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NaffauW Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl deS deutschen Volkes!

Wiesbaden, 82. Mai IS^S»

DaS viertel jährte e Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden fl. 1. 45 kr. Ein Abonnement für Wiesbaden auf 14 Tage 21 Fr. Ein Monats-Abonnement für Wiesbaden 40 kr. Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl. 1. 12 kr. __ Mar, abonnirt in Wies- baden in der Expedition am Friedrichsplatz ; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhaltn ißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.

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Deutschland.

9 Heckers Dertheidignng gegen die An­schuldigung d s Meuchelmords.

Wiesbaden, den 11. Mai 1S4R.

Wir theilen nachstehend die Vertheidigung Hecker's gegen die ihm und seinen Genossen gewachte Anschul­digung, den General von Gagern meuchlings ermordet zu haben, mit, weil wir es für unsere Pflicht halten, nachdem wir den anschuldigenden Berichten Naum ge­geben, auch ber Stimme der Rechtfertigung und Ver­antwortung unsere Spalten nicht zu verschließen.

Wir verabscheuen das ganze Unternehmen Hecker's «nd Struve's. Es ist ein Unglück für das Vaterland und rin Mäckel auf dem Namen seiner Urheber. Moch­ten sie Republikaner sein, mochten sie diese Ansichten auf bt in Parlament verfechten und durchzusetzen suchen mit allen geistigen Kräften, die ihnen zu Gebot stan­den, wir würden ihre Ueberzeugung geachtet, ihren Muth geehrt haben. Allein als sie im Seekreis be­gannen, das Banner der Empörung und des Bürger­kriegs aufzupflanzen, da hörten sie auf, Bürger zu sein, und wurden Feinde des Vaterlandes, da hörten sie auf, Republikaner zu sein» und wurden Insurgenten, da hörten sie auf, Förderer ber Volksrechte zu sein, und wurden Förderer der Reaktion, die schon hin urb wieder ihr gebeugtes Haupt wieder sichtbarlich aufhebt.

Trotz allem dem ist es bloß unsere Pflicht, über ihr Unternehmen den Stab zu brechen; ihrer Per­son aber Raum zur Rechtfertigung zu verweigern, das wäre ein Unrecht und ein Terrorismus, dessen wir uns nie schuldig machen werden, mag er auch sonst geübt wefUp». von wem er Este. Denn der oberste Grund- fag ber'Steffictl ist die Gerechtigkeit und wir sind von jeder der Meinung gewesen:

Wenn der Teufel selber Recht hätte, dann müßte er Recht behalten."

Alle ehrenkaften Redaktionen deutscher Zeitungen werden ersucht, nachfolgende

Erklärung aufzunehmeu.

Zu den schlechten Mitteln monarchischer Reaktion, welche sich nicht entblödet, die aus Begeisterung für Volk und Volkssreibeit geschehene republikanische Schild- erbebung auf das Nichtswürdigste zu verläumden, feuer Reaction, die nur den niedern Leidenschaften des Eigen­nutzes, der Furcht und Aufopferungsfähigkeit schmeichelt zu jenen schlechten Mitteln gehört vor allen die boshafte und schändliche Erdichtung, als sei General Gagern meuchlings gefallen.

Wiederholt erzähle üb den Hergang, wie er sich zugetragen hat, und apvellire an die Ehrenhaftigkeit der Augenzeugen, an die Ehrenhaftigkeit, welche ein Feind dem andern schuldig ist, damit sie die Wahrheit

Deutschland und die Donanmündungen.

®;n Beitrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse deS Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegenm Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

(Fortsetzung.)

Unter dem bescheidenen Namen einer Schutzberrlich- keit ist eS der russischen Politik also gelungen, diese Län­der unter ihre faktische Herrschaft zu beugen. Diese Po litik gebt aber noch viel weiter sie hat die ganze Türkei in ihren Bereich gezogen; besonders auffallend Züchte sie die Christen BnlaarienS unb die freien Mon­tenegriner , letztere durch Ordensverleihungen des Vla- dika und Geld, so wie in Asien das armenische Volk, in ihr Interesse zu ziehen, durch Absendung zahlreicher .Konsuln und Agenten alles auszukundschasten, was in den türkischen Seehasen und im inneren Lande vorgeht, und was die Donaumündungen betrifft, so versichern vielfach übereinstimmende Berichte, die Versandung der Snlinamündung habe, seitdem sie in russischem Besitze ist, so sehr überhand genommen, daß der Fluß für grö ßere Schiffe bald nicht mehr zugänglich sein werde. Alle Beschwerden Oestreichs und Englands, daß die gegebe­nen. Zusagen der AuStiesnng und Einschränkung des Strombettes ins Werk gesetzt werden, sind bisher er­folglos geblieben; dagegen hat Rußland iw volle« Wi­

meiner Behauptung bestätigen. Als unsere Colonne von Kandern auszog, faßte sie auf den Höben dicht vor Saubern Posto. Ich stand bei einem Fähnlein am Berge, als mir zngernfen wurde, Gagern wünsche mich zu sprechen. Ich begab mich auf die Straße, wo mir ein Cavallerielieutenant, ich meine Kiefer, vom Dragoner- Regiment in Bruchsal, entgegen kam und diese Mitthei­lung wiederholte. Ich stieg den Weg herab, begleitet von mehrer» republikanischen Anführern, und traf mit Gagern auf der Mitte einer vor der Stadt Saubern befindlichen Brücke zusammen, wo er mich anredete: Sie, d. h. die Republikaner, müssen die Waffen nie- derlegen," was ich natürlich ablehnte; darauf fuhr er fort:

