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braucht, ohne sie zu irgend etwas anders gebraucht zu haben!"

Wenn das die Sprache der Reaction ist, so muß man gestehen, daß die Reaction besser spricht, als die Revolution. Mit Ausnahme des National enthalten alle radikale Blätter nichts als schwärmerische Lobre­den auf die Republik. Der National allein ist prak­tisch, aber nur als Verwalter, nicht als Reformator der Gesellschaft! Deshalb hat denn Emil de Girardin leichtes Spiel mit der republikanischen Presse. Gleich­wohl gehts bei diesem Spiel um nichts weniger, als um seinen Kopf, der bereits gewaltig wackelt. Girar- din erklärt übrigens, man könne, wie man ihm zwan­zigmal gedroht habe, seine Pressen zerschlagen und da­durch 500 Menschen brodlos machen, er werde deshalb doch nicht auf das Schreiben verzichten; man könne ihn ermorden, man werde ihn aber weder zum Schwei­gen noch zur Flucht bringen. Was auch die Feinde Girardins sagen mögen, der Mann, welcher einer all­mächtigen Staatsgewalt, in der mehrere seiner persön - lichen Todfeinde Sitz und Stimme haben, auf diese ^ Weise Trotz bietet, ein solcher Mann hat jedenfalls ebensoviel Kühnheit als Talent.

Berlin, 2. April. (Landtags-Angelegen­heiten. Heute um 12 Uhr fand die Eröffnung des zweiten Vereinigten Landtages im Weißen Saale des Königlichen Schlosses Statt. Nachdem die Mitglieder des Landtages daselbst versammelt waren, wurde der Königliche Landtags - Cominiffarius, Vorsitzende des Staats - Ministeriums, Camphausen, durch eine Deputation von Mitgliedern beider Curien, hiervon benachrichtigt und, begleitet von sämmtlichen Staats- Ministern, in den Sitzungs-Saal geführt, worauf der­selbe folgende Eröffnungs-Rede hielt:

Hohe Versammlung!

Se. Maj. der König haben mir den Befehl er­theilt, den zweiten Vereinigten Landtag in Allerhöchst- ihrem Namen zu eröffnen. Große Ereignisse haben einen Theil Europa's erschüttert und unser Vaterland nicht unberührt gelassen. Sie bedrohen uns mit wach­senden Gefahren, sie eröffnen uns eine große Zukunft. Preußen und Deutschland werden die Zeit des Ueber- ganges bestehen, wenn sie mit besonnenen Muthe, mit geordneter Kraft auf der neu erschlossenen Bahn sich bewegen. Die Einheit Deutschland war seit langer Zeit das Ziel, auf welche alle Wünsche oft hoffnungs­los sich richteten; nunmehr gehen wir ihm mit raschen Schritten entgegen, und Se. Maj. der König boten dazu eine Hand, der fünfzehn Millionen freudig zur Seite stehen. Die politische Berechtigung der Bürger im Staate war in Preußen eine um so lebhafter empfun­denes Bedürfniß, als das Volk eine Stufe bestiegen -__ batte, di§ es »«Lern, unter freien Verfassungs-Formen mindestens gleichstellte. Se. Maj. der König haben ein wahre konstitutionelle Verfassung verheißen, und schon sind wir versammelt, um zu ihrem dauerhaften Ausbau die Grundsteine zu legen. Hoffen wir, daß das Werk rasch hinansteige, daß es sich an­schließe und einfüge dem großen Verfassungs-Gebäude für das gesammte deutsche Volk.

