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Regierung. Wie man sagt, fürchtet Flensburg in jener Partei die Zukunft, weil sie vorher deö Glaubens ge­wesen , daß die Preußen nicht weiter gehen würden. Wären vor 8 Tagen die Preußen in Schleswig oder Flensburg gewesen, die unglückliche Katastrophe bei Flensburg wäre nicht erfolgt. Genauere Nachrichten, die wir erhalten, besagen indessen, daß man die Auf­rechthaltung des gegenwärtigen Status quo beantragt ^at, so daß Flensburg und Schleswig, also dab Her- zogthum Schleswig, vermuthlich bis zum Dannewerk eine Beute der Dänen, mithin dänisch bleiben sollten. Daß die provisorische Regierung nicht darauf eingegan­gen, ist gewiß. Sie hat auch dazu keine Machtvollkom- , menheit.' Die Parole'des Volkes lautet: erst müssen die Dänen über die Königsau hinaus, dann können wir unterhandeln. Die Deputation ist bereits um 12 Uhr fortgereist. Viele glauben jetzt, daß die Dänen sich zu­rückziehen werden. Wir haben heute Nachrichten aus Schleswig, die Einquartirung ist sehr stark, der Mar­garethen-Wall wird sehr stark verschanzt; der König soll einen Tag in Schleswig gewesen sein.

Nepublik Frankreich.

Paris, 12. April. Während die Stimmung in den Provinzen daraus hindeutet, daß die Mehrheit der Nationalversammlung, wenn auch unter republicanischer Fahne gewählt da jetzt verpönt ist doch nichts weniger, als republikanisch gesinnt sein wird, und leicht tu Versuchung gerathen könnte, die Republik zu beseitigen, während alle Nachrichten aus der Provinz auf eine solche Eventualität hindeuten, hat die Regierung beschlos­sen, weder die Republik vor der Nationalversammlung in Frage zu stellen, noch ihre vom Volke erhaltene Dik­tatur in die Hände der letztem niederzulegen. Sie wird sich zur Rechtfertigung der unwiderruflichen Republik der­selben Argumente bedienen, deren sich die Juliusregierung nach 1830 zu ihrer Berechtigung bediente, nämlich daß sie stillschweigend von ganz Frankreich anerkannt worden sei. ist allerdings wahr, daß die herrschende Partei von heute in Einklang mit ihren damaligen Verbündeten, den Legitimisten, die Juliuödynastie nie von rechtöwegen bestehend anerkannte, eben weil die Nation nicht dazu ausdrücklich und formell ihre Zustimmung gegeben hatte. I Doch was damals Unrecht war, ist heute durch die Weihe der provisorischen Republik zum Recht erhoben. Ihre Gewalt wird die provisorische Negierung nicht nie­derlegen aus dem einfachen Grunde, weil so lange die Nationalversammlung die neue Constitution nicht vollendet, daö vom Pariser Volke erhaltene und von der ganzen Nation stillschweigend anerkannte Mandat der Regierung nicht erloschen, und diese überhaupt erst der legislativen, nicht aber der constitutiven Versammlung verantwortlich sei. DaS ist die Theorie, für die man sich, allerdings nach längerem Widerstreben der gemäßigten Männer, wie La­martine, Marrast, Marie, Garnier-Pages Cremiertz hielt es mit beiden Theilen entschieden, und welche die Haltung bestimmt, die man der Nationalversammlung gegenüber annehmen wird. Es ist wohl nicht nöthig, hlnzuzufügen, daß ein Widerspruch gegen diese Theorie, sollte man ihn ernstlich geltend machen, wie überhaupt jcdeö unabhängige Auftreten der Nationalversammlung gegen­über der Regierung und ihren Arbeiterconsorten noth­wendigerweise zum Bürgerkriege führen müssen.