Sie sind ein gescheidter Mann, aber ein Fa- naliker," worauf ich erwiederte:wenn die Hingebung für die Befreiung eines große! Volles Fanatismus ist, dann mögen Sie diese Haadlun sweise also bezeichnen, bann gibt eo aber auch einen Fanatismus auf der andern Seite, dem Sie dienen; übrigens bin ich nicht hier, um hierüber zu streiten, son­dern frage, ob Sie mir sonst etwas mitzu- theilep haben."

Hierauf entgegnete er mir, so werde ich mit aller Strenge gleich einschreiten, worauf ich erwiederte: und wir wer­den einen Angriff zu begegnen wissen, übrigens werden Sie uns (die Anführer) zuvor zu unsern Corps zu- rückkedren lassen, worauf er erwiederte : Allerdings. Nach diesem Zwischengespräch rief mir ein badischer Stabsoffizier (Kunz, wenn ich nicht irre,) noch zu: Ich beschwöre Sie, stehen Sie ab." Damit batke das Parlamentiren und ber erste Act der Handlung ein Ende.

Wir verließen nun unsere Position vor Kandern, sammelren unser Corps auf der Straße und marschirten vorwärts bergauf, ungefähr dreiviertel oder eine Smude Zeit. In einiger En fenuinq marschirten uns die Li- nientruppkN, die Hessen voran, nach. So gelangten wir. nachdem also zwischen der Unterredung auf der Brücke er (viertes bis eine Stunde verflossen war, auf die höchste Spitze des Berges, von wo dann die Straße sich bei Schlechtenhäus stets bergab geg n Steinen zieht. Hier mußten wir Position fassen, dann zogen wir bergab und ließen den Feind die Höhe fassen, so konnte er uns von oben herab mit Geschütz-, Musketen-, Cavalleria Chargen leicht werfen. Als uns die nachrückende Linie sah, daß wir Halt machten, hielt sie ebenfalls an und wir stellten uns nun folgendermaßen auf: Ein Fähnlein rechts an ber Straße (von Kandern aus gedacht), ein Fähnlein links, ein Fähnlein quer über die Straße, rechts von ihm am Waldrand sämmtliche Sensen und hinter Dem ersten Fähnlein rechts von Der Straße im Gebüsch die Reserve, zu beiden Seiten der Berghänge

dersprüche mit dem dritten Artikel des Vertrages von Adrianopel den nur sanitätSpouzeilichen Zwecken bestimm­ten k einen Anlagen auf den MüudungSinseln eine große Ausdehnung gegeben, sie mit Befestigungen und Batte­rien versehen, welche sämmtliche Mündungen beherrschen und so müssen wir denn jetzt schon die freie Benutzung unserer Wasserst: aße eben so sehr dur h vielartige hem­mende Maßregeln, z. B. unter dem Vorwande von Ouarantaine und durch die Lootsen, wie durch die Ver­nachlässigung deS Flußbettes erschwert, bei ausbrechen- dem Kriege aber, oder wenn eS sonst der russischen Po­litik zusagt, unsere Schifffahrt inS schwarze Meer gänz­lich aufgehoben sehen. Wo soll und wie kann die­ses endenL

Betrachten wir nach dem Vorhergegangeneu die Ent- Wicklung der politischen Verhältnisse in den Donaulän- rern, so müssen wir gleich sehr erstaunen über die feine StaatSkunst eines kaum der Barbarei entstiegenen Rei cheS, als über die vertrauende, einer gewissen Scheu ähnliche Nachsicht deS civihfcrten Europa, welches den jugendlichen Riesen in einem Staate, dessen Fortbestand zur Erhaltung des europäischen Gleichgewichtes und zur Vermeidung weltoerwüstender Kriege für unbedingt noth­wendig gehalten wird, nach Gutdünken schalten läßt. Eine der Napoleonischen an Unersättlichkeit ähnliche, aber weit klügere Politik entfaltete sich hier um so gefährli­cher, als sie nur bedächtig und geräuschlos zu Werke geht, die schwache Seite des Gegners zn erspähen, die

