Einzelbild herunterladen
 
  

100

aus reduciren sich die heute Abend Hieber gekommenen

Gerüchte von einem Treffen.

Auszug ans einem Briefe aus Kopen­hagen vom 29. März (per Dampfschiff über ra­vemünde). Nun wird es ernst mit dem ^ucge. dem sind 4000 Manu über den Belt nach Jütland gegangen, und wenn bie J2,000 Mann zusammen sind, reift der König selbst Freitag nach.

- (T r u p p c n d u r ch in ar sch). HE sind 100 braunschweigische Freiwillige, ähnlich Wsorm.rt wie die schwarten Jäger unter den braunschweigischen Truppen, hier durchmarschirt. Es ist eine rebr rüstige und entschlossene Schaar, mit welcker d.e Gchleow g- Holsteiner einen jedenfalls willkommenen Zuwachs ih­rer Streitkräfte erhalten.

In Altona erwartet man heute das Ueberkom- men hannoverscher Truppen; Bö,e und Schlepp­kähne waren ihnen zur Verfügung gelte litt worden , eine andere Version laßt die hannoversche Hulssmann- schaft vom jenseitigen Ufer die Wasserfahrt bis Glück­stadt machen, um dann per Eisenbahn weiter geschafft

zu werden.

Hannover, 30. März. (Die Bürgerwehr zu Hannover.) Die Bewaffnung der Bürgerschaft der Stadt Hannover ist vollendet, Alles steht unter den Waffen, die Stadt hat ein militairisches Ansehen gewonnen, welches doch so unendlich verschieden von früheren militairischen Schauspielen ist. In einer un­glaublich kurzen Zeit, nachdem einmal die nöthigsten Waffenstücke von der Regierung geliefert waren, haben sich mehr als 3000 Männer und Jünglinge unter die Waffen gestellt und der Leitung sâstgewchlter Führer- untergeben, eine imposante Piaffe wohnte der Parade vom 27. März bei und erfüllte beim Einmarsch in die Stadt durch Haltung und Zuversicht jeden Zuschauer mit Staunen und Freude.

Don der hannoverschen Grenze, 29. März. Der Geist der Anarchie macht bei uns immer schrecken- erregendere Fortschritte. Im Hannoverschen haben in Folge von Demolirungen adeliger Güter die Edelleute, wie man sagt, erklärt, hinfort nicht mehr Kavallire, sondern nur größere Gutsbesitzer sein zu wollen. Wir wollen die gewiß übertriebenen Gerüchte nicht alle mit- t(teilen, welche uns zu,gekommen sind. Abgebrannt soll zl B. das Kloster Lockum bei Rehburg sein, wo sich ein Prediger-Seminar befand. An vielen Orten sollen sämmtliche Amtleute und Assessoren fortgetrieben sein. Auch im Preußischen ist eine furchtbare Aufregung und Detaschements Soldaten sind nach Spenge (wo zwei adelige Güter' und fünf Kaufmannshäuser, auch einige Bauernhöfe demolirt waren) Enger, Jöllenbeck, Schil- desche und allen umliegenden .Gemeinden gesandt. Es soll sich in jener Gegend eine Bande von 600 Men­schen zu Raub und Minderung verbunden haben, von der indeß schon circa 100 eingefangen und nach Her­ford in's Zuchthaus gebracht sind. Heute aber ist in, Herford selbst Ällarm, weil die Züchtlinge das Zuchthaus a n g e st e ck t hatten und sich b e - f r e i e n w 0 l l t e n. Das Vorhaben ist glücklicher Weise nicht gelungen. Gott wolle uns beistehen und bald diesem ungeordneten Wesen Einhalt thun, in welchem sonst alles zu Grunde geht und wodurch diejenigen nicht allein leiden, welche noch etwas besitzen, sondern die­jenigen, welche von ihrer Hände Arbeit leben.

