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Cs war gestern hier ^allgemein das Gerücht verbreitet, es wäre die bestimmte Nachricht hier ange­kommen, der Kaiser von Rußland habe sich zwei Tage lang in Warschau befunden und habe den Polen die Zusicherung ertheilt, daß er bereit sei, zur Wieder­herstellung Polens in seinem früheren Umfange die Hand zu bieten unter der Bedingung, daß Polen den Herzog von Leuchtenberg oder den Großfürsten Con­stantin zu ihrem erblichen Könige erwählten. Dieses Gerücht machte einen tiefen Eindruck und wurde selbst von sonst gut unterrichteten Leuten geglaubt, giebt aber doch nur einen Beleg für die Leichtgläubigkeit der Berliner; denn aus zuverlässigster Quelle können wir versichern, daß an der ganzen Sache nicht ein wahres Wort ist. Es ist, wie wir bereits berichteten, noch gestern Vormittags 10 Uhr ein russischer Courier hier eingetroffen, der aber nur das von uns gestern bereits erwähnte Memorandum vom 26. März überbracht hat, welches wahrlich am wenigsten eine den Polen günstige Stimmung auf Seiten des russischen Kaisers verräth. Wir^ bevorworten noch einmal, daß wir diese Nachricht als zuverlässig geben können, das uns in Anbetracht des tiefen Eindrucks, den das Gerücht hier gemacht hat, nothwendig erscheint. Ein anderes uns zu Ohren gekommenes Gerücht meldet sehr wenig in Ueberein­stimmung mit dem vorerwähnten, daß der Kaiser 13 polnische Emissäre, die in Russisch-Polen aufgegriffen worden seien, sofort habe hängen lassen ; w:r wollen im Interesse menschlichen Gefühls jedoch auch diese Nachricht bis jetzt wenigstens in Zweifel stellen, wie­wohl sie fast wahrscheinlicher klingt, als die erstge­dachte. (K. Z.)

Es ist von der provisorischen Regierung Schles­wig-Holsteins an die hiesige die Bitte gerichtet worden, derselben sofort einige Officiere, an denen es in Schles­wig sehr zu mangeln scheint, wo möglich 2 Stabs- Officiere, 2 Hauptleute und 18 Seconde-Lieutenants, zur Disposition zu stellen. Es ist dieser Bitte gewill­fahrt worden; es haben sich auf eine desfallsige Auf­forderung des Kriegsministers sogleich eine Menge von Officieren aus der Garde bereit erklärt, unverzüglich nach Schleswig-Holstein zu gehen und die Organisation und theilweise Führung der Truppen zu übernehmen. Einige von ihnen reisen noch heute Abends ab und gehen direkt nach Rendsburg. Das Kaiser-Alerander- und das Kaiser-Franz-Grenadier-Regiment haben Be­fehl erhalten, sich denjenigen Truppen auzuschließen, welche an die Gränze rücken.

Es sind dem Minister Rother vorgestern aus dem Staatsschätze abermals zwei Milionen Thaler zu Gunsten der Bank zur Disposition gestellt, doch wird auch diese Summe wohl schwerlich in deu Stand setzen, r Hülfe in der gegenwärtigen Das neue Ministerium, na­

mentlich die Herren Camphausen und Hansemann, scheint übrigens die Abwendung der Krise in den Verkehrs- Verhältnissen zu einer seiner Hauptfragen gemacht zu haben.

Berlin, 3. April 1848.

Ew. Königl. Majestät Aufruf an Preußen und an die deutsche Nation hat von mehreren Seiten eine Deutung gefunden, welche der ihr zu Grunde liegenden Absicht nicht entspricht. Der Schritt, den Allerhöchst - dieselben gethan, als Sie für die Zeiten der Gefahr die Leitung der deutschen Angelegenheiten zu über­nehmen sich bereit erklärten, bestand in dem Anerbieten, mit all der materiellen und moralischen Macht des 15 Millionen Deutsche umfassenden Staates die Erreichung der auf deutsche Einheit gerichteten Wünsche aller Bundes­staaten zu fördern. Die gleichzeitige Aufsteckung der deutschen Farben enthielt das unzweideutige Anerkennt- niß, daß die Einheit Deutschlands zur Rettung aller zum deutschen Bunde vereinigten Stämme unentbehr­lich, und daß Preußen bereit sei, seinerseits im vollsten Umfange die allen Bundesstaaten obliegenden Pflichten anzuerkennen und zur Abwendung der das gesammte

