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Burian, Jurist, am Palast Metternich. Mitten im Brausen der Volksmenge.

§ Ein Wort über den Kredit ~ und

Zwei Worte an die Capitatisten und die Arbeiter.

Wiesbaden, 15. April 1848.

Die beiden erzeugenden Grundkräfte für den Ver­kehr sind die Arbeit und das Capital. Zwischen beiden steht ein Ding eigener Art. Es ist eigentlich nur ein Name, ein Schatten, ein Schall, und doch hält es Staaten aufrecht, cs belebt den Verkehr, es schafft Ar­beit, co lockt die Capitalen auf den Markt. Das ist der Kredit. Nicht alles Capital ist flüssig. Nur das eigentliche Geld ist zum Circuliren fähig, die lie­genden Capitalien nicht, sie können also nicht wirken, nicht schaffen, keine Arbeit erzeugen, wenn sie nicht be­weglich gemacht werden durch Kredit. Er ist der Neunwerth, welcher cirkulirt, während das Capital, welches er repräsentirt, ruht. Er ist der eigentliche Hebel der Volkswirthschaft, welcher das Nationalwohl befördert.

Nehmen wir an, eine jede Nation hat ein gewisses Maß Nationalreichthum. Dieser besteht zum Theil in Geld, zum Tbeil in s. g. liegenden Capitalien (Häu­ern, Grundbesitz ti. s. w.) Das Geld ist seiner Na- ur nach cirkulirendes Medium. Es strömt in der Verkehrswelt auf und ab. Sinkende Geschäftszweige verläßt es und wendet sich den sich emporhebenden zu. Es ist in steter Bewegang.

Die liegenden Capitalien könnten ein Gleiches nicht thun, wenn sie fest gebannt blieben, wenn sie nicht ihren Repräsentanten in die Welt schicken könnten, den Kredit, welcher ihre Stelle vertritt, welcher sich bewegt, luctuirt und arbeitet wie das Geld.

Zerbricht nun der öffentliche Kredit, dann ruhen die Capitalien, sie sind zu einer traurigen Passivität verurtheilt, sie können nicht mehr arbeiten und nicht mehr Arbeit schaffen. Dieser ganze Theil des National-, reichthiims ist, durch die Zerstörung seines Repräsen­tanten,des Kredits, großen Theils dem öffentlichen Ver­kehr entzogen.

Die nothwendige Folge davon ist, daß auch das Geld aus seiner ffuctuirendrn Strömung zurückkommt, eine Weile stille steht und endlich sich in die Kassen ver- kriegt. Denn das Geld ist sehr furchtsam.

Ist nun so der Kredit gebrochen und das Geld geschwunden, dann stockt die Arbeit und der Verkehr. Das ist der gegenwärtige Zustand Frankreichs, und wir sind auf dem Wege zu einem ähnlichen, wenn wir nicht ohne Verzug aus Leibeskräften dagegen wirken und den wankenden Kredit wieder befestigen.

'Er ist erschüttert durch We Furcht vor außèrn Krie­gen und vor innern Unruhen. Er ist erschüttert durch bie Aengstlichkeit der Kapitalisten und durch das blinde Ungestüm der Arbeiter. Nach allen diesen Seiten hin gilt cs zu wirken.

Wir wenden uns zuerst an die Kapitalisten. Wa­rum verschließt Ihr Euer Geld in den Truhen, wa­rum zieht Ihr es von den Märkten des Verkehrs zy- rüch? Aus Furcht vor dem Krieg? Glaubt Ihr denn, daß durch einen vorübergehenden Krieg (und einen andern als einen vorübergehenden, haben wir nicht zu erwarten) alle Geschäftszweige stocken, wißt Ihr nicht mehr aus der Erfahrung der jüngsten Kriege, daß sich einige ganz entschieden heben, und daß das Geld da freien und dankbaren Spielraum zum Arbeiten hat? Oder fürchtet Ihr Euch vor innern Unruhen, vor Ar­beiterbewegungen, vor republikanischen und communi- stischen Revolten? Glaubt mir, Ihr könntet kein bes­seres Mittel finden sie hervorzurufen und zu fördern, als daß Ihr Euer Geld in den Kasten einschließt. Denn die Arbeiterunruhen entstehen aus Mangel an Arbeitsverdienst, der Mangel an Arbeitsverdienst ent­

