Raffmischt Reifung.
Freiheit, Wahrheit und Recht)
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden, 23. und 21. April 1848.
Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden vierteljährig fl. 1. 43 kr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentgeldlich die Nummern 1 —17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.
Wegen des hohen Osterfeiertozes ccicheint morgen keine Zeilnng.
Staate auf dem blutigen Wege des Krieges befreien; und in Gemeinschaft mit ihrem ganzen Volke, das zugleich mit ihnen gekämpft, erwählten sie für den jugendlichen Staat die republikanische Form. — Ganz anders aber ist es hier. Da waren keine Feinde von außen, sondern nur Mißbräuche im Inneren zu bekämpfen. Und mögen diese auch größtentheils durch unsere Regenten entstanden sein. Der größte Theil unseres Volkes bewahrt diesen noch immer eine große Pietät ; er fängt an sie zu lieben, sobald sie sich bereit zeigten, diese Mißstände abzuschaffen; er wirb sie treu lieben, sobald diese nie mehr vorkommen können. Und diesem Volke glaubt ihr eure Republick anbieten, ja gewaltsam auf- drängen zu dürfen, und es werde sagen : il laut ac- cepter ? Der edle Washington, dem es ein Leichtes gewesen wäre, sich die Krone auf das Haupt zu setzen, war groß genug, dieselbe -auszuschlagen. Ihr aber wollet, und zwar durch das abscheulichste Mittel, wenn auch nicht einer Krone, euch einer viel größeren und schlimmeren Herrschaft bemächtigen ? Wenn ihr einmal das Vaterland von äußeren gefährlichen Feinden befreit habt, alsdann bietet uns eure Republik an. Vorerst müssen wir euch als die gefährlichsten Feinde der Freiheit und des Vaterlandes ansehn, weil ihr den größten Gräul, den Bürgerkrieg, Hervorrufen wollt. Während 1841 der treffliche Venedep und andere edle Deutsche, aus dem Vaterlande durch eine verderbliche Politik verstoßen und in Frankreich Gastrecht genießend, erklärten: ihr letzter Blm^i-opfe« gehöre Deutschland — habt ihr euch verbunden mit jenen Deutschland- müden, die das Vaterland müder war und ist, als sie jemals Grund hatten, dasselbe müde zu sein; ruft ihr eine wilde Horde herbei; macht ihr gemeinschaftliche Sache mit anerkannten Landesverräthern, wie Herwegh, dem ehemaligen Hauptmanne Möller und Konsorten, um das Vaterland nicht allein an das Ausland zu verrathen, sondern auch zugleich die Zeiten von 1793 über uns zu bringen. Darum Krieg mit euch bis zum Messer!
Frankreich ist wieder eine Republik. Wir nehmen gern das Gute, was uns Frankreich bringt. Mehr oder minder hat Deutschland Gutes aus den früheren französischen Revolutionen gezogen; alles Gute aber aus dem jetzigen. Aber kaum errungen, sucht man cs uns schon wieder zu rauben. — Wir wollen keine Republik ! — Die erste französische Revolution stürzte die monarchische Despotie, um einem Robcspierre, Marat u. a. erkennt ihr, deutsche Republikaner, euch in diesem Spiegel? — Raum zu geben und wenige Jahre darauf eine despotischere Monarchie zu sehen, als alle früheren. Die Julirevolution hatte eine Republik von einigen Tagen, die mit einer Monarchie der Korruption
Deutschland.
△ Die deutschen Republikaner.
Vom Abhang des Westerwaldes, den 18. April 1848.
Die neuesten Vorgänge in dem badischen Oberlande haben uns gezeigt, was wir von unseren Republikanern zu erwarten haben: Anarchie, einen gräulichen Bürgerkrieg!
Die Frage: soll Deuschland eine Republik werden? kann und darf blos von dem deutschen Volke gelöst werden; aber nie soll ihm die republikanische Regierungsform weder von innen, noch von außen gegeben.» ihm gewaltsam aufgedrängt werden. Jetzt aber soll sie ihm aufgedrängt werden, und von Leuten, die sich zwar schon lange gerühmt haben, die wahren Volksfreunde zu sein, denen aber die neuere, gewaltige Zeit die Heuchlermaske abgerissen — wie dieselbe zugleich manchen andern genöthigt hat, diese vorzunehmen; von Leuten, die uns glauben machen wollen, sie hätten das Vaterland von dem Alp des ancien regime befreit; die früher ein Röllchen im kleinen Ländchen gespielt haben, und jetzt auf jede Weise die Hauptrolle im großen Vaterlande spielen wollen.