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reich sie aufweisen kann. In diesen Ländern, welche die Habsucht als ein unerschöpfliches Magazin betrachten und den Ehrgeiz als die Kinderstube der Macht, wird erler­nen, daß Menschenliebe dem gegenwärtigen Reichthum und dem zukünftigen Einfluß ein ungeheures Opfer ge­bracht, und die Sklaven auf Kosten deü freien Mannes und des Magnaten emanicipirt hat. Getäuscht bei dem Anblick der Antillen, mag er sich nach dem großen Frei­staat von Amerika wenden, und mit Freuden eine Na­tion beobachten, die sich befreit hat von dem Joch des perfiden Albion." Aber selbst da wird die Wahr­heit den Feindseligkeiten Widerstand leisten und zeigen, daß die Saat uud der Keim der meisten liberalen Insti­tutionen, welche die Welt kennt, von dem verhaßten Boden des konstitutionellen Englands verpflanzt worden sind. Gibt es denn auf der Oberfläche der Erde kei­nen Ort, welchen die Bosheit des fremden HaffeS, daö Verlangen der republikanischen Erfersncht befriedigen könnte? Keinen, wo Sophisterei jubeln, Verleumdung frohlocken kann? Ja doch, eS giebt einen. Unsere engste Verbin­dung ist unsere drückendste Last. Unsere Demüthigung steht immer vor unsern Augen. Auswärts groß, reich und glücklich, oder mit großmüthig aufgegebenem Stolz, sind wir, je näher der Heimath, gedemüthigt, beschämt, herabgewürdigt. Indien ist heidnisch und weit entfernt; die Antillen sind heidnisch und verarmt. Aber welcher Engländer 'zeigt nicht mit größerem Stolz nach Ost' oder Westindien als nach Irland? Irland ist unser Bor­wurf und mit Irland sympathisirt der fremde Libera­lismus. Orts, f.)

Vaterland bedrohenden Gefahren seine ganze Kraft ein- zusetzen. Dagegen hat dieser Schritt nicht die ihm mehrseitig zugeschriebene Bedeutung haben können, als wenn mit der augenblicklich angebotenen Leitung irgend­wie der freien Entschließung von Deutschlands Fürsten und Völkern vorgegriffen werden solle. Eben so wenig konnte die Annahme des Symbols, in welchem alle deutschen Staaten ihre Vereinigung finden, das Auf­geben der von Preußen und der von den andern deutschen Staaten glorreich geführten Farben bedingen. In der einen Hinsicht haben Ew. Königl. Majestät ausdrück­lich erklärt, daß Sie die Usurpation der oberen Leitung oder irgend eines Rechtes nicht beabsichtigen, vielmehr eine solche Absicht auf das bestimmteste abgelehnt. Zugleich aber wird in allerhöchstdero Proklamation darauf hin­gewiesen, daß die Gründung eines einigen, nicht ein­förmigen Deutschlands, eine Einheit in der Verschieden­heit zu erstreben sei, wie denn in Uebereinstimmung hiermit die an demselben Tage an das Kriegsministerium erlassene und durch dieAllg. Preuß. Ztg." veröffent­liche Ordre ausdrücklich bestimmt, daß die Armee neben der preußischen die deutsche Cocarde anzustecken habe. Wenn Ew. Königl. Majestät hiermit Sich einverstanden erklären, werden wir nicht unterlassen, den Mißdeutungen, welche jenem Aufrufe gegeben worden sind, in geeigneter Weise entgegenzutreten.

Berlin, den 2 April 1848.

Das Staatsministerium.

Camphausen. Graf von Schwerin, von Auerswald. Bornemann. Arnim.

Hanse mann. von Reyher.

Mit der Auffassung meines Aufrnfes vom 21. v. M., welche sich in dem heute vom Staatsministerium er­statteten Berichte qusspricht, bin ich durchaus einver­standen und ermächtige dasselbe, den Mißdeutungen, welche Meinen Worten gegeben worden sind, in ge­eigneter Weise entgegenzutreten.

Potsdam, den 2. April 1848.

Friedrich Wilhelm.

