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Wan jedenfalls die von Rußland für den Fall eines Krieges in Bereitschaft gehaltenen Mittel; es ist ganz Polen recht eigentlich mit Truppen vollgepfropft (es braucht dies nicht erst zu geschehen, wie Herr Dr. Libelt in der Zeitungshalle meint); in Warschau z. B. befinden sich so viel Soldaten, daß sie zum Theil auf den freien Plätzen campiren müssen. Es ist aber auch in Rußland selbst die kriegerische Begeisterung so groß, daß darüber alle Gährungen im Innern selbst, für die sonst allerdings der Stoff in Menge vorhanden ist, unterdrückt sind, und daß selbst alte Beamten als Officiere sich wieder melden, nur um an dem Kriege Theil zu nehmen. Auch will es uns manchen Anzei­chen nach bedünken, als ob unsere Regierung bis jetzt noch entschieden einem Kriege mit Rußland abgeneigt sei. Kurz, wir glauben, daß die Wichtigkeit eines Krieges mit Rußland und die dabei gegebenen Mög­lichkeiten gegenwärtig meist unterschätzt werden, und daß bis jetzt die Nothwendigkeit eines solchen Krieges auch noch keineswegs gegeben ist. Wohl uns, daß wir endlich den Einwirkungen von der russischen Haupt­stadt aus völlig und für immer entzogen sind, allein gefährlich ist es, schon jetzt bas Wechselverhältniß um­kehren zu wollen. Wir können schließlich auch nicht unerwähnt lassen, daß man in St. Petersburg weil besser über die Seitens Frankreich für den Fall eines deutsch-russischen Krieges zu befolgende Politik unter­richtet zu sein scheint als hier, wenigstens dürfte man sich täuschen, wenn man sich für diesen Fall jedweder Gefahr von Frankreich her überhoben wähnt.

Verlitt. Montag. (Erhebung Warschaus) (Durch den elektrischen Telegraphen.) Am Donnerstag den 23. März hat sich Warschau erhoben und ist über die Russen hergefallen, deren eS mehrere Hunderte tödtete. Warschau liegt in Asche, die Russen haben sich in die Citadelle eingeschlvffen, von wo sie die Stadt bombardirten. General Sobieski befindet sich in Berlin, um 200 Geschütze zu jedem Preise zu kaufen und Morgen verläßt uns auch die polnische Legion mittels Spezialzugs der Posener Bahn rc. rc.

Nerlin, den 1. April. Gestern Abend hielten die zum Vereinigten Landtage gehörigen Abgeordneten eine vorläufige vorberathende Versammlung, um sich über den sogleich beim Beginne des Lantages einzu- schlagenden Weg einiger Maßen zu einigen. Man sah bei dieser Gelegenheit zunächst, daß die Besorgniß, es würde ein Theil der Abgeordneten durch die in den Provtnzen vielfach herrschenden Verwirrungen und na­mentlich durch die bedenklichen Bauern-Aufstände vom Erscheinen abgehalten werden, ungegründet sei; denn es hatten sich bereits fast alle Abgeordneten eingefunden, oder man hatte doch von den noch fehlenden die Zu- ^TZ'fSr W'***. r-ch-r-lt»? erscheinen würden. Nur vlePoiei^WH. die Abgeordneten der Provinz Posen polnischer Herstammung, werden wahrscheinlich auS- bleiben, sei es nun, weil die bcklagenswerthen in dieser Provinz zum Theil bereits ausgebrochenen Wirrnisse ihnen die Entfernung aus ihren häuslichen Verhält­nissen unmöglich machen, oder sei es, um dadurch im Sinne der nationalen Reorganisation des Großherzog- thuins gegen die politische Gemeinsamkeit mit den übrigen preußischen Landestheilen schon eine Demon­stration zu bekunden. Dem Inhalt der Berathungen nach zu schließen, scheint es, daß der Landtag, völlig eingedenk, wie er in seiner gegenwärtig Zusammen­setzung noch das einzige berechtigte Organ für die Re­gelung der großen nationalen Angelegenheiten sei, seine Würde bewahren und sich zugleich den Fragen des Tages möglichst gewachsen zeigen wolle. Die Ver­suche, eine Incompetenz-Erklärung sofort beim Beginne der Sitzungen hervorzurufen, scheiterten an der Auf­fassung der entschieden überwiegenden Majorität der Abgeordncken, und es scheint daher, als ob der Land­tag in gemessener Erwägung die Feststellung zunächst des Wahlgesetzes übernehmen werde. Zuerst wird aller