die Scharfschützen. Die Gegner standen so, daß das hessische Fußvolk voranstand, wie man denn wohlweis­lich stets vermieden hat, uns badische Truppen gegen- über zu stellen. Die Republikaner empfingen nun diese mit einem Zuruf, schwenkten die Mützen oder Hüte und riefest':Kein Bürgerblut vergießen, Idr seid unsere Brüder, es lebe die Freiheit, tretet in unsere Reihen," und gleichzeitig traten aus unseren Reihen Männer vor, streckten die Hände aus und schon traten aus den vor» Dem Reihen der Hessen 810 Soldaten vor, offenbar in ber Absicht friedlicher Begegnung. Als dies bemerkt, wurde, ritt Gagern vor, einer oder ine rere überoffi* ziere begaben sich ebenfalls vor. Die Soldaten traten in die Reihen zurück, nachdem er ihnen etwas zuge­rufen baue; Feuer wurde commanvirt, ein Peloronfeuer erfolgte und nun erst schoß man republikanischerseits, hätten wir zuerst schießen lassen, so wäre der Erfolg nicht zweifelhaft gewesen, denn es ist ganz anders bèt kriegsungewobnten Truppen, die erste Salve geben oder die erste Salve ruhig aushalten. Erst nachdem nun gagern'säwrseils gefeuert worden, feuerten unsere Lende, es fiel Gagern und mit ihm fielen gleichzeitig noch an­dere verwundet oder todt, das kann ich nicht unter# scheiden. Es ist also eine wahre Schändlichkeit, behaupten zu wollen, Gagern sei beim Parlamentiren erschossen worden , und kein Ehrenmann, mag er auch mein po­litischer Feind sein, wird je glauben, daß Republikaner, daß ich fähig fei, einen Meuchelmord auch nur durch Zusehen zu gestatten, geschweige ihn zu verhehlen ober zu vertheidigen , dafür bürgt mein ganzes Leben. Ge­wissenlos muß ich es aber nennen, wenn der Fünfziger- Ausschuß zu Frankfurt am Main, wenn dessen Vor­stand von Soiron, welchem ich noch ein besonderes Kapitel widmen werde, so leichtfertig diese schändliche Anschuldigung als wahre Thatsache annimmt und dar­aufhin proclamirt.

Von Herrn Baron von Soiron, der selbst noch in Offenburg im Gasthause auf die Republik Toaste aus- brachte und mich lange genug kennt, um zu wissen, daß Meuchelmord weder eines ehrlichen Mannes, noch eines Republikaners, noch mein Handwerk ist, von ihm hätte ich wenigstens erwarten dürfen, daß er nicht eine Er­klärung mit seinem Namen in die Welt schickte, die eben so grundlos als schmählich ist. Ich hätte erwarten Dürfen, daß man eben so wenig an eine Tödtung beim Parlamentiren glaube, als daran, daß die Familie v. Gagern 40 Banditen gegen Struve und mich gedungen habe. Das Maß des Frechverläiimderischen ist aber voll mit der angeblich protokollarischen Erklärung eines gewissen Soldaten Trautmilch in derKarlsruher Zei- - tung," wornach ich sogar gegen Gagern ein Pistol ab* geschossen hätte.

In dem ganzen Feldzüge kam ich nie, das brachte schon meine Stellung mit sich, in die Lage, den Säbel

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höheren Volkoklassen und die Religion auf's Beste zu be­nutzen, nach Umständen ihre Macht zur Schau zu legen, ihre Schwächen und Unfälle zu verbergen weiß. Ihre Verträge sind ein getreues Md von dem augenblickli­chen Interesse; ist dasselbe erreicht, dann müssen sie ab­geändert werden oder andere an die Stelle treten. Wen« i re Entwürfe ein nacklheiliges Aussehen erregen, macht sie zeitweise Konzessionen, nimmt aber dann mit Beharr­lichkeit die alten, nur ihr allein sichtbaren Fäden des Gewebes wieder aus, und geht, so bald die Hindernisse fallen, geradeswegs auf ihr Ziel loS, daS sie, wenn es einmal erfaßt, mit äußerster Hartnäckigkeit festhält. Die seither'g;en Ereignisse in den Donaufürstenthümer« nutz die immer nur auf kurze Zeit unterbrochenen Vertrags- Unterhandlungen mit der Pforte sind hievon untrügliche Beweise. Kein Wunder, daß die Diplomatie in der letzten Zeit sehr bittere Erfahrungen gemacht und immer zu spät eingeseden hat, daß die geschickt maSkirten Vor­schläge der nordischen Politik nur den Zweck hatte«, die Pforte zu schwächen und zu erniedrigen, Argwohn und getheiltes Interesse unter den andern Mächten hervor- zurufen und so die eigenen Absichten desto sicherer zu erreichen. Auch der letzte Schatten eines deutsche« Ein­flusses auf die Donaufürstenthümer, auf welche Oestreich noch Ansprüche ableitet, ist, so gerne man sich auch von dem Gegentheile überreden möchte, vernichtet und eine längst erstrebte Beute Rußlands geworden, dessen Pro­paganda seit längerer Zeit sich sogar vermißt, die sla­vischen Völker unter östreichischem Scepter , die sich zur griechischen Religion bekenne«, für die Idee einer Ber-