DieAssemblee nationale" will wissen, daß ge­stern Nacht bedeutende Munition in daö Stadthaus ge­bracht worden, und die Zugänge zu den Ministerien deö Innern und der auswärtigen Angelegenheiten sorgfältig bewacht worden seien. Es heiße, man schütze sich, und zwar schon zum dritten male, gegen einen Gewaltstreich, und daS Ganze Hienge mit der Angelegenheit Blanguiö zusammen. In der That wurde dieser gestern Abend, nachdem seine Vertheidigung in dem Clubb vorgelesen worden war, dessen Präsident er ist, von 5 6000

nich so geschwinde gelangen könne, und daß zu den Volkswablen selbst erst alle Grundlagen neu geschaffen werden müssen. Dennoch hoffen wir wird Oesterreich vertreten sein, und nicht von den schlechtesten Deut­schen.

Aus Bochum ist eine Deputation hier ange- kommcn. Die Galizier möchten sich gern losreißen, fürchten sich aber vor den Bauern noch mehr als vor den Russen. Sie verlangen auf das Unbefangenste, es soll die Regierung sie dabei schützen und vor den Bauernanfällen fieber stellen, damit sie in Rube rcvo- lutionrren können.' Da, so lange sie nicht revolutioniren werden, ihnen die Bauern auch nichts thun, so liegt das Mittel sich zu schützen ganz einfach in ihren eige­nen Händen. Indessen ist nicht zu leugnen, daß die galizischen Zustande von allen Seiten Gefahr bieten. Es darf nur in Krakau, wo die Revolution und die polnische fremde Propaganda die Dinge sehr auf die Spitze treibt, etwas losgehen, und die Bauern im Lande es erfahren, so ist auch das Signal zu den traurigsten Scenen wiedcrgegebcn. Obgleich die Regie­rung allerdings mobile Solennen zur Erhaltung der Ruhe unter dem Landvolk das Land durchziehen läßt, so müßte sie im Stande sein in jeden Edelhof Garni­son zu legen um ihn sicher zu stellen. Alles das wissen dir Polen; sie müssen fühlen, daß der Augenblick jetzt der günstigste ist, den sie ergreifen können, um sich in eine neue Revolution zu stürzen, die im Königreich an den massenhaften russischen Heeren, in Galizien an der ganz feindseligen Stimmung der Bauern scheitern würde. Die treibenderücksichtslose" Partei zu Krakau wird -indeß alles das keiner Rücksicht würdigen, und dann wird man wieder erzählen, cs würden Preise von der Regierung auf Polenköpfe gesetzt, sowie cs überhaupt keine üble Nachrede gibt, die man nicht noch immer über jeden noch so loyalen und menschen­freundlichen Beamten verbreitet! Wir wünschen die einstige Wiederauflcbung des polnischen Reiches, aber weder der Augenblick noch der der dazu eingeschlagene Weg scheint uns dazu günstig. Polen kann, wie es scheint, nur im Wege der Verträge frei werden!

Soeben wird die deutsche Bundesfahne auf der höchsten Spitze des Stephansthuriuen (früher war sie nur auf dem Geländer) unter dem Trommelwirbel der Nationalgarde, dem Spiel der Nationalhymne, und dem Jubelruf der trotz des Platzregens auf dem Stepbansplatz dichtgedrängten Menge aufgepflanzt.

Wien, 14. April. Die kleine aber heldenmüthige Besatzung von sechzehn Mann vom Infanterieregiment Kinsky, welche den Pulverthurm zu San Spirito in der Festung von Venedig noch immer besetzt hält, hat auf dw Aufforderung zur Uebergabe erklärt, bei dem ersten Angriffe, oder wenn man sie durch Hunger zur Ueber­gabe zwingen wollte, den Pulverthmm in die Luft zu sprengen. Dieser heldenmüthige Entschluß zwingt nun den Feind selbst, diese Braven täglich mit Lebensmitteln gehörig zu versehen. Zur größeren Vorsicht lassen sie aber Denjenigen, welcher ihnen die Speisen bringt, jedesmal früher davon kosten. Nach dieser kleinen Be- satzung zu urtheilen, hätte die Garnison von Venedig unter einem würdigeren Commandanten keine

schimpfliche Capitulation einzugehen.