Lüneburg, 20. März. (Agitation g eg c n den Adel.) Gestern Abend mit dem letzten Zuge kamen unsere beiden Deputirten Grumbrecht und L a n g r e h r von den Berathungen zurück, und wurden mit donnerndem Jubel von der wogenden Menge empfangen; endloser Beisall folgte dem Berichte, den Hr. Grum- brecht in kurzer kräftiger Rede sofort erstattete. Heute in der Bürgervcrsammlung wird genaue Rechenschaft abgelegt. Damit wäre denn die erste Kammer gerich­tet, und mit ihr das ganze A d e ls r e g i m e n t mit allen seinen Mißbräuchen. Von selbst müssen die Pro- vinziallandtage fallen mit ihren adeligen Sinccuren, den Landräthen mit hohem Gehalt und keiner Arbeit; damit die Bevorzugung im Forstfach, die ungerechten Avancements durch die CapitainostcUen in der Garde. Die Volkskammer wird ihnen den Todesstoß geben. Möge sie denn auch die Ritter-Akademie hier nicht übersehen, deren gewaltige Fonds für die Bildung von anderthalb Dutzend Adeligen verwandt, d. h. un­nütz verschwendet werden. Wir brauchen keine Kasten- schule mehr, so wenig wie wir Kastengeist leiden wollen. Man hat nie'Fonds gehabt zur Hebung der Volksschulen. Wohlan, hier sind reiche Mittel zu reichem Segen. Was man für wenige Adelige, der Mehrzahl nach noch nicht mal mittelmäßige Köpfe, Jahrhunderte lang verschwendete, begründe die Bildung ganzer kommender Generationen des Volkes. Der Staat muß und soll für allgemeinen Unterricht sorgen, und die Bildung des Volkes selbst auf dem entlegensten Dorfe darf nicht mehr in noth- urftigem Schreiben und Lesen und gedankenlosem Aus- wendlglernen des Katechismus bestehen. Die Volks- schullehrer zollen gebildete Leute sein, nicht solche, die in jetzigen Jahren ihre Köpfe mit verschrobenem, zu- iSSV ^ gefüllt und abhängig eb Ueußerste von ihrem Prediger sind. Da thut kräftiges Eingreifen noth. Da sind Capitalien zu brau­chen.^ Drum ziehe man das Kloster St. Michaelis ein lammt seinen Pfründen. Man ziehe auch Ilfeld ein. Es ist ebenfalls nur eine Aristokraten-Schule;

.Shis Westphalen, 31. März. Ueberall, in Städten und Dörfern politisch erregtes Leben. Die Petitionen in den Landgemeinden gehen ihren Gang und schwellen wie eine Lawine. Ohne irgend eine

Verschiedenheit, haben sie alle, ohne Ausnahme: Freie Wahl ihrer Beamten, Äessiliguiig unbeliebter Lanb- räthè, Amtmänner nnd Regierungs-Beamten zum Ge- qcnftaube. In einer Petition war auch der Wunsch ausgedrückt: die überflüssigen Ober-Präsidenten abzu schaffen und für die Folge den Modus abzustellen, daß den Ministern unter Beibehaltung ihres hohen Ge­haltes, die Wahl einer Provinz zur Verwaltung frei- gestellt werde, falls sie dennoch als Sinecuren beibe- halten werden möchten. Auf den Dörfern hört man das Lied:Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!" in jeder Kneipe singen; freilich mit einer andern Ten­denz, als im Jahre 1813. Vom Landtage verspricht man sich wenig, anticipirt aber jetzt schon den Epilog: Gestern Abend war Vetter Michel hier." Höheres, weit höheres Vertrauen hegt man zu der Versammlung

in Frankfurt. Im Münsterlande hat sich der ge- fammte Adel vom Lande in die Stadt zurückgezogen, aus Furcht vor nächtlichen Ueberfällen, die im Pader- dorn'schen jetzt fast täglich, oder, wenn sie wollen, nächt­lich vorkommen. Grauenerregende Manifestationen der Bauern gegen den Adel und Gutsherrn durch Sengen und Brennen. Landräthe und Amtmänner auf der Flucht. Sonst ist die Stimmung in der Provinz dem Kö­nige gewogen, nur nicht den Beamten, welche saullen- zend das Mark des Landes verzehren. Besonders spricht sich der Unwille durch alle Classen der Gewerb- treibenden über die Gehälter der Präsidenten, Räthe und Stäbs-Offiziere aus. Nun, nur Geduld, cs wird bald anders werden, wenn wenn wenn die Reaktion nicht siegt, deren Strahlen sich an einem ge­wissen Punkte der Mark bereits nach allen Richtungen auödehnen. Wachet und seid auf der Hut, ehe das verhängnißvolle trop tard ertönt, (Elb. Ztg.)

Dal'mstadt, 30. März. In der gestrigen Sitzung des hiesigen Stadtvorftandes wurde unter Anderem der Beschluß gefaßt, die Grabstätte des Dr. Fr. Wei­dig solle der Familie als Eigenthum überlassen werden.

(Darmst. Ztg.)

Darmstadt, 30. März. Zitz soll in einem Briefe an Gagern mit förmlicher Opposition gedroht haben, wenn die Zusagen vom 6. März nicht einer schleunigeren Erfüllung entgegen gingen. Die Mainzer Zeitung aber gar erhebt eine Anklage gegen ihn. Man erschrickt, wenn man an die Möglichkeit denkt, daß Gagern zurnckträte. Doch gibt baS sein Patriotismus wohl nicht zu. Uebrt- gens ist wahr, daß er sich mit einigen Dingen hier ge­schadet hat. Es ist dies seine fortgesetzte, offen ausge­sprochene Neigung für die preußische Hegeinonle, zu einer Zeit, wo diese schon durch und durch unpopulär in Süd­deutschland geworden. Man that ihm darin Unrecht.

