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W"- 38.

Naffaulschc Zkitung.

Freiheit, Wahrheit uud Nechtl

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 21. und 22. April ISIS.

Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden v i er t el h r ig fl. 1. 45 fr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentgeldlich die Nummern 117. Man abonnirt in Wiesbaden in der Örpcbitton am FriedrichspLatz ; im Herzogth/im, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißm â ßiger Preis­erhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.

Wegen des hohen Feiertages erscheint morgen keine Zeitung.

Deutsch Land.

Q Nassauische Zustände.

II.

Wiesbaden, 20. April.

Die Wühlereien der badischen Republikaner, welche ihren Musterstaat dem übrigen Deutschland auf den Spitzen der Bajonette offeriren wollen, haben bei uns wohl hier und da Eingang, aber nirgends Verbreitung gefunden. Wie die Danaiden sich vergeblich an den Fässern abmühen, so bemühen sich auch diese unsere bärtigen Schwestern vergeblich, die Gemüther mit dem gährenden Wein der Republik zu füllen. Was sie oben aufgießen, fließt unten ab, und am Ende folgt ein miserabeler Katzenjammer darauf, der sich wohl gar nach der Rückkehr der Reaction sehnt.

Namentlich haben die Republikaner auf die hier zusammenberufenen Soldaten zu wirken gesucht. Ihr Erfolg waren Schläge. Dagegen wurde die von dem Herzog an die Truppen gerichtete Anrede, worin er sie ermahnte, die von ihren Vätern im Kampf erprobte Tugend auf's Neue zu bewähren, und sie darauf hin- wies, daß Tapferkeit ohne Mannszucht nicht bestehen könne, mit stürmischem Jubel und wiederholtem Hoch ausgenommen. Ein Theil unseres Linienmilitairs ist gestern nach Heidelberg abmarschirt, morgen wird ein zweiter Theil nachfolgen. Viele Freiwillige, namentlich aus den höheren Ständen, haben sich demselben ange­schlossen. Eben so sind deren eine ziemliche Anzahl nach Schleswig abgegangen.

-^-w QfAufrtüuna.. bte sich jedoch ' in gesetzlichen Formen äußert. Ein Wahlgeschäft in dieser Ausdehnung, wie die dermaligen Wahlen für unsere Landstände und für die deutsche constituirende Versammlung, ist etwas Unerhörtes, etwas noch nie Dagewesenes für uns. Kein Wunder, , daß es damit noch nicht recht rücken will. Es läßt sich dreist die Behauptung aufstellen, daß wenn man mit juristischer Grübelei an den einzelnen Wahlen der Wahlmänner, welche vorgestern stattgesunden haben, mäkeln wollte, sich saft keine einzige finden würde, welche nicht zu stürzen wäre. Hoffentlich wird man aber so klug sein, solche Pedanterie bei Seite zu setzen, und wird eine Wahl nur dann einer Revision unter­werfen, wenn aus der Gemeinde (bei Urwahlen) oder aus dem Wahlbezirk (bei Deputirtenwahlen) selbst eine Reclamation hervorgcht.

Wahlkandidaten haben wir in Ueberfluß, leider aber nur wenige, welche feste Anhaltspunkte haben, so daß die Erzielung absoluter Majoritäten große Schwierig­keiten finden wird. Für das Parlament haben wir sehr geringe Auswahl. Wir müssen leider uns das Armuthszeugniß ausstellen, daß wir wenig öffentliche

Charaktere haben, deren Ruf über die Gränzen des Herzogthums hinausgedrungen wäre. Wir können keine Männer schicken, deren Namen schon in Deutsch­land einen guten Klang haben, sondern nur solche, welche sich noch bewähren sollen. Wir denken aber solche zu finden.

Erklärung.

Wie mir verschiedene meiner Freunde versichern, machen sich einige Personen ein förmliches Geschäft dar­aus, meine Gesinnungen im Wege heimlicher Insinua­tionen zu verdächtigen. Da man es nicht Jedermann recht machen kann und ich, auch wenn man es könnte, es doch nicht möchte und da jeder ehrliche und entschie­dene Mann Feinde und Widersacher hat und Haden muß, so würde ich jenen feigen Seelen, welche ohne je den Muth zu haben, mir offen gegenüber zu treten, auf Schleichwegen mir entgegen zu arbeiten suchen, ihr nied­riges Handwerk mit großem Vergnügen überlassen, in der Ueberzeugung, daß sie sich gar bald ihren Strick selbst drehen werden und daß meine bei jeder Gelegen­heit in Wort und Schrift öffentlich dargelegten Grund­sätze lauter reden, als die Einflüsterungen jener Ein­zelnen, welchen bei Gelegenheit recht empfindlich auf den Fuß zu treten ich das Glück und das Geschick hatte. Da sie aber mit entschieden lügnerischen thatsächlichen Behauptungen hervortreten, so glaube ich dem Publi­kum (das ich sonst nicht gern mit weitläufigen HerzenS- ergießungen über meine unbedeutende Person belästige) darüber folgende 'MkMSng fchUlvlfflTmr:-------

