168
Emigranten, den Haß gegen die Deutschen und die französischen Revolutionsideen im Herzen, kehren durch Deutschland, wo man sie vielleicht hier ünd da mit Hoffnungen, wenn auch nur wörtlichen, nicht thatsächlichen erfüllt, zurück. Werden sie nicht die Flamme des Aufruhrs von neuem einfachen r Fajt ist dies wahrscheinlich, denn diese Partei lernt nichts und vergißt nichts.
Schleswig - Holsteinische Angelegenheiten.
Uendsburg, 19. April. Aus einem Briefe eines der von hier nach Holstein gezogenen Freiwilligen entnehmen wir die Notiz, daß sich der Prinz von Preuße,n in Rendsburg befinde. Für die Richtigkeit derselben mben wir weiter keine Bürgschaft.
Mel, den 20. April. Um entstellten und übertriebenen Gerüchten, deren die jetzige Zeit leider so viele Mt, vorzubeugen, beeilen wir uns, den an und für sich unbedeutenden Unfall mitzutheilen, der sich gestern, 11 Uhr Bormittags, im Friedrichsort zutrug. Durch die von einigen mit der Gefahr unbekannten Knaben bewerkstelligte Nahrung einer galvanischen Batterie an die zu einer Pulvermine führenden Drähte entzündeten sich etwas über 1000 Pfund Pulver. Die Erplosion veranlaßte durch den Luftdruck die Zerschmetterung einer Anzahl Fensterscheiben und Dachziegel, ohne daß irgend ein Mensch dabei beschädigt wurde. Der dicht an der Mine befindliche Posten machte einen unfreiwilligen Luft- sprung über den Festungsgraben und die Schanze hin, wo er etwas betäubt aber unversehrt wieder den Erdboden erreichte.
— Nach Privatbriefen aus Dänemark befinden sich unsere auf Dronning Maria befindlichen Gefangenen eben nicht in einer beneidenswerthen Lage. Der Raum, in dem sie eingeschlossen sind, wird so spärlich vom Tageslicht erhellt, daß sie Kerzen anzünden müssen. Die Kost ist — eßbar, das Lager Stroh, der Raum ungeheizt. Eine halbe Stunde täglich wird ihnen erlaubt, auf dem Verdeck frische Luft zu schöpfen. (S.-H.Z.)
Äiel, den 21. April. Die früher schon, wie man sagte, ertheilte Ordre zum Vorrücken ist wieder zurückgenommen und man erwartet jetzt allgemein, daß entweder schon morgen oder doch in den nächsten Tagen das Borrücken wirklich erfolgen wird. Als Centrum werden die Preußen dann, wie man meint, auf Schleswig, der rechte Flügel, die schleswig-Holsteinischen Truppen, auf die Eckernförder Gegend und die übrigen Bundestruppen im Westen des Herzogthums vorrücken.
Von der Eckernförder Strand-Chaussee aus hat ein Theil des Hamburg-Kieler Freicorps mit einem Kanonenboot scharmützelt. In dieser letzten Affäre ist der Commandant des Boots getestet und mehrere seiner Leute sind verwundet worden.^ Die Unsrigen dagegen haben durch die Kanonenschüsse des Boots keinen Schaden gelitten.
Bremen, den 20. April. Gestern Nachmittag fand der feierliche Auszug unserer Freischaar nach Schleswig-Holstein statt ; Tausende gaben ihr das Geleite zum Osterchore hinaus. Schon jetzt haben mehr als hundert junge Leute sich bereit erklärt, den Vorangegaiigenen zu folgen; aber der schleswig-Holsteinischen Committee, welche vorläufig aus eigenen Mitteln die Ausrüstung und Besoldung der Freischaar übernommen hat, fehlt es bis jetzt durchaus an den Mitteln, die patriotischen Wünsche Aller zu befriedigen. (Wes. Z.)
Hamburg, den 21. April, 9% Uhr Abends. Mit dem heute Abend 8'/, Uhr eingerroffenen Bahnzuge aus Rendsburg erfahren wir, daß sich heute früh um 4 Uhr im Schnellmarkter Holze unweit Altenhof, dem Gute des Grafen Eugen Reventlow, zwischen 2000 Mann dänischer Infanterie nebst einer Abtheilung Dragonern und einigen Kanoniren einerseits unddemWas- merschen und Ranzauer Freicorps, denen sich auch die Hamburger, Berliner und Kölner angeschloffen, andrerseits zu einem blutigen Gefechte gekommen, welches bis gegen 11 Uhr währte. Die Freischaaren mußten der Uebermacht weichen und zogen sich in ziemlicher Ordnung zurück. Vier Wagen mit Verwundeten waren in Rendsburg eingetroffen. Die Preußen sollten morgen ausrücken und durch Hannoveraner ersetzt werden. General v. Wrangel war in Begleitung eines der jüngern preußischen Prinzen nach Rendsburg unterwegs, umdasOber- Commando der preußischen Truppen zu übernehmen.
wenn nach zweimaliger Aufforderung des Befehlshabers die versammelte Menge nicht auseinander geht.
