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IV- SS.

Naffauischs Zcilung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, 8. April L8L8.

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Deutschland.

9 Monarchie oder Republik?

II.

Wiesbaden, 6, April.

Knüpfen wir also an die Worte unseres großen Montesquieu an:

Das Princip der Republik ist die Tu­gen d."

Eine wahre, freie und wirkliche Republik, eine Republik mit Republikanern, ist nur dann denkbar, wenn jeder einzelne Staatsangehörige gesonnen ist, sämmtliche Güter, alle Vortheile und alle Einzeln­interessen dem allgemeinen Besten zum Opfer zu bringen, wenn jeder zuerst und vor allem Bürger, nichts als Bürger, und nur nebenbei auch Familien­väter, Bauer, Handwerker, Fabrikarbeiter oder dies und jenes ist. Sobald aber diese republikanische Tu­gend dieses durchgreifende stets wache Bewußtsein der bürgerlichen Aufopferungsfähigkeit fehlt, denn wird an die Stelle des Freistaates der Staat der Willkür tre­ten, ein Staat, in welchem der herrscht, welcher keine Schlechtigkeit scheut, um zur Macht zu gelangen und die erlangte Macht nur dazu gebraucht, um seinen Ehrgeiz, oder was noch schlimmer ist: seiner Habsucht zu stöhnen.

Daß dieser Grundsatz richtig ist, beweist uns die alte und neue Geschichte.

So lange Rom Bürger hatte, welche es zum höchsten StaâM hiiucp dem Pfluge wegbvlte, und » Ablauf ihrer gesetzlichen Amtsthätigkeit

zum Pfluge zurückkehrten, um die Hände, welche zur Regierung der öffentlichen Angelegenheiten nicht mehr nöthig waren, dem Baue ihrer Aecker wieder zuzu- wenden, so lange konnte es die republikanischen For­men ertragen, so lange wuchs cs gedeihlich empor, trotz äußerer Feinde und innerer Mißverhältnisse. Als aber die republikanische Tugend verschwunden war, ward cs, trotz aller Reichthümer, trotz aller Größe, trotz aller europäischen Macht, die Beute der Impera­toren und ihrer Prätorianerhorden.

So lange Athen Bürger hatte, welche nach Be­kleidung der höchsten Staatsämter in solcher Armuth starben, daß der dankbare Staat ihre Begräbnißkosten bestreiten mußte und ihre Töchter ausstattete, so lange blühte Athen als Republik. Aber sobald diese repu­blikanische Tugend wich, wurde es eine Beute seiner äußeren Feinde. Mit seiner alten Tugend und einem kleinen Heer hatte es den zahllosen Perserarmeen wi­derstanden, ohne die alte Tugend unterlag es, trotz seiner großen Kriegsmacht, einem makedonischen Bar­baren bet Chäronea, um sich nie wieder zu erheben.

Die Republik Karthago bildet dasselbe Beispiel.

Was war das Schicksal unserer neuen Republiken, die ebenfalls auf papiernen Constitutionen basirt wa­ren, statt auf die republikanische Tugend?

England hat die Republik proclamirt, um nach langen bürgerlichen Unruhen sein stolzes Haupt unter das Joch eines perfiden, heimtückischen Schurken, eines puritanischen Heuchlers, des Protektors Olivier Crom­well, zu beugen, der tyrannischer herrschte, als je ein legitimer Monarch geherrscht hat, und um erst nach länger als ein Jahrhundert wieder zu einigermaßen staatlich geordnet.» Verhältnissen zurückzukehren.

Frankreich hat im vorigen Jahrhundert die Re­publik proclamirt, um durch Ströme von Blut zu ei­nem Ziele zu gelangen, das ihnen die drückende Herr­schaft eines Soldatenkaisers bot, eines Emporkömm­lings, der nichts Eiligeres zu thun hatte, als seinen neuen Thron mit den alten Flittern eines neugebacke­nen Feudalismus zu behängen.

Frankreich hat nun abermals die Republik pro­clamirt, und was hat es damit erreicht? Ein Haufen arbeitsloser Fabrikarbeiter gibt sich für die Nation aus, tyrannisirt das Volk, richtet den Handel und Gewerbe zu Grund, belastet den Grundbesitz mit doppelten Steuern, lähmt den Credit und leert die öffentlichen Kassen, um von den vielen Eingriffen in das Privat­eigenthum ganz zu schweigen. Der edle Lamartine ist fast schon bet Seite geschoben, und Ledru-Rollin (ein zweiter Cromwell) erläßt Verordnungen, welche ganz denselben Styl tragen, wie die Ukase des Kaisers von Rußland. So groß ist die Verwandschaft der demc- cratlscheu Despotie mit der autocratischen Despotie.

