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N- 41.

Nassauische ßcifunq

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 26. April L8Ä8.

Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden vierteljährig fl. 1. 45 fr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. Avril eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentgeldlich die Nummern 1 17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Feiedrichsptatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verh ältnißmäßiger Preis­erhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.

Oeffentliche Bekanntmachung.

Die Nassauischen Truppen sind mit dem im Groß- herzogthum Baden zusammengezogenen 7. deutschen Armeecorps vereinigt worden. Sie sind dazu bestimmt, das deutsche Vaterland gegen Einfälle bewaffneter Zu­züge aus Frankreich und der Schweiz zu sichern und den Bürgerkrieg, der den Fremden unsere Gränzen preisgeben würde, in seinem Keime zu ersticken.

Das zweite Regiment nebst der Artillerie liegt gegenwätig in Mannheim; die zweite leichte Compagnie des ersten Bataillons ist im Bahnhof zu Heidelberg geblieben. Nach dem heute eingetroffenen Bericht ist sowohl für die Einquartirung als die Verpflegung der Truppen auf das Beste gesorgt, und der Gesund­heitszustand gut.

Das erste Regiment ist heute von Wiesbaden auf der Eisenbahn nach Heidelberg befördert worden.

Zur Beruhigung der Familien der ausgerückten Mannschaft wird die Regierung stets, sowohl über den Stand der Truppen, als über deren Gesundheitszustand und die sie berührenden Ereignisse genaue Berichte veröffentlichen.

Wir warnen, unverbürgten Gerüchten Glauben zu schenken.

Wiesbaden den 24. April 1848.

Herz. Nassauisches Staatöim'nisterium.

(gez.) Hergenhahn.

Deutschland.

Polens ausgreifende Gelüste, Deutsch­lands Zerfplitterrurgslust

Wir führen damit einen Aufsatz der Deutschen All­gemeinen Zeitung ein, um für dessen möglichste Ver­breitung in seinen Hauptpunkten Sorge zu tragen.

Vor kurzem habe man so leitet sich der Aufsatz ein in der Deutschen Zeitung gelesen, wie ein Pole aus Genf die Größe Polens also bezeichnet habe: daß sich dieß Land von der Ostsee bis zum schwarzen Meer, von der Oder bis zur Düna erstrecken solle, und man verlache solche Träumereien. Aber könnten diese Träu­mereien nicht die ganze polnische Nation erfüllen, um Blut und Leben daran zu setzen, könnten sie nicht Wehe über Deutschland bringen, wenn dieses wiederzu spät" dagegen aufzutrrten beschließe. Ehe noch jener Aufsatz erschienen, sagt der Verfasser, habe er neun von Paris nach Posen eilende Polen gesprochen und allen sei es höchst lächerlich erschienen, daß man in den Zeitungen so viel davon spreche, Posen mit seinen deutschen Kreisen zu Deutschland zu schlagen. Was Polen gewesen sei, gehöre zu Polen, selbst wenn kein einziger Pole darin zu finden. Die Entgegnung galt ihnen nichts, daß die Sprache, Sitte und Sympathie des Landes dessen An­

Deutschland und die Donaumündungen.

Cm Beitrag zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse deS Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis: 36 Kreuzer.

(Fortsetzung.)

Unter den auswärtigen Feinden deö Reichs sind die Russen bei weitem der gefährlichste, weil immer bereit, ihren Einfluß auf dasselbe weiter auszudehnen, wobei die Einheit der Religion mit dem größeren Theile der Ra» jahö zu einer Rechtfertigung dienen muß. Dieß wissen die Türken, sie haben es oft genug schmerzlich erfahren, und eS herrscht schon seit alter Zeit, wo die Russen noch wenig furchtbar waren, eine Sage der Prophezeiung un­ter ihnen, daß dieselben Jstambol und ganz Rum-Jli erobern und sie auf ihre asiatischen Länder beschränken würden. Den gefürchteten Zeitpunkt so weit wie mög­lich hinauszuschieben, wäre also daS natürliche Interesse der Pforte, und kein Mittel möchte hiezu geeigneter sein, alS die Trennung der Gränzen, soweit bestehende Ver­träge irgend nur gestatten. Solche Trennung wäre aber durch unsere Erwerbungen auf eine befriedigende Art erreicht, denn 1) würde der in Frage stehende Theil der Dabrudscha die russische Provinz Bessarabien von dem übrigen Bulgarien, 2) die EigenthumSgemeinschaft der Donau, die unter russischem Einflüsse stehende Wal­lache» von Bulgarien, und 3) die fraglichen Gebiete

