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M- 43.

Naffauischr Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht! Materielles und geistiges Wohl deS deutschen DolkeS!

Wiesbaden, 28. April 1828.

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Deutschland.

Die deutsche Nation sucht ihren Kaiser.

(Nach der Elberfelder Zeitung.)

Wir sprechen mit großer Hoffnung auf eine glück­liche Zukunft die faktische Wahrheit aus: Aus die Zer­trümmerung des Thrones und die übernächtliche Ein­führung der französischen Republik hat die deutsche Nation mit der konstitutionellen Monarchie geantwor­tet und auf die Auflösung der Gesellschaft, mit welcher Frankreich immer näher und näher bedroht wird, will Deutschland durch eine größere Kräftigung im Innern, durch eine energische Centralisation seines ganzen Volks­lebens antworten. Die deutsche Nation sucht ihren Kaiser, aber sie sucht ihn, nach meiner Ansicht, nicht auf die rechte Weise. Sie fragt: Welchem deutschen Fürsten leg ich den Reichscepter in die Hand und um. gürte ihn mit dem Schwerte Karl des Großen und der Hohenstaufen? Wir glauben, sie muß die Frage anders stellen. Alle deutsche Fürsten sind entweder schon constitutionelle Fürsten ober werden sicher in kur­zer Zeit es sein; ihr souveräner Willen hat ausgehört und das Recht und die Macht der Gesetzgebung ist zum großen Theil an die Völker übergegangen. Die erste Frage, welche sich die deutsche Nation in Betreff ihres Entschlusses, Deutschlands Macht zu centralisiren, zu stellen hat, ist also die: Welcher constitutionelle Staat in Deutschland ist vor andern dazu berufen, die Oberleitung zu übernehmen? Die Frage nach der Person des Fürsten, welcher an der Spitze dieses zur deutschen HkMnonie berufenen Staates steht, ist die zwette/vle üKbgrorknete Frage. Kann und darf ein deutscher Fürst den ihm von der deutschen Nation ange­botenen Feldherrnstab annehmen, ohne die Vertreter sei­nes Volkes zu befragen, und es ist nicht denkbar, daß es deutsche Stämme gibt, welche ihrem Fürsten die Annahme des gewaltigen Schwertes der Hohenstaufen verweigern, weil sie fühlen, daß sie weder durch Stel­lung noch durch Macht den Beruf haben, an der schwin­delnden Spitze der deutschen Nation zu marschiren? Witt und kann jeder deutsche Stamm die Opfer, An­strengungen und Mühen übernehmen, welche voraus­sichtlich mit der Hegemonie Deutschlands verknüpft sein werden? Glaubt man, sie sei eine Stellung, welche ohne Kosten nur Ehren einzustreichen haben werde? Die Zeiten, die kommen, werden dem deutschen Volke, das mit seinem Fürsten die Oberleitung übernimmt, weit mehr Arbeit, Gefahr und Anstrengung bereiten, als Ehre; es ist sogar leicht möglich, daß es für seine hingebende, aufopfernde Vaterlandsliebe nur Eifersucht, Mißtrauen und Widerwillen erndten und daß man ihm an Ehren und Achtung nicht zahlen werde, was es in den Tagen der Gefahren, in welchen es Deutschland

rettete, verdient hat. Wir wollen zwar aus Deutsch­land einen Bundesstaat schaffen, aber der Geist eines Staatenbundes wird noch lange unter uns walten und seine Wirkungen unter uns äußern; selbst in diesem Augenblicke droht er schon die gewöhnlichen Leidenschaf­ten eines Slaatesbunbes in die Frage zu mischen, ihre Lösung zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen. Man legt schon die einzelnen Fürsten auf die Wagschaale; der Eine wiegt Friedrich Wilhelm den Hohenzoller, der Andere Ferdinand den Lothringer und der Dritte pronderirt Mar den Baier. Dies heißt die größte Nationalfrage in eine der Fürstenperson zu ver­wandeln und damit diese zum Schlacht- und Intriguen- feloe des gewöhnlichen Ehrgeizes der deutschen Fürsten zu machen.