Und warum mißrathe» alle diese republikanischen Versuche auf eine so schmähliche Weise? Weil cs an der republikanischen Tugend fehlt! Steckt wie Dioge­nes E"ch bei hellem Tage eine Laterne an und durch­wandert Europa von einem Ende bis zum andern, die republikanische Tugend findet Ihr nirgends. Wie, republikanische Tugend in dieser Zeit der Käuflichkeit und der Bestechlichkeit, des Aciicnschwindels, der Bör- senspeculativn, der Agiotage, des Papierhandels, der Kleinlichkeit und Krämcrhafligkcit nach allen Seiten hin? In dieser Zeit, wo jeder mit Dampfkraft dem Erwerb und dem Genuß nachjagt, wo keiner arbeiten will, aber jeder besitzen, wo man die theuersten Güter, die höchsten Interessen dem goldenen Kalbe des Mam­mons opfert? In dieser Zeil, wo wir über der Sucht eines jeden einzelnen, sich auf Kosten aller übrigen zu bereichern, beinahe alle Bettler geworden sind? Und aus solchem Stoff wollt ihr Republikaner backen? Oh über Euch Thoren und Kleingläubigen! Glaubt Ihr, daß diese verrottete und wurmstichige altersschwa­che Welt den frischen, schneidend kalten, reinen Hauch eines antiken Freistaats ertragen könne? Ich sage Euch, wenn Ihr die Republik einführt und in allen

ihren Conseqnenzen, auch nach der socialen Seite hin, durchführt, dann werdet Ihr Alle zu Grunde gehen und Ihr werdet höchstens der Dünger für die Erde sein, woraus vielleicht in ferner Zukunft eine Genera­tion ersteht, die frei und glücklich sein wird, weil sie tugendhaft ist.

Eine Republik ist diebeste Staats form" sagt Ihr. Ihr habt ganz Recht, sie ist die beste Staats­form, aber sie setzt auch diebesten Menschen" voraus. Habt Ihr den Muth, der Wahrheit einen solchen Schlag in das Gesicht zu geben, daß Ihr un­sere gegenwärtige Generation für diebesten Men­schen" erklärt, nun gut! dann versucht es einmal mit der Republik und wartet ab, bis die alte Schulmeiste­rin, die Geschichte, durch ihre Schläge Euch zeigen wird, daß Ihr im Irrthum wäret.

Wir werden stets wieder auf den alten Satz zu- rückkoinmen, daß es keine unbedingt und überhaupt beste Staatsform gebe, sondern nur eine beziehungs­weise beste, d. h. daß diejenige die beste ist, welche am besten zu unsern Verhältnissen paßt. Die Erfahrung zeugt uns aber, daß unsere Zustände nicht stark genug sind, um die Republik ertragen zu können, sondern daß die volksherrschaftliche Monarchie die einzige Form ist, in welcher sich für uns möglichst große Unbeschränkt- Heit der Einzelnen mit möglichst großer Wohlfahrt der Allgemeinen, in welcher sich Freiheit und Ordnung vereinigen lassen.

Auch hier berufen wir uns auf die Erfahrung. Seht Belgien, das kleine, aber glückliche und freie Land! Sein König sagt:Wenn Ihr die Republik wollt, so soll darum kein Tropfen Blut fließe», hier ist meine Krone, nehmet sie hin!" Aber das Volk ließ ihm die­selbe gerne, weil es wußte, daß sie seine Wohlfahrt begründe, daß die Republik unmöglich sei, weil sie eine Form sein würde ohne Geist. Seht Norwegen, das starke, nordische Bauernland, wo der König nicht einmal einen Orden vergeben kann, ohne die ständische Versammlung (Storthing) um seine Zustimmung zu fragen. Die Norweger brauchten nur zu wollen, und sie hätten eine Republik. Aber sie wollen nicht!

Doch man wird mir eimverfen:die Franzosen hatten ja eine conftitutionelle Monarchie und haben sie vernichtet." Darauf antworte ich: Diese sogenannte conftitutionelle Monarchie" der Franzosen war nicht das, wofür man sie ausgab, sie war ein Bund zwischen Louis Philipp und den Banquiers und den sonstigen Geldmenschen und den Advocaten, um dem Volk das Fell über die Ohren zu ziehen, eine volksberrschaftliche Monarchie war es nicht. Was wir wollen, ist ganz was anderes.

Schließen wir heute mit dieser europäischen Rund­schau.

Morgen mehr!

Deutschland und die Donaumündungen.

Ein Hntrüg zur Beleuchtung der äußern Verhältnisse des Vaterlandes und der europäischen Civilisation. Von einem Offizier. Siegen und Wiesbaden bei Wilh. Friedrich. 78 Seiten. Preis : 36 Kreuzer.

