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Nation und seines Volkes,
lich in solcher Weise in seinem
kein anderer deutscher Fürst ihm vorzuzieheü, sucht Wahrheit gesprochen hat? — Wer fragt dies.
Die Wiener Zeitung wagt Éd; die gleich >in ” - ' theiblatte aus dem Bereiche okß J^W^cn dumpfes der Mannheimer Mtndzèitüiig , eine Antwort auf die Aeußerung des Königs ergeben läßt, in der sie sich nicht allein als die Stimmführerin des bis letzt geknechteten Oesterreichs, sondern ganz Deutschlands gerirt. Armer Wiener Scribent! Du willst der Vertreter des wackern Volkes der Oesterreicher sein! $aft Du bedacht, was Du gethan, welche Geister Du mit Deinen Habsburger» aus dem Bereiche der Vergangenheit heraufbeschworen? Hast Du bedacht, daß die, so Du meinst, keine Habsburger mehr sind, sondern Lothringer? Wenn Du dies nicht weißt, so gehe hin und belehre Dich an dem Buch eines gewesenen österreichi- <
giebt. Und was hat der österreichische Staat (das
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üben Staatsmannes, der die Schliche Eurer Politik »Herrliche Volk dieses Landes umarmen und heben nur '^ ^a^ ^«-mö^ flPrtvtfcri nnb PrfpiHIPtl ftp äsd ^iP »MsrtAon am htV mt* lind nnrh
unb Euren Egoismus aus eigenster innerster Erfahrung kennen gelernt hat; geh' hin und lies die Anemonen des Freiherrn von Horine r' er, — der ferner Zeit 0809} als Landeshauptmann von Tyrol gegen die französisch -baierische Occupation gewirkt, und den Euer System zum Dank dafür hinterher auf die Seite geworfen hat. l!nd willst Du mit den eigentlichen Habsburger» Dir ein Schild vorhalten, so merke Dir, daß man in Deutschland Gottlob noch so viel deutsche Geschichte versteht, um zu wissen, daß dies Haus gerade durch seine Habsucht und Ländergier der deutschen Macht und Hoheit das Grab gegraben hat. Der Ahnherr Rudolph I. hat es wohl gemeint mit dem deutschen Vaterland und war ein Mann, welchen Ehrentitel sich von Euren Spätlingen sehr wenige aneignen dürfen; noch besser aber hat er eö gemeint mit seiner Hausmacht, nicht allein deßwegen, weil er alle seine Fräulein, Prinzessinnen, Töchter
unter Churfürstenhüten oder Nachtmützen zu versorgen wußte, sondern weil er beträchtliche Reichslande, er, der kleine Gras, für sich und die lieben Seinen heimzuthnn wußte. In dieser Beziehung war er gewissemaßen Metternich I. Sein sauberer Sohn Albrecht I., der die, Freiheit der unabhängigen Schweizer morden wollte, überbot ihn in diesem Eigennutz ohne des Vaters wirkliche Größe zu besitzen. —
Und welcher Habsburger seit ihm hat es besser gemacht? — Du sagstvielleicht,der edle Maximilian I. Du nennst einen kühnen Helden, einen irrenden Ritter, der wohl an Artus Tafelrunde glorreichen Ruhm verdient hätte, der aber für Deutschland nichts gethan; man weiß es ja nur zu gut, wie ihm das Reichsre- giment und alle für Deutschland förderlichen Anstalten abgetrotzt werden mußten durch die Fürsten.
Die Spätern, mit einigen Ausnahmen, waren Blutegel für das deutsche Reich; soll ich Dir von Deinen Ferdinanden erzählen deren II. das corrosive Gift des Iesuitismus den Eingeweiden des deutschen Vaterlandes eingeflößt ? — Von da ab kein Mann mehr dis zu Joseph I., leider kurzen Angedenkens. Und noch einer der zweite Lothringer, der in edler Aufwallung mehr gewollt, als er gekonnt, Joseph II. Alle aber waren, mitunter bei völliger geistiger Impotenz, hab - und ländergierig und alles dies auf Kosten des gemeinsamen deutschen Vaterlandesund Reiches. Hätten sich Alle die blos negativ verhalten gegen die deutsche Nation, dann möchten sie hingehen, man würde ihrer jetzt nicht mehr gedenken, aber sie haben die Nation ohnmächtig machen helfen, sie lächerlich erscheinen lassen vor dem Auslande, die deutschen Interessen verrathen, um die Ihrigen zu wahren (;. B. der Friedensschluß, der das deutsche Reichsland Lothringen an die Franzosen preisgab) und wie viele Reichsstände haben sie nicht verhandelt blos um ihr dynastisches Interesse zu wahren, und wie haben sie die eroberten Länder behandelt? Man denke in Böhmen an die protestantische Bevölkerung, man denke in Ungarn an die Schlacht-
i, welche gemeinsam er wahr, »bank von Eperies, wo wie überhaupt ihre Letter Ie- ■inem Herzen getragen, daßjsuilen waren. Und wie haben sie dir.Ra^ “ * - Jtalkèüs mst Füßen getreten, und Ängefich . . ..
