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Nassauische Leitung
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistige« Wohl deS deutsches Steif« I
Wiesbaden, 8. Mai ISIS
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Deutschland.
A Noch einmal Republik oder Monarchie?
Vom A bh ang des W e ste rwa l d es, 4. Mai.
Unserem in No. 46 der Nassauischen Zeitung aus gesprochenem Vorsätze, eine Vergleichung zwischen Re publik und Monarchie zu geben, können wir nun entsagen, da uns seitdem No. 24, 25 und 30 dieser Zeitung zu Gesicht gekommen und wir darin diese Frage von einer tüchtigeren Feder, als wir sie führen, am das Genügendste erörtert finden. Seitdem haben nun auch die Thatsachen gerichtet und die Republik ist für- erst in Deutschland faktisch eine Unmöglichkeit geworden. Der oberste Enisweidungsgrund hat sich geltend gemacht: unser Volk verwirft entschieden die republikanische Staatsform. Mögen die Vorgänge in Baden auch unsere edelsten Republikaner von ihrem Irrthum und der Unausführbarkeit ihrer Plane überzeugen! Von den Führern des badenschen Mordbrennerzuges reden wir nicht weiter, sie sind keine Republikaner mehr, sondern nur Verbrecher der gröbsten Art. Daß ihre erleuchtete Vaterlandsliebe nur die niedrigste Selbstsucht war, wußten wir von Anfang. Denn, waren fit achte Republikaner, so mußten sie an dem ersten Grundsätze derselben festhängen, daß nämlich der Wille Die Volkes das höchste Gesetz, die einzige Richtschnur sei. Sie mußten demnach abwarten, ob das deutsche Volk aus tigeuem, freien Willen die republikanische Staatsform haben wolle, oder nicht. Statt dessen aber haben sie versucht, mit einem kleinen, fanatifirten Hausen oeutscher und dem Auswurfe vom Auvtanve dem ganzen Vaterlanke auf eine blutige Werfe ihre Meinung aufzudrängen, demnach schlimmere Tyrannei geübt, als es j mals früher geschehen ist. Und daß sie dabei die elendesten, perfidesten Mittel, jede Vüge und Gewaltthat angewandt, wissen wir sattsam aus den öffenilichen Blättern. Das ganze Deutschland hat sich darum von mesen Rädelsführern losgesagt und sie als seine entartete Söhne hinausgestoßen. Schade um das ekli Blut, das vergossen worden ist ihretwegen! Unser Mitleid den armen Verführten. Sie werden einen milden Richter finden, ihre Verführer abit wird Die ganze Strenge des Gesetzes, jedenfalls Die tiefste Verachtung aller wahren Freunde des Vaterlandes treffen. Nicht um das im heiligen Kampfe vergossene Blu, wollen wir klagen, es ist zum Segen des Barer anbes geflossen. Es war dies eine Nothwendigkeit zur Beruhigung der ängstlichen Gemülher, wie, um die Führer jenes BandilenzngkS nicht allein in ihrer Niederträchtigkeit, soiiderii auch in ihrer Ohnmacht darzustellen. Von ihnen kann gesagt werden, was Heine (FranzösischeZustände) den Leigh Hunt über Wellington.
als er sich um das Ministerium bewarb, sagen läßt. Hunt vergleicht diesen letzteren mit einem greifen Lüstling , der ein Mädchen verführen wollte, welches in dreier Beträngniß eine Freundin um Rath fragte, und zur Antwort erhielt, laßt ihn nur gewahren, und er wird außer der Sünde des bösen Willens auch noch die Schande der Oomnachl auf sich laden.
Ja bei dem Badenschen Frerbeulerzuge ist der böseste Wille mit der jämmerlichsten Ohnmacht Hand in Hand gegangen. Nicht einmal die aUergewöhnlichste Eigenschaft, die weder Dem edeln Manne , noch auch dem größeren Verbrecher nicht abgehen darf, nicht ein Mal persönlichen Muth hat man dort gesehen. Wenn also der $ Korrespondent in No. 24 Der Nass. Zeitung glaubt Grund zu haben, anzunehmen, daß die Republikaner Leute von Muth seien, so thut er ihnen offenbar zu viele Ebre an. Wir brauchen wohl nicht zu bemerken, daß wir nicht von den edlen Republikanern .— diese sind uns zu aller Zeit achtungsvoll gewesen — sondern nur von jenen Verbrechern in Baden reden. Diese haben sich auch mit der verächtlich- Feigbeit gebrandmarkt. — - er für eine Idee nicht zu sterben vermag, verdient nicht, dieselbe in das Leben zu rufen. Hecker, Struve und Eonsorten sind alle klingenscheu und das elendig feige Benehmen eines bra- marbaftreuDeu Herwegb ist vollends unter aller Srttif gewesen. Dieser Bänkelsänger*) bat gezeigt, daß es denn doch etwas anderes sei, sich Kanonen und Kartätschen gegenüber zu stellen, als in erheuchelter Snoh- seuerbegelstirung einige Stanz.n zu drechseln, oder in Paris einige hundert schlechte Subjekte zu Haranguiren. Freilich wäre es diesen Menschen bequem gewesen, Dr««fcht»»d «hr Deepeie«je.^ aufzulegru, öpue sich die Finger dabei zu verbrennen.