Stuttgart, 29. März. Die Stimmung ist in Würtemberg wie in Baiern gegen das preußische Prin- cipat. Gestern Abend wurde hier in ähnlicher Weise wie in München mit dem Bilduisse des Königs von Preußen verfahren. Man sollte die Frage über das Principät zu keiner vorherrschend persönlichen machen.

Wien, 29. März. Es ist der Voran'chlag der Staals-Elnu ahmen und Ausgaben für 1848 erschienen, in welchem wir unter Anderem folgende Summen finden: Einnahmen nach Abzug der sehr beträchtlichen Erbe- bungskosten 155,722,000 Fl.» Verzinsung der Staats­schuld 34,881,000 Fl., Ministerium des Aeußeren und diplomatisches Corps 2,345,000 gl., Militär 54,310,000 Fl., allgemeine Verwaltung 31,872,000 Fl., Polizei 2,159,000 Fl. Sehr auffallend sind für das Jahr 1848 die Rubriken:Judcnsteuer, geheime Auslagen für das diplomatische Corps und für die Polizei".

Wien, den 29, März. Die trüben Nachrichten aus Italien wirken erschütternd auf die Börse. Die Dankactien stehen unter pari, 5 pCt. 70, Nordbahn 78. Bedeutende Fallissements sind noch nicht vorgckom- men; aber Alles schwankt, und gehen die Arbei- terunruhen nicht bald zu Ende, so stockt jedes Geschäft. Der Uebergang aus Sclaverei zur Freiheit fordert seine schmerzlichen Opfer. So eben wird eine Deputation, 400 Croalen, angekündigt, die einziehen.

Wien, 30. März. Die Nachrichten vom Abfall Venedigs von der Erhebung Mailands haben in der Hauptstadt eine unbeschreibliche Sensation hervorgebracht. Venedig ruft dieWiener Ztg." aus, die stolze La­gunenstadt von der österreichischen Regierung und den österreichischen Truppen ohne Schwertstreich geräumt, das reich gefüllte Arsenal mit allen seinen Schiffen und Vorräthen verloren, somit unserer ohnehin so küm­merlich dähinsiechendèn Marine der letzte Stoß versetzt. Aus Mailand brachten die gestern Abends angekommei' nen Briefe kaum minder trostlose Nachrichien. Sollte uns wirklich die Schmach vorbehalten sein, ohne einen Ersatz ein Land aufgeben müssen, welches wir mit unseren reichsten Provinzen (den belgischen) erkauft, mit unserem edelsten Blute bezahlt haben, und welches durch die heiligsten Verträge zum Theile seit andert­halb Jahrhunderten zu uns gehört? Diese und andere

und für 40 Schüler braucht man nicht viele Tausende von Thalern. Mögen die Grafen Stelberg ihre Frei­stellen an andere Schulen verlegen. Hannover kann seine Fonds jetzt besser anlegen.

beängstigende Fragen stellt sich Jedermann, und Niemand weiß eine tröstliche Antwort zu finden. In Ungarn werden republikanische Tendenzen laut, und die letzten Beschlüsse des Landtages durchwühlen die ganze soziale, öeonomische und rationelle Lage des Landes, und brtn?- gen damit eine Spaltung selbst in das Lager der bis­her Verbündeten. In Galizien ist durch eine Art Volksanfstand die Robot mit einem Mal abgcschafft wor­den, und sonach eine finanzielle Revolution vollbracht, deren Nachrichten selbst abgesehen von jeder andern Be- wegung gefahrdrohend werden können. In allen übrigen Provinzen des Kaiferstaates, hier mehr, dort weniger, zei­gen sich die unvermeidlichen Krisen eines plötzlichen un­vorbereiteten Ueberganges von dein rücksichtslosesten aller B ev 0 rmu ndungssh ftem e zu einem Zustande der Freiheit, welche wenigstens in deutschen Ländern noch nicht da­gewesen ist. Wenn jemals, so steht die Monarchie jetzt auf dem Spiele. Wenn uns j mals ein starkes, thätiges, energisches Ministerium Noth thut, so ist es jetzt nur ein solches kann die Einheit der Monarchie vor einem Schiffbruch bewahren. Jeder Tag, welcher verloren geht, Unshlüssigkeit und Zaudern, ist ein Schritt vorwärts zum Verfall.

Großbritannien.

