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Bekanntmachung dieser Verordnung an gerechnet, ihre Waffen aller Art an den vom Militär-Kommando be- stimmten Ort abzuliesern, bis der gesetzliche Zustand wieder hergestellt und gesichert sein wird. 3) Denjem- gen, welche diese Waffen innerhalb dieser bestimmten Frist nicht abliefern, werden dieselben im Wege der Execution abgenoinmen werden." Von allen Seiten sieht man Gewehre, Sensen rc. abliefern. Uebrigenö ist die Stadt, obwohl bewegt, ganz ruhig.

Marlsruhe, 30. April. Abends halb 8 Uhr. So eben sind auf der Eisenbahn 120 gefangene Frei­schärler, darunter Bornstedt, von badischen Truppen eskor- tirt, auf dem hiesigen Bahnhöfe eingetroffen, um nach Bruchsal gebracht zu werden.

Vertin, 28. April. Die Berliner Zeitungen von heute Abend und morgen früh werden ausbleiben. Da­mit Ihre Struwel-Peters nicht ausposaunen, in Berlin sei die Republik proclamirt, und momentane Erfolge erschleichen, so machen Sie doch sogleich bekannt, daß die Berliner Buchdruckergehülfen sich zusammengethan haben, um für einen Theil von ihnen, der schlechter ge­stellt ist, eine Erhöhung des Lohns zu erlangen, und für heute die Arbeit eingestellt haben bis auf die Burschen herab! (Die Berliner Blätter sind heute be­reits ausgeblieben. Red. d. Nass. Z.)

Vertin, 28. April. Das Comitö der berliner Buch- druckergehülfcn macht bekannt: Mitbürger! Die sämmt­lichen Buchdruckergehülfen Berlins sehen sich in die trau­rige Nothwendigkeit versetzt, die Anzeige machen zu müssen, daß ihre gerechten und billigen Forderungen von ihren Arbeitgebern, mit wenigen Ausnahmen nur, nach vierwö­chentlichen Unterhandlungen nicht berücksichtigt worden, und daß sie deshalb die Arbeit eingestellt haben.

Vertin, 29. April. Die Arbeiterbewegungen, welche seit einiger Zeit in unserer Stadt herrschen und nach Und nach in fast allen Gewerbszweigen momentane Störungen herbeigeführt haben, fangen neuerdings an unter Buch- druckergehülfen Platz zu greifen. Bereits hat der größte Theil der Hies. Schriftsetzer und Drucker wegen Nichterfül- lung ihrer erhöhten Lohnforderungen sich geweigert, ihre Arbeiten fortzusetzen. Daraus ist sofort der Uebclstand hervorgegangen, daß die heutigen Zeitungen nur unvoll­ständig haben ausgegeben werden können, weil in den Druckereien uur einige Lehrlinge zur Disposition gewesen sind. Die Bäckergesellen haben ihren Meistern bis zum Sonntage Frist gegeben, um sich über die gestellten Lohn­forderungen zu entscheiden. Im Falle der Nichterfüllung ihrer Forderungen wollen sie vom Montag an nicht backen. Hoffentlich werden unsere Sicherheitübehörden gegen die praetische Ausführung dieses Entschlusses einschrecken.

^*1*11, 30. April. Die Berliner Zeitungen von gestern sind entweder gar nicht, oder wie die Vossische, nur in einem halben Bogen erschienen. Die Allg. Preu- ßispe Zeitung erscheint auch heute nnr in einem halben Bogen, demnach scheinen die Verhältnisse der dortigen Buchdruckergehülfen mit ihren Principalen noch rucht geordnet zu sein.

München, 28. April. Die Aussichten in die Zukunft trüben sich. Schon will man in Wien nicht .zugeben, daß die constituirenbe Versammlung entschiedene Beschlüsse bezüglich der künftigen Verfassung und des künftigen Rechtszustandes in Deutschland fassen dürfe; die territoriale Eifersucht und Zersplitterung erbebt wie­der kühner das Haupt und während man um Eitelkeiten marktet und streitet, sammeln unsere Feinde an den Gränzen des Landes drohende Truvpenmassen, die jeden Augenblick bereit sind, sich auf uns zu stürzen, um von der noch durch Nichts beschwichtigten, durch viele Vor­gänge vielmehr von Neuem genährten Uneinigkeit Nutzen zu ziehen. Frankreich kann sich nicht halten, ohne die überschwellenden Kräfte nach Deutschland zu werfen, die slavischen Stämme harren des günstigen Augenblicks und schon beginnen selbst die geringen wendischen Völ­kersplitter in der Lausitz und in den Marken sich zu regen, um sich wieder in nationale Selbstständigkeit zu gestalten! Man traue nur diesen Stämmen nicht. Pa- laczky's Vorschlag eines großen Donaureichs ist nur eine Chimäre, um die Erzherzogthümer von Deutschland zu trennen und so beides zu schwächen. Hier heißt es: Seid wachsam und einig! Wo aber soll Einigkeit Her­kommen, wo jeder Einzelnstaat nur an seine eigene Ehre und seinen Vortheil denkt? (D. Z)