Schleswig Holstein, den 14. April. Nach­mittags. Heute Nacht um 1 % Uhr kam eine Depu­tation aus Flensburg in Rendsburg an. Außer dem Bürgermeister Justizrath Callisen bestand sie aus einigen Hauptmännern der dänisch -schleswigschen Partei, den Kaufleuten Josias Danielsen, Petersen und Schwensen. Se. Maj. der König von Dänemark hatte den Geleits­brief des Bürgermeisters, wie man sagt, selbst unter­schrieben. Der König hat sich nach Apenrade zurückge­zogen. Der Oberst Bonin wies sie an die provisorische

I Mitgliedern desselben wieder eingeführt. Auf dem Wege

! schrien sie:Nieder mit der provisorischen Regierung! Nieder mit demNational"! Zerbrechen wir seine Pres­sen! Nieder mit Ledru -Rollin!" DaSEcho de Vi- zone" vom 14. berichtet: Zu Nontron habe der Regie- rungScommissär in einem von der Stadt gegebenen Ban­kette die Gesundheit deS Hrn. Ledru - Rollin gebracht, die ganze Versammlung habe aber mit dem Ruf geant­wortet: Es lebe Lamartine!

Dänemark.

Kopenhagen, 12. April. Die Kriegs corvette Flora", Capt. C. v. Dockum, von 22 Kanonen, ging am Uten Morgens nach Preußen mit versiegelten De­peschen. Man sagt, daß dieselbe vor Swindemünde ihre Station nehmen würde. Die FregatteThetis" von 48 Kanonen wird morgen oder übermorgen fertig und wird wahrscheinlich denselben Weg gehen. Dänischer SeitS soll man behaupten, daß 14,000 Mann kampffertig gegen die Herzogthümer stände». In Kopenhagen sollen nur 150 Soldaten zurückgeblieben sein. Dänen, welche voll scandinavischer Sympathien sind, verkünden, daß schwedische Truppen, welche bereits in Schonen ständen, die Dänen-Hauptstadt besetzen würden. Für den König, sagt ein Rendsburger Bericht der B. H., würde dieser schwedische Besuch aber nicht erwünscht sein.

Am 13ten war ein junger Mann aus Tondern, welcher in Kopenhagen studirte, in Rendsburg angekom­men und hat sowohl Privatpersonen alö der provisorischen Regierung folgende Nachrichten mitgetheilt, die jedoch noch sehr der Bestätigung bedürfen. Danach habe die verwittwete Königin Caroline ein Packet einem holstei­nischen Schiffer zustellen lassen, um selbiges an ihre Brüder, den Herzog von Augustenburg und den Prinzen Friedrich mitzunehmen. Die dänischen Zollbeamten hätten sich des­selben jedoch bemächtigt, erbrochen und darin Juwelen und Briefschaften gefunden. Die verwittwete Königin sei darauf als Gefangene nach Kronburg abgesührt worden. Ferner heißt es, daß in Schonen 15000 Mann schwe-

bischer Truppen bereitständen, um nach Kopenhagen über­zugehen, wo nur 150 Mann regulairer Truppen zurück­geblieben wären. Man war der Meinung, daß damit eine scandinavische Unionsverbindung beabsichtigt werde.

Schweiz.

Neuenburg. Am 13. d. sind die ehemaligen worden unter der Be-

Staatsräthe auf freien Fuß gesetzt

dingung, daß sie die Kosten der letzten Truppenaufge- böte bezahlen und dazu beitragen, daS Gleichgewicht in den Finanzen deö Staats (die sehr zerrüttet sind) her­zustellen. Sie stehen mit ihrem ganzen Vermögen für > Erfüllung dieser Bedingungen ein.

Börsenberichte.

Wien, 15. April. 5pCt. Metall. 55-/.. - 4pCt. 51. 3pCt. 43. 2'/,pCt.. Bankactien 815. 500 fl. Loose 60'/,. 250 ff. Loose 43. Norbbahnactixn 69'/,. Gloâü^ nitzer 69. Mailänder 49.

