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Nassauische .Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl deS deutschen Volkes!

Wiesbaden, 13. Mai IMS.

Das vierteljährige Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden fl. 1. 45 kr. Ein Abonnement für Wiesbaden auf l- -

24 kr. Ein MonatS-Abonnement für Wiesbaden 40 kr. Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl. I. 12 kr. Man abonnirt in Wies­baden in der Stvedilio» am Friedrichsplatz; im Herzog thu IN, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mi:

verhaltn mäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.

Deutschland.

.tf ik Die Petition der Wickelkinder.

Wiesbaden, 10. Mai.

Erlauben Sie mir die Aufrichtigkeit, Ihnen zu sagen, daß die Redaktion derNassauischen Zeitung" einen großen Fehler begangen hat, indem sie neulich die ihr zur Aufnahme dargereichtePetition der Wies­badener Gymnasiasten" mit der schnöden Bemerkung zurückwies, daß ein politisches Blatt nicht für Schul­sachen, viel weniger für Kindereien bestimmt sei. Die Nassauische Allgemeine Zeitung" hat ihre Auf­gabe, als achte Kinderfreundin, viel besser erfaßt und dadurch gezeigt, daß es ihr um die Sache des Fort­schritts heiliger, ja bitterer Ernst sei. Sie hat eine ihrer Ertrabeilagen, in welchen sie son t stetsdie wich­tigsten und eiligsten" Nachrichten mitzutheilen pflegt, der Mittheilung der Petiiion der Gymnasiasten gewid­met und damit erklärt, daß sie dieselbe für eines der wichtigsten Ereignisse für das deutsche Volk, für eine derwichtigsten Urkunden für den Rechlszustand der deutschen Nation" erachte. Sie hat damit gezeigt, daß sie stets die Freiheilsbestrebungen ehrt, wo sie sie fin­det, und wäre cs in carcere gymnasii, daß sie den Drang eines Gymnasiasten nach Tabakspfeifen, Theater und Wirthshäusern eben so hoch und heilig achtet, wie den Drang einer großen Nation nach ihren politischen Rechten. Folgen Sie diesem Beispiel, wetzen Sie dic Scharte aus, die Sie sich durch das schnöde Zurück­weisen dieser geistreichen und hochherzigen Petition gc- ^^Dichâl- «Mk .wolle« Mw» GeheZenchest. Zazu geben, indem wir Sie auf die uns zugegangene Petition der W i ck e l k i n d e r in R o tzen hahn,

H e r z o g l. Amtes M a r i e n b e r g " aufmerksam machen, welche wir Ihnen nachstehend mitzutheilen, die Ehre haben:

An Herzogliches hohes Ministerium zu Wiesbaden.

Gesuch der Wickelkinder in Rotzenhahn, Herzog!. Amtes in Marienberg,

um geneigte Willfahrung nachstender Punkte.

Ausgehend von der bereits zur allgemeinen An­erkennung gelangten Wahrheit, daß eine Reorganisa 4ion, wie des ganzen ErziehungSwesens, so besonders der Behandlung der Wickelkinder unumgänglich noth­wendig geworden ist, erlauben wir uns, einem hohen Ministerium unsere Wünsche in Beziehung auf diese Reorganisation darzulegen.

I. Als obersten und unverletzlichen Grundsatz stellen wir auf:

Die Wickelkinder dürfen in Zukunft nicht mehr ge­wickelt, sondern müssen bürgerlich gekleidet werden, überhaupt Bürger- und Menschenrechte genießen. Dar­aus folgt:

Greigniffe in den Doliaufürstenthümern und Rußlands Protektorat.

,3ns der Moldau, im April. Endlich ist es auch nach einer langen Gäbrung in Jassy am 1.April a. St. zunr Durchbruch gekommen. An diesem Tage willigte selbst der regierende Fürst Michael Sturdza im Einverständniß mit dem russischen Consulat (eigentlicher: Proconsulat im Sinne der alten Römer) in die Ernen­nung einer Kommission, um die Beschwerden des Vol­kes zu formuliren. Diese Kommission erklärte, raß sie nur aus einer Volksversammlung die wahren Wünsche deâ Volkes wahrnehme» könne. Auch das wurde bewil­ligt, sohin 35 Beschwerdepunkte in eine Petition gefaßt und dem Fürsten mitgetheilt. Die meisten derselben be­zweckten Abschaffung von maßlosen Mißbräuchen, Er­leichterung ter Unterthanenlasten, Auflösung deâ jetzigen, nur durch Corruption zusammengesetzten Landtages, Ent­fernung von fremdem Einfluß der ursprünglich unabhän­gig sein sollenden Regierung im Sinne des längst mit Füßen getretenen Traktates von Adrianopel, Errichtung einer Nationalgarde und Freigebung der Presse rc. Der Fürst bewilligte davon 32 Punkte, drei aber: Auflösung des Landtages , Errichtung einer Nationalgarde und Frei­gebung der Presse, erklärte er, nicht bewilligen zu kön­nen, weil sie dem Grundgesetze zuwider wären. Daâ Volk aber forderte Alles ohne Ausnahme und sogleich. Eine zweite Deputation brachte die Aufforderung an das Volk, sich zwei Wochen lang ruhig zu verhalten, bis

1) Sie dürfen Schuhe oder Stiefel tragen. Alle Beschränkungen in Bezug auf auffallende Tracht und Kleidung fallen weg.

