Nassauische Reifung.
Freiheit, Wahrheit und Recht!
Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!
Wiesbaden, II. April 1848.
Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden vierteljährig fl. 1. 43 fr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentg eidlich die Nummern 1 —17. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am âiedpichsplay ; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhaltnißmäßiger Preiserhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.
An die Leser!
Ich übernehme von heute an die Redaction der „Nassauischen Zeitung", nachdem ich bereits bisher die meisten der leitenden Artikel derselben geschrieben und gemeinsam mit Herrn Friedrich die Anordnung der Correspondenzen rc. besorgt habe.
Die Tendenz, welche wir bereits am 12. März bei Gründung unseres Blattes demselben unterlegten, nämlich: Durchführung der democratischen Monarchie durch alle deutsche Staaten und Organisation einer auf demselben Grundsatz beruhenden Bundesgewalt, haben wir bis jetzt beharrlich durchgeführt und werden es auch in Zukunft thun. Diese Richtung unseres Blattes hat ihm nicht nur eine günstige Aufnahme, sondern sogar schon einen Kampfgenossen erworben, der, durch unseren Erfolg aufgemun- tert, am 1. April demselben Banner folgte, das wir am 12. März bereits aufpflanzten.
Da mir eine umfassendere und tiefer gehende Begründung unserer Tendenz, als solche in dem beschränkten Raume einer Tageszeitung gegeben iM^ettfatu^j^ UU WM WM. ~^W»ui Mestrebungen ferner Gegner sowohl, als seiner angeblichen Kampfgenossen scharf abzu- gränzen, so habe ich in einer Flugschrift, betitelt: „Das erste und oberste Gebot der Nassauer", welche morgen oder übermorgen die Presse verlassen wird, mein Glaubensbekenntniß und damit das Programm unserer Zeitung niedergelegt und so zu begründen gesucht, daß keiner Mißdeutung Raum bleibt.
In den Jahren 1843 und 1844 gab ich gemeinsam mit Herrn Friedrich das in Siegen erschienene „Deutsche Bürgerblatt" heraus, welches durch seine entschiedene und volks- thümliche Haltung einen schnellen Aufschwung nahm, aber leider bald in Folge der Wunden, welche ihm die Königlich-Preußische Censurscheere (unter des frommen .Herrn Minister Eichhorn salbungsvoller Leitung) beibrachte, an der ga- loppirenden Schwindsucht verschieden ist.
Die Silbermine in den Ozarkgebirgen.
(Aus den „Missisippi-Bilder, Licht- »nb ©diattrnfeitrn transatlantischen Lebens.") von Friedrich Verstärker.
(Fortsetzung.)
Er wurde einmal, and dem Rohrdickicht heraus, beantwortet und darauf war Alles, wohl eine halbe Stunde lang, still wie im Grab; dann scholl derselbe Ruf wieder aus dem Thale herauf. Die Schildwache, denn etwas anderes konnte die hoch aufgerichtete, dunkle Gestalt nicht sein, antwortete wie das vorige Mal, stieg dann den Weg, den sie gekommen, wieder hinunter, und nach wenigen Minuten, als ihre Schickte in der Entfernung verhallt waren, lag die ganze Gegend so einsam und verlassen, als ob sie noch nie von einem menschlichen Fuß entweiht worden wäre.
Wohl noch eine Viertelstunde blieben die beiden Männer in ihrem Versteck; dann aber, als Alles sicher zu sein schien und sie glauben konnten, daß sich die Fremden wieder entfernt hätten, hob Thomson den Kopf, schaute einen Augenblick in daâ, von dem jetzt gerade über ihnen stehenden Monde erhellte Thal , und wandte sich gegen seinen ältern Cameraden, der indessen ebenfalls aufgestanden war und wiederum nach dem Schlosse seiner Büchse schaute, ob durch daö Niederlegen des Gewehrs nicht etwa daö Pulver von der Pfanne gefallen seie.
Daß wir damals, wenngleich fruchtlos, das zu erstreben suchten, dessen Erfüllung theils schon eingetreten, theils dicht vor der Thüre ist, möge der nachfolgende Artikel beweisen, mit dem ich die erste Nummer des „Deutschen Bürgerblattes" von 1844 eröffnete.
