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Naffauische Heilung,

Freiheit, Wahrheit und Recht! Materielles und geistiges Wohl deS deutschen Nölkes!

Wiesbaden, Ä. Mai SS SIS»

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Deutschland.

A Zur Polenfrage,

Vom Abhang des Westerwaldes, 29. April 1848.

Es war vorausznsehen, daß die allgemeine Erhe­bung im deutschen Vaierlande bglb auch die Blicke nach Osten richten und die Polenfrage in Anregung bringen würde. Viele Stimmen haben sich denn auch in dem Rufe vereinigt: Polen muß freigegeben, resp, gemacht werden I und Deutschland hat die heilige Ver­pflichtung, alles dazu anzuwenden? Es klingt dieses ganz hübsch, wenn ein freigewordeneö Volk auch andere Völker des herrlichen Geschenkes der Freiheit theil­haftig machen will. Allein jener Ruf für Polen ist nichts anderes, als die wohlbekannte Dcutschmichelei, die von jeher mehr nach außen als innen bekannt war; die stets wußte, was in allen Herren Länder vorging, nur nicht wie es in dem eigenen Haushalte stand; die gleich andern den Dorn aus dem Fuße ziehen möchte, während die eigenen Geschwüre noch forteitern. Kaum haben wir angesangen, daheim den Augiasstall auszumisten und es wird nicht an Arbeit fehlen nach außen und nach innen, um den eigenen Haushalt zu ordnen und ihm Festigkeit und Dauer zu geben und schon sucht man die deutsche Kraft zu zersplittern, in unnöthige Gefahren zu verwickeln, und zwar für ein Volk, das dessen nicht werth ist. Ja, wir sagen es unverholen, die Polen sind es nicht werth. Dem Verfasser dieser Zeilen war schcn als 14jâhriger Junge der forzirte Enthusiasmus der Deutschen für die Polen im Jahre 1831, lächerlich und abgeschmackt, weil er damals schon die polnische Geschichte binglänglich kannte, um zu wissen, was eigentlich hinter den Polen ist. Die Polen verdienen keine Sympathieen von Seiten der Deutschen schon zunächst wegen ihres Charakters. Der wahrhaft großen und edlen Männer hat es unter ihnen nur wenige gegeben. Durchgehends hat der Pole nur eine Tugend, diese allerdings im höchsten Maaße, nämlich die Tapferkeit. Allein diese finden wir auch bei dem rohesten Wilden reichlich und sie hat ohne andere Tugenden nur einen sehr untergeordneten Werth. Der polnische Edelmann ist stolz, hartherzig, selbstsüch­tig; der Priester dumm, bigott, intriguant; der Bauer kaum vom Vieh zu unterscheiden, grausam, tückisch, kriechend, gänzlich im Schmutz und Branntwein unterm gegangen; fanatisch und träge läßt er von seinen Pfaffen und Edelleuten alles aus sich machen. Treu­los, falsch, hinterlistig sind sie alle. Wenn der Pole aber schon wegen seines Charakters wenig Theilnahme von Seiten der Deutschen verdient, so verdient er sie noch weniger wegen seiner Gesinnungen gegen dir Letzteren. Er haßt nicht allein diesen, sondern in seiner gränzenlosen Dummheit verachtet er ihn sogar. Dem Polen ist alles Deutsche auf das Tiefste verhaßt, weil

Die Sklavin.

CSu# denMiffiflpxi-Dildcr, Sicht- und Schatlcn, eite» tranSatknntischtn ?,bkn<!.") von Friedrich Gerstärker.

(Fortsetzung.)

Daü wissen wir besser, du verwünschte Hexe! rief jetzt Willis mit voller Stimme, indem er mit aller Kraft einen Schlag gegen die Thüre führte öffne augenblicklich, oder wir reißen Dir Dein morsches Dach über dem Kopf zusammen.

Die Uebrigcn waren jetzt ebenfalls von allen Seiten hinzugetreten, und das Haus eng einschließend, schienen sie die Drohung im wahren Sinne des Wortes auSfiih- ren zu wollen, als der Riegel zurückgeschoben wurde. Ohne das Oeffnen der Thür abzuwarten, sprang Wil­lis mit aller Gewalt gegen dieselbe, und diese aufsto­ßend, warf er sie mit einer solchen Gewalt gegen den Kopf der Mulattin, daß die Unglückliche, von dem Schlage betäubt, besinnungslos zurücktaumelte und nie- derstürzte.

Laut ausschreiend, warf sich daS Mädchen über den Körper der Mutter; ihrer jedoch wenig achtend, stürmte, so schnell es ihnen der enge Eingang erlaubte, ein Theil der Verfolger in das Gemach, um ihr Opfer zu erfassen.