fließbüden Blutströme, die vielleicht, « < diesem Momente nicht aufhörest, wagj .
cher Scrrbentj-der soi-disant r zu er-
Eier Italien geht Euch dahm,semBoden.stv.el- leickt mit tausendfach mehr Blut gedüngt als Du, arm- ,-e iL Schreiber, dem Preußenkönig vorwerfen willst. Und was hat jetzt dieser König gethan? Er hatte auch In Posen eine Soldateska. Er hat den Polen ihre Freiheit, gegeben. Und in demselben Augenblicke war er der Erste, der den bedrängten Herzogthümern Schleswig und Holstein seine Hülfe zugesagt und verwirklicht. Geh', armer Schwätzer, und bedenke, daß Thun es ist, was für den Augenblick eine Berechtigung
und erkennen sie als -die unsrigen an, die mit uns nach einem Ziele gehen), was hat dieser Staat bis jetzt
gethan zur Beglückung der Völker? — Die Antwort wollen wir den edlen Oesterreichern überlassen, die dâ wissen, daß ihr Regiment zu einer Zeit gezwungen werden mußte zu Concessionen,' wo Friedrich Wilhelm IV. seinem Volke bereits nicht allein eine freie Verfassung angebahnt (1847), sondern vor jedem denkbaren Zwang freiere und höhere Berechtigungen gewährt hatte. Wir wollen der gegen den „Pöbel" kommandirenden Erzherzöge ebensowenig erwähnen wie des Prinzen von Preußen.
Sollten Gelüste auftauchen, den anberegten Gegenstand weiter in der angebahnten Weise zu verfolgen, so erklären wir, daß uns das ganze Bereich deutscher Historie zu Gebote steht, um jede derartige Anmaßung, wie sie dieser Wiener Correspondent vorgebracht, nicht allein nach allen Seiten zu widerlegen, sondern in grandiösem Styl lächerlich zu machen. —
Mkieslmden, 5. April. In dem Augenblicke, wo wir zur Presse gehen, bereiten sich hier sehr ernste Ereignisse vor. Wir stehen am Vorabende — der Republik.
Preußen und die deutsche Krone.
Unter dieser Ueberschrift kämpft Hr. Carl Gutzkow dafür, daß der König von Preußen deutscher Kaiser werde. Er meint: Deutschlands Wiedergeburt unter dem preußischen Banner ist, so lange wir in der constitu- tionellen Monarchie uns bewegen wollen, die einzige kraftvolle und Zukunft versprechende Lösung des Augenblicks. Wollt ihr die Einigung Deutschlands in wahrer Vollendung, so könnt ihr nur den Mächtigsten an die Spitze stellen, und Das, was ihr an seiner Person vermissen wollt, durch den Genius seines Volkes er- 'etzen ! Dringen diese Ansichten nicht durch, scheitern ne an einer unüberwindlichen persönlichen Abneigung, 'o treten folgende Fälle ein: Erstens werden wir um die Rußland in Schach haltende polnische Insurrectivn betrogen, da ein unter den Auspicien des Panslawismus friedlich geschaffenes Königreich Polen leicht mit dem Czar friedlich sich abfinden dürfte. Zweitens bürten wir die russische Invasion, die ein innerlich zerworfenes, militairisch unorganisirtes Deutschland, ein für den Augenblick an sich selbst irregeworbenes Preußen vorfände. Drittens endlich, wer schützt uns — vor Verrath, vor einer tiefangelegten, grauenerregenden . . . Intrigue? Alle diese Loose schlummern im Schoße der nächsten Zukunft, wenn Süddeutschland in seinen Ablehnungen und Protesten so fortfährt, wie es begonnen, es sei denn, daß der König von Preußen, der großen Mission seines Volks sich unterordnend, den Wink verstände, den ihm Gervinus im neusten Bulletin der Deutschen Zeitung gegeben hat. (D. A. Z.)