Vertin, 21. April. Wie der gestrige Tag, so ist auch der Abend ohne alle Ruhestörungen vorübergegangcn. Bei der Stimmung der Bürgerschaft war es für dre Meuterer auch gar nicht rathsam, mit ihren j lauen irgendwie öffentlich hervorzutreten. Referent hat selbst mehrfach aus Kreisen sich auf den Straßen besprechender Bürger die Aeußerung vernommen, daß der Erste, welcher es wage, Tumult gegen Gesetz und Ordnung anzustiften, sofort niedergeschlagen werden solle. Die Lurgergorbi war gestern bis spät in die Nachtauf deu Bemen. Be- sonderâ der Schloßplatz war auf allen Seiten von star- ken Abtheilungen derselben besetzt. Ebenso waren alle Wachen bedeutend verstärkt, und namentlich an den Thoren standen PiquctS von über 100 Mann Starke. Auch war gestern Mittag Munition an die Bürgergarde zur Bertheilung gegeben, während vorgestern Nachmittag auf allen Exercirplätzen mit großem Eifer Schießübungen gehalten waren. Unaufhörlich durchzogen starke Patrouillen von Bürgergardisten zu Fuß wie zu Pferde die Stadt. Das Militär war in seinen Kasernen eonsignirt, um auf den ersten Wink bei der Hand zu sein. Patrouillen von Soldaten wurden nirgend gesehen.
Preußen, 22. April. Wenn List setzt noch lebte, welche Genugthuung würde er erhalten, wie trotzig würde er aus seinem breiten Gesichte auf alle die Herabblicken können, die, Gelehrte und Diplomaten, seiner gespottet, seine Prophezeiungen in den Wind geschlagen und seine Wahrheiten mit Lehrsätzen vergriffener Bücher zurückgewiesen hatten. Friedrich List schwärmte für Deutschland und wurde von ihm verhöhnt. Er verlangte Schutz für die deutsche Arbeit und man hielt ihm Adam Smith entgegen, er verlangte Schutz für die deutsche Schifffahrt, er verlangte eine Flotte, und man lachte darüber, denn eS sei an keinen Krieg zu denken. Uud jetzt jammern sie in Hamburg, daß sie, obgleich zum Zollverein gehörig, doch keine Sicherheit für ihre Schifffahrt haben, daß die allerkleinste Seemacht, die eS gibt, im Stande ist, nicht blos die ganze deutsche Handelsmarine in den Häfen einzusperren, sondern vielleicht sogar zu vernichten. Deutschland hat eine größere Handelöffotte als Frankreich, aber Dännemark mit einer Macht, die eine Macht zu nennen schon lächerlich ist, vermag diese ganze Flotte zu vernich- tcn. Außer der unfruchtbaren Amazone haben wir kein Fahrzeug, das einem feindlichen Angriffe eine Kanone entgegenzusetzen hätte und während früher die Hanse allein ganz Scandinavien Gesetze vorschrieb und England bedrohen konnte, muß jetzt ganz Deutschland von den Meeren flüchten, wenn eine elende dänische Corvette ihm die Fahrt verwehrt.