Man sagt, ich huldigedem Ultramontanismus." Wenn man das so versteht, daß ich Katholik bin, daß ich die confessionellen Hetzereien und Anfeindungen, die jetzt wieder von allen Ecken und Enden hervorbrechen, für verächtlich halte, daß ich glaube, daß dieser Hecken­krieg zurücktreten müsse vor den großen politischen und socialen Fragen, welche ihre Erledigung erwarten, und daß die Angrisse gegen die Kirchen und Glaubensge­meinschaften, welche man gegenwärtig macht, ein Ver­rath an der Sache des Vaterlands und ein Hemmschuh des Fortschritts sind, daß ich endlich glaube, man solle einer jeden Kirche und Glau­bensgemeinschaft selbst den Ausbau ihrer Ver­fassung anheimgeben, statt daß ihr jeder Unberufene seine junge Weisheit aufzwänge, dann hat man Recht. Meint man es anders, dann sagt man die Unwahrheit. Ausführlicher habe ich meine Ansichten hierüber in Nr. 14 dieser Blätter unter der Ueberschrift:Die kirchliche Frage" niedergelegt.

Man hat ferner gesagt, ich habe einmal eine Flug­schrift in entschieden reactionärem Sinne geschrieben.

Wann, wo und unter welchem Titel dieselbe erschienen sei, das weiß kein Mensch zu sagen. Von mir sind bloß folgende Schriften bis jetzt erschienen:

1.Gedanken über den Prozeß Weidig." Siegen, Friedrich. 1844.

2.Die Wallfahrt nach Trier. Eine Stimme aus Nassau." Siegen, Friedrich. 1844.

3.Dr. Rupp's Ausschliessung aus dem Gu­stav-Adolph-Verein." Ein staatskirchenrecht­liches Votum. Weilburg, Lanz. 1847.

Man hat mir oft genug gesagt, die erstgenannte Schrift habe mir wegen des darin enthaltenen scharfen Tadels unsers politischen Systems eine drei Jahre lange Verbannung in eine der unwirthlichsten Gegenden des Westerwalds zugezogen. Ich selbst weiß nicht, ob sie der Grund meiner Versetzung nach Selters war, denn man hat mir nichts Officielles darüber zu wissen ge­than. So viel aber weiß ich, daß diese drei Schriften in freisinnigen und gesignungstüchtigen Kreisen die freu­digste Aufnahme gefunden und zum Theil wiederholte Auflagen erlebt haben. Ich werde deren Inhalt (mit Ausnahme der in der zweiten enthaltenen Angriffe auf kirchliche Institutionen) Jedermann gegenüber zu ver­treten wissen. Wer aber sich so viel um meine Person interessirt und die genannten Schriften zur Hand nehmen will, der wird sich überzeugen, daß eine wahrhaft großartige Unverschämtheit dazu gehört, zu be­haupten, sie enthielten reactionäre Tendenzen. Andere Flugschriften als die obigen und das in diesen Tagen erschieneneerste und oberste Gebot" habeich nicht yvfOTrtrtTTn.......... » -----am-------

Meinen liebwerthen Gegnern, welche sich zu ihren liebenswürdigen, naiven Unwahrheiten wahrscheinlich durch die Furcht verleiten ließen, ich möchte bei den Wiesbadener Wahlen mit ihnen concurriren, versichere ich, daß mir dies im Traume nicht eingefallen ist. Auch gebe ich ihnen ferner tn Gnaden die Versicherung, daß ich ihnen wegen den Schriften, die sie geschrieben haben, nie Vorwürfe machen werde, daß ich aber auch ebenso unschuldig daran bin, daß sie keine geschrieben haben und keine schreiben können. Denn Gott allein hat cs zu verantworten, daß die Frösche keine Schwänze, die Esel keine Hörner und jene Männer keine Intelligenz haben.

So viel in aller Freundschaft an meine Gegner, besonders an jenen unbekanntengroßen Mann," dessenRöthlichkeit" *) überall durchschimmert.

*) Ich verwahre mich dagegen, daß man dieses für einen Druckfehler stattRedlichkeit" halte. Der Verfasser, den ich dar­über fragte, antwortete, ich solle nur setzen, wie's da stünde, von Redlichkeit könne hier gar keine Rede sein.

Anm. d. Setzers: M....r.

Die Höhlenjagd

in bin westlichen Gebirgen.

(AuS denMssisippi-Bildcr, Licht-und Schattcnikitcn transatlantischen Lebens.")

von Friedrich Verstärker.

(Fortsetzung.)

