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W* 56.

NaffaulM Reifung.

Freiheit, Wahrheit und Recht! Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 11. Mai 1S^8.

Das vierteljährige Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden fl. 1. 43 kr. Ein Abonnement für Wiesbaden auf 14 Tage 21 fr. Ein Monats-Abonnement für Wiesbaden 40 kr. Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl. 1. 12 kr. Man abonnirt in Wies­baden in der Expedition am ^riedrichsplntz ; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements au mit verhält« ißmäßig er Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.

Deutschland.

2 Der Mangel an öffentlichem Leben und der Ueberfluß an heimlicher Klatscherei.

Ein Hieb auf die Colamnianten uni Sykophanten.

Wiesbaden, 9. Mai.

Wir baden nun Oeffentlichkeit, aber kein öffentliches Leben. Es ist uns ein Spielraum geöffnet, auf wel­chem sich Riesen an Geist und Charakter frei bewegen könnten, aber statt der Riesen, kriechen kleine, häßliche, bucklichte, roihbaarige Kobolte und Gnomen aus den Höhlen und Ritzen hervor und tummeln sich lustig mit verzerrten Griinmaffen und abentheuerlichen Caprio- len auf der für andere eröffneten Arena. Man kann sich eine Zeit lang an dem tollen Treiben dieser Kleinen ergötzen, aber bald werden wir gewahr, daß die Bursche doch eine eingefleischte Bösartigkeit, eine tiefgewurzcllc Neigung, Alles mit Koth zu bewerfen, besitzen, und dann ist es an der Zeit, zu einem schlagende» Corrcc- tiv zu greifen, oder wenigstens den Krebsschaden öffent­lich darzulegen.

Um unsere Leser nicht länger mit bildlichen Andeu­tungen zu langweilen, wollen wir ihnen ein einfaches Beispiel über die Wirksamkeit unserer geheimen Vcr- läumdungspropaganda auftischen.

Nehmen wir den Fall an, ein Mann, der sich bis jetzt lebhaft und unausgesetzt mit unseren öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt und seiner Ueberzeugung, Joest sie ihn zum öffentlichen Auftreten drängte, in Morr und Schrift Ausdruck gegeben hat, zwar aus jugendlich r Bescheideiibeit in anonymer Form, jedoch soj daß seine Unterschrift im Kreise seiner Bekannten stets offenkundig war, kommt grade zur Zeit der all­gemeinen Erhebung nach Wiesbaden. Seiner Kräfte und seines guten Willens sich bewußt, nimmt er den freudigsten und rastlosesten Antheil an derselben. Er ist der Erste, welcher in den plötzlich erstandenen Volks­versammlungen, denjenigen gegenüber, welche sich bis­her als Liberale vom reinsten Wasser gebläht halten, das Einkammer-System proelamirt und siegreich ver­theidigt, so daß man sagen kann, er hat den Anstoß dazu gegeben. Er bekämpft den Census, die Alters beschränkung, kur; jedes alte Geröll, das sich der Wahlreform entgegenstellen will. Das Volk gewinnt ihn lieb. Aber bei denjenigen, welche gewohnt waren, bisher die einzigen Stimmführer zu sein, erhebt sich ein unbändiges Gefühl des Reids und dcr Gebäsfig- keit. Er hat dieselben in den öffentlichen Debatten mehrmals verletzt, empfindlich verletzt, denn er spricht mit Schärfe und Coiisequenz, wenngleich ohne Leiden­schaft und ohne Persönlichkeiten. Sie schnauben

Deutschland und die Donaumündungen.

Lia Antrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse des Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

(Fortsetzung.)

Eine provisorische Regierung; an deren Spitze Wut- ßtsck und Pctronicwitsch standen, rechtfertigte daS Vor- gefallene durch mehrere Proklamationen. Am 14. Sep­tember wurde in einer auf freiem Fe.de gehaltenen all­gemeinen LandeSversammiung, wo sämmtliche Senatoren und Notablen, der türkische Komm-flär und eine große Vötkomasse anwesend waren. die Entsetzung des Fürsten Milosch und seiner Familie ausgesprochen urbunter gro­ßem Freudengeschrei Alexander Georgiewitsch, der Sohn Kara Georgs, zum Landesfürsten ausgerufen. Der von der Nation gewählte Fürst, welcher die Selbstständigkeit Serbiens und die Verbindung mit der Pforte erhalten wollte, war aber nicht nach Rußlands Sinn; es wurde die Absetzung dessechen und die Wiedereinsetzung des ver­triebenen , russisch gesinnten Fürsten, sowie die Vertrei­bung der genannten Volköfübrer gebieterisch verlangt, widrigenfalls mit nahem Kriege gedroht, nnd dieser Dro­hung durch ein Heer, welches sich hinter dem Grânz- flnffe Pruth zusammenzog, Nachdruck gegeben. Die be­drängte Pforte, die durch die willfährige Absetzung des

