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Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden, 18. April 1848.
Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden vierteljährig fl. 1. 45 kr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentg eidlich die Nummern 1 — 17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplatz; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältnißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.
Dienstnachrichten.
Wiesbaden den 16. April.
Seine Hoheit der Herzog haben den Procurator Hergenhahn in der Ueberzeugung, daß derselbe sich die Entwickelung der politischen Rechte des Volkes zur Aufgabe gesetzt hat und daß derselbe hierbei durch daS Vertrauen des Landes unterstützt wird, zum Präsidenten ernannt und bis zur demnâchstigen mit der Ständcversamm- lung zu vereinbarenden neuen Verwaltungs-Organisation mit der Leitung der Geschäfte des Staats-MinisteriumS unter ministerieller Verantwortlichkeit beauftragt.
Da die officielle Nachricht eingegangen ist, daß der Einfall bewaffneter Freischaaren, aus Deutschen und Franzosen bestehend, von Straßburg und der Schweiz aus in das Badische erfolgen werde, und daß Hecker und Struve zum bewaffneten Zuge der aufgeregten Massen gegen das Badische Unterland aufgefordert haben, um ihre Pläne mit Gewalt der Waffen durchzusetzen, so sind in Gemäßheit eines BundeöbeschlusseS die Beurlaubten einberufen worden, um sich mit dem achten deutschen Armeecorps zu vereinigen, und zu dem Ende nächsten Donnerstag oder Freitag auSzurücken.
Nassauer! Es gilt einen Verrath am deutschen Vaterland zu unterdrücken, es gilt die Ruhe und Ordnung zu handhaben, die nothwendig ist, damit unsere deutsche constituirende Nationalversammlung zusammentrete und in freier Berathung die Zukunft unseres.Vaterlandes sicher
stelle!
PeMa d en, den^L April 1848
Hergenhahn
An die Nassauer.
Mitbürger! Se. Hoheit der Herzog hat mir bis zur der deinnächstigen mit der Ständeversammlung zu vereinbarenden neuen Verwaltungsorganisation die Leitung der Geschäfte des Staatsministeriums unter ministerieller Verantwortlichkeit übertragen.
Ihr wißt, daß ich mit Euch und unter Euch an den Tagen der Erhebung des Volkes für die Sache der Freiheit, des Rechts und der Ordnung gekämpft habe. Ich bin seit dem nicht müde geworden, dafür zu kämpfen und werde es thun mein ganzes Leben lang. Erkennet daher in meiner Berufung in das Ministerium eine neue Bürgschaft der offenen treuen Hingebung unsers edlen Herzogs an die neue Ordnung der Dinge. Liebe Mitbürger! Ich darf es offen aussprechen; hätte ich meiner persönlichen Neigung folgen wollen, ich würde das mir übertragene Amt abgelehnt haben; glaubt mir, es ist ein Opfer, welches ich meinem r
Die Höhlenjagd
in den westlichen Gebirgen.
(Au, den „Miffisippi-Dildcr, Licht« und Schattenseiten transatlantischen LedenS.") von Friedrich Verstärker.
(Fortsetzung.)
Hier! und die gebogenen Finger der Rechten, nach dem Maaß der Fährte gespreizt, seinem Cameraden entgegenhaltend, fuhr er fort: Er ist groß und schwer; seine Ballen sind tief eingedrückt und er wird schlafen.
Nun, wenn er schläft, Tessakeh, entgegnete Werner, der jetzt mit seinen Zurüstungen fertig geworden war und eben ein neues Zündhütchen aufsetzte, um seines Schusses gewiß zu sein — dann haben wir leichtes Spiel Md eS wird mehr Mühe kosten, den alten Burschen and Tagelicht zu schaffen, als ihn zu erlegen. Aber, fuhr ;er fort, indem er das Licht vom Boden aufnahm, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren, Redham wird da oben schreckliche Langeweile haben, und ich hätte doch gerne, daß wir noch zum Abendessen ein tüchtiges Stück Fleisch am Feuer braten sähen.
Zum Abendessen? fragte Tessakeh lächelnd — unser Bruder wird die Sonne wieder über die Gebirge kommen sehen, und immer noch am Feuer liegen und unser warten. Die Höhle ist eng, und hart werden wir arbeiten müssen, ehe wir die Last ans Tageslicht hinauf schaffen können.
Darum erwarte ich aber auch, daß Ihr mir das Vertrauen, welches Ihr mir seither bewiesen, in meiner neuen Stellung bewahret.
Ich bleibe, der ich war, — ein Mann aus dem Volke, Euer Mitbürger, der mit Euch und für Euch das Glück und die Wohlfahrt des Landes dauerhaft zu gründen strebt.
