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Raffauifchc Zcilung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volke« l

Wiesbaden , 1O. Mai ISIS

Das vierteljährige Abonnement auf die Nassauische Zeitung beträgt in Wiesbaden sl. 1. 45 fr. Ein Abonnement für Wiesbaden auf 14 Tage 21 ft. Ein Monats-Abonnement für Wiesbaden 40 fr. Ein Abonnement für zwei Monate (Mai u. Juni) fl. 1. 12 fr. Man abonnirt in Wies­baden in der Expedition am ^xiedrichsplatz ; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhält» ißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile oder deren Raum berechnet.

Oeffentliche Bekanntmachung.

IV.

Seit der letzten Bekanntmachung hat sich in der Lage unserer Truppen im Großherzogthum Baden nichts Wesentliches verändert.

Das 1. Regiment und die Artillerie liegen noch in Mannheim, bas 1. Bataillon des 2. Regiments in Offenburg, das 2. in der Gegend von Achern.

Unter Commando des Herrn Major Weiz zog am 1. Mai eine bewegliche Colonne von Appenweier aus, um eine RecognoScirung im Schwarzwald vorzuneh- men. Die Colvnne bestand aus dem 2. Bataillon des 2. Regiments, 2 badischen Geschützen und 30 ba- denschen Dragonern.

Von Appenweier ging der Marsch über Achern nach Roppeln, am 2. Mai in den Schwarzwald über Odernhofen und Allerheiligen nach Oppenau und Jm- bach, am 3. Mai über Oberkirch, Appenweier und Ottenberg nach Offenburg zurück.

Die Truppen sind überall freudig empfangen wor­den nirgends haben sich Aufrührer gezeigt: Am 4. Mai ist zu gleichem Zweck das 1. Bataillon des 2. Regi­ments in das obere Kinzigthal abmarschirt.

In Offenburg ist durch Herrn Oberstaabsarzt Dr. Ebhardt ein Aufnahme-Hospital eingerichtet wor­den. Der Gesundheitszustand ist sehr gut; bis zum 2. Mai wurden nur 7 Mann in das Hospital aus­genommen.

Das hier und da aufgetauchte Begehren, unsere Truppen aus Baden zurückzuziehen, kann nur aus

seine Einheit bedingt; eine der ersten Forderungen des deutschen Vorparlaments war deshalb Ein deutsches Heerwesen. Eine nothwendige Folge hiervon ist die Verwendung der verschiedenen deutschen Armcecorps auf jedem bedrohten Puncte Deutschlands. Das Groß- herzogthum Baden, einer der wichtigsten Theile unseres Vaterlandes ist ein solcher bedrohter Punkt.

Wenn auch der im Ausland ausgesponnene, von Fremden mit Waffen, Geld und Mannschaft unterstützte Aufstand unterdrückt ist, so erfordert doch die namentlich im Süden unbewehrte Gränze noch einen kräftigeren Schutz, als ihn die badischen Truppen für sich allein gewähren können.

Das s. g. demoeratische Comite fährt nicht allein fort auf französischem Boden weitere Einfälle vorzu- bereiten, sondern Frankreich hat auch ein Heer zusam­men gezogen, welchem gegenüber ein deutsches Heer un­sere Gränzen schützen muß.

Unter solchen Verhältnissen dem deutschen Vater­lande unsere militärische Hülfe eigenmächtig und in sonderbünderischer Weise entziehen zu wollen, wäre

Verletzung unserer Heiligsten Pflicht, wäre Verhöhnung der deutschen Einheit.

Die Einwohner Nassaus dürfen indessen überzeugt sein, Laß Se. Hoheit der Herzog unsere Truppen zu- rückberufen wird, sobald dies mit unserer Pflicht ver­einbar ist. Auch versichern wir, daß die böswillig oder leichtfertig aus,gestreuten Gerüchte, als wünsche die großherzoglich badische Negierung die Zurückziehung unserer Truppen, oder als sollten sächsische oder preu­ßische Truppen das Herzogthum besetzen allen Grun­des entbehren.

Wiesbaden den 7. Mai 1848.

Herz. Nassauisches Staats-Ministerium.

Hergenhahn.

Deutschland.

9 Wiesbaden, den 9. Mai 1848.

Die Fortsetzung unseres LeitartikelsMeditationen über das deutsche R^ichsgruukgesetz" kann, eines ein- getretenen Hindernisses wegen, erst morgen geliefert werden.

O Wiesbaden, 9. Mai 1848.

Unsere öffentlichen Blätter haben bereits über den Haupthergang und die brave Haltung der Truppen, namentlich der Nassauer, bei dem Gefecht bei Freiburg im Allgemeinen berichtet. Wir können übrigens nicht umhin, einen speciellen Fall hervorzuheben, wobei durch einen Soldaten, Namens Brod, von der 2. leichten Compagnie des 2. Bataillons 2. Regiments viele un­serer braven Landsleute dem Tode und der Verstüm­melung entgingen.