Allein diesen Leuten sagen wir, was der ehemalige Herr Gust, von Struve*) in Beziehung auf die ci- devant Gräfin Landsfeld sagte, „was von unmoralischer Hand gegeben wird, kann nie Heil bringen."—„Von -SWMsMân Händen soll unser deutsches Volk nie diè Republik erhalten! Unser Volk kennt keine Republik, die wahren Patrioten, die Einsichtsvollen mögen sie nicht! — Der wahre Patriot kennt keine Selbst-, keine Rachsucht; sie schwinden in der Sorge für des Vaterlandes Wohl; ihm bringt er sich selbst zum Opfer dar. Anders ist es bei euch. Eure Triebfedern sind Eigennutz, Rach- und Selbstsucht; euer Zweck ist Anarchie, Terrorismus, Knechtung der Masse unter euren Willen. Unter euch wartete ein schlimmerer Despotismus unserer, als ihn früher irgend ein Fürst geübt. Ihr haltet die Verhältnisse der vereinigten Staaten von R. Amerika dem Volke als lockenden Köder vor. Ohne daß wir uns jetzt auf den Werth oder Unwerth der Verfassung jenes Landes einlassen wollen, legen wir euch blos die Frage vor: waren die Verhältnisse unter denen N. Amerika sich zur Republik erklärte, denen Deutschlands gleich, ja nur ähnlich? Dort mußten Männer von Kraft und Muth ihr Vaterland von einem auswärtigen
*) Weiland Herr G. von Struve, der Verfasser des berühmten Zuschauers, hat — deutsches Volk, willst du ihm dafür danken? — seit der französischen Revolution und Abschaffung des Adels in Frankreich das große Opfer gebracht, sich nur G. Struve zu nennen und Deutschland zu bitten, dasselbe zu thun.
schloß. Und wisset ihr deutsche Republikaner, wie lange die jetzige französische Republik dauern wird? Wahr- scheilich kaum so lange, als euer verwerfliches und zugleich thörigtes Bestreben, Deutschland zu terrorisiern.
Der Ehrenmann Welcker hat es auch in Frankfurt vorausgcsagt: „Es mag ihnen wohl gelingen, einen kleinen Straßenkravall anzuregen — und das ist wahrlich eine so ehrenvolle Rolle, daß sie die Pariser Poiffar- den viel besser gespielt haben — allein eine Revolution vermögen Sie nie hervorzurufen." Welcker hat auch zunächst eure Hohlheit und Beschränktheit durchschaut. Wir durchschauen euch jetzt in eurer Filoni« und Perfidie. Aber schon ist auch das furchtbarste Gericht über euch ergangen. Das Volk, selbst das, auf welches ihr fest gerechnet, hat sich von euch losgesagt; zurücktreten könnt ihr nicht mehr, denn da erwartet euer die wohlverdiente Schmach; vorwärts könnt ihr eben so wenig, denn eure schlechte Sache liegt in gänzlicher Ohnmacht. — Aber jeder Patriot tust: Krieg mit euch bis zum letzten Blutstropfen! Seid ihr vertilgt, so werden wir leicht mit unseren äußern Feinden fertig.
Mit Gott! (den ihr nicht kennt), für Freiheit! (die ihr nicht wollet), für Vaterland! (das ihr nicht liebet).
__L. H.
c Nassauische Zustände.
LSieSbaden, 21. April.
Die Bewegung, welche unser Herzogthum ergriffen hat, läßt sich in drei Abtheilungen bringen, vorausgesetzt, daß man eine Bewegung überhaupt systemati- firen und klassificiren kann. Wir unterscheiden nämlich die rein politische, die communale und die sociale.
Die rein politische Bewegung ist in eine feste und hoffnungsreiche Bahn tingelenkt. Die Mehrzahl der Bürger, und entschieden der intelligenteste und kräftigste Theil derselben, verfolgt das Ziel der democratischen Monarchie sowohl für unser Herzogthum als für ganz Deutschland mit Energie und Ueberzengungstreue. Neben dieser compacten Masse der Majorität laufen einzelne zersprengte Häuflein, rechts die Reactionairs und diejenigen, welche die errungenen Rechte nicht dem ganzen Volk, sondern nur den bevorzugten Klaffen und der reicheren Bourgeoisie wollen znkommen lassen, links die Republikaner, welche glauben, unsere Rechte und Freiheiten hielten besser, wenn sie erst mit dem Blute von tausend Bürgern zusammengeleimt wären. Ich glaube indessen, daß wir uns mehr vor der doctrini- renden Rotte der Reactionairs und der Geldaristocraten zu fürchten haben, vor jenen Leuten, die stets könig-
Die Höhlenjagd in den westlichen Gebirgen.
(Aut dt» „Wiffifippi-Bilder, Lich!- und Schattrnleilkn tranSatfantifditn Lkbcns.")
von Friedrich Verstärker.