gehörigkeit zur einen oder andern Nation bedinge. Da­nach sei nicht zu fragen, lautete der kurze Abweis, son­dern an die Geschichte müsse man sich halten und diese thue dar, daß ihr Stamm, Slaven, einst bis an die Elbe gewohnt habe und nur durch alle möglichen Mittel von den Deutschen verdrängt worden sei. Diese That­sache sei ihr Maßstab, ihre geschichtlich-politischen For­derungen würden sie vor der Welt jur Anerkennung und Geltung bringen, in wenigen Jahren werde sich's entscheiden, ob Ost- und Westpreußen, Pommern, Schle­sien und Brandenburg zu Polen oder Deutschland ge­höre. Folgenden Tages entwickelten wieder andere Polen vollkommen ähnliche Ansichten, und dieß alles waren zufällige Begegnungen, aber Begegnungen, aus denen man den Schluß ziehen müsse, daß derartige Auffas­sungen unter den Polen sehr allgemein verbreitet seien. Man dürfe sich nicht verhehlen, den Deutschen drohe ein furchtbarer Kampf.Nach wenigen Jahren, vielleicht in kurzer Zeit, werden die Deutschen ihre Liebe und Redlichkeit, ihre Sympathien für die Polen von diesen durch einen blutigen Kampf belohnt sehen. Doch, was sage ich? Der Polen Gelüste, Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien und Brandenburg zu Polen zu schlagen, geht das Deutschland was an? Jstdgs nicht höchstens eine Schwächung Preußens, des verhaßten Preußens, dessen Schwächung man ja im gestimmten Deutschland wünscht? gegen das man den Haß in Süd- deutschland und Oesterreich recht geflissentlich aufs höchste zu entflammen sich bemüht? gegen das man, wie ver­schieden auch sonst, doch darin einig ist, seine Bewohner bis in ihr Innerstes zu verletzen? Deutsche, Oester­reicher und Süddeutsche! noch reichen wir Preußen als wahrhafte, treue Deutsche "uch brüderlich die Hand; noch stehen wir euch treu zur Seite, um gemeinschaftlich mit euch aufzuführen den großen Bau, der unser Vater­land in der Welt mächtig machen soll; noch schlägt unser Herz, trotz so vieler Wunden, die ihr uns jetzt zu schla­gen sucht-, aufrichtig für die große deutsche Angelegen­heit, aufrichtig für euch, die ihr euch uns so feindlich entgegenstellt. Fahrt ihr aber fort, eure wüthenden An­griffe gegen Preußen unablässig zu wiederholen, fahrt ihr fort, unsern König, den wir, trotz mannichfacher Schwächen, die wir besser kennen als ihr, dennoch aus guten Gründen schätzen, achten und lieben, mit Schmä­hungen zu überhäufen und dem preußischen Volke die Bildung abzusprechen: dann wundert euch nicht, wenn wir euch als unsere alten gehässigen Feinde betrachten; dann wundert euch nicht, wenn wir eure Redewir wollen einig sein" als leere Phrase betrachten; dann wundert euch nicht, wenn unser Herz für euch erkaltet, denn wir müssen in eurer Handlungsweise eine absicht­liche Anbahnung der Trennung zwischen euch und uns, eine absichtliche Aussaat zu Haß und Zwietracht zwi­schen euch und uns erkennen. Was die Bildung des

Gurkah und Tschaldir daS russische Karduel mit Guriah wie jede andere geeignet ist, die nach Ausdehnung und Erwerbung trachtenden Völker in ihren Schranken zu hal­ten und dadurch daS Gleichgewicht der europäischen Staa-

von dem türkischen Armenien scheiden, und sonach nur eine Grenzberührung beider Reiche stattfinden zwischen dem türkischen und russischen Armenien mit einem Theile von Karduel und zwischen der russischen und türkischen Moldau entlang des Pruth bis zur Mündung der Do­nau. In gleichem Maaße würden sich die Angriffsli­nien der Russen gegen die Türkei nur auf die Fürsten­thümer Moldau und Wallachei bis zur Donau, welche wegen unsers Miteigenthums nicht überschritten werden dürfte und in Asien auf eine beiläufig 34 Meilen lange, durch unwegsame Hochgebirge führende Gränzlinie be­schränken.

Hienach ließe sich dann mit hoher Wahrscheinlichkeit folgern, daß die Pforte in unser Verlangen bereitwillig eingehen werde; eS fragt sich aber noch, von welchem Gesichtspunkte die Politik der übrigen Großmächte den Gegenstand beurtheilen werde: ob dieselben unsere Er­werbung der fraglichen Landschaften und Rechte mit ih­rem Interesse vereinbarlich, oder gegen dasselbe gerich­tet finden, ob sie in unserem Streben nach äußerer Macht für die Zukunft vielleicht nicht größere Gefahr wie von Rußland erblicken werden. Hienach würde ihre diplo­matische Unterstützung unserer Wünsche oder ihr ^ntge- genarbeiten gegen dieselben abgemessen werden.