nach beiden liegt unsre Wiedergeburt, eS liegt darin un­sere Nationalehre, daâ Gefühl, daß unter allen Völkern bet Erde und eine der ersten, wo nicht die erste Stelle gebühre, es liegt darin unser Ruhm und das Urthei der Nachwelt, welches gerecht ist wie Gotteâ Urtheil. Denn nicht können wir, denen die verklärte Morgen­sonne leuchtet, die von milder Frühlingsluft umweht, die von allen Zeichen eines verjüngten Geistes umgeben, zur Anwendung unserer Kräfte liebreich gemahnt werden, von unsern Kindern und Enkeln die Nachsicht des Ur­theils erwarten, die wir unsern Borältern schuldig sind, auf denen die niederdrückenden Nebel der untergehenden Wintersonne lagerte», die das Verhängniß für nicht be­gangene Sünden büßen ließ, um und, ihre Nachkommen <m Eintracht und Bruderliebe zu mahnen.

Und wir gewahren jetzt schon das neue Leben, das aus den Trümmer« einer öden Vergagennheit erwächst, an der Erkenntniß Dessen, waâ und Noth thue, um Zufriedenheit im Innern und eine Achtung gebietende Stellung gegen das Ausland zu erhalten, an dem Wi­derwillen und Eckel, welchen die zurückgebliebenen Schla­fen einer barbarischen Zeit, die Ueberreste von Kasten- Leist, Selbstsucht, SpießbArgersinn und Schlendrian in «ns errege«, wir gewahren es an unserer steigenden Land- wirthschaft, an der Vervielfältigung der Gewerbe, an dem regen Verkehr auf Straßen, Flüssen und Märkten, an dem Drange, unsern Handel nach Außen zu verbrei­ten, und nicht mehr die Miethlinge fremder Nationen zu sein, die ihre Kräfte aufbieten, die Entfaltung unse­rer nationalen Größe auf jede Weilte zu hemmen. Wir

sind auf dem rechten Wege zum Heile schon veredelt der deutsche Fabrikant die meisten Erzeugnisse der Land­wirthschaft und des Bergbaues, schon führt der Kauf­mann auf deutschen Schiffen einen großen Theil unserer Waareu in's Ausland und bis in fremde Erdtheile und bringt rohe Produkte zurück, um sie, in unsern Werk­stätten umgestaltet, auf'S Neue zu verbreiten. Die Wech­selwirkung unserer Nationalkräfte hat also begonnen; sie wird durch die Versammlung deutscher Naturforscher, Land­wirthe und Fabrikanten, durch die Eisenbahnen, welche in einem Jahrzehnt bad Vaterland nach allen Richtun­gen durchkreuzen, und in Gemeinschaft mit einem vorur- theilsfreien Wehrsystem ihm zugleich eine unbesiegbare Quelle von VertheidigungSkraft verleihen werden, durch Dampfschiffahrt und Ludwigökanal, dieses vielbedeutende Werk deutscher Kraft, und endlich durch den Zollver­ein befördert, der alö allgemeiner deutscher Han­delsverein ohne Zweifel in naher Zukunft auch die nordwestlichen Bundesstaaten und Städte, und selbst Oest­reich umschließen, und Deutschland zu einem gediegenen, unauflöslichen Ganzen verketten wird. Eine deutsche Schiff- fahrtâakte und Flagge wird dann den entferntesten Völ­kern bad in verjüngter Kraft wieder aufgelebte deutsche Vaterland, welches die Ruhe und bad Glück der Völker und die Veredlung bed Menschengeschlecht zu erstreben ücht, verkünden, und wir werden, trotz aller Widèr- prüche und bed Entgegenstrebeus fremder Nationen, die nit scheelsüchtigen Augen unserem Aufschwünge zusehen, auswärtige Märkte und eigene Kolonien erhalten, denn wir sind vielleicht, ja ich möchte sagen gewiß bad mäch­

Wahrscheinlichkeit nach von der Versammlung eine Adresse an den König erlassen werden, worin sie dem­selben für die Bewilligungen der letztvergangenen Zeit und für die damit zusammenhängende frühzeitige Zu­sammenberufung des Landtages ihren Dank und ihre unbedingte Zustimmung zu den als Stern für die Zu­kunft hingestellten Grundsätzen ausspricht, so daß damit also die neuesten großen Veränderungen in unserem Staats-Organismus schon vorläufig legalisirt und zu­gleich die Rechte des Landtages gewahrt werden. Man glaubt endlich, daß der morgen zusammentretende Land­tag nach Erledigung des provisorischen Wahlgesetzes sich noch mit einigen Petitionen, welche auf mannigfache Sicherheits-Maßregeln Behufs der Erhaltung der Ruhe und Ordnung im Staate gerichtet werden sollen, beschäftigen und sie dem Könige dringend ans Herz legen werde. (Köln. Z.)

