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RaffauW Zeitung.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden, «. April 1848.

Das bisherige Abonnement auf die Nassauische Zeitung, in Wiesbaden v i er t eljä h rig fl. 1. 45 kr., wird nicht erhöht. Abonnenten, welche mit dem 1. April eintreten, erhalten, soweit der Vorrath reicht, unentgeldlich die Nummern 117. Man abonnirt in Wiesbaden in der Expedition am Friedrichsplay ; im Herzogthum, sowie in ganz Deutschland, nehmen alle Postanstalten Abonnements an mit verhältNißm ä ßig er Preis­erhöhung. Inserate werden mit 3 Kreuzern für die dreispaltige Petit-Zeile berechnet.

derselben ausschließt und sie auf diese Weise selbst darauf hinweist, ihren politischen Docrrinen durch an­dere Mittel Geltung zu verschaffen, als durchParla­mentsreben.". Wir hoffen indeß, daß das, was die Einsicht der Wähler übersehen zu haben scheint, durch den Zufall wieder gut gewacht werben wird. Nach den fünfzig Obigen stehen der Stimmenanzahl am nächsten:

1) Hecker mit 173 Stimmen; 2) Leue 170; 3) Schauffler 165; 4) Voigt 146; 5) Ernst Leisler 144.

Von jenen Fünfzig haben aber bereits Zwei den Eintritt in den Ausschuß mit triftigen Ercusalious- gründen abgelehnt, so daß also auf die Nachstehenden weiter gegriffen werden muß und auf diese Weise Hecker und Leue ebenfalls in den Ausschuß eintreten würden. Es wäre freilich schöner gewesen, wenn Hecker, statt durch diesen Zufall, durch absichtliche Wahl in den Ausschuß gekommen wäre. Hinein gehört er jedenfalls. Er ist der Hecht im Karpfenteich!

Sonst finden wir in dem Ausschuß hauptsächlich das rechte Zentrum und nächst diesem das linke Zen­trum (Raveaur, Blum tt.) vertreten. Repräsentanten der Rechten (d. h. der äußersten) finden sich wenige.

Den Abend wahrscheinlich Näheres!

Der Ausschu hat sich constituirt. Soiron ist Prä­sident, Blum und Abegg Vicepräsiventen.

Wiesbaden, 4. April.

Als Nachtrag zu der gestrigen Mittheilung über den Wiedereintritt der aus der Sitzung vom 2. dieses ausgeschiedenen Mitglieder der äußersten Linken haben

* Frankfurt, 3. März Abends.

Nachdem von Jtzstein' den im Hof von Holland versammelten Republikanern den Gegenstand seiner Mission mitgetheilt hatte, entschieden sich diese letzteren dahin, daß sie sich darüber berathen müßten und ihren Entschluß demnächst mittheilen würden. Nach längeren Debatten gab die Versammlung die Erklärung, daß sie zurückkehren wolle, sofern die Majorität erkläre, die Zurückberufung der ausgetretenen Deputaten be­schlossen zu haben, und diese Erklärung in das Protokoll aufnehmen werde. Zwei An­wesende, welche jedoch nicht zu der Zahl der Ausge­tretenen gehörten, übernahmen es, diese Erklärung zu überbringen. Der Erfolg entsprach den Anforderungen der Republikaner und diese setzten sich demnach, 6 Fest­ordner mit der Schärpe, dem Zeichen ihrer Würbe, vorauf, in Bewegung, um in den Schooß der Volks­kammer zurückzukehren. Auf dem ganzen Wege dahin wurden sie von dem anhaltenden BeifaUrufe der Menge begleitet. Bei ihrer Ankunft an dem Vorposten der Bürgergarde präsentirte diese das Gewehr und ließ im Vereine mit einer dort stationinen Turnerabthei­

Deutschland.

9 Die Vorberathungen über das deutsche Parlament.

III.

Frankfurt, den 4. Aprll.

Ich beeile mich, Ihnen nachstehend das Ergebniß der Ausschußwaren mitzutheilen, indem ich die Namen der fünzig Männer, welche die meisten Stimmen er­hielten, zugleich mit der Anzahl der auf sie gefallenen Stimmen anführe.