Aus dem Sroßherzogthum Posen, den

1. April. Der überall jetzt sehr thätigen polnischen Insurrektion tritt jetzt hier eine Reaktion von einer Seite entgegen, von Seiten nämlich der Bauern und Juden, denen sich denn die deutschen Bürger anschlie- ßen. Sie wollen keine Polen sein, wenigstens nicht unter polnischer Herrschaft, sondern Preußen bleiben. Diese Gesinnung documentiren sie bereits durch Tha­ten. Während" die polnischen Gutsbesitzer, besonders die Damen, polnische Cocarden austheilen, weigern diese sich sie anzunehmen, und kaufen in Masse preu­ßische Cocarden, um sie zu tragen. An vielen Orten haben sie den polnischen Gutsherrn erklärt, daß, wenn sie nur die geringsten Schritte zur Herstellung einer polnischen Regierung thäten, sie sofort todtgeschlagen werden würden. Am 28. März haben die Juden in Kempen das Haus des polnischen Dr. Gora stürmen wollen, weil er polnische Cocarden vertheilt hatte. Als sich vorgestern das Gerücht verbereitet hatte, daß die Polen den preußischen Adler in Kempen abreißen woll­ten, zogen die Bauern aus der Umgegend in die Stadt und erklärten, die Polen mit Gewalt daran verhindern zu wollen. Die Dorfgemeinden versammeln sich, ohne Termine zu haben, bei den Specialcommissären, und erklären zu Prowkoll, freiwillig, da an eine Aufforde­rung dazu, aus Furcht vor den Polen, jetzt nicht zu denken ist, daß sie unter preußischer Regierung bleiben wolle.!. Dazu finden sich denn raublustige Aufwiegl:^, die diese Stimmung benutzen und den Haß gegen die polnischen Gutsbesitzer zu richten suchen, um sie zu plündern. Der Graf Poninsky ist mit seiner Familie bereits von seinem Schlosse Wreschen vertrieben wor­den, und so soll es an mehreren Orten schon gehen. Wird den nicht bald Einhalt gethan, und die Gesin­nung der Bauern anerkannt und unterstützt, so sind galizische Scenen zu fürchten. (D. A. Z.)

Betrachtungen desNational" über Rußlands und England- Stellung.

Rußland, sagt der National, steht offenbar außer- halb der Ordnung, die sich' heute auf dem Kontinent gründet. Bisher dienten Deutschland und Oestreich, diese in den Ideen so vorgerückten, in der Wirklichkeit so zu- rückgebliebenen Mächte, alö Uebergang zwischen dem halb barbarischen Rußland und dem revolutionären Westen. Plötzlich stürzt diese UebergangSbrücke ein; Wien und Berlin reichen Paris nnd Mailand die Hand. WaS Ruß­land in die europäische Politik einen Fuß setzen ließ, ,st ihm jetzt genommen. Seine doppelte Rolle als Erobe­rer ist zu Ende, denn nicht nur wollen die Völker nicht mehr erobern, nicht nur werden sie nicht mehr mit ihm die Beute theilen wollen, sondern die Gewalt der Umstände wird Rußland unverweilt Polen entreißen. Die contrerevolutionäre Rolle Rußlands ist auch abgelaufen, denn auf dem Kontinent ist die Revolution vollkommene Siegerin und winkt sie mit der Hand, so fliegen die Moökowitischen Fahnen davon. Englands Einfluß wird im neuen Europa aber auch sinken. England fehlen frei­lich nicht politische Garantien und Institutionen, eS be­saß sie ja vor den Völkern des Kontinents. Allein das englische Volk hat sich in ihnen unbeweglich eingelebt. England blieb gekettet an seine alte Konstitution, an seine Aristokratie, an.seine Staatsreligion und kam bei aller seiner Freiheit nicht zur Gleichheit. Wo nun die Fort­schritte der Ideen zu Thaten werden, wo der ganze Kon- tinent zur Erneuerung unserer Zustande Beifall ruft,

Rendsburg, 30. März. (Die Landung auf Alsen.) Gestern ist aus glaubwürdiger Quelle die Nachricht gekommen, daß zwei dänische Kriegsschiffe und ein Dampfschiff (man meint derGeyser") ihre Manschast bei Alsen gelandet haben. Diese hat dann die Bauern agitirt, sie überredet, fest an Dänemark zu halten und baldige Hülfe versprochen. Das Norburger Amthaus soll sich gleichfalls dein Dienste der proviso­rischen Regierung entzogen haben, die Stadt Spnder- burg sich gezwungenermaßen ruhig verhalten. Auch sagt man, daß die Bauern Posten ausgestellt haben, um die Ueberfahrt nach dem Festlande zu verhindern.

Aus allen Gegenden strömen noch immer Frei­willige zu den Fahnen, diesen Morgen traf hier wieder ein bereits erercirtes Corps aus Altona und zugleich eine berittene Abtheilung von jungen Eider- stedter Landleuten ein. Letztere ist von dem comman- direnden General zu seiner Ehrengarde bestimmt und dem Lieutenant Gröning, früher in preußischen Dien­sten, untergeben. Auch die permlttirten Landsoldaten treffen hier in Haufen fast stündlich ein, ihre Stim­mung ist die beste, die inan wünschen kann; man sieht ihnen an, daß die Pflicht sie lucht drückt, da es ernst­haft g lt, das Vaterland gegen die Feinde zu ver­theidigen.

