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Nassauische Bnhiiiq

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 2«. April 1848.

Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden vierteljährig fl. 1. 45 kr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentgeldlich vie Nummern 1 17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preis­erhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.

Deutschland.

Der Polen Dank gegen Deutschland.

(Nach derDeutschen Zeitung.")

Es ist gut, in allen Dingen offen und ehrlich sein. Wir müssen bekennen, uns in den Polen geirrt zu ha­ben, obwohl wir uns von jeher hüteten, über sie Illu­sionen zu machen. Unsere Leser werden sich vielleicht erinnern, daß unsere ersten Artikel, die wir vor Mo­naten über Polen schrieben, ganz erfüllt waren von den Schwierigkeiten, welche die Polen selbst einer Wie­dergeburt ihrer Nation durch ihren eigenen National- charaktcr entgegenwersen. Dem ist nicht zu helfen, der sich selbst verdirbt. Unsere Meinung war daher, daß der mühsame Weg durch Bildung und innere Läute­rung hindurchgemacht werden müsse, wenn ein neu hergcstelltes Polen wirklich ein verjüngtes Polen wer­den solle. Wir meinten, dies Volk müsse in Selbst­erkenntniß und Zerknirschung lernen, seine babylonische Gefangenschaft als ein Strafgericht der Vorsehung zu betrachten, sie durch Zwang auf den Weg jenes Heils durch innere Bildung des Geistes und der Sitte zu führen, ehe ihnen der Weg der äußeren Staatenbildung und der freien nationalen Entwickelung wieder geöffnet werden könnte. Wir dachten uns, es müsse eine Zeil kommen, wo die Polen selbst einsehen, diese Periode der Schmach, wie bitter sie war, sei für sie eine Noth­wendigkeit gewesen. Wir verbanden mit allen diesen Vorstellungen von der Nothwendigkeit des Durchgangs der Polen durch eine geistige und sittliche Restauration, ehe sie zu der politischen gelangten, keineswegs die ^èmiWe »t atâ HöffnUnKen des Moralisten, noch die er­baulichen Erisarküngen des geistlichen Bekehrers. Wir faßten den Gedanken, nur etwa in der Art, wie ihn Czartoryski in seinen Reden in Paris noch kurz vor dem letzten Aufstande aussprach; und wir hofften am Ziele keineswegs ein vollkommenes Volk aus dieser Zeit der Herabwürdigung hervorgehen zu sehen, sondern nur ein Volk, in dem die Begriffe von der Ehre und der Civilisation so weit Wurzel geschlagen hätten, daß man sie ihrem eigenen Wachsthum ruhig überlassen könnte. Alle höhere Tugenden, die eine jahrhuudert- laNge gesicherte und rühmliche Eristen; in civilisirten Völkern großzieht, konnten wir erst hoffen, sich mit der Zeit entwickeln zu sehen. Wir hatten selbst, indem wir freiwillig zur Herstellung Polens mit eigenen Kosten und Opfern zu zahlen mahnten, nicht einmal eine Unze Dankbarkeit erwartet oder zugemuthet.

Aber daß wir die Polen selbst unter allen unsern niedrigsten Erwartungen und Anforderungen finden sollten, das hatten wir, zur Ehre dieser Nation nicht gedacht und nicht zu erleben gewünscht. Wir hatten unsere theoretische Ansicht bei Seite gelegt, nach wel­cher die geistige Regeneration von Polen der politischen

vorausgehen sollte; man muß der praktischen Gelegen­heit und den faktischen Verhältnissen in politischen Din­gen Rechnung zu tragen wissen; das ist die oberste, allein stets geltende Theorie in aller Politik. Diese faktischen Verhältnisse des Tages haben aber schon man­che Theoreme niedergeworfen und manche werden dies Schicksal noch erleben. Wir haben unsere Stimme er­hoben für die Freigebung des überwiegend polni­schen Theils von Posen. Wir dachten, dies sollte nicht allein das kriegerische, sondern auch das geistige Waffen lager für die Wiedereroberung Polens werden. Wir erwarteten, die preußische Zucht und Kultur hätte dort wenigstens so viel gefruchtet, den Polen ihr eige­nes Interesse verstehen zu lehren. Aber darin haben wir uns getäuscht; dies ist der Irrthum, den wir ein­zugestehen haben. Wenn die Befreiung von Galizien ausgehen sollte, so hätten wir uns über die Scenen nicht gewundert, die wir jetzt in Posen vorgehen sehen, denn die Zustände, die uns dort durch die Ereignisse der letzten Revolution aufgedeckt wurden, durch die Thatsachen an sich und die willkürlichen Geständnisse polnischer Schreiber selbst, sind der Art, daß man in diesem Theile auf jede Enttäuschung gefaßt sein mußte. Hätte sich die Aussicht auf Polens Herstellung zuerst in russisch Polen gezeigt, so hätten wir selbst da erwartet, eine Frucht der großen Erfahrungen von 1830 gewahr zu werden, vielleicht auch noch einen Rest der geistigen Erregung der Jahre 181530. Aber in Posen vollends hofften wir einen Kern tüchtiger Patrio­ten und besonnener Startmänner zu finden, die eine Pflanzstätte abgeben würden, aus der eine Saat der politischen Organisation und des kriegerischen Auf­schwungs zur Befreiung des russischen Polens ausge­streut werden könnte. Zu dem Allen bot man den Polen in Preußen die Hand; die Begeisterung der deutschen Nation für ihre Sache stand im Hintergründe, stand ihnen, wenn der Kampf nöthig wurde, zur Seite.