Vergebens sahen sie sich indessen nach ihrer Beute nm,

ihm deutsch und Feind seines Vaterlandes, seiner R.ligion gleichbedeutende Begriffe sind. Davon giebt es auch 't$on jetzt wieder die deutlichsten Beweise, denn trotz aller Sympathieen Deutschlands für Polen, trotzdem, daß das denische Volk die Freilassung seiner Gefangenen bewirkt hat und an dessen Befreiung ar­beitet, erlaubt sich der Pole die größten Excesse und Scheußlichkeiten gegen die tausende Deutscher, die in Posen wohnen; ja er geht in seiner Unverschämtheit und Brutalität schon so weit, die Abtre.ung eines gro­ßen, rem deutschen Landesstriches zu fordern. Und dem bittersten Hasse gegen uns sollten wir große Opfer bringen? Sicherlich werden wir uns eine Schlange im Busen erziehen. Denn, wenn wir Polen selbst frei und selbstständig machten, so würden wir sie bald im Bunde mit unserem schlimmsten Feinde, mit Rußland und die Waffen gegen uns wenden sehen. Mag das manchem unglaublich scheinen; der Slave verbindet sich leicht mit dem Slaven gegen das verhaßte deutsche Element. Anstatt also für die Befreiung Polens zu schwärmen, lasset uns zunächst darauf denken, unsere dortigen Brüder gegen scheußliche Rohheit und Bru­talität zu schirmen, Ein Volk, dem noch die allcrge- wöhnlichsten Rechtsbegriffe abgehen, ist nicht werth, daß edles Blut für dasselbe fließe.

Und was Polens Schicksal betrifft, so ist dieses eine gerechte Strafe der nie schlafenden Nemesis ; es hat dieses selbst über sich heraufbeschworen. Sowenig wir die Theilung Polens heuigen wir haben sie von jeher als eine der Handlungen angesehen, die, wenn eine deren ähnliche von dem Einzelnen verrichtet wird, mit Infamie belegt wird, die aber die leidige bisherige Politik, die sich außer, ja über die Moral stellte, heiligte so müssen wir doch auch, um gerecht zu sein, zugeben, daß dieselbe eine nothwendige Folge des unsauber» ThunS und Treibens der Polen |elbp war. Ein Staat, der durch selbstsüchtige Part Heien zerrissen wird, wo stete Unordnung herricht, mu^tn sich selbst zerfallen und seinen äußeren Feinden zur Beute werden. So war cs in Polen. Edelleute und Priester, getheilt in verschiedenen Partheien, suchten einen Schattenkönig, um unterdessen Aegide ihren selvß- süchtigen Absichten zu fröhnen. Eine stupide Volks- masse, ohne Ahnung von Freiheit und Selbstständigkeit war nur das Mittel, zum selbstständigen 3 werfe, leib­lich der Sclave seines Adels, geistig der Sclave seines Klerus. Die polnische Unordnung war so berüchtigt, daß man mit allem Rechte zur Bezeichnung der größ­ten sprichwörtlich sagt: hier geht eS zu wie auf dem polnischen Reichstage. Aeußere Macht hätte Polen nie gestürzt; die innere Entartung, die tiefe Demoralisation hat cs uctban. Freilich war seine Theilung eine un­erhörte Perfidie, die indeß zugleich sich an denen, die sie begangen, furchtbar gerächt hat; sie haben sich mit

vergebens leuchteten sie in jeden Winkel, hinter jeden Kasten, vergebens warfen sie selbst die Betten der ar­men Frau auf den Boden, den vielleicht darunter Ver­steckten zu entdecken, er blieb spurlos verschwunden, und drohend wandte sich jetzt Willis an die arme alte Frau, die sich, noch betäubt von dem Schlage, erschöpft an die Schulter ihrer Tochter lehnte:

Wo ist der Bursche, der noch vor wenigen Minu­ten hier war? Rede, Alte, oder ich drehe Dir den Halö um.

Laßt meine arme Mutter, Herr! rief das Mädchen, den schon nach ihr auSgestreckten Arm des wüthenden Willis zurückstoßend laßt sie, Ihr habt sie ja schon beinahe getödtet.

Nigger, rief dieser, sich zornig emporrichtend, willst Du mir sagen, was ich thun oder lassen soll? und mit der Peitsche auSholend, wollte er eben das furchtlos ihm gegenüber stehende Mädchen Niederschlagen, als er sei­nen Arm von Guston gefaßt und festgehalten fühlte, der ihm leise zuflüsterte: Du schlägst daâ Mädchen nicht, odeS Du hast es mit mir zu thun.

WaS zum Henker mischest Du Dich in mein zbun. fuhr Willis heftig gegen den Freund herum; aber dessen ernstem Blicke begegnend, ließ er den Arm sinken, sagte halb lachend, halb ärgerlich: Warum ist daS dumme Ding so trotzig; ich wollte ihr übrigens kein Leid thun; sie soll nur sagen, wo der Bursche ist, der noch vor wenigen Minuten hier war.