(Schluß.)
Die Höhle ist gerade und es führt kein Seitenzweig ab, sagte der Indianer, eö wird meinem Bruder kein Raum gelassen sein, vom rechten Pfade abzuweichen und bald wird uns das erwärmende Feuer deâ „schlanken Mannes" entgcgenleuchten.
Werner war vorangekrochen und, seinen Weg mit der Hand suhlend, zog er mit Teffakeh'S Hülfe den Bären in'S Wasser.
Dunkle, rabenschwarze Nacht umgab die beiden Männer und ihre Lage in einer engen, nicht zwei Fuß hohen Höhle, zum dritten Theil mit Wasser gefüllt, gehörte keineswegs zu den beneidenüwerthen, doch waren Beider Herzen in den freien Wäldern unter immerwährenden Gefahren und Entbehrungen gestählt, und ohne einen Klagelaut setzten sie langsam aber sicher ihren Weg fort.
So unangenehm übrigens der Aufenthalt im Wasser war, so leichter ließ sich auch die Last barm fortdewe- gen, die ihnen fast gar keine Schwierigkeit mehr mach e, und nach kaum viertelstündiger Anstrengung glänzte ih- een, zum Lohne ihres kräftigen AusharrenS, das liebe
Tageslicht von oben, durch die enge schornsteinähnliche Oeffnung herab, entgegen, als sie am Fuße des als Leiter dienenden Stammes ankamen.
Hallo! schrie Werner aus voller Kehle und hielt die Hände trichterförmig an den Mund, daß der Schall so viel lauter empor stieg. Holla da oben!
In demselben Augenblicke fast verdunkelte sich der Eingang und die fröhliche Stimme RedhamS rief herunter: Soll mich der Teufel holen, wenn ich nicht froh bin, daß Ihr endlich da seid — ich glaubte schon, ihr wolltet da unten wohnen bleiben.
Nicht einen Augenblick länger als nöthig, rief Werner, indem er mit der Gewandtheit einer Katze an dem rauhen Stamm Hinaufstieg und bald das heitere Sonnenlicht begrüßte — aber Hallo! rief er noch einmal aus und zwar diesmal vor Erstaunen, denn um ein gewaltiges Feuer herum lagerten fünf frostige backwoods- men*) — Pferde wieherten, Hunde schlugen an und die Männer sprangen empor, ihn zu bewillkommnen.
Schnell kl tterte er heraus aus dem finstern Loche und stand hochaufathmend wieder in Gottes freier, herrlicher Natur. Teffakeh war fast in demselben Augenblick an seiner Seite und beide Männer sahen sich eben so schnell von allen Andern umringt, die ihnen herzlich die Hand schüttelten und wissen wollten, wie die Jagd abgelaufen sei, denn der Indianer sowohl alü der Dentsche waren mit Blut fast überzogen. Werner aber hob sich
•) Hinterwäldler. der gebräuchliche Name für die, den fernen Westen bewohnenden Jäger und Landlente.
auf die Zehen, und über die Schultern der ihn Umge. benden nach dem Feuer hinschauend, wo er einige delikate Hirschrippen und große Stücke saftigen Truthahn- fleische« braten sah, schob er die ihm im Wege Stehenden bei Seite, zog, sich am Fener niederlaffend, sein Messer heraus, und begann nun vor allen Dingen den Lebensmitteln zuzusprechen, indem er mit vollen Backen versicherte, daß er, bis er seinen wüthenden Hunger gestillt habe, stumm wie ein Fisch sein würde.
Lachend folgten die Uebrigen seinem Beispiele und erst nach einer vollen Viertelstunde, als Alles am Feuer Bratende rein verzehrt war und wieder frisch« Stücke, aus frische Hölzer gespießt, eine zweite Mahlzeit versprachen, löste sich das Band seiner Zunge, und einen Becher heißen Kaffees leerend, den Redham für ihn gekocht hatte, begann er den hochaufhorchendeu Männern ihre bestandenen Mühseligkeiten und Gefahren zu schildern, und ihnen zu erzählen, wie ihm Teffakeh zweimal daS Leben gerettet habe. Damit reichte er dem braunen Sohn der Wildniß, der an seiner Seite noch sehr behaglich an einem Truthahuknochen nagte, die Rechte hinüber uud drückte die fettige Hand des Indianers, die dieser sich nicht erst die Mühe gab abzuwischea, warm und herzlich, indem er sagte:
Teffakeh, Du hast mich Dir ans ewig verpflichtet, und es soll nicht meine Schuld sein, wenn ich eS Dir nicht ein Mal mit einem gleichen Liebesdienst zu vergelten suche.
Mein weißer Bruder spricht gut, erwiedert« der «Ise finger »bete, indem er seine Hand wieder aus der des