gefichts des österreichischen Volks, daß Keiner unserer Wünsche erfüllt sei, und vernichte feierlich den Erlaß." Der hochherzige Vorkämpfer sprang unter donnerndem endlosem Jubel vom Dach, man fing ihn auf und trug ihn auf den Achseln unter der stürimichcn Menge herum. Die Aufregung batte setzt ihren Culminaliono- Punct erreicht, manche sollen vor Ingrimm geweint haben. Nach einer langen Pause, während der Tu­mult regierte, versuchte Putz wieder zu Wort zu kom­men. Die Ruhe die er früher durch einen einfachen energischen Ruf herzustellen vermochte, wollte sich kaum wieder einfinden: er bat, rief, fing an zu lesen und drang endlich durch mit dem Schluß der Rede. Putz wendete sich nun mit eigenen Worten an die Vcr- sammlung, trug alle die Forderungen des Volkes vor, worunter er besonders die Volksvertretung beim deutscheit Bunde und Nullirung der russischen Allianz hervorhob.Keine Russen!" war sein letztes Wort.

Er hatte über eine Stunde gesprochen. Unter enthu­siastischem Zurufe wurde er von dem Dache gehoben und unter den Massen auf den Schultern seiner Colie- gen herumgetragen. Diese Rebe drang wie Feuer in die Herzen, sie war das nachhaltende Ferment das unwiderstehlich wirkte: die Stimme des Volkes hatte in ihr den Ausdruck und das Echo gefunden. Nach ihm erschien Jurist Ritter v. Böhm, ein Wiener. Er würdigte seines Vorgängers Postulate und sagte, er habe zu suppliren, und vorerst drei Wünsche: Abdank­ung des allgemein verhaßten Ministers (stürmisches Geschrei um seinen Namen!); endlich nannte er Met­ternich. Vertreibung der Jesuiten , sie sind die Werk­zeuge womit man das Volk verdummen will (poltern­des Getümmel). Augenblickliches Unterwaffemrcten der Bürgergarde (großer Jubel). Ein ältlicher Mann hinter ihm soll ihm zugerufen haben: schweigen Sie: den ergriff man und warf ihn zu Boden und endlich zur Versammlung hinaus. Herrmann bestieg wieder das Dach und resumirte die Volkswünsche: nach eini­ger Zeit erschien er am Balcon, der unmittelbar über dem Brunnen sich hereinwölbt, und schloß dort:Ich will mich kurz fassen, denn was braucht es vieler Worte, wir wollen eine Konstitution und somit lebe unser constitutionellcr Kaiser!" Unter Jubelruf ging er ab durch das Fenster, durch das er erschienen ; nach ihm sprach Graf Colloredo, umgeben von 12 aus dem Volke; er versuchte die Menge zu beschwichtigen und zum Aueeinandergehen zu bewegen, allein umsonst. Einzelne Stimmen riefen :Wir bleiben bis man uns willfahrt." Unterheß wurde es im Hause sehr laut, einzelne Stimmen drangen unheimlich durch; wahr­scheinlich entfernten sich aber setzt die Stände. Bald erschienen zwei Herren und lasen die beschlossene Adresse; sie enthielt die gewöhnlichen Petita der süddeutschen Kammern; nur fehlte die Volksvertretung beim Bunde; dieß wurde vom Publikum laut zu gerufen. Ein an­derer schrie:Nieder mit den Russen", wiederein an­derer schrie:Nieder mit Metternich." Auf einmal wechselte die Scene. Die zwölf aus dem Volke waren an den Fenstern und riefen:Kommt herauf, helft, man hat uns cingesperrt, Böhm ist cingesperrt!" Durch ein Mißverstandniß war dieß geschehen. Also- gleich stürmte Lie ergrimmte Menge gegen das Auf- gangsthor. Im Nu hörte man von oben herab stür­misches Geschrei, Getöse und Geklirr von Stühlen und Fenstern. Einzelne Trümmer flogen in den Hof her­unter. Alles glaubte bewaffnete Macht sei eingedrun­gen und wüthe gegen das Publicum, von ferne hörte man Schüsse, und cs enftanb ein mörderisches Geheul und ein dumpfes Murmeln: hinaus, hinaus, rettet euch, wir sind verloren! Alles drängte nach außen, und eh ich mich versah war ich mit dem Strom der Flüchtigen binausgerissen. Draußen marschirten bald darauf die Grenadiere auf. Es sollen sich später noch mehrere auf den Brunnen gestellt haben um zu spre­chen , allein sie drangen nimmer durch. Während der Vorgänge im Landhause sprach der heldenmüthige Pole