Man frage vor Allem, welches deutsche Volk hat durch Geschichte und Stellung den Beruf vor allen andern an die Spitze der deutschen Nation zu treten? Die Beantwortung dieser Frage hängt von der einer andern ab. Wozu nämlich soll die Hegemonie dienen? Was haben wir von der Zukunft zu erwarten? Den französisch-russischen Krieg haben wir zu erwarten; er ist mehr als wahrscheinlich. Deutschland wird nicht allein seine Freiheit und Unabhängigkeit, sondern sogar die Civilisation Europas gegen die Barbarei zu ver­theidigen haben. Sie wird von Frankreich eben so sehr bedroht wie von Rußland. Oder glaubt man, Frank­reich werde mit wohlorganisirten Heeren, die eines ci- vilisirten Volkes würdig sind, Deutschland angreifen? Es werden die Horden der früheren Republik sein so wie die jetzige Republik schon weiter nichts als der Abklatsch der alten iss, U^ser Kampf mit Rußland, setzt für dies Reich alles auf den Würfel. Geht ihm durch Niederlagen Polen verloren, kann und wird es alles verlieren, was es seit Peter dem Großen erwor­ben hat, und die russische Nation wird in ihr ursprüng­liches Feldlager um Moskau zurückgedrängt werden. Glaubt man, daß der russische Kaiser dies nicht ein- sieht, die Nation dies nicht fühlt und beide das Aeu- ßerste aufbieten werden, den Sturz von dieser Höbe zu verhindern? Wenn er sich nicht anders retten kann, wird der Kaiser in die Steppen rufen und Tausende von den Raubvögeln, die dort herumstreichen, werden seinem Ruse nach dem Westen folgen, dessen lockende Reize sie kennen gelernt haben. In Rußland sind die Massen barbarisch, in Frankreich wird das Elend sic barbarisiren und Deutschland wird den Stoß dieser fürchterlichen Mächte auszuhalten haben.

Wessen Volkes Schultern in Deutschland ist nun stark genug, um die ungeheure Last der Hegemonie in diesem Kampfe zu tragen? Ist es der Oesterreichcr? Ueberall kracht seine Monarchie in ihren Fugen und droht in Stücke zu gehen. Wird der Ungar ihm treu bleiben, sobald der Russe und Franzose mit der Art an

Deutschlands Thore schlagen? Wie treu er dem Oe­sterreicher ist, hat er in Italien bewiesen. Und wenn er auch die Verbindung mit der österreichischen Mo­narchie nicht aufhebt, wird er darum schon unter Deutsch­lands Banner ziehen? Wohin werden die Slaven des österreichischen Staates durch ihre Sympathien gezo­gen? Alles läßt glauben, daß sie nach Rußland sich neigen. Wird außerdem Oesterreich nicht einen italie­nischen Krieg führen müssen? Wollte auch Oesterreichs Ehrgeiz und Gefühl der Macht den Verlust des lom­bardisch- venetianischen Reiches verschmerzen; darf es aber seine Ehre? Fordert die nicht von ihm, noch ein Mal sein Schwert zu ziehen? In der Lombardei wird es aber nicht blos die Lombarden, sondern die ganze italienische Nation auf dem Schlachtfelde antreffen; vielleicht auch die Schweizer und möglich auch dieFran- zosen, wenn die Italiener nicht größere Furcht vor diesen Freunden, als vor ihren Feinden haben. Auf jeden Fall wird Oesterreichs Macht einen solchen Feind in Italien finden, daß sie kaum mit halber Energie sich der Vertheidigung Deutschlands würde weihen können. Mit einem Worte: Was folgt aus Oester­reichs Stellung? Daß das österreichische Volk nicht der Agamemnon der deutschen Nation sein kann; die größere Hälfte seines Schildes hat es nothwendig, sich selbst zu decken, und wird vorzugsweise seine Energie verwenden müssen, um zu verhindern, daß seine Mo­narchie voll agglomerirter Nationen verschiedenen Stam­mes nicht auseinanderfalle.

Vermag das Volks der Baiern das Reichsbanner deutscher Nation zu tragen? Wir gestehen, eher als Oesterreich in diesem Augenblicke und die Hand des bra­ven, tapfern Stammes (stauch desselben würdig; aber Baierns Macht ist nicht groß genug, um das nöthige Vertrauen und die erforderliche Achtung den andern Stämmen einzuflößen. Auch ist seine Lage zu entfernt von dem Mittelpunkte Deutschlands und könnte durch einen glücklichen Einbruch der Franzosen isolirt werden. Die andern Stämme in Süddeutschland und am Rheine können hier nicht in Betracht kommen; sie werden auch von selbst die gefährliche Ehre der Hegemonie deutscher Nation ablehneu. Welches deutsche Volk bleibt noch übrig, welches zu dieser Stellung berufen ist, das sie vor allen übernehmen kann und auch will ? Man blicke durch ganz Deutschland und man wird keines finden, als das Volk von Preußen. Wir bilden schon das Hauptschlachrcorps der deutschen Nation; wir werden, auch ohne einen deutschen Hegemon, vorzugsweise die Wucht der Vertheidigung und des Krieges tragen müssen; mit uns marschirt, auch wenn das Reichsbanner nicht in unserer Hand ist, schon Nord- und Westdeutschland, dessen natürlicher Beschützer wir sind, und wir haben eine solche Lage, daß wir mit den meisten deutschen Stämmen in unmittelbarer oder naher Berührung stehen

Deutschland und die Donaumündungen.

Ein Atitrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse deS Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Don einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

(Fortsetzung.)