2) Sie haben Anspruch auf den Dienst der Na- tionalgarde.

3) Auf Verlangen muß ihnen ein Lutscher verab­reicht werden.

4) Sie dürfen nicht den Händen der Ammen, welchenoch dazu oft die krassesten Rational-sten sind," unbedingt überliefert werden.

5) Sie verlangen gänzliche Umgestaltung der Heb­ammenlehranstalt in Hadamar. Namentlich müssen sie wünschen, daß in Bezug auf die Oberhebamme Margarethe Dienstbach in Hadamar der öffentlichen Meinung Gehör geliehen werde.

Indem wir bemerken, daß die gewünschten Ver- änderungen nur als unsere Ansicht gelten können, bitten wir, wo möglich be Artikel 14 uns unver­weilt zu vcrwilligcn, den letzten Artikel hingegen bei der später vorzuüehmenden gänzlichen Reorganisation artis obstetriciae geeignet zu berücksichtigen.

Rotzenhahn den 4. Mai 1848.

Eines hohen Ministern Infante» von Rotzenhahn.

Anmerkung der Redaction.

Wir fügen diesem Scherz unseres geehrten Herrn Corrcspondenten die-ernsthafte Bemerkung bei, daß, wie Diesterweg kürzlich so trefflich sagte, die Jugend in einem unfreien Staat möglichst frei, dagegen in einem freien Staat möglichst streng erzogen wer­den muß. Das freieste Land Europa's, England, be­stätigt faktisch dieses $ri^.y. N.rgxnds herrscht eine strengere Zucht, eine pedantischere Disciplin, als dort. Unsere Gymnasiasten müssen sich also nsthivendig eher auf Einschränkung und Sirenge, als auf Aufhebung und Beiscitesetzung der Disciplin gefaßt machen. Je- denfatts aber hätten sie das eitle Spiel mit der Petition unterlassen können.

Die Volksbewaffnung, die Volkswehr.

K Vom Taunus, 10. Mai.

Durch die glorreiche Erhebung Deutschlands ist, wie in der Politik, so auch in der Kriegsführung eine mächtige Umwandlung vorbereitet. Seit 33 Jahren stehen die Heere aller europäischen Staaten nach dem großen Listen -Maßstabe auf dem Kriegsfuße; cs sind großartige Schlachten geschlagen, zwar nur in den Ka­binetten, es ist nur Dime geflossen, kein Blut; dennoch ist das Mark der Völker angenagt, geistig wie materiell. Der frühere Zustand war unerträglich; die Vormund­schaft ist abgeschüttelt; zeigen wir nun auch, daß wir mündig sind.

Ein mündiges Volk muß wehrhaft sein;

türkische und russische Kommissäre kommen würden, welche über diese Manifestationen des Volkes und dessen Be­rechtigung hiezu daâ Votum abgeben sollten. Diese un­verschämte Zumuthung und der wahrhaft herausfordernde Spott auf die Rechte der Moldauer erbitterte das Volk aufs höchste.Zu den Waffen, Brüder! rief derjunge K. Ghika, 14 Jahre lang hat er uns tirannifirt und unsere Rechte mit Füßen getreten!"Zu den Waf­fen!" donnerte es einstimmig auâ dem Volke, und der Refrain einer jeden Anrede war:Wir Alle wollen ster­ben!" Mittlerweile flüchtete sich der Fürst mit seiner ganzen Familie in die Kaserne. war bereits 9 Uhr AbendS, und der Augenblick an verhängnißvoller. Das Volk zerstreute sich auf Anordnung der reformirenden Kommiffion und erhielt den Auftrag, um 8 Uhr Mor­gens in den Waffen zu erscheinen, ohne daß man die mindesten Vorsichtsmaßregeln für die Sicherheit der Nacht veranstaltet hatte. Nichts Taktloseres, Nichts Unsinni­geres hätte in der That geschehen können. Der schlaue Fürst und sein tirannischer Sohn benutzten diese Sorg­losigkeit. Sie überfielen in der Nacht mit der ganzen Militairgarnison und den 200 Arnauten deâ Fürsten die Bojarenhäuser, schleppten die Leute auâ den Betten und ließen sie knebeln, 17 davon sogleich über Galacz nach Tultscha abführen und andere Zweihundert jeden Standes theils in den Kasernen, theils in den Gefäng­nissen einfperren. Dabei fielen mehrere Verwundungen vor und zwei Personen wurden erschlagen. Der Fürst unterließ nicht, ein beschönigendes, seine väterliche Für­sorge in Regierungsfachen zur Schau tragendes Dekret

jeden Augenblick bereit und fähig, innere wie äußere Feinde zu erdrücken.