Tief zu beklagen ist es, daß in die neuen Zu­stände nicht übergangen werden konnte ohne das Ge­folge der Leiden, von welchen gegenwärtig die Gesell­schaft getroffen ist. Nur darin mag ein Trost gefunden werden, daß die letzten Wochen viel verborgene Wunden aufgedeckt und Belehrung darüber gegeben haben, daß und wie ihre Heilung erstrebt werden soll. Die Re­gierung erkennt die Aufgabe, die Staatsgewalt neu zu kräftigen, die Bande der gesetzlichen Ordnung zu festigen, das Vertrauen zu beleben, den geschwächten Credit zu heben und auf den Wiederaufschwung der Gewerbe und der lohnenden Arbeit hinzuwirken. Sie wird sich be­mühen, den Frieden nach außen, so lange es die Ehre Deutschlands gestattet, zu erhalten, den Frieden nach innen zur Ehre Deutschlands herzustellen. Sie rechnet hierbei auf die gesunde Kraft der Staatsbürger, welche nunmehr berufen sind, zu beweisen, daß sie reif waren für die Freiheit. Auch auf die Unterstützung des Hohen Vereinigten Landtages rechnet die Regierung. Auf eine Unterstützung, die, wenn sie gewährt wird, in voller Freiheit der Berathungen und Ueberzeugung ge­währt werden möge. Niemand wird sich völlig dem Eindrücke zu entziehen begehren, den ein gewaltiger un­verkennbarer Ansdruck der öffentlichen Meinung auf die individuelle Anschauung zu äußern geeignet ist; Niemand wird leugnen wollen, daß in bestimmter Zeit wohlthätig und unentbehrlich werden kann, was in anderer Zeit gewissenhafter Ueberzeugung nicht rathsam erscheinen mochte. Unbezweifelt wird auch die Hohe Versammlung bei ihren Berathungen den geänderten Zeitverhältnissen Rechnung tragen; allein es muß auch heute der freie Ausdruck Ihrer Ansichten dem Lande willkommen sein, so wie er Sr. Maj. dem Könige und den Räthen willkommen sein wird. Das preußische Volk, indem es die freie Berathung seiner wichtigsten Angelegenheiten in der Presse und in öffentlichen An­gelegenheiten angetreten hat, darf nicht verkennen, daß nur im Kampfe der Ansichten die Wahrheit durchbricht, daß zur Wahrung der Freiheit jede Meinung mit voller Berechtigung und ungehindert sich muß äußern dürfen. Wenngleich der Hohe Vereinigte Landtag, sowohl seiner Zusammensetzung als seinen Rechten nach, ungemein abweicht von der künftigen Volksvertretung, so legt doch die Regierung auch gegenwärtig auf seinen Bei­rath ein großes Gewicht, und in diesem Geiste über­gebe ich die Allerhöchsten Propositionen Ihrer hoch­geneigten Prüfung und Berathung.

Sie enthalten: Entwurf eines Wahlgesetzes für die zur Vereinbarung der preußischen Staatsverfassung zu berufende Versammlung; Entwurf einer Verord­nung über einige Grundlagen der künftigen preußischen Verfassung.

Indem ich Ihnen, durchlauchtigster Marschall, die beiden Allerhöchsten Propositionen übergebe, erkläre ich im Namen Sr. Maj. des Königs den zweiten Ver­einigten Landtag für eröffnet."

Nach Ernennung des Secretairs wurde der Antrag auf Erlaß einer Adresse an Se. Maj. den König ge­stellt und nach kurzer Diskussion fast einstimmig ange­nommen und sofort zu deren unverzüglicher Entwerfung eine Commission ernannt. Während dieselbe sich dieser Arbeit unterzog, war die Sitzung suspendirt.

Die nach deren Wiederbeginn von dem Referenten der Commission vorgetragene Adresse ward fast ein­stimmig angenommen. Sie drückt der Regierung und dem Ministerium die volle Zustimmung der Versamm­lung aus. Sodann wurde, nachdem der Landtags- Commissar die Genehmigung Sr. Maj. zur Berathung der Allerhöchsten Propositionen in den vereinigten Curien in Aussicht gestellt und die Versammlung die Berathung in dieser Weise beschlossen hatte, die Commission zur Vorberathung der beiden Allerhöchsten Propositionen ernannt.

Heute früh ist hier ein russischer Courier ein­getroffen, welcher ein vom 26. März datirtes Memo­randum des Petersburger Cabinets überbracht hat, worin der Kaiser von Rußland den festen Willen aus­spricht, sich in Beziehung auf alle Fragen des west­lichen Europa völlig neutral zu verhalten und seinerseits Alles für eine Aufrechthaltung des Friedens aufzubieten, hinzufügend, er werde jedoch jedwedes Mittel in An­wendung bringen, die Unversehrtheit des russischen Ge­bietes zu bewahren, werde namentlich, falls die Polen wagen sollten, die Gränze zu überschreiten, ohne alle Rücksicht gegen sie verfahren, aber unter allen Um­ständen die preußische Gränze respectiren.

Der gewesene Bürgermeister Krausnick hat sich beim Könige über sein Benehmen rechtfertigen wollen, ist jedoch sehr ungnädig vorgelaffen worden. Der König sagte ihm: ^Jch bin aufs Aeußerste auch gegen Sie entrüstet. Sie sowohl, wie alle Anderen haben mir nie die Wahrheit gesagt, Sie haben mich belogen, wenn Sie mir versicherten, daß man mit dem, was meine Minister mir vorschlugen und was ich genehmigte, völlig zufrieden sei, und daß nur ein unbedeutender Haufe unzufriedener, unruhiger Köpfe sich dagegen auflehnte." Hierauf kehrte der König dem unglücklichen Ober-Bürgermeister den Rücken, dessen unwürdige Feigheit und ekle Schmeichelei, die seit Jahren in Berlin zum Sprüchwort geworden war, sich furchbar an ihm rächt. So wird es vielen gehen, die sich noch vor wenigen Wochen sicher wußten und in der königlichen Gnade sonnten. Diese Sonne ist für immer untergegangen. (Deutscher Freihafen.)