Wiesner ans Oesterreich mit 457 Stimmen. V. Jtz- stein, Baden, 443. Blum, Leipzig, 435. Jacobi, Kö­nigsberg, 396. Kolb, Speier, 391. Abegg, Königsberg, 390. Soiron, Baden, 390. Simon, Breslau, 388. Schott, Würtemberg, 385. Murschel, Würtemb., 380. Raveaur, Köln, 373. Spatz, Rheinbaicrn, 369. Eisenmann, Baiern, 361. Schleiden, Schleswig, 361. Mathy, Baden, 356. Gülich, Schleswig, 356. Freu- dentheil, Hannover, 352. Graf Bissingen, Oesterreich, 350. Stedmann, Koblenz, 350. Venedey, Köln, 347. Schnelle, Mccklcmburg, 344. Siemens, Hannover, 342. Jürgens, Braunschweig, 340. Zachariä, Hannover, 333. Wippermann, Kassel, 328. Lehne, Rheinhessen, 322. Biedermann, Sachsen, 321. Hergenhahn, Wies­baden, 320. Rüder, Oldenburg, 321. Buhl, Baden, 315. Nonne, Hildburghausen, 314. Pierulf, Mecklem- burg, 313. Heckscher, Hamburg, 312. Cetto, Trier, 311. Duckwitz, Bremen, 310. Behn, Lübeck, 310. Schwarzenberg, Kassel, 309. Brunck, Rheinhessen, 307. ^ »i^k§ ^. n?5"Vt. ^06. Paaen^f^)^^ ^^^^td. 30»*- Vlltltâ^ PreiiMtr^ 301/ Briegleb, Coburg, 303. Flechier, Kurhessen, 298. v. Klosen, Baiern, 297? Pauer, Baiern, 296. Reh, DarmMt^'MS. Mack, Würtemberg, 285. Meyer, Preußen, 277. Wede­meyer, Preußen, 270. v. Wächter, Kanzler, Würtem- berg, 190.

Ich schloß gestern mit dem Wunsche, daß in dem Ausschüsse alle deutschen Stämme und alle politischen Meinungen vertreten sein möchten. In Rücksicht der Stammesunterschiede hat sich dieser Wunsch durch die obige Wahl so ziemlich verwirklicht, nicht so, bezüglich der Parteiunterschiede. Wir vermissen in dem Aus­schüsse Männer aus der äußersten Linken, wie Hecker, Zitz u. s. w. ist weder recht noch klug, daß sie durch die Majorität ausgeschlossen worden sind. Nicht recht, weil sie doch immerhin die politischen Ansichten eines Theils der deutschen, eines sehr großen Theils der badischen Bevölkerung vertreten. Nicht klug, weil dieselben, selbst wenn man sich auf den Standpunkt der Majorität stellt, in der Versammlung weit weniger gefährlich" (um denn doch einmal diesen philiströsen Ausdruck zu gebrauchen) sind, als wenn man sie aus

lung und der versammelten Volksmenge anhaltenden Bravoruf erschallen.

Auf dem Platze um die Paulskirche trat die Wache ebenfalls ins Gewehr und salutirtc, wahrend der Jubel der Umstehenden nicht nachlassen wollte. Sd betrat die Schaar unter allgemeinem Applaus die Kirche wieder, welche sie TagS zuvor, ihrer unerschütter­lichen Ueberzeugung folgend, verlassen hatte. Hecker bestieg die Tribüne und erklärte im Wesentlichen:

Es sei ihnen mitgetheilt worden, daß die Ver­sammlung den Beschluß gefaßt habe, sie in ihre Mitte zurückzuberufen. Nachdem durch die von Sei­ten des Bundestages erfolgte Zurücknahme der Aus­nahmebeschlüsse und durch den Rücktritt der unvolkS- thümlichen Gesandten ihrem Anträge vollständig ent­sprochen sei, hätten sie es im Interesse der guten Sache der Freiheit für ihre Pflicht gehalten, an den Berathungen wieder Theil zu nehmen."

Er schloß mit einem begeisterten Hoch! auf ba$ befreiete und einige Dcutschlenv.