Von der Warthe, 29. März. Die Rationen steige» in ihrem Preise. Es ist den Polen ge­wiß großes Unrecht widerfahren; dies wird aber nicht dadurch gesühnt, daß sie jetzt gleiches zufügen! Auch waren es nicht die Völker, die sie verletzt, sondern der Absolutismus, den diese jetzt mit ihrem Blute auch für die Polen gestürzt. Polen wird frei werden. Aber kann man die Gegenden Polen nennen, welche die Deutschen mit ihrem Schweiße erobert Habeid, die ein­zige legitime Art der Eroberung, welche gedacht werden sann? Vor fünf Jahrhunderten erschienen die Deutschen an der Warthe, Netze und Obra, sie rodeten Wälder aus, sie bauten das Land, sie düngten es mit ihrem Schweiße. Man sage nicht, eine Wiederherstellung Polens ohne seine alten Gränzen sei keine Wlederher- stellung, sondern eine neue Theilung! Das sind Redens­arten. Es hüben sich neue Staaten, die ihre Berech­tigung nicht in historischen Mißbräuchen, sondern in dem jetzigen Bestände der Nationalitäten finden. Die Gränz- bezirte gegen Preußen, die Mark und Schlesien sind deutsch und wollen deutsch bleiben. Sie wollen die schwarz-roth-goldene Fahne nicht im Stiche lassen, wenn auch die ganze deutsche Presse sie im Stiche ließe. Und doch gewinnt eS den Anschein, als würde das Traurige geschehen. In Posen hat sich ein National-Comite ge­bildet. Es nahm die stets geehrten polnischen Farben an. Leider aber kann der polnische Pöbel, der sehr zahlreich ist, die Idee eines freien Polens nicht von dem Gedanken au Mißhandlung und Knechtung der Deutschen trennen. Der Beweis ist leider schon geliefert. Es ist in Dusznik, bei Pinne, gesengt und geplündert worden; aus Neustadt b. P. wird keinem Deutschen (dazu rechnen wir natürlich auch die Juden) gestattet, ohne Erlaubniß deâ vom Comite ernannten Kreis-Co­mite ernannten Kreiö-CommissariuS zu verreisen; Leute, die durchaus nicht den niederen Ständen angehören, drohen vrn Deutschen mit Ritdermetzeln und mache« also den Pöbel mit diesem Gedanken vertraut; auch in Wre- schen, Rogasen und anderen kleinen Städten sind grobe Excesse Vorgefallen. Auch ein deutsches Comite aus Bewohnern der Stadt Polen hat sich gebildet, dessen Mitglieder wir vergebens nach ihren Vollmachtgebern fragen. Wenn man die Stimme des Volkes hören will, so berufe man zahlreiche auS Urwahlen hervorgegangene Kreis-Versammlungen und befrage diese. Wir deutschen Granzer wollen dem freien und einigen Deutschland angehören, so gut wie Ostpreußen das will. Versuchen wir, eine Verständigung anzubahnen. Der Kern des GroßherzogthumeS Posen ist allerdings überwiegend polnisch. Die Gränz-Districte find aber deutsch, und zwar ließen sich folgende Scheidungslinien der deutschen Bezirke und des polnischen Innern angeben. Von Thorn die Weichsel abwärts bis zur Brahe, diese bis Bromberg, der Canal, die Netze bis unterhalb Czarnikau, von da, etwa vom Dorfe Roski, eine Linie über Lirke, Tirschtregel, Bent- schen, Wollstein, bis zur schlesischen Gränze bei Sarne. Innerhalb dieser Linie blieben daun die Städte Blomberg, Filehne, Birnbaum, Lirke (?), Schwerin, Meseriß, Tirschti gel, Bentschen, Unruhstabt, Lissa, Rawicz Boja-

nowo. Diese enthalten reichlich 60,000 Einwohner unter denen gewiß kaum 5000 Polen; beinahe eben so wird daS Verhältniß der durch die von uns projectirte Linie zu Deutschland geschlagenen ländlichen Bevölkerung nn. Daß kein Pole in Deutschland, kein Deutscher in Polen wohne, läßt sich nicht erreichen. Nur soll die Scheidung in nationale Staaten, wenn die nöthige Abrundung erlaubt, keine willkürliche, sondern e«ne auf das entschiedene Borwiegen der einen oder an­deren Nationalität basirte sein. (K. Z.)

Danzig, 28. März. (B.-H.) Man ist hier voll Furcht vor einem Kriege mit Rußland; wir rüsten gewaltig. Es heißt, die Landwehr soll einge­zogen werden, das 5. Regiment hat Marschordre nach Bromberg; Danzig, Königsberg und Thorn werden armirt.