Posen, 31. März. Die Sachen stehen hier sehr ernst, und Gott gebe, daß man in Berlin die wahre hiesige Sachlage bald begreife und statt der halben Maßregeln, der schwankenden, hinziehenden Versprechun­gen, welche jede Partei zu ihren Gunsten im weitesten Sinne auslegt, die Mißtrauen nach allen Seiten über die wahren Absichten der Regierung verbreiten, zu einer offenen und Rückhaltlosen Sprache übergehe. Schon geht es von Mund zu Munde: man hintergeht uns, man zieht uns mit nichtssagenden Versprechungen hin, bis das ganze Land mit Truppen überschwemmt sein wird. In Berlin scheint man noch der Meinung zu sein und nach den Bekannt­machungen, welche die Behörden hier eine nach der andern erlassen haben, kann es kaum anders sein, daß hier die preußische Regierung noch in Kraft und Ansehn stehe; doch das ist ein großer und gefährlicher Irrthum: unsere Behörden verlohren gleich im ersten Augenblicke den Kopf; sie ließen nicht nur freiwillig zu, daß das gebildete polnische Comite den Zügel der Re­gierung ergriff, sondern sie wiesen sogar diejenigen, welche bei ihnen im ersten Augenblicke der Aufregung Rath und Schutz suchten, geradezu an das polnische Comite als die einzige Behörde, die hier helfen könne. War es also da ein Wunder, wenn sich dieses wirklich als factische Regierung betrachtete, wenn es das Volk aufrief und bewaffnete? Man ließ das Comite ge­währen, und heute steht das ganze Großherzogthum unter Waffen, keine, wir sagen: keine Behörde im ganzen Großherzogthume besteht mehr, alle Behörden sind sactisch aufgelöst. Die Beamten, erschreckt durch den Freiheitsruf, flohen und zogen sich zurück. Das Volk riß an vielen Orten die preußischen Adler her­unter und trat sie in den Koth; es sprach sich darin kein Haß gegen die Deutschen, sondern nur der Haß gegen die Beamten und Behörden aus. Kurz, wie die Sachen jetzt stehen, kann eine Wiederherstellung des früheren Status quo und wäre es auch nur Ehren halber nur durch das fürchterlichste Blutbad als möglich gedacht werden. Die letzte Bekanntmachung des Ober-Präsidenten verbietet das Tragen der Sensen. Mehr vielleicht als 20,00 Sensemänner stehen tm Großherzogthume. Will der Ober-Präsident zur Ent­waffnung dieser 20,000 das Heer aufrufen k denn gutwillig legt sie nicht nur Keiner meder, sondern ihre Zahl vermehrt sich im Gegentheil unter den Augen des Militärs mit jeder Stunde dann ist der Krieg erklärt. , _ ,

Köln, den 1. Apnl. Unsere Tag es presse hat heute eine neue Wendung genommen. Der Rheinische

Beobachter erscheint nicht mehr, er hat nicht genutzt, als er erschien, er nutzt nicht, indem er verschwindet. Die Kölnische Zeitung erscheint von heute au ohne Adler, dennoch ist sie entschieden preußisch und für preußische Hegemonie, was auch allein richtig ist. und von GervinuS trefflich vertheidigt wird. Der Kölnische Anzeiger scheint die Rolle eines demokratischen Blattes im Ultrasinne übernehmen zu wollen, um die entschlafene Rheinische Zeitung zu ersetzen und die Beruhigung zu hindern.

Ueber die Lage deS Hauses A. Sch n ist noch nichts Entschiedenes bekannt mit man erwartet Hülfe der Staatsregierung, weil viele FabriketabliffemeutS sonst leiden würden; sonst stehen die Verhältnisse dieses HauseS gut, nur daß die jetzige Krisis eine Stokung der Baarzahlungen herbe-geführt hat. Die Activa über­steigen die Passiva um 2 Mill. Thlr.

Die KriegSreserven sind in diesen Tagen, da die schöne Witterung den Landbau vorantreibt, ent­lassen worden.

