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Nassauische Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 16. April ISIS.

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C

Deutschland.

Die drei Tage der Revolution in Wien,

von Augenzeugen und Teilnehmern geschildert.

(Nach Dr. L. A. Frankls Wiener Sonntagsblätter.) (Schluß.)

in. 3m Hofe des Ständehauses, Montag 8-1 Uhr.

Es war 8 Uhr Morgens vorbei, als ich mich auf die Universität begab, um das Resultat zu hören von der am vorigen Tage von der Studentenschaft an Se. Majestät abgegangenen Deputation. Ich kam zu spät, um Herrn Prof. Hye selbst hören zu können, und er­fuhr von den ab- und zuströmenden Studirenden, daß die Adresse von Sr. Majestät gnädigst ausgenommen worden, daß Hye auf die große Bedeutung dieser Huld hinwies und mit all seiner Beredsamkeit aufforderte, den eingeleiteten Fortschritt auf dem Wege der Ord­nung und des Gesetzes anzustreben. Seine Worte, so kräftig sie waren, so sehr sie beschworen, waren doch nicht mehr im Stande, dem immer mehr anschwellen­den Strome Schranken zu setzen, bald waren die Ufer überfluthet und nach allen Seiten wogte es hinaus, zuvörderst nach dem Ständehause in der Herrengasse; Denn da versammelten sich eben die Stände zur Bera­thung der Adresse, die an den Thron gebracht werden sollte. Ein diensteifriger Polizeicommissär wollte dort seine Macht entfalten, allein er mußte der Strömung weichen, und alsobald war der große Hofraum dicht- gefüllt. Bemerkenswerth ist, daß lauter gut gekleidete jüngere Männer die Versammlung bildeten und Nie- mand Waffen trug, ja die Studirenden hatten absicht- -WH thilHWMMBWWWHause gelassen, damit die Demon- stration ihren friedlichen Charakter nicht verliere. Nur durch den laut ausgesprochenen Willen wollte man wirken, und in der That die kühnen Worte hieben bes­ser als das ritterlichste Schwert. Die iinprovisirte Versammlung war da, und alsogleich machte sich der Geist, der sie beseelte, Luft. Fischhof, ein Ungar, Dr. der Heilkunde, ließ sich auf die Schulter seiner Neben­stehenden heben, und entwickelt, was dem Volke Notp thue und was es verlange. Unglücklicherweise konnte ihn nur die nächste Umgebung hören, auch ich stand zu weit entfernt und vernahm wegen des murmelnden Geräusches nichts; allgemein rühmte man seine klare, leichtfaßliche, logische Rede. Er ermahnte vorzüglich auf ein einiges Streben der verschiedenen Nationen Oesterreichs und brachte denselben Lebehoch; lautes Beifall" und Vivatrufen brach nach jeder Stelle los, .und ließ ihn in der Folge zu keiner zusammenhängen­den Rede mehr kommen;'endlich rief er die verschiede- Forderungen des Fortschrittes aus und nach jedem Punkte folgte ein kräftiger Zuruf und lautes Beifall­

klatschen. Das starre Eis war jetzt gebrochen, jeder folgende Anstoß mußte wirken. Bald darauf erblickte ich auf einer Erhöhung, die nach einer nähern Besich­tigung das spitze Giebeldach des Hauöbrunnens war, einen Mann. Seine Gebärden waren etwas mario- nettenhaft und seine Rede predigerartig, auch deklamirte er von Eintracht und Liebe, und mußte nach kurzem unter Mißbilligung den Platz räumen. Ein anderer folgte nach und ließ sich von unten herauf die Wün­sche des Volkes zurufen, die er dann als dessen Or­gan, der übrigen Versammlung mittheilte). (Mehr­facher Beifall.) Mittlerweile sammelte sich die Menge immermehr an, Kopf stand an Kopf und vom Haupt­eingangsthore her kamen stoßweise ganze Massen von neuen Eindringenden. Auf einmal geht die Losungin den Ständesaal!" und alles stürmt gegen den Brun­nen vorwärts. Das Gedränge wurde so heftig und tobend, daß ich der Meinung war, es gelte einer Er­stürmung des Saales. Da zeigte sich Graf Montecuculi am Fenster und veröffentlichte nach langem Mühen um Ruhe: daß zwölf aus den Versammelten zu den Be­rathungen zugezogen werden, als Garantie, daß die Stände gewiß nachdrücklichst die Wünsche des Volkes beim Throne bevorworten werden, zugleich bat er um Ruhe und Ordnung. Das Getümmel nahm seinen Fortgang; da rief von einem andern Fenster eine klare Stimme: die versammelten Herren möchten sich gedul­den, damit die HH. Stände in ihren DiScusfionen nicht gehindert würden; in einer halben Stunde, höchstens einer Stunde, sollten die Entschlüsse kundgethan werden, inzwischen bitte er, daß man still auseinandergehe oder sich wenigstens ruhig verhalte. Nach einer kleinen Pause wurde es lauter, a(è es früher gewesen, Alles schrie durcheinander. Jetzt drängte sich ein junger Mann vom Hauptthore her durch die Massen, indem er eine Schrift emporhielt. Alsogleich wurde er auf's Giebeldach gehoben. Er entfaltete das Papier und er­klärte, daß er eine Rede vortragen wolle, die Kossuth. der edle Vorkämpfer der Freiheit, am 3. März am Preßburger Landtage hielt. (Großer Beifall.) Allein der Redner drang nicht durch, seine Stimme war zu schwach, auch zitterte er am ganzen Körper, wahr­scheinlich wegen seiner Anstrengung, da er sich durch die Massen rang. Eine Stimme von unten rief ihm zu er solle sich ablösen lassen; er setzte aus und alsogleich half man einem sehr jungen Mann in die Höhe. Er heißt Putz, ist Jurist, ein Tyroler. Mit männlicher Haltung und klarer Stimme stellte er gleich die Ruhe her und las ab. Es würde zu weit führen, Kossuths kraftvolle Donnerrede wiederzugeben, jedoch sei mir ge­stattet, einzelne Stellen, die den größten Enthusiasmus hervorriefen, anzuführen. (Wir lassen diese Stellen weg, weil die Allg. Ztg. Kossuths Rede längst voll­ständig mitgethkilt hat.) Mitten in der Rede fliegt