(Schluß folgt.)

$ Nassauische Zustande.

I.

Wiesbaden, 19. April.

Hergenhahn, das Haupt unserer jüngsten Be­wegung, der Mann, welcher Nassau in der Siebener- Commission, in dem Vorparlament und in dem Fünf­ziger-Ausschuß vertreten hat, ist nun der Ches unseres Ministeriums. Es ist erfreulich, daß die Bewegung endlich nach dieser Richtung hin zu einem äußerlichen und formellen Abschluß gekommen ist, daß man den Schritt, welchen man vielleicht schon am 5. März hätte thun sollen, endlich am 17. April gethan hat.

Der bisherige Zustand war unconstitutionell. Wir hatten keinen verantwortlichen Minister. Präsident Naht

unterzeichneteauf Spezialbefehl Seiner Hoheit des Herzogs." Damit war die konstitutionelle Verant­wortlichkeit von dem Ministerium auf die Krone ge­wälzt, wohin sie nicht gehört. Naht, welchem Niemand Rechtsgefühl und Thatkraft abspr^chen kann, soll hier­gegen die energischsten Proteftationen eingelegt und da­durch zumeist zu der Ernennung Hergenhahn's mit­gewirkt haben.

Wir erwarten von Hcrgenhahn, daß er auf dem Wege der Gesetzlichkeit uns alle Institutionen gebe und sichere, nach welchen' der Strom der Zeit unwidersteh­lich drängt. Er hat unser volles Vertrauen und wir wollen es ihm bewahren. Wir wollen nicht dem schnö­den Beispiel vieler Hessen und Badener folgen, welche von ihren hervorragendsten Volkomännern, von einem Gagern, Welcker, Bassermann, nichts mehr wissen wollen, seitdem sie zu wichtigen Staätöämtern gelangt sind. Denn wenn wir jeden, welcher ein Staatsamt begleitet, für mißliebig und des vollen Vertrauens un­würdig halten, dann werden wir ^s bald so weit brin­gen, daß kein ehrlicher und entschiedener Mann mehr ein Staatsamt annimmt.' Das wurde das traurige Ende eines so verkehrten Beginnens sein.

4= Wiesbaden den 19. April.

Die Contre-Revolution ist in Paris im vollsten Grad ausgebrochen. Die Mitglieder der provisorischen Regierung sind vom Volk zum Tode verurtheilt, und Paris befindet sich in traurigster Lage."

Diese Nachricht wird uns so eben durch einen von Paris zurückkehrenden Reisenden Übermacht, mit der Versicherung, daß sie eine durchaus zuverlässige und verbürgte sei. Wir müssen uns darauf beschränken, sie mitzutheilen, wie sie uns übermacht worden ist. Daß der Zustand der provisorischen Regierung, wie er dermalen ist, ein durchaus unhaltbarer sei und es mit jedem Tage mehr werde, darüber haben wir uns in unseren leitenden Artikeln, unter Darlegung der Gründe schon häufig ausgesprochen. Die proviso­rische Regierung hat sich eine Aufgabe gestellt, die sic nicht lösen kann. Die Art, wie Louis Blanc die Arbeit organisiren" will, wird statt irgend Jemand reich zu machen, alle verarmen. Sie läßt sich nur durchführen unter einer unwiderstehlich despoti­schen Regierung, und eine solche ist heut zu Tage unmöglich. Wir werden baldigst näher darauf zurückkommen.

Wiesbaden, den 19. April 1848. Da in dieser Zeit die Wahl von Männern zu der National- Versammlung und zum Nassauischen Landtag so viel­fach und öffentlich besprochen wurde, ja sogar in eigens gedruckten Proclameu die Liste solcher Wahlcandidateu durch das Wahlcomitö in Wiesbaden dem Publikum gleichsam aufgedrungen wir>, so sei es erlaubt für die

Die Höhlenjagd

in den westlichen Gebirgen.

(NuS denMissisippi-Bildcr, Licht« unb Schattenseiten transatlantischen Lebens.")

von Friedrich Verstärker.

(Fortsetzung.)