iliiindjetl, 28.' April. Es soll heute an Sie ein Aufruf abgehen, durch welche ein Verein hiesiger Männer, dem auch der Herzog Mar in Baiern beizählte, die gesummten Vaterlandsfreunde zur Unterstützung derTy- roler auffordert. Auch für die hiesige Tagespresse lag derselbe bereit und schon war im engsten Kreise und in kürzester Frist ein erfreulicher Anfang mit Geld- und Waffenbeiträgen gemacht worden. Die Stimmung jedoch, wie sie nach jenen bekannten officiellen Wiener Zei­tungs-Artikeln sich allgemein äußert, verspricht so wenig für den Erfolg dieses Unternehmens, daß die Bcthei- ligten, wiewohl mit tiefem Bedauern, es vertagen. Noch sind die Zeiten der Noth nicht vorüber und wenn diese wiederkommen für unsere Nachbarn in Tyrol, wollen wir ihrer Negierung gegenüber einen Beweis versuchen, wie wirs mit der deutschen Einheit verstanden wissen wollen. Für jetzt ist es kaum zu verdenken, wenn da Biele die bittere Wahrheit des Sprüchworls erhärten wollen.Quid delirant reges, plecluntur Achivi Das österreichische Geld - Ausfuhrverbot rief schon den Gedanken an eine Repressalie hervor. Was soll so jetzt ans dem armen Tyrol werden, wenn neben dem feind­

lichen Wälschland Baiern ihm die Getreidezufuhr ab­sperrte ? Möchte dieser Schritt der, wie wir wissen, i»on geschehen sollte nochmals verhindert werden. Wie dürfen die bargebotene Hand nicht zurückziehen, wenn gleich die kalten, glatten Finger der Regierenden zwischen die dargebotenen der Völker greifen. (D. Z.)

Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten.

Flensburg, 28. April. Im Gefechte bei Schles­wig haben die Dänen Tapferkeit bewiesen, aber dane­ben gibt eS Thatsachen, welche den dänischen Namen für immer brandmarken werden. Es sind von den Dä­nen bei Schleswig drei Gefangene, welche sie nicht fort bekommen konnten, ein Uiuerofficier vom Kaiser Alexander Regiment und zwei Gemeine vom Kaiser Franz Regiment ermordet worden. Ein Verwundeter wurde von einem dänischen Unterofficier, nachdem der­selbe seiner Leiden gespottet, erschossen. Ein Kolben­schlag von einem herbeieilenden Mußen geführt, zer­schmetterte indeß das Gehirn des Schändlichen. Be sannt ist eS, wie bei Harzhof die Dänen sich verkleide­ten und mit deutscher Kokarde und deutscher Fahne ei­nen Vorposten von etwa 40 Mann überfielen, nachdem sie demselben freundschaftliche Worte zugerufen. Bei Schleswig haben sich zwei ähnliche Fälle ereignet. Eine dänische^ Jägerabtheilung sollte von unseren Jägern angegriffen werden. Indessen winkten die Officiere und Die Gemeinen die Unfitgen freundlich herbei, es wurde gerufen:Kommt doch her, wir gehörigen ja zu Euch." Unsere Jäger glaubten es und traten friedlich heran. Plötzlich gab die dänische Abtheilung Feuer, von wel­chem mehrere unsere Jäger fielen. Einen anderen, ganz ähnlichen Fall, dessen Einzelnhriteu mir nicht ganz ge> nau bekannt sind, übergehe ich. Das Aergfte indessen geschah im Thiergarten bei Schleswig. Eine dänische Abtheilung, welche die Ziegelei vertheidigte, stetste hier die weche Fahne der Ergebung auf. Die Unsrigey, wenn ich nicht irre vom dritten Bataillon, traten dem­nach heran, um sich den Poften übergeben zu lassen. Da plötzlich wird in größter Ruhe ein Feuer auf sie eröffnet.

Heute ist ein dänischer Parlamentär hier ange­kommen. Wenn nicht etwa dadurch die bereits getrof­fenen Anordnungen eine Abänderung erleiden, so rückt morgen das preußische Kaiser-Alerander-Garde-Grena- dier-Regiment nebst einer Batterie, wie versichert wird, zunächst nach Hadersleben zu aus.