ein Blatt aus dem Ständehause nieder, man bringt es dem Redner , er scheint es lesen zu wollen, da bricht eine wahre Fluch von durcheinander schrillendem Ge­schrei herein, man ist pro »nd contra. Des Redners Stimme dringt nimmer durch, da zeigt er beide Blät­ter vor und hält Kossuths Rede und das neue Blatt abwechselnd in die Höhe; der stürmische Beifäll für Kossuths Blatt entscheidet ihn zum Weiterlesen. Er fährt fort:Ewig möge das Vaterland bestehen unb ewig der Glanz jener Dynastie, die wir als unser Herscherhaus anerkennen. Die Männer der Vergan­genheit werden in einigen Tagen ins Grab gehen, aber der hoffnungsvolle Sprosse des Hauses Habsburg Fcanz Joseph (lange dauernder stürmischer Jubel. Hüte werden geschwenkt), der bei seinem ersten Auftre­ten die Liebe der Nation erwarb, erwartet das Erbe eines glänzenden Thrones, der seine Kraft aus der Freiheit schöpfen und den man in seinem Urglanz bei diesem unglücklichen Mechanismus der Wiener Politik schwer halten wird. (Die ganze Stelle wird zweimal wiederholt.) , Die Dynastie muß also zwischen ihrem eigenen Wohl und der Erhaltung eines entarteten Re- giernngssystems wählen, und dennoch sürchte ich, wenn die loyale Aeußerung der Nationen nicht dazwischen tritt, daß die verknöcherte Politik in einer neuen Aus­gabe der in Gott seligen heiligen Allianz auf Rechnung der Dynastie noch einige Tage fortzuvegetiren suchen wird (wiederholt). Sie, die nichts zu vergessen pfle­gen, vergessen doch das eine gern, daß nämlich auch bei der heiligen Allianz nicht diese es war, welche die Throne rettete, sondern die Begeisterung (anhaltender Beifall), die Begeisterung der Völker, eine Begeiste­rung, deren Grundlage dG^Verspreche» der Freiheit war, dies Versprechen aber wurde nicht eingelöst. (Lauter, stürmischer Zuruf, mehrfache Wiederholung). Für eine Dynastie, die sich auf die Freiheit ihrer Völ­ker stützt, wird immer Begeisterung entstehen, denn von Herzen treu kann nur ein freier Mensch sein, der gedrückt wird, dient, wie er eben muß, für eine Bu- rcaukratenherrschaft kann keine Begeisterung entstehen."

Drohende Rufe zwingen jetzt den Redner zur Ab­lesung des Zettels; es bricht ein Sturm los; er be­schwichtigt ihn durch Vorzeigung des Blattes, wobei er ausdrückte daß nur wenig geschrieben sei. Er liest. Der Inhalt war daß Se. Majestät einen Bankaus­weis vorlegen lassen werde, und daß hinfüro ein stän­discher Ausschuß aller Provinzen zusammenberufen werde zur Berathung zeitgemäßer Verbesserungen. Von allen Seiten stürmt es, das sei nichts: der Ablesende zögert, endlich fliegt das Blatt zum Publikum hin­unter. Ein junger Mann, Herrmann aus Steuer- mark, ein Mediciner, rafft es auf, klimmt auf das Dach, und als cs ruhig geworden ruft er:Ich er»* kläre hiermit Angesichts der ganzen Versammlung, An-

Zu den Waffen!