Auch in unfenm Nassau soll eine kleine Partbe' Republikaner spucken: wenigstens hat der neulich projek- tnte Angriff auf das Pulvermagazin zu Wiesbaden nicht allein lächerliche, sondern gar verbrecherische Ansichten von einer gewissen Seite her offenbart. Will man versuchen auch unserem Ländch n die Republick aufzunölhigen? Alsdann möge man ehrlich zu Werke geben, nicht blos dem Eigennütze schmeicheln und dem Volke auf Die perfideste Weise vorlügen: in einer Republik wurden alle frühere Rechte Einzelner abgeschaffl. brauchten keine Steuern mehr bezahlt zu werden und vergl. Unsinn mehr. Man möge alsdann dem Volke endlich einen deutlichen Begriff von R-publik und den Pflichten eines ächten Republikaners geben. Solange
*) Georg Herwegh ist uns nie als ein großer, noch weniger aber als ein toter Dichter erschienen; kenn der letztere liebt sein Vaterland auch dann noch, wenn Schmach auf chm । astet. Er bemitlewer es w niastens und sucht es vorzüglich zu erheben. Herwegb aber hat es fast immer geschmäht.
kies nicht geschieht, müssen wir die Ehrlichkeit auch unserer ükaffauifchen Rcpuelikaner stark in Zweifel ziehen^ -ch kiber Dieses, Der unter dem Volke qufgewachsxp. und schon lange unter Demselben wirksam ist, daher die Ansichten, Wünsche und Bedürfnisse desselben kennt, weiß, daß unsere Nassauer das Wesen der Republik, nicht kennen, und wenn sie dasselbe kennten in unsere» Zeiten und unseren Verhältnissen für unausfühebqs hielten. Unser Volk »st wahrlich nicht so Dumm, at< ihr — neumokische Republckauer — es gerne hieltet, um ihm das Seil über den Kopf zu werfen; und wqs mehr ist, es ist größtentheils ehrlicher und redlicher a(» ihr. — Wir geben zu, daß die Republik Die beste Staatsform sei, allein sie erfordert auch, was schon oft genug gesagt worden ist, die besten Bürger.. Dre Republik ist ein Ideal, und d-.her erfordert sie auch Ideale von Bürgern. Gebt uns diese und daiui hep mit eurer Republik!
Von Dem gepriesenen Nordamerika, das unsere Re» pnblikaner dem deutschen Volke Vorhallen, womit sie aber enlschi den abgewiefen werden würden, wenn sie eine klare Ansicht Der dortigen Verhältnisse geben wollten, schließlich noch Einiges. Die Entstehung des norDamy titanischen Freistaates war eine durchaus naturgemäße. Allein die gegenwärtigen dortigen Verhältnisse finK keineswegs beneidenswerth. Da gilt als oberster Grund- 'atz: „Ein Jeder hak das Recht, die Gesetze zu erklären, wie er es versteht." Diesen hat Der Präsident Jack'ön selbst ausgesprochen. „Das Volk ist Die Quelle. Der Urheber Der Gesetze; eS bat die Herrschaft kanst Die Gesetze befolgen, wie es Lust Hai" — sy hetßt es tu Dai vereinigten Staaten. Wer also mit den beste# beuDen Geleen uuzulriedeu & Har vap Recht, djeselheu über den Haufen zu werfen und alles, was ihm unangenehm ist, aus dem Wege zu räumen — gleich viel durch welche Mittel. Damit ist Denn nun Die Anarchie legalisier, Die Pöbelherrfchaft geheiligt und dir roheste Selbsthülfe ist die unglückliche Folge davon. Wir brauchen nur auf die schauderhafte Lynchjustiz, Die größte Schmach eines gebildeten Volkes, zu verweisen. Und Diese Zustände lassen sich noch eher in Nordamerika als in Deutschland ertragen. D rt kann im Nothfälle noch einer cem andern ausweichen; hier aber würde die Ais» Wendung jener Grundsätze einen täglichen Vernich ungs« krieg des Einzelnen gegen Den Einzelnen und einen viel chlimmern Zustand als das Faustrecht Hervorrusen. So schön jene Grundsätze lauten, so praktisch unausführbar sind sie, so lange nicht alle Bürger von jeder bösen Lelvenschast frei,' kurz moralisch gut sind. Das begreift and) Des schlichtesten Landmanns gesunder Menschenverstand. — Von Der französischen Republik brauchen wir gar nichts zu sagen; die erste hat sich selbst gerichtet, die jetzige ist drauf und Dran, ein Gleiches zu thun. Bewahre uns Der Himmel vor Der französischen
(Mv* de» »Mis-llp^-süd", Siebt- unb Sdiattrnftittn tr«ne«tlanti(0rn tebrn«.")
bi# Friedrich Verstärker.