Von der posenschen Grenze, 19. April. Daß die Insurrection im Posenschen sich ihrem Ende immer mehr zuneigt, davon ist das der deutlichste Beweis, daß die Truppen des 6. Armeecorps, welche zu dem Zweck an der posenschen Grenze versammelt waren, um nöthigenfalls dieselbe zu überschreiten, zum großen Theile beurlaubt werden. Wenn die daraus hervorgehende Gewißheit, daß die Unruhen im Groß- herzoglhum Posen nun aufhören, den Freund des Friedens erfreut, so muß es die wahren Freunde der Wiederherstellung Polens in Deutschland tief betrüben, daß jene polnische Partei, welche diese Wiederhersterstellung so eifrig betreibt, dabei zu den verwerflichsten Mitteln gegriffen hat. Die in Glogau garnisonirenden Bataillons national-polnischer Landwehr beschweren sich mit Recht, daß mehre Wehrmänner, ihres Eides vergessend, mit Wehr und Waffen ihre Reihen verlassen haben und zu den Insurgenten übergegangen sind. Die fanatischen Aufreizungen polnischer Geistlichen, die falschen Versprechungen der Insurgenten sichrer, welche den rohen Massen, wie diese nun einge'lehen, die Plünderung der Deutschen verbießeu, mit welchem sie an der russischen Grenze ihre rohen Massen sammelten, o.ne zum Kriege mit Rußland die hinlängliche Macht, ohne zum Unterhalt ihrer Anhänger die nöthigrn Geldmittel zu besitzen: dies Alles kann ihr Unternehmen keinem besonnenen Deutschen empfehlen. Es trug bereits im Anfänge den Keim des Todes in sich, und nur die unbegreifliche, von ihren Gegnern aber doch nicht anerkannte Langmuch der preußischen Regierungsbehörden fristete diesen unsinnigen Unternehmungen einige Lebenslage. Ein Umstand bedroht jedoch von neuem die wiederhergestellte Ruhe. Die polnischen
Altona, l9. April. Folgende Truppen sind gestern Abend und heute mit der Eisenbahn nach Rendsburg befördert. Gestern gingen ab eine halbe Batterie hannoverscher Artillerie, 1 Bataillon hannoverscher Infanterie, 150 Berliner Freiwillige: um 3 Uhr von Neumünster nach Rendsburg 2 Schwadronen preußischer Cavallerie; heute Morgens 6 Uhr, 1 Bataillon hannoverscher Infanterie; 8 Uhr, 1 Bataillon desgl. 10 Uhr, ein Bataillon preußischer Infanterie; Nachmittags 5 Uhr, 1 Bataillon preußischer Schützen (Neuenburger).
Schleswig-Holstein und die Diplomaten.
Der deutsche Bund hat gesprochen, Preußen hat gehandelt und seine Heere zu Hülfe geschickt; das 10. Armeecorps ist gekommen. Alles steht kampfbereit gegen ein Volk, welches das eben errichtete Panier deutscher Freiheit und Einheit in den Koth getreten hat, gegen ein Volk, das nicht aufhört, Deutschland zu verhöhnen. Deutschland hat seinen Willen kundgethan; aber wird es ihn auch ausführen? oder wird es, wie 1830, rüsten, um aus die Drohung einer fremden Macht ein deutsches Land aufzugeben? Werden wir noch 1848 die Schmach erleben, daß ein Volksstamm, der zuerst, auf Deusch- lands Willen vertrauend, sich gegen seine Unterdrücker erhoben hat, denselben durch die Künste der Diplomatie wieder überliefert würde? und das im Angesichte deutscher Heere und Freischaaren! Und doch scheint es so. Denn während die Dänen das schleswigsche Land als feindlich behandeln, gegen alles Völkerrecht die Beamten wegschleppen und den Entflohenen drohen, wenn sie nicht wiederkehrten ihre Gattinnen und Kinder als Geißeln zu behalten, sehen zahlreiche deutsche Heere diesem schmachvollen Treiben ruhig zu und man unterhandelt, um neuen Hohn zu erleben. Denn was kann das Ziel der Unterhandlung sein? Nur: das schleswig-holsteinische Volk seinem Bedrücker preiszugeben. Denn anders können und werden die Dänen nicht nachgeben ohne Kampf, dazu sind sie zu tapfer und zu ehrenhaft. Aber England? Nun, England wird nichts thun, es will keinen Krieg mit Deutschland und kann keinen Krieg mit Deutschland wollen, so ungern es Deutschlands Erhebung sehen mag, so eifersüchtig es dessen innere Erstarkung und Vergrößerung nach Außen hintertreiben oder wenigstens erschweren wird. Kann das aber auf Deutschlands Entschließung Einfluß üben? Der deutsche Bund hat bisher noch keine Prüfung zur Ehre des Vaterlandes bestanden. Kann Deutschland ohne Schmach seine erste politische Handlung fallen lassen? Es ist unmöglich — die Verstärkung der preußischen Heere zeigt fürs Gegentheil; dafür bürgen die Verpflichtungen, welche Preußen gegen den Bundestag übernommen hat, vor Allem aber der Wille des deutschen Volks. Man will großmüthig gegen ein schwaches Volk, man will nachsichtig gegen die sich verirrenden Dänen sein. Nur hüte man sich, die rechte Zeit des Handelns zu versäumen, und lade nicht in dem Streben, kleinen Schaden zu verhüten, eine große Schuld auf sich. Man muß eilen, diese Sache zu beendigen. Deutschland wird bald Größeres zu thun haben. Man bedenke, die Zeiten der Diplomatie sind für Deutschland vorüber, die Zeit des Handelns ist gekommen! (H. C.)
