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IW"- 48.

MffauW Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 27. April 1848.

Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden v i er t eljäh r ig fl. 1. 45 kr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentgeldlich die Nummern 1 17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedt'ichsplatz ; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhaltnißmäßig er Preis­erhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.

Deutschland.

9 Darf das deutsche Parlament auf den IS. Mai vertagt werde»?

Wiesbaden, 25. April 1848.

Gestern haben wir unseren leitenden Artikel gegen die republikanischen Insurgenten im Seekreise gerichtet. Heute müssen wir ihn nach der entgegengesetzten Seire richten. Wie wir gestern die sich Ueberstürzenden, die Tobsüchtigen, die Insurgenten und Anarchisten bekämpft haben, so müssen wir heute die Zaudernden, Rückhal- tigen und Unentschiedenen bekämpfen. Diese beiden Parteien, welche ihrer Meinung noch so himmelweit von einander entfernt stehen, gehen Hand in Hand mit einander. Sie hindern gemeinsam den gesetzlichen und gedeihlichen raschen Fortschritt der gemeinsamen guten Sache. Die Reaction gibt den Republikanern ihren Vorwand, und die Republikaner geben der Reaction Waffen in die Hände; und so arbeiten die Parteien ge­meinsam an der Zerfleischung des Vaterlandes. Es ist dringend nothwendig, daß alle Anhänger der Frei­heit und der Ordnu'ng, des Fortschritts und der Gesetz­lichkeit in die Mitte treten, mit Kraft und Entschieden­heit, auf der einen Seite gegen die Republikaner mit den Worten:Ihr wollt die Freiheit, aber nicht die Einheit, die Macht und die Ordnung Deutschlands," auf der anderen Seite gegen die Reaction mit den Worten: Ihr wollt die Einheit, aber nicht die Freiheit; nicht gezaudert im Vorwärtsschreiten, sonst ist Alles verloren und Ihr selbst zumeist." Das sei unsere Stellung. Nun zur Sache:

Die NegllMMU ven. Österreich und Preußen haben bei der Bundesversammlung" dararf «»getragen, daß der Zusammentritt der Nationalversammlung statt am . 1. am 18. Mai stattzusinden habe; und beide sprechen um so zuversichtlicher die Erwartung aus, daß der Bund ihrem gerechten Verlangen entsprechen werde, als weder Österreich noch Preußeu die Verhandlungen einerDeutschen Nationalversammlung,"" welche in Abwesenheit der Vertreter von zwei Drittheilen der deutschen Bevölkerung sich constituirt hätte, für irgend gültig würden anerkennen können."

Dieser Schritt der beiden deutschen Großmächte ist, kein Schritt vorwärts, sondern ein Schritt zurück. Er verdient,' daß sich die ganze deutsche Presse, welche zwischen den Extremen der Reaktion und der Anarchie mitten durch den graben Weg der freien gesetzlichen Staats­entwickelung verfolgt, sich dagegen erhebe, wie ein Mann.

Das Vorparlament hat es beschlossen, daß die constituirende Versammlung unfehlbar bls zum 1. Mai zusammentreten soll, widrigenfalls der Fünf­ziger-Ausschuß die ganze Versammlung

des Vorparlaments wieder ein berufen muss e. Bon diesem Beschluß darf der Fünfziger- Ausschuß unter keiner Bedingung abgehen, wenn er sich nicht rechtlich und moralisch vernichten will. Er hat diesen Beschluß nicht zu kritisiren, mit Anhängseln zu versehen oder aufzugeben, sondern einfach zu voll­ziehen. Leider hat aber der Fünfziger-Ausschuß (wie wir aus der heutigen Beilage der Ober-Postamts- Zeitung entnehmen, welche uns während des Schreibens so eben zugeht) seine Stellung verkannt, er hat aus den Antrag Mathy's den Beschluß des Vorparlaments mit einem Anhängsel versehen, welches entweder rechts­widrig ist oder nichtssagend, und wir müssen in den von Jacoby, Venedey, Spatz, Blum, Raveaur u. A. dagegen eingelegten Protest völlig einstimmen. Der Fünfziger-Ausschuß ist bloß mächtig, MM und so lauge er das Vertrauen des Volkes hat. Er wird dasselbe aber verlieren, wenn er sich zu solchen halben, haltlosen und zweideutigen Beschlüssen verleiten läßt. Wir warnen ihn. Möge er sich bei Zeit besinnen und am 1. Mai, wenn sich bis dahin nicht Abgeordnete genug eingefunden haben, um die constituirende Versammlung bilden zu können, unverzüglich den gefaßten Beschuß vollstrecken d. h. das Vorparlament wieder einberufen.