Rendsburg, den 27. April Die verschiedensten Erzählungen trafen darin zusammen, daß der größere Theil der dänischen Armee, theils zu Schiff, theils zu Lande, sich nach Pilsen zurückgezogeu hat; einzelne Corps, heißt es, sind zersprengt und suchen theils nach Westen, theils nach Norden sich durchzuschlagen. Während der Hauptbe, andtheil der Armee den Rückzug mit einiger Ordnung bewerkstelligt zu haben scheint, sollen Die zer­sprengten dänischen Corps in wilder Flucht sich zu retten suchten.

Die Zahl der successive eingebrachten, in Flensburg, Schleswig und Rendsburg delinirten Gefangenen wird, vielleicht noch etwas zu hoch, äuf circa 7800 Mann angeschlagen, unter denen sich gegen 12 Officiere be­finden sollen. Mehrere derselben sollen ^gefallen sein, unter ihnen nennt man den Obersten Schleppegrell. Die Gefangennahme des Obersten Astrup hat sich bestätigt.

Die hier im Provianthause detiuirten Kriegsgefan­genen sind mit ihrer Behandlung sehr zufrieden und sollen dieselben sehr rühmen. Offenbar hat man den armen Leuten viele unnötige Angst gemacht, indem, wie glaubhaft versichert wird, ihnen von den Officiere» im Vorwege gesagt worden war, daß sie bei ihrer et­waigen Gefangennehmung ein sehr trauriges Schicksal treffen würbe.

Die Mannszucht der deutschen Truppen und ins­besondere der preußischen, die ausgezeichnete militärische Bravour derselben findet überall die rühmlichste Aner- hnnung. Deutschland darf auf solche Truppen stolz sein und unser lheureS Schleswig-Holstein wird sich glücklich schätzen dürfen, eine solche Hülfe gefunden zu haben.

Unsere Truppen rücken, nachdem sie einen Rastag gehabt, heute von Flensburg wieder aus; man meint, daß dieselben sich vorzugsweise nachAlsen wenden wer­den, wo der Hauptbestandtheil einer dänischen Armee sich schon befinden soll. Der Rückzug ist von den Dä­nen sehr schnell und von einigen Kanonen abgesehen, ohne großen Verlust an Kriegsmaterial bewerkstelligt. Man hört allerdings aussprechen, daß die Stimmung der dänischen Truppen so deprimirt sei, daß dieselben sich schwerlich wieder stellen werden. EineSthellS dürfte es aber bedenklich sein, auf diese Stimmung sicher zu rechnen, anberntheils liegt es offenbar in der Taktik der Dänen, die Sache so lange als thunlich hinzu­halten.

ES bestätigt sich, daß der Angriff am Ostersonntage anfänglich nicht beabsichtigt wurde. General Halkett hatte versprochen, 56000 Mann seines Corps Mon- lag früh zu den Preußen stoßen zu lassen. Indessen ward dieser Entschluß nach Erstürmung des Danne­werks geändert und die Preußen erwirkten die Räu­mung Schleswigs noch am Sonntag. Ein Dhcu er schleswig - holsteinischen Truppen war gleichzeitig mit den Preußen aus seinen Standquartieren bet etetnrabc ausmarschirt, wandte sich zunächst aus Kropp und Groß- Dannewerk und nahm hier wahr, daß das Gefecht bei Schleswig augenblicklich noch unentschieden war. Er rückte daher bis Nenkrug oberhalb der Hühnerhauser

vor, ü a den Dänen in den Rücken zu kommen, wobei eine Reihe kleiner Scharmützel mit dänischen Jägern statkfanden, welche das ostwärts von Schubye belegeüe Gehölz besetzt hielten. Diese Truppen -Abtheilung, über welche Oberst Fabricius commandirte, wurde in­dessen zürückbèrüfen und stieß noch Nachmittags zu dem Centrum. Folgenden Tags ging diese Abtheilung der schleSwig'hclsteinischen Truppen auf Wanderup, Flens­burg-Husumer Chaussee, woselbst Nachtquartier gehalten wurde und rückte Dienstags bis Bau vor, von wo Abend- Nachtquartiere in der Stadt Flensbürg bezogen wur­den. Die Kavallerie ist bisher gar nicht im Gefecht gewesen. Die Raschheit der dänischen Pferde und die Uebung derselben, über Knick und Wälle zu kommen, hat die Aufmerksamkeit der deutschen Officiere auf sich gezogen.

Hiel, 27. April. Unser Hafen und dadurch auch der schleswig-holsteinische Canal wird durch dänische Kriegsschiffe blockirt gehalten. Eine Fregatte und zwei Kanoiienschaluppen sollen vor dem Eingänge liegen. Besatzung hat unser Ort bereits bekommen; heute Mor­gen in der Frühe rückten zwei Compagnien des 17. holsteinischen Infanterie- Bataillons ein; amAbend han­növersche Truppen, ebenfalls Infanterie, wie es schien, 600-800 Mann.