Was wir damals angebahnt, das wollen wir jetzt in Wirklichkeit führen. Unser Blatt soll auch jetzt wieder ein wahres und wirkliches „Deutsches Bürgerblatt" sein, eine Stütze des ächten, deutschen Bürgersinns, ein Förderer der Freiheit, der Wahrheit und des Rechts, der geistigen und leiblichen Wohlfahrt des deutschen Volks.
Wiesbaden, 10. April 1848.
Karl Drau«.
G Die Stimme eines Engländers über das nassauische Forststrafgesetz.
— Bubbles from the brunnens of Nassau. By an old man —
(Deutsches Bürgerblatt vom 1. Zan. 1814.)
Unter dem voranstehenben anspruchslosen Titel, zu Deutsch: „Blasen aus den nassauischen Bädern. Von einem alten Manne," erschien etwa im Jahre 1833 oder 1834 in England ein Werkchen, das in jeder ât die größte AufmerksiÄrkeit Seitens des deutsche» Publikums verdient und zum Theil auch schon gefunden hat.
Der Verfasser, der sich kurzweg einen „alten Mann" nennt (wie ich höre, soll er Head heißen und dermalen eine distinguirte Stelle bei dem britischen Handels- consulate in Rio Janeiro bekleiden), betittelt seine Skizzen, die Früchte seiner Saison in den nassauischen Badern, bubbles („Blasen, Schäume"), indem er sich auf die Stelle in Shakespeare's Macbeth (Act 1, Scene 3) bezieht, wo es heißt:
„Die Erd' wirft ihre Blasen auf, wie'ö Wasser,
Und diese sind dergleichen!"
und indem er ihnen das Motto aus Johnsons Dictionary vorsetzt: „Blasen sind Dinge, die der Solidität und Festigkeit entbehren." Diese Bezeichnung des Buches ist in einer Hinsicht sehr richtig. Es sind willkürliche Betrachtungen, aneinandergereihte Beobachtungen und Schilderungen, die uns hier in der ungebundensten Form geboten werden. Es sind eben Blasen, die der liebenswürdigste Charakter und der schärfste Geist in den Stunden ihrer glücklichsten Muße aus ihrer Tiefe aussteigen lassen, mehr zu eigner Unterhaltung, als für das lesende Publikum. Wir finden hier nicht mehr
Nun Preston, waS hältst Du von der Erscheinung? mir gefiel sie gar nicht; ich hatte einmal große Lust, vorzuspringen uud dem langen Burschen daS kalte Messer in die Kehle zu stoßen — eö wäre dann nur Einer weniger gewesen!
Das würde so unbesonnen als thöricht gewesen sein, entgegnete mit halb unterdrückter Stimme der Angeredete, daö hätte unsern ganzen Plan nicht allein verderben, sondern unS der Rache sämmtlicher brauner Schurken preis geben können. Nein — mir ist es jetzt klar geworden — die Burschen müssen mit ihrer Beute im Thale herabkommen, und zwar im felsigen Bette des Flusses selbst, sonst hätte ich in früheren Jahren ihre Spuren gefunden, und dieser lange Geselle war nur hier oben hergestellt, um sie vor irgend einer Ueberra- schung von unten her zu sichern, während sie indessen ihre Last zum Sammelplätze brachten, dort alles nachher bequem zusammen aufladen zu können. Wir haben aber jetzt keine Zeit mehr zu verlieren, denn wer weiß, ob sie den Weg noch mehr alö einmal machen werden, und finden wir sie nicht beim Graben beschäftigt, so daß ich mir den Platz genau merken kann, so hilft unser ganzer Zug Nichts!
Sie können aber doch unmöglich all das beste Erz in der Nacht finden, und werden sicher ihre Arbeit noch nach Tagesanbruch fortsetzen; antwortete Thomson.
Was sie am gestrigen Tage erbeutet haben, schaffen sie jetzt in Sicherheit und vernichten wieder alle Spuren, die sie hinterlassen könnten, entgegnete Preston; nein, nein, auf Tagesanbruch dürfen wir nicht warten, über-
das ungestüme flackernde Feuer der Jugend, aber jene ruhige, ausdauernde Wärme einer durchaus liebevollen Gesinnung und jene Entäußerung aller subjektiven Ansprüche, die uns bei manchen Allen so wobltbuend entgegentreten. Aus dieser Richtung ergiebt sich ein gemüthvoller Humor, der den „alten Mann" oft in dieselbe Stellung zu Deutschland bringt, welche Sterne in seiner „empfindsamen Reise" zu Frankreich behauptet.