steht aus Mangel an Credit und Geld, und letzterer entsteht daraus, daß Ihr Euer Geld in die Truhen einschließt und Euch darauf setzt, statt co circuliren und arbeiten zu lassen. So werdet Ihr am Ende, aus eitler Furcht, zu Grunde gerichtet zu werden, Euch selbst zu Grunde richten. Ihr werdet, weil Ihr Euch scheutet, kleine Opfer zu wagen, Alles daran setzen, Darum weg mit der Verzagtheit! Vertraut der so­bald schon zusammentretenden constituirenden Versamm­lung, welche die deutschen Verhältnisse fest und gerecht ordnen wird für eine lange Zukunft; vertraut der edeln Gesinnung unserer Brüder in Frankreich, welche uns, ihren Mitstrebenden, nicht den Bürgerkrieg in das Land tragen werden; vertraut der vereinigten Macht der deutschen Truppen, welche den Feind in Schleswig luebertreten werden; vertraut der Sache der europäi­schen Civilisation, welche mit ihrem blanken Schwert die nordöstlichen Barbarenhorden in die Steppen Asiens zurückjagen wird. Thut, als wenn Nichts Beunruhi­gendes geschehen wäre und nichts Beunruhigendes be- vorstände, laßt Eure Geschäfte nicht stocken, bringt Opfer, aber streckt nicht in bänglicher Verzagtheit das Gewehr. Laßt Euch die Kapitalisten in Frankreich zur Warnung gereichen, welche im Begriff stehen, Alles zu verlieren, weil sie sich scheuten, eine Kleinigkeit zu ver­lieren.

Nun noch ein Wort an' die Arbeiter. Wir ent­nehmen dasselbe derKölnischen Zeitung", weil wir gestehen, wir hätten es in keiner bessern Fassung geben können. Es ist uns aus der Seele geschrieben.

Nicht zu euch sprechen wir heute, die ihr die Ge­schicke der Staaten von Gipfel zu Gipfel verfolgt. Nein, wir wenden uns an euch, die ihr nicht durch Pergamente, nicht durch Reichthum, nicht durch Wissen­schaft geadelt seid; wir wenden uns an euch, die ihr keinen andern Adelsbrief als die Arbeit habt.

Wir haben uns die Freiheit erfochten, und ihr, ihr Männer der Arbeit, seid nicht die Letzten gewesen bei den Barricaden von Berlin. Wir wollen ernten von der Freiheit, und ihr werdet die Ersten sein, die von ihr ernten.

Aber vergessen wir nicht! nur unter ge­waltigen Wehen wird eine neue Zeit geboren. Es ist die Pflicht jedes Mannes, diese Zeit baldmöglichst zu ihrem Ende zu führen. Und aus dieser Ueberzeugung sprechen wir zu euch.

Wenn es je einen gewaltigen Umschwung alles Bestehenden gegeben hat in der Weltgeschichte, so ist er in diesem Jahre und für euch geschehen. Ihr, die ihr von den Tagen des grauen Alterthums an keine Geschichte hattet, die ihr unbeachtet in euren dunkeln Behausungen fortlebet von Geschlecht zu Geschlecht, die Noth und Trübsal oft den edelsten Gefühlen der Men­schen entfremdete: ihr seid wieder empor gestiegen Zu eurem menschlichen Berufe. Ihr wart' W Be­stoßenen, ihr habt den Adel der Menschheit wieder er­rungen.

Freilich, Mancher unter euch hat diese Wahrheit nicht erkannt. Schon ist manche unheilschwere That geschehen. Das Eigenthum, die persönliche Freiheit, die Grundlagen aller Gesetzlichkeit sind verletzt worden.

Wenn wir fragen, welchen Zweck ein solches gesetz­widriges Beginnen haben kann, so kann man nur mit Bedauern und mit Besorgniß eine Antwort geben.

Man hat Fabriken zerstört, man hat vor Allem die Communicationsmiticl die Dampf chiffe und Eisen­bahnen zu vernichten gesucht.

Gewiß, es ist schwer, in einer Stunde zu vernichten, was in Wochen, in Monaten geschaffen worden ist. Aber nur Barbaren können ohne Zweck vernichten, und nur Thoren können wähnen, daß euer Zweck auf dem Wege der Zerstörung zu erreichen sei.

Ihr beklagt euch über Mangel an Arbeit, und mit Recht. Aber jede Uebergangsperiode muß mit Opfern, mit Gefahren überwunden werden, von den Reichen sowohl, wie von den Armen. Es ist auch dieses Mal

Auf der linken Schulter lag ihm die lange Büchse, und sein Gürtel hielt, unter der Decke, das Messer,

Tomahawk und einen Blechbecher.