Koblenz, 1. April. AuS glaubwürdiger Quelle vernimmt man heute hier die Nachricht, daß eine dem General-Commando hier gestern zugegangene Estafette die Nachricht überbracht habe, daß unser zu Saarlouis und Saarbrücken stationirteS 9. Husaren-Regiment ein Gefecht mit den über die Gränze übergedrochenen fran­zösischen Proletariern bei Lehbach bestand, dabei 10 b>S 12 Todte verloren, jedoch den Sieg davon getragen habe. Die hiesige Festung wird in Kriegszustand gefetzt. Die großen Werke Feste Kaiser Franz und Alexander cieffeitâ deS Rheines und jenseits der Mosel werden gegenwärtig verproviantirt und sind bereits vollständig mit Pallisade» und vorgeschobenen Blockhäusern umgeben; nunmehr nimmt man die Verpallisadirong unserer Stadt vor dem Mainzer Thore vor. Im hiesigen Schlosse sollen die kostbaren Möbel eingepackt und von da auf den Ehreu- breitstein geschafft werden. Vieler Gemüther dahier hat sich die Angst bemächtigt und man hört von zahlreichen Familien, welche sich zur Abreise anschicken. Auch hier hört man von Fällen, daß Ofsiziere unzufrieden mit der neuen Umgestaltung der Dinge bei uns beabsichtigten, ihren Abschied einzugeben, es sollen darunter mehre Offiziere des 7. Ulanen-Regiments sein, welches jetzt vou Bonn nach der Gränze auf dem Marsche ist.

® Vom Wcsterwalv, 4. April.

Das landesherrliche Edikt vom 11. März v. I., wodurch in Gemäßheit zu der Proclamation vom 4. März die allgemeine Volksbewaffnung im Herzogthum Nassau zum Gesetz erhoben ist, enthält in § 5 die Bestimmung: Verbindlich zum Dienste als Wehrmann ist jeder waffenfähige Nassauer vom vollendeten 16. bis zum zurückgelegten 54. Lebensjahre" mit den in § 6 näher bezeichneten Ausnahmen. Haben nun gleich die meisten Gemeinden des Herzogthums Nassau diese ge­setzliche Bestimmung durch Errichtung von Bürgergar- den bereits verwirklicht, so ist doch auch von einem großen Theile dieser Verbindlichkeit noch keineswegs Genüge geschehen; vielmehr beharren noch viele Nass. Gemeinden in träger Gleichgültigkeit gegen diese so wich­tige Drache des Vaterlandes, verschanzen sich hinter ihre Selbstsucht, haben vor lauter eigennützigen Kleinigkeits­krämereien gar keine Ahnung von den'großen Lebens­fragen des deutschen Vaterlandes, zeigen darum auch nicht das mindeste Interesse für das Gesammtwohl Deutschlands, sondern lassen nach ächt philiströser Be­rechnung Andre gewähren, überzeugt:wenn es zur Theilung und zur Ernte geht, kommt auch der Kräh­winkler Landsturm immer noch frühe genug"! Des­gleichen unerfreuliche Erfahrungen werden namentlich auf dem, dem politischen Leben und Treiben ohnedies etwas entfremdeten Westerwalde hin und wieder keineswegs jedoch durchgängig gemacht; eine Er­scheinung, die übrigens ihre natürliche Erklärung theil­weise darin finden dürfte, daß die Bewohner des Wester­waldes, als des ärmsten Landestheiles, an der Bestim­mung des § 21 des v. n. Edictes, wonach die Wehr- männer der Regel nach sich selber die Waffe» zu stellen haben, besonderen Anstoß nehmen; sowie anderen Theils wohl auch darin, daß in dieser Gegend von den großen politischen Bewegungen nur sehr spärliche Kunde durch öffentliche Blätter verbreitet wird, vielmehr die mitunter so tumultarische Entthronung der sogenannten Dorfkönige der wichtigste Gegenstand für jene politische Kannegießeret bleibt. Sehr zeitgemäß und ersprieß­lich dürfte es daher sein, wenn das Herzog!. Gouver­nement die Ortsschultheißen oder die Lehrer auf dem Lande, die wohl jetzt allerwärts eine Zeitung halten, ver­anlassen wollte, das Wichtigste daraus wöchentlich einige Mal vor versammelter Gemeinde vorzulesen, damit der poli-tische Horizont auch des Bauers nach und nach überfeine Scholle hinausreiche und vaterlän­disches Interesse auch in den untersten Volksschichten allgemeiner werde.

tim sodann die beregte Abneigung gegen die BolkS- wehr, resp. Selbst-Bewaffnung zu beseitigen, dürfte die Anschaffung sämmtlicher Waffen auf Staats­kosten, wie bereits in Aussicht gestellt sein soll, ein für alle Mal und baldmöglichst als Grundsatz aus­zusprechen sein. Sehr leicht würde dann die Volkswehr allerwärts in's Leben gerufen sein.

Um aber auch den Sklaven der Selbstsucht und gleichgül­tiger Theilnahmlosigkeit äußerlich wenigstens zum Pa^ trioten zu stempeln und zur Muskete zu führm, dürfte al- letzte Maßregel das zu empfehlen sein, die zum Gesetz erhobene allgemeine Volkswehr keinen Augenblick länger der Willkühr der Einzelnen zu überlassen, was in sich ein Widerspruch ist, sondern durch die Herz. Beamten allerwärts, wo dies nicht bereits geschehen ist