(Fortsetzung)

Unser Vaterland hat an zwei einander entgegenlie­genden Meeren eine sehr vortheilhafte Lage zu jeder Art von nationaler Thätigkeit; sie wurde aber noch günsti­ger sein, wenn im Osten und Westen nicht feindlich ge­sinnte mächtige Nachbarn und begränzten, wenn die Nord­küsten bessere Häfen enthielten, wenn sich der Rhein auf deutschem Gebiete mündete und ein aus dem innern Lande kommender Hauptstrom sich in'S adriatische Meer er­gösse, so daß nach Süden und Norden unsere überflüssi­gen Produkte mit gleicher Leichtigkeit auSgeführt werden könnten. Dies sind die Haupthemmungen unseres Auf- schwuuges, welche jedoch am meisten ausgeglichen wer­den können, indem die Häfen der Nordseite durch deut­sche Kraft zu verbessern sind, die Holländer, die meistens nur von unserm Schweiße /eben, unseren deutschen Rhein entlassen werden, wenn wir mit der Repressalie drohen, ihnen Nichts mehr abkaufcn zu wollen, und die Verbindung zwischen dem adriatischen Meere und der Donau durch Eisenbahnen für den WaarentranSport her­gestellt werden kann. Die letzteren, welche bereits im Bau begriffen, sind freilich noch kein zureichender Ersatz Ersatz für den fehlenden Wasserweg, doch wird der Bör

tust ausgeglichen, ja selbst überwogen durch die für Deutsch­land vielbedeutende Strömung der Donau nach Osten, durch welche wir auf die leichteste Art in Verbindung mit bim östlichen Europa und allen Völkern des inne­ren Asiens gelangen können.

Wir haben also Wasserwege genug, um uns über die ganze Erde zu verbreiten. Doch kann aber unsere Absicht nicht sein, indem Eroberung und Ausdehnung an Land und Leuten dem deutschen Charakter fremd sind, und wir nicht bloß Industrie- und HandelSnation sein wollen, wie Engländer und Holländer, sondern der Haupt­sache nach Agrikulturnation bleiben müssen, wenn wir unsern Grundcharakter, und hiemit unser deutsches We­sen nicht gänzlich verleugnen und aufgeben wollen. Wir bedürfen aber Handelsverträge und Kolonien zur Förde- derung unserer Einheit und unseres materiellen Wohles und insbesondere noch eine eigene Handelsmarine und Flagge, wenn wir ohne Verlust unsere überschüssigen Na­tur- und Kunstprodukte absetzen, und die zu unserer Kon­sumtion und Gewerbthätigkeit fehlenden Erzeugnisse an­derer Länder und Zonen erhalten wollen, wenn wir fer­ner nicht, wie bisher, den Hauptvortheil anderen Na- tionen überlassen, sondern denselben für uns selbst behal­ten wollen. _

WaS vorerst die Handelsverträge betrifft, so können solche 1) nur mit solchen europäischen Völkern Vortheil - Haft für uns Statt finden, welche im Verhältnisse zu ih­rem Areale und dessen innern HülfSquellen große aus­wärtige Besitzungen haben und genöthigt sind, zur eigè- nen Konsumtion und zugleich zum weiteren Betrieb uns

möglichst viele Gegenstände unserer Landwirthschaft und Industrie abzunehmen. ES sind dies allein nur die Hol» länder, denn die Engländer wollen keine Jndustriewaa- ren von uns und sind als weltherrschende HandelSnation gewohnt, die fehlenden Bedürfnisse da zu kaufen, wo sie am wohlfeilsten sind, um unS Deutsche sich aber am we­nigsten zu bekümmern, weil wir ihrer Alleinherrschaft bisher nicht die geringste Beschränkung allhaben konnten. Die Holländer aber, die am bequemsten und wohlfeilsten ihre fehlenden Bedürfnisse von uns erhalten können, und von uns zu kaufen gewohnt sind, sind nicht genügend, unsere überschüssigen Feldfrüchte zu verzehren, ihre Be­sitzungen in Ostindien nicht hinreichend, um unsere In­du stricprodukte alle gebrauchen zu können; andere Natio­nen der Art sind für unS in Europa nicht vorhanden, und so müssen wir denn 2) nach Handelsverbindungen mit außereuropäischen Völkern und Staaten unS umse­hen, mit solchen, denen wir unsere Kunstprodukte selbst zuführen gegen ihre überflüssigen tropischen und andern Erzeugnisse zur Konsumtion sowohl, wie für unsere Ge­werbthätigkeit. Solche Staaten sind vorzüglich Aegyp­ten, das Reich Marokko, Brasilien, einige aus dem vor­maligen spanischen Amerika entstandene» Republiken, der Staat von Maskat in Arabien, der Staat von Iran oder Westpersien, derjenige der Nsbecken im innern Asien, daS Reich Anam in Hinterindien und endlich China, welches gewiß mit Freuden die neugeborne deutsche Flagge aufnehmen wird, weil es keine politische Belästigung von ihr zu befürchten hat.

Bloß Handelsverträge sind aber nicht genügend, weil