Husum, 25. April. Gestern traf hier durch einen Bauernvogt aus der Umgegend die Nachricht ein, daß bei dem nach dem Entsatz von Schleswig gegen Nor­den weiterrückendcn deutschen Truppen Mangel an Le­bensmitteln eingrtreten sei. In kaum zwei Stunden wurden durch freiwillige Beiträge der Einwohnerschaft 13 Wagen mit Brod, Fleisch, Schinken, Bier und Branntewein beladen und sofort inS preußische Lager unter General Möliendorff bei Luseeusch am Jtzestäbrer Gehölz geschickt, wo bei den Truppen, welche bei lebhaftem Feuer bivouakireiid, die mitgebrachten Victualien raschen und dankbaren Abgang fanden. Auch die Landdistrikte maßten verhältnißmäßigc Sen­dungen.

Altona, 28» April. Es bestätigt sich, daß der Graf Carl Moltke ium Könige nach Frederica berufen ist. ' (H. G.)

Ungarn.

Pesth, 23. April. Wirerfahren aus guter Ouelle, daß das Ministerium einen Kurier von dem ungarischen Kriegsminister L. Messaros aus Verona erhalten hat, welcher die Nachricht überbrachte, daß der Minister mit seinem Husarenregiment den Rückmarsch nach Un­garn angetreten. Auch andere ungarische Truppen­corps dürften bald Italien verlassen, da die Entrüstung über die fortdauernde Verwendung derselbengegen die Freiheit" immer heftiger sich ausspricht. Gestern kam hier wieder eine zahkreiche Deputation der Stu­direuden ans welche Fahnen für die hiesige Universität und die Bürgerschaft überbringt. Heute wird auch eine polnische Deputation hier erwartet Da jetzt hier Volks­versammlungen ohne officielle Erlaubniß nicht statthaben dürfen, so wird die Zulassung der polnischen Deputation in öffentlicher Volksversammlung in Wien schwerlich Beifall finden. Das Pesti Hirlap spricht sich heute ebenfalls mit allem Nachdrucke gegen jede noch so ge­ringe Betheiligung Ungarns an der österreichischen Staatsschuld aus. Es erklärt dies als eine abgemachte Sache, welche auf keinem Landtage mehr zur Sprache kommen tone. .

Galizien.

Ära Kau, den 27. April. An diesem Tage ginge» gegen 3 Uhr Nachmittags sowohl Emigranten als junge aus Krakau gebürtige Männer unbewaffnet auf die Blonja beim KoSciuszkohügel, um dort eine Musterung abzuhalten. Die österreichischen Soldaten hatten sich inzwischen auf dem Kastell verbarrikadirt und, den Augen­blick der Abwesenheit der jungen Mannschaft aus der Stadt benutzend, eine Abtheilung in das Haus des Schinieds Müller gesandt, um sich dort der vorrätigen Piken und Sensen zu bemächtigen. Einwohner der Stadt Krakau waren es, die sich in diesem Vorhaben der Soldaten zu widersetzen suchten, und nicht Einl- grauten, wobei eine Frau, die dieses Verfahren der Soldaten für widergesetzlich erklärte und entbieten ihrem Eindringen Widerstand leistete, durch Bajonnet- stiche gelobtet wurde. Während bicfes in der,Stadt geschah, eilten einige Einwohner auf die Blonja hm, riefen die dort anwesenden Emigrantendo broni. do broni! (zu den Waffen), die,-als noch überdies krer Lärmschüsse von dem Kastell cri^allten , eilig diesem Rufe Folge leisteten und in Reihe und Glied, unbe­waffnet wie sie waren, auf den Ring mar,chirten. Auf dem Ringe angekommen, trafen sie dasclbit östorrelchriche Kavallerie und Infanterie, au» in einzelyen Häusern hatten österreichische Soldaten Posto gefaßt. Die Pole« bauten nun in der Eile Barrikadeu, zuerst auf der Annen- und Florianstraße, wobei einige polnische pariser Barrikadenhelden die in Paris gewonnenen Erfahruu- gen in Anwendung brachten. Gegen die Barrikaden auf der Florianstraße wurde der erste. Angriff vop den Oesterreichern unternommen, sie wurde genommen und gegen die einzelnen Zuriickziehenden in Pelotonfeuer ge­schossen.

Da, es war 5 Uhr Nachinittags, wurden die ersten scharfen Schüsse aus den Geschützen des Kastells ab­gefeuert; cs wurde mit Paßkugeln, Kartätschen, Gra­naten und Brandrakete» geschossen, welche letztere jedoch wegen des grossen Regenwetters keinen weitèrn schaden anrichtctcn. Trotzdem" daß die Men meist unbewaffnet, höchstens mit Stöcken und Stangen und nur einige nm