Vertin, 30. März. Seit gestern Nachmittag also haben wir ein neues, wenn auch noch kein voll-
-kständig besetztes Ministerium. Die Männer vom Rhein, l die Mänüek.,der entschiedensten Opposition vom ersten vereinigten Landtage sitzen im Rathe des Königs. Es mußte so komtnen, und der einzige Maßstab, mit welchem man die vbrdrängèn'ben Ereignisse jetzt mißt, ist die Ffaget ob ehrè Maßregel die auf der Bahn der Revolution liegende Bewegung zuvorkommend zu beruhigen oder ob sie nur „zu' spät" ihr nachzublicken versteht. Der Rücktritt des Grafen von Arnim, die Ernennung Camphausen's und Hansemann's ist spät, nach dem Maße der gegenwärtigen Bewegung sehr spät; aber wir glauben, nicht zu spät erfolgt. Die Arbeit, es ist wahr, welche die neuen Minister vorfin- den, ist eine desto schwierigere geworden; aber wir schlagen die Einsicht Camphausen's, die Tiefe seines Blickes nicht gering, und wir schlagen Hansemann's Energie, die Raschheit seines Geistes, seine Geschicklich- keit im Greifen und Handhaben der Dinge sehr hoch an. Man kann vielleicht zweifeln, ob nicht besser ge- ■ rade im gegenwärtigen Augenblicke der Mann des glücklichen und kühnen Handelns als der sinnige Theoretiker an die Spitze des Conseils hätte treten sollen; aber man wird darüber einverstanden sein, daß gerade die Verbindung beider Männer den Schwierigkeiten der Lage am meisten gewachsen ist. Daß der Geist der ganzen Entwickelung im größten Sinne mit in Rechnung gebracht werde, daß nicht etwa bloß mechanische Griffe, um ihn zu bewältigen und zu formen, in Anwendung gebracht werden, dafür bürgt Camphausen's Name, und daß über der Conception genialer Plane nicht das rasche Ergreifen des Moments und die Entschlossenheit zu außerordentlichen Mitteln verloren gehe, das ist vorgesehen durch Hansemann's Ernennung. Nicht zu spät aber ist dieser Schritt geschehen, nament- ich deshalb, weil es auch ein verhängnißvolles „Zu rüh" gibt.
Vertin, 31. März. Die „Allgem. Preuß. Ztg." >erichtet: Einverstanden mit den in dem Berichte vom wütigen Tage ausgesprochenen Ansichten und Vorschlägen, werde Ich von jetzt an die in Verfassungs-Ange^ egepheiten an Mich gelangenden Anträge an das Staats-Ministerium verweisen und ermächtige dasselbe, die Bittsteller auf solche Anträge mit Bescheid zu vergehen.
Potsdam, den 30. März 1848.
(gez ) Friedrich Wilhelm. An das Staats-Ministerium.
Vorstehende Allerhöchste Ordre ist auf Grund des ölgenden, vom Staats-Ministerium erstatteten Berichtes erlassen worden:
„Ew. Königl. Majestät haben durch die Procla- nation vom 21. März dem Volke den Willen zu erkennen gegeben, eine wahre constitutionelle VerfasssM mit Verantwortlichkeit der Minister etn^ffitFre», -Änv amit frei und groß es auszusprechen, daß,' wie Ew. Maj. seit dem Antritte Allexhöchstihrer Regierung ledig- ich von dem Wunsche geleitet wären, das Wohl des Volkes zu begründen und zu erhöhen, wie dazu die allmählige Entwickelung der ständischen Verfassung zu freieren Staatsformen als der richtige Weg von Ew." Maj. erkannt wurde, auch nunmehr derselbe Wunsch Ew. Maj. beseele, hingegen die Ueberzeugung gewonnen sei, daß zu dessen Erfüllung der bisherige Weg verlassen und an die bisherige Umgestaltung der Ver-- fassung mit Muth und Kraft die Hand angelegt werden müsse. Ew. Königl. Majestät, fest entschlossen, mit der dem ganzen Volke bekannten Treue und Standhaftigkeit der gewonnenen Ueberzeugung entsprechend zu handeln, haben uns mit der Vorbereitung der nothwendigen Maßregeln beauftragt, und wir glauben den Absichten Ew. Maj. zu begegnen, indem wir uns sofort für alle unsere Maßnahmen der künftigen Volksvertretung verantwortlich und den dieserhalb zu erlassenden Gesetzen unterworfen erklären. Wir sehen es als unsere erste Pflicht an, die Folgen des Rathes, den wir ertheilen werden, allein auf unsere Häupter
Dir geböte, bad Messer ihm in die treue Brust zu stoßen; aber thätest Du es, so ist eS mir, als ob ich Dich nicht mehr — achten könnte."
DaS Mädchen sprach die letzten Worte in auffallender Verwirrung und mit gesenktem Blicke.
„So mögen sie mit und hungern — verhungern!" — sagte der alte Alexei mit wildem Blicke.