Tessakeh jedoch, der, auf dem Bauche liegend , die scharfe Klinge in der Hand, unter dem Rauch hinweg das Anprallen deö Verwundeten noch zur rechten Zeit bemerkte und wohl vermuthete, daß der Bär weniger eine feindliche Absicht, als den Wunsch das Freie zu er­reichen habe, schmiegte sich dicht an den Boden, und stieß mit dem scharfen gezückten Stahl nach der über ihn hinwegsetzenden und gleich daraus im Dunkel der Höhle verschwindenden Bestie.

Werner war zwar durch den Schlag betäubt wor­den, erholte sich aber augenblicklich wieder; doch konnte er sich nicht gleich besinnen, wo er war, denn raben­schwarze Nacht umgab ihn. Da hörte er das Anschlä­gen eines Messers an den Feuerstein und das Bewußt­sein seiner Lage kehrte ihm zurück.

Tessakeh, rief er, wo sind unsere Lichter?

Wenn sie der Bär nicht mitgenommen hat, müssen sie neben uns liegen, antwortere lakonisch der Indianer, aber mein Gesicht ist naß und ich schmecke Blut. Tessa- keh'S Stoß ist sicher und der Bär wird nicht zuriickkeh- ren, um zu sehen, ob der Feind in seinem Lager rube.

Er hatte unterdessen etwas Schwamm entzündet, riß ein Stück von seinem Jagdhemd herunter und bald leuch­tete ihnen wieder eine freundliche Flamme entgegen. Sie untersuchten nun den Platz, wo er gelegen hatte, und fanden dicke, schwarze Blutstropfen bis zu der Stelle, wo ihn Tessakeh verwundete, und von dort aus das Blut überall in der Höhle umhergespritzt; der Indianer war ganz bedeckt davon. Werner wollte jetzt erst die Büchse wieder laden, Tessakeh verhinderte ihn aber daran.

Der Schuß war gut, sagte er, und wenn daS Blut nicht gleich floß, so öffnete ihm mein Messer den Weg; wir werden nicht weit zu suchen brauchen um den Bä­ren verendet zu finden; wozu also die Büchse wieder laden?

Warum hattest Du aber Dein Licht auSgeblasen, Tessakeh? die übermäßige Helle wird Dich doch nicht ge­blendet haben?

Weiß mein Bruder, wie lange wir noch in der Höhle bleiben werden? Wenn der Bär in dem engen Gange liegen geblieben ist, der sich zwischen hier und der Schlucht hindehnt, so wird der schlanke Mann am Feuer draußen die Sonne auf- und untergehen sehen, ehe wir zu ihm zurückkehren können.

Verwünscht! rief Werner, an das habe ich gar nicht gedacht wenn er dort steckt, so sind wir eingcsperrt hier. Ha! nur ist's jetzt schon, als ob die Lust dichter würde komm, Tessakeh, laß uns eilen, mir ist nicht wohl, bis ich weiß, waS wir zu fürchten haben.

Lautlos krochen die beiden Männer nun den Weg den sie gekommen waren, zurück und erreichten, ohne

auf den Bär gestoßen zu sein, die Schlucht, immer aber bewies das dicke, geronnene Blut in ihrem Wege, daß er, schwer verwundet, nicht mehr weit konnte geflohen sein.

ES wäre doch schändlich, murmelte Werner, der jetzt hinter dem Indianer zurückkroch, wenn er unten in der Schlucht läge, da hätten wir den ganzen Spaß umsonst gehabt, denn der Henker soll mich holen, wenn ich ihm freiwillig da hinunter folge!

Wah, rief Tessakeh, der mit Werners Licht in der Hand, da er daS (einige, als das kürzeste, noch ausspa­ren wollte, einen Augenblick in die Schlucht hinunterge­leuchtet hatte und jetzt gegenüber dahin sah, von wo sie mit Lebensgefahr herübergekommen waren, Wah!

Liegt er unten? fragte der Deutsche hastig.

Ich wollte, er läge, murmelte der Indianer vor sich hin, unsere Lichter werden niederbrennen und wir wer­den hungern und dursten, aber nicht die andere Seite der Schlucht erreichen.

Aber, Tessakeh, was ist denn im Weg? warum sol­len wir die andere Seite nicht erreichen? frug Werner ängstlich , indem er sich bemühte, an des Indianers Seite heranzukriechen und die Ursache seiner Furcht zu sehen. Dieser schmiegte sich dicht an den Felsen an und sein Licht über die Schlucht haltend, daß sich die Strahlen an der andern Seite brachen, rief er: hier ist die Schlucht, aber wo ist der Ausgang?

Einen Schreckenöruf stieß jetzt selbst der ruhigere Deutsche aus, als er den gegenüberliegenden Gang so mit dem Körper des wahrscheinlich verendeten Baven