Börsenberichte.
Wien, 20. April. 5pCt. Met. 59*/,. — 4p(Et. Met. 52. — 3pCt. Met, 40. — 2'/,pCt. Met. 29 7,. — Bankaetien 920. — 500 fl. Loose 96. — 250 fl. Loose 617,. — Nordbahnactien 74. — Gloggnitzer 74. — Mailänder 53.
Paris, 21. April. Franz. 5pCt. R. 61. 50. Franz. 3pCt. R. 41. 50; Neue 3pCt. R. —. —; Neapol. 50. —; Actien d. Bank v. Frankr. 1155; St. Germain.-E.-B.-A. —. —; Versailler (r. U.) 105. —, (L U.) 105. —; Par.-Orleans 497. 50; Paris- Rouen 315. —; Rouen-Havre 175. —; Marseille-Avignon 197. 50; Strasburg-Basel 81. 25; Orleans-Vierzon 230. —; Orleans-Bordeaux 392.50; Nordbahn 337. 50; Paris-Lyon 311. 25; Paris - Strasburg 348. 75 ; belg. 3pCt. —; belg. 2'/,pCt. —; belg. Bankaetien —; Ardoins —; 3pCt. span. —; 3pCt. span, inl. —; Diff. —; pass. Sch. —; (3pCt. R. vor d. Börse —; nach d. Börse, 4 Ht>r, —).
Amsterdam, 21. April, 4 Uhr. Integrale 39'/,. — 3pCt. holl. 45. - 4pCt. holländ. 59'/.. - 3'/,pCt. Synd. 59'/.. — Handelm. 120. — Ard. ä 510 Pf. St. 6'7,,. — Span, inländ. 3pCt. R. 157,,. - Port. 3pCt. R. -. Port. 4pCt. R. -. Ruff. 4pCt. 60. — Oesterr. 5pCt. Met. 52. — Oesterr. 2'/,vCt. Metall. 27.
Hierzu eine Beilage, welche die neuesten officiellen Nachrichten über unsere Truppen in Baden bringt.
Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.
An die deutsche Nation.
Aufgefordert von allen Seiten und in Berücksichtigung der gegenwärtigen Zeitverhältnisse, wo ein der Sicherheit der Thronen sowohl, als der politischen gesetzlichen Freiheit der Völker gewidmetes Werk, das die Lehren einer wahre» constitutionellen Verfassung von den edelsten Patrioten und anerkannten Staatsmännern entwickelt, und Rath, Auskunft und Belehrung über alle Fragen der Staatswissenschaften und der Politik ertheilt, unentbehrlich ist für jeden deutschen Staatsbürger — findet die Verlagshandlung sich veranlaßt, auf das berühmte
v. Notteck und Mlcker'sche Staats - serikon
ein neiieä Slbonnement zu eröffnen. Es wird nur dieser Anzeige bedürfen, um dem Staats-Lexikon unter allen iilasten der deutschen Nation neue Abnehmer zuzuführen. Der Subscriptionöpreis ist â Heft 54 kr. Jeden
M B°"d von 5 Heften versandt. Man ersucht Diejenigen, welche sich dies klassische Werk noch zum ^udlcnptwnspreis erwerben wollen, um schleunigste Bestellung, da nur eine bestimmte Anzahl von Exem- k diesem billigen Preise abgelassen werden kann. Jede gute Buchhandlung in ganz Deutschland, Friedrich "am^F^d ^$V ^^ Staats -Lexikon zum Subskriptionspreis, in Wiesbaden Wilhelm
Altona und Leipzig.
<foA. Fr. Hammerich. (121)
In der Wilhelm Friedrich’schen Verlagsbuchhandlung in Wiesbaden ist erschienen und in allen Buchhandlungen vor- räthig oder durch dieselben zu beziehen :
Index ^eoloficus«
Entworfen, angeordnet und herausgegeben unter den Auspicien
der Devon- und Tornwaü-Natursorschendta Gesellschaft von
(122) « BARTLETT,
Vicepräsidenten.
In’s Deutsche übertragen von A. Ebenau und Mr. C. Thomä.
Auf Leinwand aufgezogen, elegant in Etui fl.4.24 kr.
Derselbe in fünf einzelnen Blättern fl. 1. 45 kr.
(123) ES können mehrere Gymnasiasten Kost und Logis haben Langgaffe Nr. 38.
^" P,!hr'm ^ne6rtd> am Friedrichsplatz. — Redacteur: Karl Braun. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.