„Ihr seid Männer und seid so kleinmüthig!" — rief Marie. — „Ein Wunder hat und bis jetzt erbalten, und ein Wunder kann uns, ja eS wird und retten! — $n wenig Stunden, in wenig Minuten, ja warum nicht in diesem Augenblicke, kann sich ein Wind erheben, welcher und zu dem vor unsern Blicken liegenden RettunqS- ufer bringt."
Durch eine im Leben so oft sich wiederholende Fügung, in der der kalte Verstand nur einen Zufall, bad Itnblnb glaubende Herz aber so gern ein Wunder sieht, begann ein leiser Luftzug über die Fläche herzustreichen; er kra-uselte auf einen Augenblick die spiegelglatte Fläche und schien —- erstorben. Dennoch war er hinreichend gewestN, Mariens Vertrauen bis zur Schwärmerei zu entflammen. „Seht Ihr," - rief sie - „unser Retter naht!" 1
»Laßt und einen der Schlitten zertrümmern *" __ sprach Fedor lächelnd. — „Wir wollen, Mariens'Hoffnungen theilend, so gut es aud den einzelnen Stücken des Holzwerks sich machen läßt, einen Mast errichten and aus der Lederbekleidung unb unsern Decken ein Segel verfertigen."
Alexei rührte sich nicht, aber Mane sprang munter
wie ein Reh ans der Scholle umher, und eS verging blähete eS sich auf, und die Eisscholle fieng an, sich zu nidjt eine Stunde, so hatten die jungen Leute einen, freilich kaum mannshohen Mast aus den Stücken zu- sammeng. bunden, mittelst Fedors Jagdmesser in bad Eis eingefenkt, unb endlich hieng auch ein nothdürftigeS Segel daran.
bewegen.
Schluchzend sank Marie an die Brust des Vaters, und der Alte wischte schweigend eine Thräne von der gebräunten Wange.
Fedor war indeß sehr geschäftig. Er eilte von dem Maste zu dem Geräthe und von diesem wieder zu dem Maste. Bald zog er einen Riemen stärker an, bald ließ er ihn nach, um einer vorbeitreibenden Scholle freien Raum zu geben. Jetzt verstärkte er den Mast, dessen Krachen ihn besorgt machte, durch einzelne, von den Schlitten noch übrig gebliebene Holzstücke, dann eilte er zu Alexei und Marien, um ihnen einige tröstende Worte zuzuflüstern.
Die Scholle schwamm indeß langsam und ruhig der Küste zu. Immer mehr näherte sich diese. Jetzt war man noch zwei Kabeltaulängen entfernt — jetzt noch eine — jetzt kaum noch einige Klafter.
„Viktoria!" — rief Fedor fröhlich, indem st die Riemen, die daS Segel gespannt hielten, plötzlich los- ließ, um den Stoß der Landung zu schwächen. — „Viktoria !" — rief er abermals, als das Segel im Winde flatterte, und'langsam und knirschend die Scholle sich an daS Eiöufer legte.
„Fort! fort!" — fiel Marie jubelnd ein, indem sie den Vater am Arme anâ Ufer zog, während Fedor diè Hunde in die Geschirre der Schlitten kuppelte, und letztere auf die vorragende Platte des EiswalleS schob. 1X4 „Keinen Augenblick länger als nöthig auf der dürre« Eiskruste, die zwischen uns und dem Abgrunde war!"
Lange hatte die Gesellschaft mit sehnsuchtsvollen Blicken die so nahe und dennoch unerreichbare Küste betrachtet, als Marie, nach der hohen See gewendet, freudig auörief: „Ich sehe ein Wölkchen am Horizonte, und täusche ich mich nicht, so empfinde ich einen leisen Luftzug."
„Du hast recht, theure Marie!" — erwiederte Fedor, nachdem er die Hand inS Wasser getaucht und sie eine kleine Weile aufmerksam emporgehalten hatte. — »Es ist kein Zweifel, eine kleine Kühle streicht über daS Meer; gebe Gott, daß sie stark genug wird, unser Segel zu füllen!"
„O gewiß, gewiß!" — rief Marie freudig. — „Aber wer steht und für den Strich deâ Windes?"
„DaS thue ich!" — antwortete Fedor fröhlich jubelnd. — „Eâ ist der Nord-Nord-Ost! und siehe — das Segel flattert!"
„Er schwebt daher auf den Fittichen de« Windes, und zieht uns aus den Wassern!" — rief Marie, auf die Knie sinkend, indem sie Arme und Augen zum Himmel erhob.
Eben strich der Wind pfeifend einher. Das Segel schlug ein oder zweimal klatschend an den Mast, dann