Seine beiden Gefährten waren auf ähnliche Art

den

wie

die

er gekleidet, nur trugen sie lederne Jagdhemden, die Decken fest zusammengerollt auf dem Rücken, und der Eine von ihnen, ein schlanker hochgewachsener Mann, dessen blondes Haar den Nordländer verrieth, hatte eine rauhharige, aus dem Fell eines Waschbären roh zusam- mengehestcte Mütze tief in die Stirn gedrückt, während sein Camerad, dem eine kurze deutsche Büchse an einem Juemcn über die Schulter hing, eine wollene gewebte Mutze als Kopfbedeckung führte

rauhen Weg gewöhnt, sprangen sie mit Leich- \ Cn ^°" âhang, von Fels zu Fels, hinunter, lab M ?^ Indianers Seite, der, als er feine Decke '^^ ^^°^ geleistet würde, sich fest in L ^ «H sie erwartete. Als sie aber den < ° r ^nd, erreichten, streckte er wi-der feine eine Hand auâ der Umbdllxn^ k r . °" seine ^ ÄÄ«-

Der Bär liebt den Sassafras hPn weiches Lager wenn das Wetter eine Fährte von hier aus zu dem Bach hinunter den werden. »«lau­

Wenn wir's nicht unter der Zeit vereiteln .

keh! rief der schlanke Jäger, indem er aufmerksam hat :r den Zweig abgetreten, auf

Zeichen, die den nahen AufentshaltSort eines Bären ver-f^ M. riechen, musterte. Wo steckt aber der schwarze Bursche«! tief Redham, indem er einen kleinen

iLassafraSzweig, der dicht am Rande der Ocff-

er muß seinen Eingang hier in der Nähe haben, und doch sehe ich keine Höhle.

Wah! sagte der Indianer, als er auf ein Loch zeigte, das gerade da, wo er stand, senkrecht in den Boden hinein lief und kaum groß genug war, einem starken Mann den Eingang zu verstatten.

Und wie kämen wir da hinunter? fragte der Deutsche, indem er seinen Kopf dicht an die Oeffnung hielt und hinabzuschauen versuchte. Hol's der Henker, es scheint tief zu sein und ist stockfinster drunten. Mit diesen Worten warf er einen kleinen Stein hinein, und dessen hohles Klatschen und Plätschern verrieth, daß er in Was­ser gefallen sei.

Wasser unten? rief der Engländer, indem er sich vor­beugte und lauschte, Wasser unten und etwa 20 Fuß tief? hol mich der Böse, wenn ich da einsteige, und läge das fetteste Bärenfleisch dorten, das je in den Wäl­dern von Arkansas sich von Eicheln nährte. Da wird aber auch kein Bär sein, denn so dumm sind die alten Burschen doch nicht, sich ein nasses Lager zu wählen, wo es so viele trockene im Uebersluß giebt.

Der Bär ist schlau, erwiederte Tcffakeh, indem er nochmals einen Stein hinabwarf, und dabei dem Laut horchte sehr schlau; er weiß den Platz zu finden, wo er sicher und trocken liegt, aber der weiße Mann hängt

mit seinen Augen an dem Wolken,

wenn er seine Füße

nung lag, aufhob und betrachtetes den muß der Bär hergeschleppt haben, nnd daS ist ein ziemlich sicherer Be­weis , daß er drinn steckt; aber verdammt will ich sein, wenn ich selbst folge, denn mein Leben ist mir. doch lie­ber, als ein Stück fettes Fleisch, und ich begreife über­haupt nicht, wie wir ihn herausbekommen wollten, wenn wir ihn wirklich schössen. *

Wenn die Krieger auf der Spur der Feinde sind, gehen sie nicht in Schaaren neben einander, aber der Letzte tritt immer in die Fußstapfen des Ersten.

Ja, ja, sprach der Deutsche, indem er mit dem Kopf nickte, Stück für Stuck müssen wir ihn heraufschaffen, aber ich glaube auch, daß wir selbst nur auf dieselbe Art hinunter könnten, und das wäre deen doch weniger angenehm.

Ohne weiter etwas zu erwiedern, schaute Tessakeh einen Angenblick scharf umher, und stieg dann zu einem jungen, schlanken Hickory-Stamm hinauf, der, einige 50 Schritte über ihnen am Berge, gerade und schlank wohl 40 Fuß hoch und nur einige Zoll stark, in die Höhe stieg, fällte denselben mit wenigen Schlägen seines Tomahawks, daß er dicht neben den andern zwei Jä­gern niederschlug, befreite ihn von den Aesten, die er jedoch noch einige Zoll vom Stamm daran ließ um einen Haltpunkt für die Füße zu bilden, und hob'dann mit dcö Deutschen Hülfe, der bald begriff, zu welchem Zweck der junge Stamm benutzt werden sollte, die schnell fabricirte Leiter in die Höhle hinab.

(Fortsetzung folgt.)