Von innern Feinden haben wir für geraume Zeit nichts mehr zu befürchten, nachdem dcr republikanische Ehrgeiz Einzelner gcdemüthigt ist, und allen Ercdi, ventral hat. Zwar bringt auch der nahe Reichstag eind Masse von Keimen zur Zwietracht mit, die auf günstigem Boden zu einer furchtbaren Saar an "gehen würden; aber Deutschland will und muß cinig sein aber seine Vertreter müssen durch Weisheit und Mä­ßigung beweisen, daß sie der Wahl würdig sind. Die Kriegsfackkl glimmt an allen Gränzen, darum muß die Einigkeit eine Wahrheit sein!

Die Behörde, welche für unser Herzog! i' um die Volksbewaffnung vorbereiten soll, ist ernannt, und sie wird nicht längs zögern, die schwere Arbeit in Angriff zu nehmen. Die Veröffentlichung der folgenden Süg? mag daher überflüssig erscheinen; wer aber zum neuen Bau Steine herbeijchafft, übt ein nützliches Werk, soll- ten sie auch nur zur Ausgleichung' des Bodens .ar wendbar sein. Referent hat sich schön seit einer langen Reihe von Jahren mit der Idee (mag man sie immer hin, wie früher geschehen, eine fixe nennen) der Volks- wehr umhergetragcn: er hat vielseitige Gelegenheit gc habt, mit früheren Officieren darüber zu sprechen; seine Gedanken wurden für theoretisch zweckmäßig, aber für unausführbar in dcr Praxis gehalten. Die Hemm nisse sind nun völlig beseitigt; so wollen wir denn nun auch mit den bekannten f, f. f. f. der Turner ans Werk gehen.

§. 1.

, >20. lange Deutschland sich ff» Zustande d . -^ Wicklung befindet, und bis sämmtliche Nachbarn zur Ruhe zurückgekehrt sind, muß das stehende Heer nicht nur in seiner bisherigen Stärke erhalten, sondern auch durch die ganze waffenfähige Mannschaft vermehrt werden. Ist aber allgemeine Ruhe zurückgeke^rr r wird das Heer bis auf die Kadres entlassen. Dien sind unerläßlich, da Muth und Tapferkeit allein ne genügen; die Führung des Krieges ist eine Kur -, und die Erfolge der ältesten wie der neuesten 3ev ha^u bewiesen, baff nur eine kundige und kunstgerecht ^üir rung den Sieg erzielt. Wie stark die Kadres, re ein Heer von etwa 8000 Mann wie Nassau es i-llen kann, sein müssen, hängt vom technischen Gutachtrn ab. Referent glaubt nicht zu weit vom Ziele zu bleiben, wenn er 500 Mann annimmt, aber mit einer hinrei­chenden Zahl Führern.

Unsere bisherige Kriegsverfassung hat es bewiesen, daß unsere Jugend nur selten vor dem 20. Jabrc waffcnfähig ist. Daher trete mit diesem Alte- die Wehrpflicht ein.

§. 3.

Um einersetis die Körper- und GeisicscMwickuug

zu erlassen und zugleich auf eine Drohung des russischen Hofcs in einer ihm am vorhergehenden Abend vom rus­sischen Consul gemachten Mittheilung deâ Grafen Nes- selrode vo a 16. März a. St. aufmerksam zu machen, vermöge welcher Rußland fest entschlossen sei, in dc,: (drei) protegirlcn Donaufürstcuthümern nicht die geringste Reform zu gestatten. Rußland gerirt sich also be­reits als unumschränkter Herr in der Moldau, der Wallachei und Serbien und hat somit bereits moralischen Besitz von den drei ehemaligen Edelsteinen der ungarischen Krone genommen. Der militärische. Be­sitz ist eine Kleinigkeit, denn Skoläny ist nur 5 Stun- den von Jassy entfernt, die dortige Schiffbrücke über den Pruth nur 10 Klaftern lang und in russischen Händen. ' Spätere Nachrichten besage», daß 7 von den Abge­führten sich nach Braila gerettet hätten, von wo ans sie die ganze Moldau zu revoltiren beabsichtigen. Aus elftem freundlichen Schreiben von Galacz ersehen wu, daß am 25. März a. St. eine Erhebung der Bulgareu am rechten Donauufer zur Verjagung der Türken statt­haben sollte, die aber rückgängig gemacht wurde. Fer­ner, daß die gefangenen Bojarensöhne in Galacz znr Weiterbeförderung nach Tultscha angekommen und auch dort kasernirt worden waren. Nach dieser Mittheilung hätten sich 17 von ihnen gerettet und sich unter den ih­nen nicht verweigerten englischen Schutz in Araila begi bcn. Ein Brief vom 20 April aus Bukarescht theil' unâ die unverbürgte Nachricht mit, daß die Aufständi­schen den Fürsten Sturdza ermordet hätten. Fürst B-- beöko soll gemeinschaftlich mit den Petitionirenden zeit-