Ich kann in den Mitteln zu diesem Zwecke irren, ich kann fehlen, und, weil ich.mein Vaterland liebe, wünsche ich, daß es mir offen gesagt wird, wo ich fehle. Ebenso sehr wünsche ich, daß Zhr Euere Anliegen und Beschwerden an die Behörden oder direct an das Ministerium gelangen laßt. Ich verspreche Euch, daß sie mit der größten Gewissenhaftigkeit geprüft, und wenn sie gerecht erfunden werden, abgestellt werden sollen.
Aber ich bitte Euch, Alle und jeden Einzelnen, wachet und sorget mit mir, daß Keiner sich eigenmächtig sein Recht selbst nehme, und durch Gewalt und Drohung durchzusetzen suche, was er dafür hält. Auf diese Weise kann keine Staatsgesellschaft bestehen, und mit der Ordnung und dem Gesetz geht die Freiheit und die Wohlfahrt des Ganzen und Einzelnen verloren.
Vereinigt Euch Alle in dem Wahlspruch: Freiheit, Recht und Ordnung!
Wiesbaden, den 16. April 1848.
Hergenhahn.
Deutschland.
Das Bundesoberhaupt.
Uimr .allen Fragen, welche die bevorstehende Reor
ganisation des Bundes in sich schließt, ist gerade diejenige,
welche den Schlußstein des ganzen künftigen Gebäudes betrifft, zum Stein des Anstoßes und ein Gegenstand des wildesten Parteigetriebes geworden. Mehr denn drei Jahrhunderte der Schmach und des Elendes, herbeigeführt durch unsere Uneinigkeit und unsere Zersplitterung, liegen hinter uns; die furchtbaren Erfahrungen der Vergangenheit, die blutigen Lehren der Geschichte haben endlich die Einheit zum Losungswort der Nation werben lassen; in dem Augenblick aber, wo diese Einheit zur Wirklichkeit werden, wo sie Fleisch und Leben gewinnen soll, rühren sich alle jene alten Gelüste wieder, welche so oft die fremden Waffen in das Herz Deutschlands gezogen, welche jede Schmach, jede Schande auf die Nation gehäuft haben. — Man will sich verständigen über die Wahl Einer einheitlichen Leitung; bereits hat ein Theil der südwestlich - und norddeutschen Staaten sich zu diesem Zweck vereinigt; der Strom der öffentlichen Meinung hat mit fast unwiderstehlicher Gewalt diese Richtung genommen.
>aben; glaubt mir, In der That wird auch von keiner Seite her ein Vaterlande bringe, direkter Widerstand hiegegen laut. Wohl aber lassen sich
Das sind schlechte Aussichten, murmelte Werner für sich hin, dem die nassen Kleidungsstücke, die Tessakeh gar nicht zu beachten schien, eben nicht behaglich am Körper saßen — hier ist aber kein anderer Weg als vorwärts, frisch darauf zu denn — je länger wir zögern, desto später kommen wir zum Ende — und nun, Tessakeh, go aliead!
Will mein Bruder mir die kurze Büchse anvertrauen und meiner Fährte folgen, fragte der Indianer stehen bleibend.
Nein, nein, so war es nicht gemeint, Tessakeh, entgegnete dieser, ich krieche voran und verdammt will ich sein, wenn du Furcht an mir bemerken sollst; nein, wenn mir auch für einen Augenblick die Aussicht auf ein langes Fasten nicht recht behagen wollte, so war daS keineswegs aus Furcht oder sonstiger Besorgniß! Hab Acht auf daS Licht, daß wir im Hellen bleiben, denn Dunkelheit wäre weniger angenehm hier unten, und nun mit Gott!
Bei den letzten Worten hatte er sich dem Eingänge der linken Höhle und kroch, die Büchse vor sich herschiebend, das Licht in der linken Hand haltend, vorwärts, von Tessakeh gefolgt, der, als er Jenen entschlossen sah den engen Naum zuerst zu betreten, kein Wort weiter erwiederte und ganz zufrieden damit schien, daß der junge Mann die größte Gefahr freiwillig und gern übernahm. , ...