1) Waâ zuvörderst Großbritannien betrifft, jo mag aufblühende Industrie und Handel der Deutschen zwar nicht in seinem Interesse liegell, wohl aber die Kraft der deutschen Nation welche vermöge chreâ Charak- terö und ihrer Stellung in der Mitte des Erdtheilö mehr

Volkes anlangt, so ist es wahr, daß der größere Theil Pommerns auf einer niedrigen Stufe der Cultur sich befindet; es ist wahr, daß auch bei dem slavischen Ober­schlesien _ und bei dem größeren Theile Westpreuße»ö und Westphalens dasselbe der Fall ist; es ist wahr, daß Preußen überhaupt auf einer noch höhern Stufe in der Cultur und Civilisation sich befinden könnte als gegen- wärtlg. Aber wir wissen auch, daß im gesammten Deutschland noch gar viel zur geistigen Hebung des Volkes zu thun ist; wir wissen, daß in großen Ländern Deutschlands nach 50 bis 60 Jahren die Bevölkerung noch nicht dahin gefördert sein wird, wo sie in Preußen schon gegenwärtig steht; wir wissen, wenn es in Deutsch­land kleine Länder oder Staaten gibt, die auf nicht geringer Stufe der Bildung stehen, daß es in Preußen Provinzen gibt, die mit jenen quantitativ und qualitativ wiegen, und daß einem Baden, Hessen-Darmstadt, Sach­sen und Württemberg vollkommen ebenbürtig zur Seite treten die Provinzen Mittel- und Niederschlesien, Sach­sen, Rheinland, Ostpreußen, sowie viele Kreise Bran­denburgs, Posens, Westphalens, die Städte Westpreu­ßens und Oberschlesiens, mehrere Pommerns, und daß dem zufolge der Staat Preußen unbedingt noch als Staat der Intelligenz und als deren Vertreter zu be­trachten ist; denn unter den größern und mittlern wird ihm keiner im Wettstreit zur Seite treten; die kleinern wiegen zu wenig als Einzelnstaaten. Und dieses Preu­ßen, das mächtig ist in seiner geistigen, moralischen Kraft, mächtig durch seine Ausdehnung der Gränzen dieses Preußen wollt ihr mit Verachtung behandeln? die Her­zen seiner Bewohner von euch entfremden? Die Preußen verlangen ein Oberhaupt, dessen Ahnen immer dem Fortschritt gehuldigt und immer Deutschlands Interesse gewahrt haben. Die Preußen verlangen ein Oberhaupt, das Mann ist und den Stürmen der nächsten Zukunft entgegenzutreten vermag. Besser ist es, das Oberhaupt hätte einmal gefehlt, zumal durch andere gefehlt, wenn es sonst nur einsichtsvoll, wirklich das Edle will, als wenn es nie gefehlt, aber ein unmächtiges, kraft- und willenloses Wesen ist. Die Zukunft Deutschlands wird eine schwere und trübe sein wegen Polens zunächst, das fast das gesammte Nordpreußen in Anspruch nimmt; wehe Deutschland, wenn es nicht ein mächtiges Preußen zum Schutz hat! Wehe, wenn Preußens Bewohner, durch Süddeutsche und Oesterreicher zurückgestoßen, ver­letzt, als Feinde behandelt, ihr Vaterland durch sie wie in zwei Theile getheilt betrachten müssen, wie gewaltig wird dadurch die wirkliche Theilung durch einen Feind von außen angebahnt? Und dann ist Deutschland leicht ein Raub für alle Nachbarn durch der Deutschen eigene Schuld. Darum also hört auf, Preußen zu lästern und zu schmähen; erwägt vielmehrgenau, ob nicht ein mäch­tiges Preußen vielleicht die einzige wahrhaftigste Schutz- mauer Deutschlands ist!"

ten sicher zu stellen. Wir begegnen darin dem natürli­chen Interesse der Britten, deren Wohlfahrt nur im Frie­den, und wenn alle Staaten Achtung gebietend neben einander stehen, gedeihen kann, sind dadurch ihre natür­lichen Bundesgenossen, und als solche um so gewichti­ger, je größer die Kraftäußerung ist, die wir zum ge- meinschafllichen Zwecke verwenden können. Schon aus diesem Grunde würden wir auf ihren Beistand zur Er­werbung der fraglichen Gebiete und Rechte zählen kön­nen, wenn nicht der angeleg ntlichste Wunsch der russi­schen Auodehnungssucht in Asien und ihrem politischen Einflüsse auf die innerasiotischen Staaten Dämme entge­gen zu setzen, ein weiterer mächtiger Sporn wäre, un­sere Bestrebungen zu unterstützen. Schon die Bestim­mung der türkisch - russischen Verträge, wonach daS schwarze Meer allen fremden Kriegsschiffen verschlossen sein solle, und die Blokadeerklärung der tscherkessischen Küste waren gefährdend für die Britten, indem die ersteren die tür­kischen Küsten allen Plackereien der mächtigeren Russen, selbst im Frieden, Preis geben, letztere den Handel mit den freien Völkern deö Kaukasus, dieser wohlthätigen Schutzmehr gegen die russischen Uebergriffe, vernichtet; daß aber die Russen überdieß schon seit langer Zeit Al­les aufbieten , den Staat von Iran ihrem Interesse dienst­bar zu machen, daß sie nach den türkischen Ländern ent­lang des Euphrat und Tigris gelüsten, schon Versuche zur Unterwerfung eines der freien Tatarenstaate» auf