7 Es hatte nämlich einFreischarksr dsreuöernercK'crr- tälschenschuß aufs Militär abgefeuert und 68 Baden­ser iiiedergestreckt und 2 Nassauer verwundet. Im Begriff, eine zweite Ladung auf die bereits auf ohn- gefähr 50 Schritte vorgedrungenen Nassauer abzubren­nen, tritt genannter Brod, als die 2. liechte Compag­nie unter de Befehle des Hauptmann Stahl auf dem einen Flügel vorgedrungen, daS seinen Cameraden Verderben drobende Geschütz bemerkend, vor, packt mit größter Gemüt beruhe den Freischärler aufs Korn und streckt denselben in demselben Moment, als er abbrav neu will, todt auf die Kanone, welche zweifelsohne im nächsten Augenblick Tod und Verderben unter unsere Nassauer gestreut haben würde. Die Compagnie drang sogleich vor und eroberte das Geschütz nebst dem für sie bestimmten Inhalte, der, wäre eS nicht für den ge­nannten braven Soldaten gewesen, ihr so übel bekom­men wäre. Dank dem braven Brod !

Auch einen Act der Großmutb dürfen wir bei dieser Gelegenheit nicht vergessen. Als unser Militär in Frei­burg' kingerückt, wurden 3 Pistolen auS einem Fenster auf einen Freiwilligen, der eben genannten Compag­

nie des Hauptmann Stahl abgefeuert, ohne jedoch denselben zu treffen. Der Freiwillige, durch das Pfeifen der Kugeln sehr deutlich bemerkend, daß ihm diese Auf­merksamkeit gelte, sah sich etwas genauer um, um die­selbe bestens zu erwiedern, fand aber statt eines wür­digen Gegners eine Dame mit ihrer schönen Tochter, letztere eben im Begriff, noch einen Schuß auf ibn zu thun. Die Schönheit der Tochter bewegte das Herz des Freiwilligen so sehr, daß er sein bereits angeschla­genes Gewehr mit den Worten:Nein! sie ist weiß Gott zu schön!" wieder vom Backen nahm, seine Ca- meraden, die im Begriffe waren, blutige Rache für die gegen den unter ihnen sehr beliebten Freiwilligen gezeigte bösartige Absicht zu nehmen, von ihrem Vorhaben ab- hielt und so den beiden Amazonen, obgleich sie nicht sehr zärtliche Gefühle gegen ihn gezeigt, daS Leben rettete.

Deutschlands gefährlichster Fei«-.

B. Vom W esterwald, den 4. Mai.

Während an dem politischen Horizonte Europa'« eine dunkle Wetterwolke nach der andern heraufsteigt, während das großartige Drama der Gegenwart immer blutiger sich gestaltet und mit jedem Tag neue Scenen der Verwicklung, neue Acte der Ueberraschung auf der politischen Bühne sich darstellen, scheinen jene Gefahr drohenden Wetterwolken immer mehr sich über Deutsch­land zusammenzuziehen und Deutschland die blutigste Rolle in jenem Völkerdrama zugedacht zu sein. Abge­sehen von der geographischen Lage Deutschlands, wo«

päischen Völkerlebens am unmittelbarsten empfindet und durch seine Schlagadern wiederum am nachhaltigsten wuter führt; abgesehen von den localen und klimati» scheu Vorzügen Deutschlands, von dem Reichthum fei« ner Produkte, der Vorirefflichkeit seiner Kunststraßen, den Schätzen seiner Berge und dem hohen Werth seiner Flüsse, wonach Deutschland fortwährend der Gegenstand des Neides für mehr als einen seiner beutegierigen Nachbarn ist: so scheint vorzugsweise Deutschland auch dadurch zum Schauplatz des europäischen Völkerkriegs bestimmt zu sein, weil es in sich selber den gefähr­lichsten Feind birgt und dadurch von vorn herein den äußern Feinden einen natürlichen oder widernatür­lichen Bundesgenossen stellt. Und wer ist dieser Feind in dem eigenen Lager? Es ist die Selbstsucht, die dem Deutschen vor allen andern Europäern, selbst vor dem Franzosen, eigenthümlich scheint; die selbst­süchtige Zersplitterung, die schon seitJahrbunder- ten dem, einst so gemeinsinnigen und dadurch mächtigen Germanenstamme als ein Schandfleck anklebt und dem Vaterlande schon manche tiefe Wunde schlug, die egoi.

Deutschland und die Donaumündungen.

Ein Beitrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse des Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

(Fortsetzung.)