Das ist das Amt des Fünfziger-Ausschusses. Der Bundestag aber allein ist nicht befugt, den Zusammen­tritt des Parlaments zu vertagen. Nicht er, son­dern das am 30. März zusainmengetretene Vorparla­ment hat den Zusammentritt des Parlaments beschloßen, nicht er also, sondern das wieder einzuberufende Vor­parlament hat, falls die dringendste Nothwendig­keit hierfür vorliegen sollte, die Vertagung des Par­laments zu beschließen. Denn das Vorparlament hat sein Mandat nicht vom Bundestage hergeleitet, sondern vom Volke. Haben sich also Oesterreich und Preußen an den Bundestag allein gewendet, so haben sie sich an eine incompetente Behörde gewendet.

So viel über die Form. Zur Sache folgendes:

Es ist Oesterreich und Preußen nicht erst seit gestern bekannt, daß sie einen ausgedehnteren Umfang haben, als die anderen deutschen Staaten. Sie hätten also auf Grund der ihnen am 7. April vom deutschen Bunde gemachten Mittheilung zeitig ihre Maßregeln treffen können. Es müßte wahrlich traurig bestellt sein, wenn man nicht binnen 14 Tagen bewerkstelligen könnte, daß an einem Tage g eich zeitig in allen Theilen der österreichischen und preußischen Staaten, die Wahlen stattfinden. Man hat ja sonst Couriere und Eilboten; warum brauchte man sie nicht hier?

Vierzehn Tage ist in unserer Zeit ein längerer Zeitraum,' als sonst vierzehn Monate. Wir wissen nicht, was uns die nächste Stunde bringt. Jeder ver­lorene Augenblick hat das Gewicht eines verlorenen

Tages, jeder verlorene Tag das Gewicht eines ver­lorenen Jahres. Wenn die gesetzlichen und vom Volke berufenen Gewalten nicht offen und entschieden auf der Bahn der staatlichen Entwickelung voranschreiten, dann werden sie den Anarchisten- und Insurgenten-Haufen einen Vorwand geben, ihnen einenjustus titulus verleihen, ihnen einen Glorienschein von Heiligen und Märtyrern um das Haupt winden.

Darum sei und bleibe der erste Mai der Tag des Zusammentritts des deut­schen Parlaments, der erste Tag des Völ­kerfrühlings.

# Die Wahlen für das deutsche Parlament.

Wiesbaden den 26. April.

Die gestern hier stattgehabte Parlamentswahl der Aemter Wiesbaden, Hochheim, Rüdesheim und Eltville hatte folgendes Ergebniß: Präsident Hergenhahn erhielt . . 502 Stimmen, Legationsrath von Gagern . . . 116 Regierungsrath Hehner .... 2 Archivar Habel von Schierstein . . 7

Kaufmann Dressel von Geisenheim 1 ,, Advokat Leisler ...... 1 Kaufmann Burgeff von Hochheim . 3 Präsident Vollpracht..... 1

Im Ganzen stimmten 633 Wahlmänner, nur we­nige waren, durch nicht zu beseitigende Hindernisse ent­schuldigt, ausgeblieben. Die Wahl begann Morgens um 9 Uhr und war Nachmittags um 3 Uhr schon vollständig beendigt. Diese rasche Förderung des Ge­schäftes ist hauptsächlich der praktischen und leichten Art der gemeindewcisen Zählung und Abstimmung zu ver­danken, welche der von der Wahlversammlung mit der Leitung der Wahl beauftragte Präsident Bollpracht anordnete.

Hergenhahn ist mit einer großen Stimmen­mehrheit gewählt, wie wir dies schon vor einigen Tagen als wahrscheinliches Ergebniß voraussagten. Wir müssen wiederholen, daß er, als das Haupt unserer Bewegung, berufen ist, nicht nur an der Spitze unserer Verwaltung zu stehen, sondern auch unseren Stamm in dem deutschen Verfassungsrath (constituirenden Ver­sammlung) zu vertreten. Beide Posten sind unter den gegenwärtigen Verhältnissen weder nach den betreffenden gesetzlichen' Bestimmungen, noch nach der Natur der Sache unvereinbar, vielmehr sind wir überzeugt, daß diese Vereinigung für unsere staatliche Entwickelung und unseren engeren Anschluß an die gemeinsamen deutschen Interessen ein sehr heilsamer und förderlicher sein wird.

Von Limburg geht uns so eben die Nachricht zu, daß daselbst der Konrektor Schulz aus Weilburg mit

Die Sklavin.

(Aus denMissisiPPi'Bildcr, Lickt- und Schattenseiten transatlantischen Lebens.") von Friedrich Verstärker.

(Fortsetzung.)