LsndlNr , 29. März. Von der Erhebung Schles­wig-Holsteins empfängt dieTimes" ihre Nachrichten aus Kopenhagen. Ihr Berichterstatter sagt:In dem nördlichen deutschen Theile von Schleswig scheinen mehrere Bezirke geneigt^ sich für die Vereinigung mit Dänemark auszusprechen, und nehmen dasselbe Recht, wie der südliche Theil deö Herzogthums in Anspruch, sich ihre Regierung zu wählen. Wir müssen soffen, daß die neue (dänische) Regierung, erwählt durch das gegenseitige Vertrauen von König und Volk, WeiSbeit und Kraft genug besitzen werde, um die Rechte deö Landes gegen die Uebergriffe zu vertheidigen, welche von Deutschland aus drohen."

XuitiWi, 30. März. DerSun" bringt folgende Nachricht:Revolution in Polen. Zerstörung Marsch a u S.

London, 31. März.So ost der Weltfriede ver­sprochen wild" sogt der Globe,kann man sich auf allgemeinen Krieg gefaßt machen. Während der letzten sechözig Jahre ist unS zweimal versprochen worden, daß künftig bloö Ideen vorschreiten und erobern sollen. Aber Ideen haben eine verwünschte Nücke, vorzuschreiten mit Pferden, Fußmannschast und Artillerie hinter sich. Zwei Meister des Handwerks pflegen sich nicht zu vertragen, und die beiden Autokraten von Handwerk, die einzigen beiden, die in Europa übrig geblieben sind wir meinen Kaiser Nicolaus und Hrn. Ledru-Rollin, es müßte ein Wunder fein, wenn sie sich vertrügen! Im Style ihrer Ukasen stimmen sie wenigstens bereits vollkommen überein.;... .. Preußen greift zum Gewebe mit teutonischer Hitze für Schleswig-Holstein^ und Karl Albert marschirt auf Mailand, damit er nicht in Turin entthront werde. Es muß sich zeigen, wie viel Rußland nach außen vermag, und die alte Unbill der polnischen Theilung wird an ihren Urhebern noch einmal schwer gerächt werden."

Belgien.

ISritlfel, 2. April. Zufolge Uebercinkunst zwischen Belgien und Frankreich ist den Polen Gratis-Transport von Paris bis Aachen auf dem Wege nach der Heimat gewährt.

Lomen, 2. April. In Brügge ist einer der Hel­den der Dicbsbande festgenommen worden, welche die Tuilerieen beraubt haben. Man hat in seinem Hause für 150,000 Frs. Juwelen gefunden. Der Verhaftete heißt Hoornau und ist aus Brügge gebürtig.

Königreich der Niederlande.

HnNA, 2. April. Man versichert aus guter Quelle, daß die StaatS-Commission, welche vom Könige mit dem Entwurf einer Verfassungs-Revision beauftragt worden ist, die directen Wahlen in den Entwurf auf­nehmen werde. Derselbe ist beinahe fertig und wird dem Könige noch im Laufe der Woche vorgelegt werden.

Spanien.

Auf außerordentlichem Wege ist in Paris die Nachricht angelangt, daß Madrid am 26. und 27. März der Schauplatz blutiger Auftritte war. Man hörte erst:Es lebe die Freiheit! Es lebe Isabella II.!" bald nachher aber:Es lebe die Republik!" rufen. Die Truppen mußten von ihren Waffen Gebrauch machen. Die Insurgenten sollen Erbitterung bewiesen haben. Zahl­reiche Verhaftungen sind erfolgt. Die Stadt ist in Be­lagerungsstand erklärt worden und man wird demgemäß die Gefangenen vor ein Kriegsgericht stellen. Die ma­drider Blätter vom 27. waren am 1. April zu Paris nicht angelangt. Privatbriefe von jenem Datum melden, daß die revolutionäre Bewegung am Abend deö 26. ausbrach nnd nach einem ernsten Conflict, wobei mehrere Personen getödtet wurden, durch die nachdrücklichen Maßregeln des Generäls Narvaez unterdrückt ward. Am 27. herrschte zu Madrid die größte Aufregung und neue Verhaftungen fanden Statt.

Börsenberichte.

Frankfurt, 5. April. Württemb. 3'/.pCt. Obl. 66 B. 64 G.; ^V.PCt. Obl. 79 P.; bat. 35 fl. Loose 21 B., 20 G.: darfst. 37,pst. Obl. 68 P.; Lott.-Anleihen 50 55 m;

furp. 40 Thir. Loose 19 P 18 G.; nass. 37, pCt. Obl. 73«., 72 G.; frankfurt. 3'/, pCt. Oblig. von 1839 89 P., oito von 1846 80 P,; Taunus-Eisenb.-Actien 245 G.

^1 Wilr-elm .vrredrrch am Fricdrjchsplatz. Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Friedrich.