- Zwar gelang eS dem Hause Habsburg, sich zu ver­schiedenen Zeiten in den Besitz eines grpßen Theils von Serbien zu setzen, aber die Eroberungen konnten nicht behauptet werden, und mußten 1739 sämmtlich an die Pforte zurückgegeben werden. Ueber 50 Jahre lang war Serbien eine ungestörte türkische Besitzung, und den Bedrückungen der Statthalter preis, gegen welche nur bewaffnete Haufen von Gebirgsbewohnern Widerstand leisteten. Gegen das Ende deS vorigen Jahrhunderts wurden aber die Janitscharen, welche daS Volk bedrück­ten, aus Serbien vertrieben; sie sammelten sich jedoch unter Paßwan Oglu in Widdin, kehrten auf Befehl der Pforte wieder zurück und mißhandelten nun noch mehr die Einwohner. Als der Großherr ihnen drohte, ein Kriegsheer gegen sie zu senden, richteten sie 1804 ein schreckliches Morden unter denen an, die ihnen gefährlich dünkten. Demselben entrannen jedoch Kara-Georg und seine Freunde durch die Flucht; unter ihnen erhob sich das Volk, die Türken wurden vertrieben, und konnten nur Belgrad und einige andere Städte behaupten.

Unter diesen Umständen entschlossen sich die Serben zu einem Schritte , der von großen Folgen geworden ist;

sie schickten nämlich 1804 eine Gesandtschaft nach Ruß­land, um dasselbe zur Vermittlung bei der Pforte an­zugehen, und erhielten zur Antwort: sie möchten ihr Ge- such in Konstantinopel vertragen, Rußland werde sich dort für sie verwenden. Indessen wiesen die Serben die friedlichen Gesinnungen der Pforte zurück, die Türken zogen ansehnliche Streitkräfte zusammen, wurden aber unter Karah-Georgs Anführung entscheidend bei Scha- bacz geschlagen. Die Piorte, durch einen Krieg mit Rußland bedroht, entschloß sich zu Friedensunterhandlun­gen, stellte den Serben günstige Bedingungen, erfüllte sie aber nicht. Daher griffen die Letzter» auf'S Neue zu den Waffen und es gelang ihnen 1806, sich Bel­grads zu bemächtigen. Während dieses Aufstandes hatte sich ein Senat gebildet, welcher die Ordnung im In­nern nach Möglichkeit aufzurichten bemüht war und von einem allgemeinen Landtag unterstützt wurde. Die Füh­rer der Parteien wandten sich nach Außen um Beistand und Anerkennung, Kara-Georg nach Oestreich, wo aber Abweisung erfolgte, seine Gegner nach Rußland, dessen Feldherr Kaminski 1810 eine Proklamation erließ, in welcher unter andere» die Serben Brüder der Russen ge­nannt wurden. Zufolge der neuen Landeseinrichtung wurde Kara-Georg Fürst von Serbien; es fehtlc ihm aber noch die Anerkennung der Pforte, welche^ jedoch in dem Frieden von Bukarescht versprach, den Verben die Verwaltung ihrer innern Angelegenheiten lelbst zu über­lassen und nur mäßige Steuern zu fordern. Es kam;e- doch zu neuem Kriege, der so unglücklich für die Ser- ben ausfiel, daß Kara-Georg und fast sämmtliche Wm-

| woben des Landes auf daâ östreichische Gebiet fliehen mußten. Nur einer der letzteren, Milosch-Obrenowitsch, blieb iu dem von den Janitscharen auf'S Neue bedrück­ten Lande. Derselbe verließ 1815 Belgrad, sammelte eine Schaar von Unzufriedenen und siegte über den Feind. Die serbischen Abgeordneten schloßen in Konstantinopel Frieden unter den Bedingungen, daß Serbien die Ober­herrschaft der Pforte anerkennen, dagegen freie Reugi- onsübung und Fortdauer seiner Constitution erhalten solle. Zwei Jahre darauf wurde Kara-Georg, der Begründer von Serbiens Freiheit, ald er, wahrscheinlich auf Milosch' Einladung, wieder in Serbien erschien, von diesem im Schlafe ermordet, und, weil er sich da­durch zu empfehlen glaubte, sein Kopf nach Konstant,- uopel geschickt.

Im Jahr 1827 unterzeichneten die Volkshäupter eme Bitlschrift an den Großdcrrn, worin sie im Namen deS Volkes sich Milosch Obrenowitsch zum erblichen Fürste« von Serbien erbaten. Rußland nahm in dem Vertrage von Adrianopel sich Serbien an; dasselbe wurde 1830 mit sechs Bezirken vergrößert, mit Ausnahme Belgrads von den Türken geräumt und seine Selbstständigkeit un- ler der Oberherrschaft der Pforte und dem Schutze Ruß­lands gegen einen jährlichen Tribut anerkannt. Im Jahr 1835 hielt Fürst Milo ch zu Kragujewaz, seiner Resi­denz, eine Nationa'versammlung, um dem Volke eine serbische Versassungâkarte zu verkünden; der gegen ihn feindlichen Partei gelang cd aber, die Pforte zu über­zeugen, daß eine Willkür desselben beschränkende Orga­nisation deS Landes nothwendig sei. Auch war die Charte