Rache und ballen die Fäuste, natürlich vorerst n och bloß t m Sack. Man nennt endlich jenen Mann von verschiedenen Seiten als Wahlcan- didaten für die Kammer, für das Parlament. Schreck­lich! Einen Mann, der nichts für sich hat, als seine geistige Kraft und seinen guten Willen, einen Mann, der sich keiner Clique und keiner Coterie, keinem Ver­ein und keinem kleinen, geheimen Clubb anschließt, der, wenn er ans der öffentlichen Versammlung hcrausge- treten ist, in einem alten Rock über die Gassen schlen­dert und ein bescheidenes Privatleben führt, einen Mann, der, weil er zu gewissenhaft ist, um Schulden zu machen, keinen Aufwand macht und keinen Cham­pagner trinkt, einen Mann, der erst 26 Jahre all und mit Niemand von uns verwandt oder näher be­kannt ist, der nichts für sich hat, als daß das Volk für ihn eingenommen ist, einen solchen Mann in die Kammer oder gar in das Parlament Voranschlägen, das ist ja schrecklich! Der könnte ja mit uns con- curriren, er könnte uns ja am Ende überflügeln. Uno daß er sich unsern Planen füge, das ist gar nicht zu erwarten, er laßt sich nicht ködern, dazu ist er zu selbstständig und zu eigensinnig. Nein, nein, da muß geholfen werden, gegen den müssen wir conspiriren, intrigniren, manöveriren, an« jede mögliche Art, denn der Zweck heiligt die Mittel," und der Zweck ist ein großer, es gilt ja unsere Sache, d. h. unser eigenes Ich. Also, laßt sehen, der Mann ist katholisch, schon gut, wir geben ihn für einen Jesuiten und Ultramou- ranen aus; der Mann hat früher vor längerer Zeit in verschiedenen Zeitungen geschrieben, schon gut, wir sagen ihm nach, er sei Redâur der Main,erSonn- tagoblätter," desKatholiken," derRhein- und Mosel- zeitung" u. s. w. Es ist zwar Alles nicht wahr, allein das schadet nichts. Wir dürfen es ihm auch nicht öffentlich nachsagen, denn sonst kommt er hinter nus, er führt eine scharfe Feder und scheut sich vor Nie­mand. Also, heimlich, ganz heimlich, aber im ganzen Lande herum verbreitet, überall hingeschrieben, damit es recht herumkommt, aber nur heimlich, daß er co nicht merkt, als bis das ganze Verlännidungswerk be­endigt ist. Wie gesagt, so gethan. In wenig Tagen ist das Ganze fertig. Von allen Ecken und Enden lönt co von Bethörern und Bechörten, von Betrügern und Betrogenen:Ja, der B. bat Verstand und hat Kenntnisse; aber man weiß nicht, wie man mit ihm daran ist, er soll dieses, er soll jenes, es bat es zwar Niemand bestimmt behauptet, Niemand öffentlich ver­sichert oder verbürgt, aber es heißt so, man sagt so" u. s. w. So geht das Lauffeuer durch das ganze Land; und dieses Lauffeuer fommt ans einer einzigen Quelle, die zusammengesetzt ist ans Neid, Rach- s u ch t u n d d e m k l e i n l i ch e n G e f ü h l d e r e i g e - uen Schwäche und de r Unredlichkeit.

Fürsten Ghika Rußland zu gewinnen gehofft, warf sich in die Arme der Großmächte, und Oestreich zog an der serbischen Gränze ein Truppenkorps zusammen. Da wurde durch diplomatische Künste Rußland so weit nachzugeben gestimmt, daß der erwählte Fürst entweder freiwillig ab* danken, oder entsetzt werden, dann eine neue Fürsten­wahl entscheiden, und der Erwählte die russische Ancr- k nnung erhalten solle. Die Wahl siel, wie leicht vor­aus zu sehen war, auf Alexander, der sofort Bestäti­gung und Anerkennung erhielt aber seine treuen Rath- geber, die Begründer des jetzigen Zustandes, sind noch als Opfer im Exil.

So waren die politischen Zustände der Donaufür­stenthümer biS zum Regierungsantritte Bibeoko'S und Alexanders, und seit der Zeit haben sie sich zufolge der bestimmtesten Nachrichten aus Siebenbürgen und andern Gränzgcgenkcn um nichts verbessert. Die Fürsten sind zwar zu Regenten d r Länder bestellt, werden aber in allen Regierungshantlungen von den russischen Konsuln geleitet, welche, unterstützt von dem im Rücken besinbli- djen Gewichte, ci e jede austauchende selbstuändigkeit zu unterdrücken wissen und so tief wie möglich in die innere Verwaltung einzngreifen sich bemühen. I" ^' MolkiM finden sich zwei Parteien einander gegenüber. Die eine umfaßt die Mehrzadl der Bojaren, welche durch materielle Interessen und Einflüsterungen geleitet, zu Rußland hinüber neigt. Die andere ist die deS schwa­chen HoöpovarS, an den sich nur wenige Bozaren an* schließen, und zu welcher sich daS Volk halten würde, wenn es nur einige Selbstständigkeit hätte und nicht zu

Dem Angegriffenen werden diese heimlichen Um» triebe von seinen Freunden ( und deren hat er zum Glück, nicht unter denJesuiten," nicht unter den Ultramontaneu," sondern unter dem Volk) hinterbracht. Was soll er thun? Soll er öffentlich antworten auf heimliche Verläumdungeii, deren Inhalt er nicht einmal recht kennt? Wie kann er das? Er fordert also öffentlich seine Gegner auf, ihm gegenüber zu treten mit offenem Visir und blanker Waffe.