Der eigentliche Schenktisch bestand aus einem auö gemaßertem Holze verfertigten, etwas hohen Aussatze, über den weiße Marmorplatten gelegt waren, um leicht die darauf verschütteten Flüssigkeiten wieder hinwegwischen zu können. Auf einem großen mit weißem Tuche über­deckten Präsentirteller standen mehrere Dutzend reine Trinkgläser, während auf einem andern dicht daneben eine gläserne Schale mit einem plattirten Deckel, gerie­benen Zucker enthaltend, prangte, an deren Seite sich wiederum zwei kleine Fläschchen befanden, die fest zuge­korkt nnd mit einer durch den Stöpsel laufenden Fever- spuhle versehen, dazu dienten, die in ihnen enthaltenen Flüssigkeiten in die Getränke zu tröpfeln, um diesen einen piquanten Geschmack mitzutheilen. Hinter dem Schenk­tische nun waren in langer Reihe alle möglichen Arten von Getränken, Weine und Liqueure, in zierlichen, fein­geschliffenen Flaschen und Caraffen geordnet, zwischen denen Orangen und Citronen aufgeschichtet waren, was dem Ganzen einen frischen, heitern Anschein gab. Un­ter dem Schenktische stand eine große Schüssel mit Eis, daS in Stücken in die Gläser geworfen wurde, um den Trank abzukühlen, und ein junger Mann in einer weiß-

sicht, das ,va zum Fenster hereinstiert? Kommen Sie her­ein Sire; was wollen Sie trinken?

Danke, danke, sagte der Neuangekommene, indem er rasch in die Thüre trat und sich ohne weitere Umstände sein GlaS füllen ließ.

Es war ein Mann von außergewöhnlicher Länge, der noch um mehrere Zoll über den schon ungeheuer lange» Doktor hinausragte, mit vorstehenden Backenknochen und grauen, scharf und klug umherblickcnden Augen, dessen ganze GesichtSzüge aber den Yankee nicht verkennen lie- ßen. Ein blauer, langschößiger Frack war trotz des heißen, schwülen Wetters fest zugeknöpft, und ein hoher weißer Filzhut, den er, etwas nach hinten gedrückt, auf dem Kopf trug, machte die lange Gestalt noch ziemlich viel länger.

Seine Stiefel waren nach der modernsten Fa^on ge­arbeitet und ganz neu, mochten ihn aber wohl gedrückt haben, denn auf beiden hatte er, gerade über der Zehe,^ mit feinem Messer einen Krcuzschnitt gemacht, um sei­nem Fuße Raum zu gewähren; überhaupt schien er daS Bequeme zu lieben, denn er setzte sich augenblicklich mit größtmöglichster Gemüthsruhe auf den Ladentisch, wobei ihm seine Ausdehnung ungemein gut zu statten kam, und leerte daS ihm mit Wachholder und Wasser dargerrichte GlaS.

Gentlemanu, begann jetzt der Yankee, nachdem er einige Kreuz und Querfragen deS Doktors mit ebenso vielen andern Fragen beantwortet hatte, ich denke, wir können ein Geschäft zusammen machen.

Ihr habt doch um Gottes Willen keine Wandah-

leinenen Jacke und eben solchen weiten Beinkleidern, war emsig beschäftigt, den durstigen Gästen, die sich bei der übergroßen Hitze in beträchtlicher Anzahl eingcfunden hat­ten, einzuschenken. Ein langer Doktor von der andern Seite des Missisippi, von Pointe -Coupee, schien übri­gens besonders thätig, sein GlaS immer wieder auf'S Neue zu leeren, bei welchem Geschäft ihm denn alle An­dern helfen mußten, weil er schwur, deß er nicht allein trinken wolle, und immer wieder ließ er daö seinige wie die aller Anwesenden frisch füllen, obgleich er sich kaum noch selbst auf den Füßen halten konnte. Ost zwar suchte ihm Einer oder der Andere zu entschlüpfen, aber mit Adlerblicken entdeckte und erwischte er die Deserteure und ein frisches Glas war die Strafe, die ihrer wartete. Mehrere, unfähig, noch einen Tropfen zu genießen, sa­ßen in der Ecke, als unsere beiden Freunde zur Verstär­kung anrückten, und augenblicklich von dem Doktor mit offenen Armen empfangen wurden.

Willis eh? redete er diesen an, durstig? immer durstig.

Hier, Doktor, ist ein Freund von mir, ein ge­wisser , , ,

Ein Freund von Euch? er muß mit mir trinken. Sir, geben Sie mir die Hand so ich bin der Doktor Siel von Pointe-Coupee, Sic müssen von mir gehört haben. WaS wollen Sie trinken? Hier, Barkee­per, schnell, hier ist ein Mann, der durstig ist so recht, Gläser und Eis hinein aber mir kein Eis, ich wl'tt'ö heiß huben, heiß wie Lava, will Hitze mit Hitze curiren. Zum Henker, wem gehört denn daS lange Ge­