Rendsburg, 31. März. Die Dänen, welche mit 1400 Mann leichten Truppen, worunter 600 Mann Cavallerle, die Stadt Hadersleben besetzt halten, fahren mit der Verhaftung der deutsch-gesinnten Eiwohner fort. Außer dem Dr. Marcus, einem wackeren Vaterlandsfreunde, ist auch der Hardesvoigt Ahlmann zu Toftlund im Amre Hadersleben in Verhaft genom­men. Die Schüler der dänischen Bauernhochschule zu Rödding haben sich bewaffnet, geleitet von dem Pastor Schöller daselbst, gehen auf dem Lande in alle Häuser und zwingen die Einwohner, indem sie ihnen das Ge­wehr auf die Brust setzen, sich alö Dänen zu pronun- ciiren. Bor Apenrade liegt ein dänischer Kriegs­kutter, welche ihre Kanonen so gerichtet hat, daß sie die Stadt und die Chaussee nach Flensburg bestreichen kann. Der Bürgermeister Schow in Apenrade ist auf diesem Kutter, wohin er sich als Parlamentär der Stadt begeben hatte, in Haft genommen worden. Unsere Truppen, jetzt mit Einschluß von 3000 Frei- schaaren unter dem Oberbefehl des Advokaten Koch aus Segeberg, gegen 8000 Mann stark, rücken dem Feinde entgegen. Wir dürfen schon morgen oder übermorgen Nachricht von einem Treffen erwarten. Auf Alsen sind die Dänen Meister und sollen das Eigenthum des Herzogs von Augustenburg in Be­schlag genommen haben. Diese Insel wäre eben so wenig von unserer Seite zu.Mrchetbigen, als es die Insel Fehmarn ist, in deren Nähe gleichfalls ein dänisches Kriegsschiff gesehen wird. Heute ist ein Freicorps aus B ra u sch w eig hier eingerückt, welches die Nachricht bringt, daß der Herzog von Braun­schweig mit einem Heer von 3000 Mann and 6 Kanonen bald erwartet werden darf. Dem Einzuge von 6000 Mann Hannoveranern und 15,000 Mann Preußen dürfen wir bald entgegensehen.

Rendsburg, 1. April. Die feindliche Macht ist durch zwei Cavallerieregimenter, die von Odensee herangezogen sind, verstärkt worden. Dieselbe scheint angriffsweise verfahren zu wollen und ist bis Apenrade vorgedrungen. Das diesseitige Studenten- und Turnercorps, das diese Stadt besetzt hatte, hat sich bis gegen Flensburg zurückgezogen, wo die regulären Truppen noch weilen und heute noch Ver­stärkung an sich gezogen haben. Viele von den gestern und heute hier eingetroffenen Freischaaren beeilen sich nach Flensburg zu gehen, um an dem Kampfe sogleich Theil nehmen zu können. Man spricht von dem "Lan­den eines dänischen Militaircorps bei Waterneve r- storf an der Ostrüfte Holsteins etwa 4 Meilen von Kiel entfernt; dasselbe soll aber von dem Landstürme zurückgeschlagen sein. Indeß mag diese Nachricht nur

findet sich England auffallend zurückgeblieben. Seine Berührungspunkte mit den Nationen des Kontinentes nehmen ab und jede gemeinsame Politik, welche in un­bestimmter Ferne dieselben bestimmen wird, kann Eng­land nicht zum Verbündeten nehmen. Die Könige fan­den bei der brittischen Aristokratie Sympathien, die sich freilich nach den Interessen des Moments veränderten, die aber am Ende immer vorgewogen. Die Völker, be­sonders jene, die sociale Reformen beginnen, dürfen weit weniger auf solche Sympathien rechnen. Zweifeln wir auch nicht, daß, wenn einmal die Krise auf dem Konti­nent vorüber, auch die Zollschranken gegen England noch erhöht werden müssen! Dies ist unsers Dafürhaltens daâ unvermeidliche Resultat der jetzigen Veränderungen. We­der Arbeitszeit noch Arbeitslohn dürfen den Forderungen eines Jndustriekampfeö mit England überlassen bleiben, eines Kampfes, den man nicht aushalten könnte. Die Arbeitsorganisation steht mit der Zollsrage in Verbiß dung, und wir glauben nicht, daß aus derselben etwas fließen könnte, waâ dem Verbrauche englischer Industrie- erzeugnisse auf dem Kontinente förderlich sein möchte.

* ©uijtet soll sich nach dem 24. Februar noch 8 Lage in Paris und zwar in Weiberkleidern versteckt ge­halten haben, bevor er eine sichere Gelegenheit zum Ent­fliehen fand. Am Tage nach seiner Ankunft tu England zeigte ihm ein Banquier an, daß 2000 Pf. St. ßin ihn bereit lägen, welche ein unbekannter Freund ringe- schickt habe.