In anderer Hinficht aber ist der Titel grundfalsch. Denn was uns der Verfasser bietet, sind meistens keine bloße Blasen, keine „der Solidität entbehrende Dinge", sondern es beruht auf einer Kenntniß der deutschen, und gewöhnlich sogar der besonderen nassauischen Zustände, daß wir uns billig darüber wundern müssen, wie cs nur einem Fremden während des kurzen Badeaufenthaltes möglich war, sich dieselben zu verschaffen. Die mitzutheilende Probe, zu der wir sogleich schreiten wollen, wird dies auch zum Theil darthun.
Der Verfasser ist nämlich von einem Ausflug auf den Gipfel eines benachbarten Berges wieder in das enge Thal von Schlangenbad zurückgekehrt und fährt dann fort:
„Aber wenn ich diese ländliche Scenerie betrachtete, gleichwie wenn ich in jenem großartigen Anblick schwärmte, dessen Raum und dessen Wald unermeßlich schienen, ein duftendes Bild von Kraft und Freiheit, war es ein kleiner Zug in dem Gemälde, der mich oft peinlichen Gedanken hingab. Es werden vielleicht manche der Meinung sein, daß zwei oder drei Dächer von Bauernhütten Flecken sind, wMe (wLs auch immer für dunkle Geheimnisse hinter ihnen verborgen liegen mögen), die Gefühle dessen, der das Bild betrachtet, nicht stören dürfen, da sie zu unbedeutend seien, um seiner Beachtung werth zu sein; aber je mehr ich die Pracht der Gebirgsscenerie bewunderte, — je mehr das grünende Thal wiederstrahlte, — je mehr das Wild, an mir vorbeijagend, sich der reichen Gaben der Schöpfung zu freuen schien, um so schwerer ward eS mir, die darniedergetretene Armuth von zwei oder drei Familien zu vergessen, welche dieses lachende Thal bewohnen; und nach dem Grundsätze, daß man dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul zubinden soll, schien es mir in der That hart, daß diesem armen Volke, umgeben von schier gränzenlosen Waldungen, von Bäumen, die theilweise, sorgsam gehegt, wirklich im Begriff stehen, zu dem Staub zurückzukehren, aus welchem sie sich erhoben haben, daß ihm streng verboten sein soll, Brennholz zu sammeln, um die Härte des Winters zu mildern, oder gar mit ihren Händen ein bischen wildes Gras unter den Bäumen zu rupfen für ihre Kuh.
Wenn der Sturm (der gleich dem Wind, er mag herkommen, woher er will, immer mehr den Armen
dieß scheint eö, alö ob sie Verrath ahnten, was der Posten zur Genüge beweist. Komm also ins Thal hinunter, wir schleichen durch den Schilfbruch, wo sie schwerlich eine Wache zurückgelaffen haben, und folgen leise dem Laufe des Flusses. — Finden wir sie bei der Mine beschäftigt, so merken wir unö den Platz und entfernen uns wieder so schnell und leise alö möglich; denn ich vermuthe nicht ohne Grund, daß sie dießmal in stärkerer Anzahl als gewöhnlich da sind; laß sie dann, was sie gesammelt haben, mit fortnehmcn — wenn sie daS nächste Jahr wiederkowmea, sollen sie's schwerer finden, ihre ledernen Felleisen zu füllen, als bisher; daS Silber müßte denn Haufenweis in den Bergen vorkommen.
Die Jäger stiegen jetzt vorsichtig in daö enge Fluß- thal hinab, und krochen Schlangen gleich in den nicht sehr dicht stehenden kleinen Schilfbruch hinein, aufmerk» fam dabei ans das Geringste achtend, was ihnen Gefahr oder Entdeckung drohen konnte. Aber keine Wache war bei den Maulthieren, die ruhig weideten und die Anschleichenden gar nicht zu beachten schienen, zurückgelaffen und hochaufathmend erreichten sie wieder den offenen Wald oberhalb des Schilfes, wo Preston schnell weiter eilen wollte, alö ihn Thomson am Arme hielt und frug, ob sie nicht lieber daâ Silber erst aufsuchen sollten, waS die Spanier schon irgendwo müßten hieher getragen haben?
Geh zum Henker mit Deiner Thorheit, entgegnete Preston — nicht wahr, die Zeit hier mit Kinderspielen zu versäumen, um eine Sache aufzufinden, die wir, wenn wirklich entdeckt, doch nicht anruhren dürften —