Vertin, 17. April. Staatsschuldschcine 711/, bis 73'/. bcz. u. G. Seehandlungsprämienschcine 79% B. Bankantheile 66. G. Berlin-Hamburg 53 ä 52 bez. Köln-Minden 63% n. 7, bez. u. G. Thüringische 49 und 497, bez. Friedrich-Wil­helms Nordbahn 28'/. bis 27 n. 27'/. bez. Russ. 4pCt. bei Stieglitz 56 G.

Amsterdam, 17. April, 4'/, Uhr. 2'/,pCt. Jntegr. 387,, 39, 38%. 3pCt. Schuld 44%. 4pCt. 57%, 58. 3%p(Et. do. 587j. Handctm. 113, 114. 5pCt. Ard. 7%. do. a 500 Pf. St. 67, %. - 3pCt. incl. â 6000 fl. 15%, %, %,.- Coup. 5%,, 6%. Russ. 4pCt. bei Hope 57'/,, 58. do. bei Stieglitz 57%, %. - 5pCt. Metall. 51, 50. 2'/,pCt. ditto 26.

Paris, 17. April. Stand der Rente: 5pCt. 58. 50. 3pCt. 50. Span, innere Schuld.; Bankactien 1100. - Versailles (r. U.) 102. 50. ((. U.) 100. Par.-Orleans 447. 50. Paris-Rouen 305. Orleans-Bordeaux 387. 50. Orleans - Bierzon 220.. Marseille - Avignon 200. Straßburg-Basel 77. 50. Norddahn 332. 50. Paris- Lyon 308. 75. Paris - Straßburg 343. 75. Röm. Anlehen 497«.

Madrid, 12. April. 3pCt. 21%, %, baar, nach der B. 21%. 21 G., 5pCt. 13% y nach der Börse 13% G. - Passive 47« P., nach der Börse 4"/, G.

Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art

(112)

in Regenschirmen, Sonnenschirmen und Galanteriewaaren

von R. Fridber-g,

Schustergasse vis-a-vis der Quintinskirche, in Mainz,

'st zur gegenwärtigen Saison aufs Vollständigste affortirt, und findet man daselbst einen entsprechenden Vorrath solider Regenschirme von Lyoner Seidenzeug und eleganten Stöcken, das Neueste in Sonnenschirmen mit ge­schmackvollen Stoffen â Bordüre und mit Franzen; ferner eine Auswahl der beliebtesten Sorten Handschuhe, Börsen, Hosenträger, Reisesäcke, Damentaschen, Parfümerien, Harmonika'ö, eine Niederlage aller Sorten Wachstücher und abgepaßten Tischdecken, gestrickten und gewebten Waaren von Wolle und Baumwolle, Filz- und Gummischuhe, sowie alle sonstigen Galanteriewaaren zu den bekannten billigen Preisen.

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Die unterzeichneten Wahlmänner halten es für zweck­dienlich, sich wegen den bevorstehenden Wahlen zur Reichö- und zur nassauischen Stände-Versammlung vorläufig zu berathen, und schlagen hierzu nächsten

Samstag, den 22. d. M.

Nachmittags 2 Uhr den Saal zu denVier Jahreszeiten" unmaßgeblich vor, und laden hiesige und auswärtige Wahlmänner ebenfalls dazu ein.

Wiesbaden, den 20. April 1848.

Bertram. Bücher. Friedrich. Käsberger.

Zollmann. (113)

Zweites und letztes Echo aus dem Nerothal.

Sind hier noch Republikaner?

Edictalladung.

Nachdem über das Vermögen des Johann Kalb III. und dessen Ehefrau Anna Maria geborne Wingender von Oberhaid Conkursprozeß erkannt worden ist, so wird zur Anmeldung von Ansprüchen jeder Art gegen beide Eheleute Termin auf

Montag, den 8. Mai d. J.

Morgens 8 Uhr

unter dem Rechtsnachtheil des Ausschlusses von der Concurömasse hierdurch anberaumt.

Selters, den 1. April 1848.

Herzoglich Nassauisches und Fürstlich WiedischeS Amt.

(114) Wirth.

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Redacteur: Karl Braun. Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.