Werners Kräfte waren geschwunden und Tcssa- !eh sah eS; er verlor daher keine weitere Zeit mit Wor­ten, ließ daS Gelenk des Weißen gehen, schnitt mit schneller Hand ein Loch in daS Fell des Bären, in das er mit der Linken hineingriff, um einen festen Anhalt zu haben, bog sich dann hinunter und faßte mit der an­dern in Werner'S Gürtel. Dieser fühlte kaum seine Arme, die ihm zu erstarren drohten, durch die kräftige Hülfe erleichtert, als er zu einem letzten Versuch noch einmal die Sehnen anstrengte er hob sich und lag bald, durch den Indianer unterstützt, mit dem Oberkör­per in der Höhle.

Weiter konnte er nicht hinein, denn der Leichnam des Bären versperrte noch immer die Oeffnung, aber in dieser Stellung vermochte er wenigstens etwas auözuru- hen und brauchte nicht mehr zu befürchten, in den Ab­grund hinab zu stürzen. Tessakeh begann unterdeß auf'ö Neue seine Versuche den Bär zu einem geräumigeren Platze zu rücken.

Endlich gelang es ihm und Werner schwang sich nun ganz hinauf. Beide Männer waren aber zum Tode er­

schöpft und besonders lag der Deutsche, nicht allein durch körperliche Anstrengung, sondern auch durch Seelenangst abgespannt, fast besinnungslos wohl eine halbe Stunde lang da.

Tessakeh, der zwar selbst, wenigstens für eine kurze Zeit der Ruhe bedurfte, war der Erste, der sich wieder erholte, und seinen Gefährten ermunternd, warnte er ihn davor, sich dem Gefühle der Erschöpfung zu sehr hinzugeben.

Unser Weg ist lang und beschwerlich, sagte er, und mein Bruder wird nicht lange mehr den nagenden Hun­ger auöhalten möchte er das Fleisch roh essen V Vor der Höhle lodert ein Feuer, und ein warmes Lager la­det uns zur Ruhe und Erholung ein. Hier ist die Luft feucht und Finsterniß wird uns in kurzer Zeit umgeben, unsere Lichter sind nied^rgebrannt!

Werner, der selbst einsah, wie wenig sie zaudern durften, wenn sie nicht ihren Weg in völliger Dunkel­heit suchen wollten, wo er nur mit Grausen an die mit Wasser gefüllte Höhle dachte, ermannte sich und durch die vereinten Anstrengungen Beider schafften sie jetzt die schwere, unbeholfene Fleischmasse, indem Werner ich ob und Tessakeh zog, mehr nach vorne, wo die Hohle w eine kurze Strecke lang erweiterte, daß sie doch auf­recht sitzen konnten. ,

Hier nun verließ der Indianer den Weißen, der mehr als der Ruhe bedurfte und kroch zu der Schlucht zurück, um Jenes abgelegte Kleidungsstücke, die Büchse und die Lichter von der andern Seite herüber zu schaf­fen. Das Licht war fast niedergebrannt, doch hatte er

selbst noch ein kurzes Stück ausbewahrt, das ihnen bei ihrem weiteren Fortgange leuchten sollte, und schnell kehrte er zu dem Deutschen zurück, um daS schwierige Geschäft, den Körper des Bären in dem engen Raum fortzubewegen, za beendigen.

Werner schlug nun zwar vor, ihn abzustreifen und bloß die Keulen und Rippen, in das Fell einges klagen, mit hinauf an's Tageslicht zu nehmen; davon wollte aber Tessakeh nichts wissen und behauptete, nicht ganz ohne Grund, daß sie deS niederen Platzes wegen den Bär in eben der Zeit an den Ausgang der Höhle schaffen, als abstreifen und zertheilen könnten.

Wie wollen wir ihn aber hinaufbringen? wandte Werner ein, es wird uns nachher Nichts übrig bleiben, als das jetzt verschobene Geschäft mitten im Wasser vor» zunehmen; wir alle Drei könnten selbst unmöglich daâ schwere Thier unzerlegt zu Tage fördern.

Mein weißer Bruder soll sehen, wie leicht wir un­sere Beute in Sicherheit bringen und er wird sagen: Tessakeh hat Recht; erwiederte der Indianer, und ohne weiter ihre Zeit mit Unterhandlungen zu verlieren, be­gannen sie wieder ihre Arbeit, nachdem Werner erst wie­der seine LegginS angezogen hatte.

Langsam, sehr langsam rückten sie vor, doch erreich­ten sie nun den etwas geräumigeren Theil der Höhle und waren bald, ohne auch nur weiter ein Wort zu wechseln, da, wo daS Wasser begann und wo sie, um wieder zum Tageslicht zu gelangen, erst ihren Weg durch dasselbe verfolgen mußten. ,

Bis hier hatte ihnen auch ihr Wachslicht getreulich