Aber es kommt Niemand. Stumm bleibl's rings­um. Nur im Geheimen wird gemunkelt und geschrie­ben. Denn dazu bedarf es weder Geist noch Muth.

Soll er öffentlich sein Glaubensbekenntniß ablegen ? DaS hat er in seinen Schriften und in seiner Zeitung schon oft genug gethan. Er wiederholte es. Allein die heimliche VcrlänmdungSpropaganda stört sich nicht daran, denn sie gebt ja nicht aus Ueberzeugung her­vor, sondern aus kleinlichen persönlichen Rücksichten. Er erklärt, daß er

1) weder Redacteur derSonntagsblätter" gewesen, noch jemals auch nur eine Sylbe hineingeschrie­ben hat, daß er

2) weder jemals Redacteur desKatbolikeu" ge­wesen ist, noch auch jemals eine Sylbe hinein­geschrieben hat, daß er

3) endlich weder jemals Redacteur derRhein- und Mofklzeitung" gewesen ist, noch auch nun, da haben wir's! er erklärt, daß er aller­dings vor längerer Zeit einige Artikel hauptsächlich über preußische Zustände in die Rhein - und Mosel­zeitung geschrieben hat. Er erklärt, bört Ihr? daß er darin der pedantischen ^Kathederweisheit der Deutschen Zeitung" und der confessiouelten Borairt-". Heit desRheinischen Beobachters" entgegengetreten ist, saß er darin sogar die Liberalen des preußischen Land-. tags befehdet hat, nämlich jene Liberalen, deren Libe­ralismus nicht weiter reichte, als bis zu ihrem Geld­beutel, und die, als es an die Einkommensteuer ging, plötzlich aufhötten, liberal zu sein, und gegen die Ein- kommensteaer stimmten, die lieber den armen Mann und den Mittelstand mit Wahl - und Schlachtsteuet fort bebrütte ii wollten, als selbst ein Opfer bringen, das doch nur ihre verfluchte Schuldigkeit war.

Das habe ich, denn von mir, dem Unterzeich­neten, ist die Rede, gethan und wenn es ein Ver­brechen war, dann habe ich es begangen. Ich fühle aber so wenig Neue darüber, daß ich, wenn es Noth thun sollte, eS öffentlich wieder begehen werde. Nicht die Tcncen; des Blattes, in welches ich damals wenige Artikel schrieb, sondern der Inhalt der Artikel, die ich ichrieb, habe ich zu verantworten, und das werde ich jeder Zeit thun.

Ich habe m r diese umfassende Erklärung Vorbehal­ten, bis die Wahlen vorbei wären. Denn sonst hätt^

................... .......... - in ii LjjimMF

I einte verdumpsten Masse Leibeigener herabgesunken wäre. I In der WaNachei sucht der russisch gesinnte-st mehr die Politik Rußlands, wie seine eigenen Interessen und diejenigen der Nation zu fördern. So hatte derselbe außer andern Mißgriffen kürzlich einer russischen Berg- baugesellscbaft das Privilegium zur Ausbeutung der mal» lachifchen Minen verlieben, wodurch bei der geringen Anzahl wallachischer Gebirgsbewohner viele tausend rus­sische Bergleute herüdergczogen und so die Gebirgegrân- ten mit einem ganzen Heere verkappter Soldaten b.setzt worden wären; ja seine neuliche Anweseheit in Konstan- tinopel soll sogar den Zweck gehabt haben, von der Pforte die SouvcrainetätSrechte über daS Land für die Spott­summe von 80 M'll. Piaster (8 Mill. Gulden), welche Rußland gegen Verpfandung und Besetzung desselben zu garantiern versprochen hatte, zu erkaufen. Einigen Trost gewährt hier die antirussische Gesinnung deS Vol­kes, welche sich neuerlich wieder durch die Erwähtuog von sechs Deputaten zur Generalversammlung, die sämmt­lich erklärte Widersacher deS HoöpodalrS und deS russi­schen Konsuls sind, kund gegeben hat. Ja Serbien ist die Entwicklung der polit.schèn Zustände bereits wei­ter vorgeschritten, waS seinen Grund in dem lebhafte­ren Charakter der Serben, so wie darin hat, daß i» der Masse deS Bo.keS mehr Einsicht und Thatkraft ist; doch muss sie auch h-er der Fürst der klug gelenkten rus­sischen Einwirkung fügen und hat daher in dem Ver­trauen seiner antiruffisch gesinnten Nattrthau«» schon vie­les verloren.

(Fortsetzung folgt.)