf des großen moralischen Eindrucks, welchen die Nach- rrcyl luuu-en u"rv.---------------------------
„Die constituirende Versammlung ist eröffnet."
Dieser Eindruck wird mächtiger sein, als der aller Proclamationen, Allocutionen und Versicherungen. Und es thut Noth, daß er bald kommt. Von der Angst und Verwirrung, welche hier herrscht, machen Sie sich keinen Begriff. Alles packt, Viele reisen ab, Keiner bezahlt. Selbst bei vorhandenen Zahlungsmitteln werden anerkannte Schulden nicht bezahlt, weil Jeder sich fürchtet, sein baares Geld, seinen letzten Rettungsanker, aus der Hand zu geben. Wenn irgend etwas geeignet ist, wirkliche Gefahr hervorzurufen, so ist es diese lächerliche und grundlose Angst unserer Bürger.
Viele wollen behaupten, der Beschluß, erst heute Abend um 7 Uhr über die Eröffnung des Parlaments zu entscheiden, beruhe auf der Absicht, die Nachricht über die Eröffnung nicht zu bekannt werden zu lassen, damit man vor ungebetenen Gästen bewahrt sei.
Ueberall viel Angst und „viel Lärm um NichtSk"
unrechtlichen Betragens zu geben, die mich in ihren Augen zum Theil rechtfertigen oder doch wenigstens das Urtheil mildern wird, das Sie bereits in Ihrem Herzen über mich gefällt haben.
Sie wissen, in welch' verzweiflungsvoller Lage ich mich befand, daß ich auf dem Punkte stand, durch öffentlichen Verkauf Alleâ zu verlieren, was mir zu meinem Leben und einstigem Fortkommen unumgänglich nöthig war; ich sah mich am Rande eines AbgrundeS, aus dem mich eigene Energie nie wieder hätte herauSreißen können. Ich mußte die Mittel zum Wirken, zur Thä- tigkeit behalten, und diese war ich im Begriff durch die Habgier meiner Gläubiger, besonders jenes MorriS, zu verlieren. Von den Spionen derselben umlagert, blieb mir kein Ausweg, als ein Mittel zu ersinnen, Freund wie Feind von meiner Plantage zurückzuschrecken, und daS konnte nur durch eine Krankheit geschehen, die scheinbar fürchterliche Verheerungen unter meinen Sklaven anrichtete, während ich das Recht behielt, keinem andern Arzt mein Vertrauen zu schenken, wo mein Sohn selber prakticirte.
Leicht bewog ich meine treuen Neger mir beizustehen; denn gelang mein Plan, so konnten alle in meinem Besitz bleiben. Ich hatte sie stets gerecht und gütig, ja väterlich behandelt, wogegen bei einer öffentlichen Versteigerung ihr Schicksal ganz ungewiß war und sie, die größtentheils durch Familienbande verkettet sind, auf jeden Fall aus einander gerissen worden wären. Hannibal war mir in dieser Beziehung besonders nützlich; sein kluger Kopf leitete die ganze Verschwörung. Leere Särge