Stettin, 31. März. Eine Deputation der hiesigen Kaufmannschaft hat in einer Audienz bei dem Herrn Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Berlin von demselben die beruhigende Versicherung erbalten, daß bereits vor einiger Zeit Seitens des preußischen Kabinetts eine Note an das Foreign Office zu London gcrichlet worden sei, um, für den Fall einer Verwick­lung der schleswig-holsteinischen Frage, die englische Regierung zu schleunigen Schritten zum Schutze des Ostsee-Handels zu veranlassen' Das hohe Interesse, welches England daran zu nehmen hat, daß die Han­delsbeziehungen zwischen ihm und den deutschen Ostsee- Häfeii ungestört bleiben, gibt wohl ohnehin die sicherste Bürgschaft dafür, daß Lord Palmerston in Zeiten die geeigneten Maßnahmen getroffen haben werde.

(N.-V. d. O.)

Die Nachrichten aus Posen lauten beunruhigen­der, wie bisher. Die Anarchie ist vollständig. Die Polen organisiren den Krieg, während der Ruf der Deutschen nach Sicherstellung ihrer Nationalität immer lauter erhoben wird.

Stettin. DieBörsennachrichten" wollen von einem geheimen Tractat zwischen Dänemark und Schweden gehört haben, wonach letzteres dem ersteren Beistand zu leisten verpflichtet ist, sobald Schles­wig-Holstein sich von Dänemark losreißen will.

Schwerin, 20. März. Die Chevaurlegers in Ludwigslust sowie die hiesige Artillerie ist dem Ver­nehmen nach zum Ausmarsche nach Schleswig-Holstein bestimmt.

Kiel, 29. März. (A. M.) Die bis heute Nach­mittag von Rendsburg nach Norden abgegangenett Truppen werden bereits auf die Zahl von 5000 Mann angegeben. Die Vorhut stand gestern in Flensburg.

Kiel, 30. März Abends. Am Heutigen Nachinit- tage ist die mobile Mannschaft unserer Bürgergarde nach Rendsburg abgegangen. Man will hier Nach­mittags Kanonenschüsse gehört haben. Daß in Haders­leben gestern dänisches Militair aus Jütland eingerückt ei, wird als gewiß verbürgt. Ueber die Zahl desselben ist man nicht gewiß; es soll auf 800 bis 1800 Mann angegeben sein. Die Bauern im Amte Hadersleben 'raternisiren, wie man sagt, mit dem dänischen Militair. lleberaU an den Küsten Schleswigs wird ein Land­turm errichtet. In Angeln soll derselbe 10,000 Mann tark sein; bis zum 60. Jahre trägt Alles dort die Waffen. Freischaaren, theilweise aus den trefflichsten Schützen zusammengesetzt, organisiren sich und rücken örtwährend von Rendsburg aus, um die Küsten Schles­wigs noch besser zu decken. (Hamb. Corr.)

Hamburg, 31. März. (6% Uhr.) Ein däni- ches Kriegsschiff hat auf das auf Apenrade zuziebende chleswig - holsteinische Corps (bestehend aus Jägern, Turnern und Studenten) einige Salven gegeben, die edoch Niemand getroffen. Das Schiff entfernte sich Herauf und das Corps zog in die Stadt ein. Hier­

tigste Volk auf der Erde, wenn wir die Hand legen an'ö Schwert.

Nach auswärtigen Märkten und Kolonien also ver­langt der VoterlandSfreund; sie sind zu unserm materiel­len Wohle und zur Förderung unserer Einheit unerläß­lich, und wir werden daher unsere Ansicht» über diesen hochwichtigen Gegenstand unserer künftigen Wohlfahrt hier kürzlich darlegen. (Forts. f.)

* surft Metternich und der nassauische Steuer - Äammissâr. Der PariserCharivari" bringt in der Gestalt eineâ langen hagern Menschen ei» Bild mit Metternichs Phisiognomie. Flüchtigen Schritts enteilt jener, aber ein nassauischer Steuerkommissär er« »ascht den einen Frack-Flügel und ruft:Halt! erst ahle 90,000 fl. rückständige Steuern vom Johan- aiöberg!"

* Vor kurzer Zeit wurde in Glasgow die äußer­merkwürdige Probe gemacht, Feuer mit Dampf zu löschen. Man hatte in einem Hause je 10 oder 15 Fuß hoch in allen Winkeln und in der Mitte sich leicht entzündende brennbare Materien aufgehäuft, dieselben an- gezündet nnd bad Feuer 9 bis 10 Fuß hoch steige« las- sen. Sogleich fing der Dampf an, auü der Maschine in das Hauâ zu spielen, und löschte die Flamme in we­niger als zwei Minuten; nachdem die Thüre geöffnet ward, fand man ein Paar Minuten nachher den Brand vollkommen erstickt.