2) Don andern Ansichten möchte wohl Frankreichs Politik ausgehen. Man ist gewöhnlich der Meinung, daß Rußland der natürliche Bundesgenosse Frankreichs gegen Oestreich, Preußen und die übrigen deutschen Staa­ten seie. Dieß ist aber falsch, denn wenn man bedenkt, daß Frankreich von Seite Deutschlands schon zufolge des deutschen Bundeözweckeü keinerlei.Art von Beeinträchti­gung zu besorgen habe, dagegen der russische Coloß, dem auf eine wunderbare Weise bisher alles gelungen, mög­licherweise seine Macht bis zum Rheine heranwälzen und kampfgerüstet mit den besiegten Deutschen in Frankreich erscheinen könne, wie es selbst mit den Deutschen in Ruß­land erschienen ist; so möchte eine Verbindung desselben mit Rußland höchst unpolitisch , dagegen ein festes Anschlie­ßen an uns, die wir seine Vormauer sind, schon in der Natur der Sache begründet sein. Frankreich muß daher um seiner selbst und nm der Erhaltung der europäischen Civilisation willen, deren Protektion sich von jeher rühmte, wünschen, daß Deutschland einig, blühend und kräftig feie. Wir dürfen also auf eine diplomatische Un­terstützung in Konstantinopel rechnen, aber auch der Han-

delövortheil würde dazu beitragen, indem durch unsere Erwerbung am schwarzen Meere dasselbe zum Gemein­gut aller Völker gemacht und somit der Handel über die­ses Meer auch für Frankreich geöffnet würde, welches einen neuen Abzugskanal für seine vielen Jndustriepro- dukte, Deutschland aber dadurch einen neuen Allirten gewönne.

3) Es würde also nur darauf ankommen, welche Stellung Rußland bei unseren Erwerbungen im Osten annehmen werde. Von dem Gesichtspunkte des Rechtes betrachtet, hat Rußland zwar keine Einsprache zu ma­chen, aber die Politik bekümmert sich oft wenig um das Recht, besonders wenn den Entwürfen eines der Er­oberung gewohnten Staates widerstreitet, und dieß ist bei der russischen um so mehr der Fall, als dieselbe was hinlänglich erwiesen werden kann in der Wah! der Mittel zur Erreichung ihrer Zwecke von jeher nicht bedenklich gewesen ist. Uebcrdi' ist die Herrschaft der Russen in den untern Donauländern auch schon zu weit vorgeschritten, ihre Hoffnungen, den größten Theil des türkischen Reiches an sich zu reißen, liegen der wirkli­chen Ausführung zu nahe, als daß sie nicht Alles auf­bieten werden, unsern Entwürfen entgegen zu arbeiten. Um dieses Verhältniß näher zu beleuchten, wäre hier der Ort, Einiges über die Entstehung und fortwährende Aus­bildung des Einflusses einzuschalten, welchen die Rus­sen aus die an Der unteren Donau gelegenen, in neuerer Zeit so merkwürdig gewordenen Fürstenthümer Moldau und Wallachei, so wie über das Fürstenthum Serbien er­rungen haben.

Moldau und Wall ach ei. Schon frühzeitig wur­den diese von einem Mischlingsvolke der alten Dazier mit Römern, Bulgaren und Slaven bewohnten Länder, in welchen sich die griechisch-christliche Religion verbrei­tet hatte, von Woiwoden oder Despoten unter der Ho­heit des griechischen KaiserthumS regiert, und blieben bei demselben, bis die Gefahren, die gegen daS hinfällige Reich hereinbrachen, sie nöthigten, kräftigeren Dchirm bei Polen und Ungarn zu suchen. Bei dem Vordringen der Osmaneu gegen diese Vormauern der Christenheit mußten sie aber nach langem Widerstreben die Hoheit derselben anerkennen, und wurden endlich 1391 die Wal­lachei und 1529 die Moldau zinsbare Provinzen der Pforte. Die Türken ließen den Ländern lange Zeit ihre eigenen, aus den Familie» ihres Adels oder der Boja­ren selbstgewählten Erbfürsten, ihre Verfassung und Ge­setze, legten ihnen aber Tribute auf, die durch öftere Versuche zum Abfall veranlaßt, immer drückender wur­den. Dabei wurde das Volk von seinen Bojaren ge­plagt und die innere Partheiung noch schlimmer, alS mit dem Erlöschen der fürstlichen Familien die Erblichkeit der Fürstenwürde aufhörte.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Bo­jaren der Moldau und später diejenigen der Wallachei genöthigt, der Pforte ihr Wahlrecht abzutreten, die sich dagegen verbindlich machte, die Regenten auS den Adels- familien der Nation zu ernennen. Indessen richtete sich die Pforte nicht strenge nach diesen Verpflichtungen, sic ernannte die Hospodare meist auS jenen im Fanar woh­nenden, habsüchtigen, verworfenen, einander ftinds««-