Die Höhle war im Anfang so geräumig, daß beide Männer wenigstens auf den Knien fortkriechen konnten, nach etwa 50 Schritten aber wurde sie mit jedem Fuß,
seit einiger Zeit Stimmen mit Vorschlägen hören, welche jene beabsichtigte Einheit in eine Vielköpsigkeit verwandeln würden, wie sie schlimmer selbst zur schlechtesten ^eit des Reiches nicht eiiftirt hat. Besonders haben wir hier jenen Vorschlag im Auge, welcher sich seit Kurzem in einem Theile der süddeutschen Blätter geltend zu machen sucht, die einheitliche Leitung der Bundèöangclegenheiken alternirend je drei Jahre lang Oesterreich, Preußen und Baiern anzuvertranen. Wir achten und lieben den baie- rischen Stamm; Biederkeit, gesunder Sinn, tapferer Muth haben ihn von jeher ausgezeichnet. Aber — ungern sprechen wir es ans — nie hat Baicrns Regierung Etwas gethan, das ihr auch den leisesten Anspruch auf das Vertrauen der Nation für die Leitung der auswärtigen Verhältnisse gegeben hätte. Als unter Ludwig XIV. zuerst Frankreichs Eroberungsgelüfte auf Deutschland sich in ihrer ganzen Nacktheit und Brutalität offenbarten: da war Baiern der einzige deutsche Staat, welcher unerschütterlich festhielt an dem Bündnisse mit dem Reichsfeinde. Als die Kaiserkrone dèm sterbenden Haupte des letzten Habsburgers entsank, ließ Karl VII. von Baiern sie von französischen Händen sich aufsetzen. Und als endlich das Reich deutscher Nation in sich zusammenbrach, da ward in den unheilvollen Tagen des Rheinbundes die baierische Regierung der festeste Pfeiler der französischen Despotie. — Man soll sie nicht ausrufen, die Schatten jener alten Sünden; auch wissen wir wohl die Sünden der Negierungen von dem kernhaften Geiste des edlen Volkes zu unterscheiden. Was aber hat die baierische Regierung gethan, um jene unheilvollen Erinnerungen vergessen zu machen und der deutschen Nation nicht mit WortM. kvârn durch Thaten das Vertrauen einzuflößen j das vorhanden sem muI, soll Deutschland ihr auch nur alternirend die Leitung seiner Angelegenheiten in die Hand geben? Wohl kennen wir die gerechten Vorwürfe, welche die Vergangekcheit auch der beiden deutschen Großmächte trifft. Wohl'kennen wir den Mißbrauch, den Oesterreich Jahrhunderte lang mit den Kräften Deutschlands für seine Hausinteressen getrieben hat, aber in den tausend Schlachten, in denen das Blut seiner Söhne von den Rcichsfèinden vergossen wurde, floß es doch nicht allein sürOesterreichs.Haus- größe; es floß auch für deutsche Unabhängigkeit und Ehre. Wohl wissen wir, daß Friedrich der Große seine Heldenlaufbahn im Bunde mit Frankreich begann, aber in den unvergeßlichen Kämpfen des siebenjährigen Krieges wusch sein Genius sich von dieser Schlacke rein. Auch die Geschichte des Baseler Friedens und der preußischen Neutralität zu Anfang dieses Jahrhunderts haben wir nicht vergessen. Aber die glorreichen Kämpfe der Freiheitskriege, das Blut seiner edelsten Söhne haben bezeugt, daß das neue volksthümliche Preußen voranschreitet, wo es gelten mag für deutsche Freiheit und deutsche Ehre. Möge Baicrns Regierung, ehe sieDeutsch-
den sie vorrückten, niederer und der obere Theil senkte sich zuletzt bis aus 12 Zoll herab, so daß Werner, der eine kräftige, starke Brust und breite Schultern hatte, kaum hindurch konnte; dennoch preßte er vorwärts, da er im weichen Grunde sah, daß der Bär'ebenfalls durch diesen Engpaß gekommen war, und erreichte wieder einen, nm einige Zoll höher» Theil. Hier aber stellte sich ihnen eine neue Schwierigkeit^ entgegen, denn obgleich die Höhle gerade aus weiter in den Berg hinein lief, öffnete sich doch dicht vor ihnen eine brunnenartige Kluft, die, wenn auch nicht Heiner als der Gang, irr dem sie fort gekrochen waren, doch wohl fünf Fuß lang und Gott weiß wie viele tief sein mochte, denn Werner, obgleich er auf Armeslänge sein Lichthinunter hielte konnte Nichts als dichte Finsterniß erkennen.
Hört mein Bruder den Bär? fragte Tessakeh, als er bemerkte, daß Jener sich nicht weiter bewegte..
Nein, aber eine Schlucht ist hier, von der ich gerne erst wissen möchte, wie tief sie ist, ehe ich mich hinüber wagte; ich weiß freilich nicht auf welche Art, denn ich kann den Boden nicht sehen und habe auch keinen Stein hier zum Hinabwerfen.
Auch keine Kugel in der Tasche? erwiederte lakonisch der Indianer.
Recht, Tessakeh, an die dachte ich nicht, fünfe werde ich hier unten nicht verschießen, erwiederte Werner, und nahm zu gleicher Zeit eine derselben aus einer kleinen, mit einer Klappe versehenen Tasche im Jagdhemd, die er in die Schlucht fallen ließ. Diese mußte aber wohl einige dreißig Fuß tief sein, denn lange dauerte eö, ehe