Wiesbaden, 14. April.

Die ersten Schlachtgcsängc

Ernster Kanonenschall, Die ersten Waffenklänge Auf vaterländschem Wall: Sie kündeten im Norden der Freiheit Morgenroth. Die ersten deutschen Kämpen, sie starben Heldentod.

Sie fielen; und dies sehen

Die Brüder ruhig an?

Nein, nein! die Fahnen wehen Der Rächcrschaar voran!

Für jeden Tropfen Blutes ein Däne in den Sand, Und hundert wackre Streiter für's große Vaterland!

Hurrah! die Schlachten brausen.

Frisch auf! das Schwert heraus!

Hurrah! die Kugeln sausen, Der Reiter fliegt zum Strauß! Umblitzt von Bayonnetten, im Pulverdampf voran Fliegt herrlich Deutschlands Zeichen, die schwarz-roth- gold'ne Fahn'!

Ha! wenn die deutschen Heere

Zum Siege stürmen an!

Ha! wie die deutschen Speere

Sich brechen blut'ge Bahn;

Kartätschen schmettern Lücken; des Feindes Reihe wankt, Und um das deutsche Banner der blut'ge Lorbeer rankt!

Die letzten Schlachtgesänge

Im fernen nord'schen Land;

Die letzten Waffenklänge

Kanonengrufi vom Strand,

Sie künden unsern Todten, und donnern in die Welt, Daß Deutschland seine Feinde mit starkem Arm zerschellt!

Ntichenau.

Die Höhlenjagd

in den Msttichcn Gebirgen.

(AuS denMiffigppl-Dilder, Licht. und Schattenftiteu transatlantischen Lebens.")

von Friedrich Verstärker.

An einem klaren, bitterkalten Nachmittag des Mo­nats Februar, als die Sonne, von dünnen Nebelschlei­ern umzogen, nicht Kraft genug hatte, die schneidende Luft, die aus den nordwestlichen Prairien herüberwehte, zu mildern, und selbst an den fließenden Wassern, etwas in Arkansas sehr Ungewöhnliches, ein starker Eisrand hing, kletterten an den steilen Abhängen, welche die Quellen desSpirit creeks einschließcn, drei Männer über die rauhsten und unwegsamsten Stellen hinweg, die in der ganzen Gegend nur gefunden werden konnten, und ob­gleich ost kurze Strecken offenen, ebenen Bodens vor ihnen lagen, umgingen sie doch stets diese, und suchten wieder die schroffsten, wildesten Wände auS, an denen abgebrochene Felsblöcke, und toll und bunt durch einan­der geworfene Steinmaffen ihr Fortschreiten fast zu einer Unmöglichkeit machten.

Die drei Jäger denn andere Leute konnten in

solchem FelS-ChaoS Nichts zu suchen haben hielten sich auch einige hundert Schrrtt von einander entfernt, aufmerksam dabei den Boden und die Pflanzen, über dem und an denen sie hingingen, untersuchend, und nur sehr laugsam bewegten sie sich vorwärts. Da lenkte plötz­lich der Ruf des am tiefsten Dahinkletternden eines Indianers (die andern beiden Jäger waren Weiße)

die Aufmerksamkeit seiner Gefährten dorthin, und sie stiegen, auf sein Winken und seine Bewegungen, die ih­nen zeigen sollten, daß er etwas gefunden habe, zu ihm hinab, um seine Entdeckung zu untersuchen.

Der Indianer war noch ein junger, rüstiger Mann, etwa 30 Jahre alt und schlank, aber kräftig gebaut, wenigstens verrieth der nackte Arm, den er aus seiner wollenen Decke hervorstreckte, um den Andern daö Zei< chen zu geben, außerordentlich starke Sehnen und Muskel».

Seine Beine waren mit ledernen Leggins, seine Füße mit Moccasinâ aus eben dem Stoff bekleidet, sein Jagd­hemd aber, aus dünnem, buntfarbigem Cattun leicht zu- sammengeheftet, wurde eigentlich nur noch durch den Gürtel gehalten, denn in Streifen Hieng ihm von den Schult.rn herunter; beide Arme waren nackt, doch hatte er seine wollene Decke, mit einem dünnen Riemen von Hirschfell um die Hüften befestigt, daß sie ihn wie ein Mantel umhüllte. Sein Kopf war bloß, und die schwarzen, langen Haare hingen ihm über Stirn und Schläfe herab, auch zeigte sein Gesicht keine der sonst bei seinem Volke so gebräuchlichen, entstellenden Farben, sondern seinen eigenen dunkelen, kupferfarbenen Teint, aus dem ein Paar feurige Augen hervorblitzten.