(Fortsetzung.)
Kommt herein denn, schnell! rief der Creole, daS Boot an die Fähre anlènfcnD — und wenn meine vier Burschen den bleichen Schurken nicht in zehn Minuten haben, so will ich mein Leben lang keinen Gumbo mehr anrührcn und der Doktor, fuhr er lachend fort, das würde mir so sauer werden als Euch, wenn Ihr dem Brandy entsagen solltet.
Mit unglaublicher schnelle .verließ das Segelboot, daS den rottor, den Master und den Pflanzer ausgenommen, die gestvavdete Fähre, und flog der Mitte des Stromes zü, um die F uchtigen ewzudolen.
Ich höre das Ruder, rief der Master, der, die Hände hinter die Ohren haltend, einen Augenblick gelauscht hatte, ich höre das Ruder deutlich, gerade unter jenem hellen Sterne. So — noch ein wenig rechte, rief er, als Beauv.aiâ schnell seinen Lauf danach änderte — so — jetzt sind wir auf der Spur; nun, meine Burschen, streckt Euch!
lDa- Post berührte kaum die Wasserfläche und hoch auf spritzte der Schaum am Bugspriet-
Ui terdeffen Fâr IssonS nicht müssig gewesen; große Bchweißtröpfea perlten ihm an der, durch die überma*
> vergebens horchten, um aufs neue einen Ruderfchlag der Enlflohenen zu hören.
Dort unten treibt ein Flatboot, rief der Doktor, vielleicht haben die Leute darauf etwas von den Wchti^ gen gesehen.
Sie steuerten, alS kein Laut weiter gehört ward, schnell auf bad uubchülfliche Fahrzeug zu, das sie auch gar bald erreichten, und der Doktor rief es ohne Weiteres nn:
Habt Ihr ein Boot gesehen?
Etwa huntxrt Schritte an und vorbei ruderte so eben Einer.
Welche Richtung?
Mehr nach rem Lande zu.
Wer saß darin?
Weiß nicht, rief der Flatböotmann. Ihr sucht ein«, weggelaufenen Sklaven?
Ja wohl Freund, antwortete Beauvais; woher wißt Ihr dao?
Gut' ich denke, Ihr seid auf der rechten Fährttt cer Bursche, der hier Hinuyterging, hatte die Ruder umwickelt, kam mir gleich verdächtig vor.
Sie sind es! schrie der Doktor; jetzt tapfer, meitz« Burschen, streicht aus!
Ihr sagtet, sie hielten sich nach dem Lande zu? frug der Master noch einmal zurück, gld bad Segelboot vH« kein Flaatboot hinweg schoß.
Ja! lautete die Antwort, ynd zow buttfein Ufa hin/ aber noch immer in etwas die Strömung hâ- gepb, eilten dje Kerf-lger hem UM-üM^n
ßige Anstrengung des Ruderns erhitzten Stirn, und lange war kein 'Wort zwischen den Liebenden gewechselt; jetzt brach Selinde bad Schweigen und flüsterte leise und bebend :
Ich habe Dich verrathen . Alfons, mein weißes Kleid zeigte den Verfolgern unser Versteck; o wie bin ich unglücklich.
Mein armes Mädchen, tröstete sie AlkonS, ohne ei- neu Augenblick in seiner Arbeit nachzulassen, beruhige Dich, ich entgrhe ihnen dennoch; wäre nur bad Segelboot nicht; ich hörte aber wie sie es a riefen, und ich fürchte, wir teerten landen und und im Sumpfe verbergen müssen. Ich möchte ihnen nicht gerne auf dem Wasser in die Hände fallen.
Aber sie müssen uns hören, Alfonü, seufzte das Mädchen, die bösen Ruder knarren so, das tönt gar weit über bad Wasser; ich höre das Boot ebenfalls hinter und.
Ich habe Nichts, um die Ruder zu umwickeln, jeder Augenblick, den ich verzögere, bringt und dem gewissen Verderben näher, sprach leise A.fonS.
Mein Kleid hat und verrathen , mein ff leib mag und retteu, lächelte bad Mädchen unter ^b.äncn hervor , riß das dünne Zeug in Streifen herunter und legre es unter die Ruder. Geräuschlos glitt jetzt das Boot über die ruhige Wasserfläche, und leise betend sank die schlanke Gestalt des armen KmbcS im Stern des kleinen Boots nieder.
Verdamm die Hunde! rief der Doktor, als die Ke- ^er einen Augenblick rastetest vpp Alle aufmerksam, aber