Einen ängstlichen Blick warf daS junge Mädchen auf Guston, um zu erforschen, ob er sie verrathen habe,

ihrem Antheile Polens die schlimmste Erbschaft auf­geladen, was hat jene alte, beklagenswcrthe Politik gethan, die den thörichten Grundsatz'hatte: man könnte auch die heterogensten Völker zusainmenschmeißcn und vor und nach die Nationalität der einzelnen verwischen. Allein dieser Grundsatz rächt sich früher oder später auch bei dem entartesten Volke. Geläugnet kann indeß nicht werden, daß das polnische Volk, ganz besonders unter Preußen, aber auch unter Oesterreich, ja sogar unter Rußland, eine ganz andere Stellung gehabt, als früher unter der Knute seiner Edelleute, unter der geistigen Knute der Dummheit und deS Fanatismus seiner Pfaffen. Das polnische Volk hat keine Freiheit und Selbstständigkeit gekannt; cs ist der ärgste Sclave gewesen. Und seine jetzige Befreiung besteht in nichts anderem, als Zurückführung unter das drückende Joch seiner ärgsten Peiniger und Dränger, des Adels und Klerus. Der alte Zustand Polens für das Velk würde sicherlich wiederkehren.

Man macht noch einen und zwar etwas eigennützi­gen Grund für Polens Befreiung geltend; man sagt nämlich: Polen müsse Deutschland und der ganzen civi- lisirten Welt zur Vormauer gegen die Barbarei Ruß­lands dienen. Vorerst, was als Vormauer für die Civilisation dienen soll, muß selbst civilisirt sein, das ist Polen nicht und wird unter der Herrschaft seines Adels und Klerus nie. Zum zweiten: sind wir einmal in Deutschland dahin gekommen, wohin wir kommen können und wollen , so brauchen wir keine, noch dazu zweideutige Vormauer; wir können uns selbst schützen.

Deutschland hat also weder feinet- noch Polens wegen die Verpflichtung auf sich, einen Kampf zu be­ginnen und große Opfer zu bringen. Sollen wir es thun wegen eines Volles, das unsßaßl? Das ginge vielleicht noch, nie aber, wenn es sich nicht einmal um ein Volk handelt, sondern um einige Hundert Edelleute und Priester. Darum weg mit allem forcirten Enthu­siasmus für Polen! Unser Geld ist zu gut, unser Blut zu edel, um es dort zum Opfer zu bringen. Wir wer­den beides nach außen und innen zu nothwcnpig haben, als es nach Osten zu tragen und Rußland so ohne Weiteres den Krieg anzukündigen. Wir werden alle Hände voll zu thun haben, um den eigenen Haushalt zu ordnen, und vernünftiger Weise muß darauf doch zuerst unsere Sorgfalt Kerichtet sein.

Mögen die deutschen Regierungen die für sie selbst so verhängnißvolle polnische Erbschaft herausgeben. Preußen hat es versucht, diesen Weg anzubahnen, allein es hat sich gezeigt, wie blind das polnische Volk gegen sein eigenes Wohl ist, wie wenig es fremde Nationa­lität achtet mögen sich die Polen mit einander gegen Rußland zum Kampfe vereinigen: Deutschland verhalte sich zunächst passiv, suche aber jedenfalls der polnischen Brutalität Achtung gegen deutsche Nationalität und

bald aber schien sie die Furcht aufzugeben, denn sie schüttelte leise mit dem Kopfe und hauchte: Ich habe Niemanden gesehen.

Lügen! riefen jetzt mehrere Stimmen auâ dem Haufen er war hier, wir wissen; feit wann ist er fort?

Ich habe Niemanden gesehen, wiederholte leise daâ zitternde Mädchen.

Gentlemen! sagte jetzt Guston, sich an die ihn dicht umbrängenten Männer wendend Sie sehen, der Mann ist fort, wohin? darf und für den Augenblick sehr gleich, gültig sein, denn wie könnten wir dem Einzelnen in der stocksinstern Nacht folgen? also kommen sie mit mir in die Stadt zurück und wir wollen noch ein halb Stünd­chen zusammen trinken, ich tractire; morgen haben wir vielleicht mit dem Auffinden deS Burschen mehr Glück. Wer geht mit mir?

Nun ich denke, sagte der Sklavenhändler, indem er sich mit großer Seelenruhe von einer breiten Tafel Kau- taback ein ungeheures Stück abschnitt und in den Mund schob wir gehen Alle.

Jetzt laßt und gehen, zum Teufel mit dem Nigger, riefen Alle unter einander und drängten sich wieder zur Thür Thür hinaus, um im Wirthöhause ihr Gelage aufs Neue zu beginnen.

Guston verließ daâ Haus zuletzt und daS Mädchen folgte ihm mit dem thränenden, dankbar ihm zugekehrten Blick sie sah in ihm den Retter ihrer Mutter.

Lachend und jubelnd wandert.n die Männer der Stadt zu und erreichten bald wieder das Haus, wo Gu-