Es läßt sich nicht leugnen, daß wir die so über­raschend schnelle Zurücknahme jener verhaßten Be­schlüsse, wie die Epuration der Bundesversammlung Dein Eindrücke zu verdanken haben, den das energische Austreten der äußersten Linken auf den Bundes­tag hervorgebracht hat.

Antwort für Preußen an die Wiener Zeitung» Nach der Elb. Zeitg.

Völker und Fürsten haben ihre Geschicke, die sie bald früher, bald später ereilen ; eins aber nur ist das Wei ende, das Dauernde, ... der Führung der Völker durch ihre Fürsten ein Zustand der Vervoll­kommnung der freien staatlichen Verhältnisse angestrebt wird.

Wie die Dinge jetzt in Deutschland stehen, so zuckt die politische Magnetnadel in fibrirender Bewegung nach dem Pole, der dem ganzen Bereiche der unser Vaterland umfassenden Kreise seinen Mittelpunkt ab- geben soll.

Friedrich Wilhelm IV. hat nach den Tagen des Blutes vom 18. und 19. März, mit denen weder sein Geist, noch sein Herz, noch sein deutsches Gefühl (hony soit qui mal y pense) eine Gemeinschaft hat, getragen von dem Jubel der Kämpfer seiner Haupt­stadt, verkündet daß er Deutschlands Sache zur Seini- gen machen, daß er in den Zeiten der Gefahr und Noth, die von Osten und Westen drängen, ein Führer sein wolle für unser gemeinsames Deutschland, fern von dem Gedanken der geringsten Usurpation, wie er es selber friedlich und bestimmt vor dem gestimmten Volke aussprach. Wer wagt es, unter den jetzigen Umständen ihn der Untreue zu bezüchtigen oder zu wähnen, daß er Angesichts der Erhebung der ganzen

Die Verbannten.

Novelle von C. v. Wachsmuth.

(Fortsetzung.)

Nie werde ich mein Leben auf Kosten des Deini­gen retten!" rief Marie hastig.Wie wäre es möglich, daß Du den vor uns liegenden Raum, diese ungeheure Strecke eisig kalten Wassers, durchschwimmen könntest?"

Marie hat Recht!" - fiel der alte Alexe. dem Mädchen in die Rede.Du müßtest umkommen, selbst wenn wir glücklich daS Land erreichten; die durch­näßten, sich augenblicklich in Eis verwandelnden Kleider brächten Dir nach solcher Anstrengung selbst am Lande noch den Tod."

Ich habe Eure Weigerung vorausgesehen!' ent­gegnete der Jüngling.Hört darum meinen zweiten Vorschlag: Marien besteigt einen der beiden Schlitten, ich den zweiten; sobald wir am Lande angekommen sind, kehre ich um und hole Euch nach. Waö meint Ihr da­zu, Vater Alexei?"

Das ließe sich nun eher ausführen!" antwor­tete dieser.

Nimmermehr!" rief Maric eifrig.Ganz abgerechnet, daß der leiseste Wind hinreichte, eins oder beide der gebrechlichen Fahrzeuge umzustürzen, und daß bei Annäherung der Gefahr, um mich zu retten, indem Du das Umschlagen des Kahns verhüten wolltest, Du Dich in das Waffer stürzen würdest; was, frage ich,

sollte auS dem Vater werden, zu dem zurückzukehren in diesem Falle unmöglich sein würde? Ich weiß eS, nichts würde Dich abhalten, seine Rettung zu versuchen, und wir würden alle drei getrennt umkommen. Nein! laß lieber vereint und sterben. Mit Euch habe ich den Muth, daS Acußerste zu wagen, ja, Ihr werdet mich ruhig dem Tode inS Auge blicken sehen; getrennt von Euch würde Verzweiflung mich ergreifen."

Der alte Alexei hatte indeß still und stumm da ge­sessen. Allem Anscheine nach waren die letzten Worte der Tochter seinem Ohre unbemerkt vorübergegangen. Nach langem Nachdenken erhob er sich rasch, indem er dem Rande der Eisscholle näher trat.

Getraust Du Dich, Fedor," sagte er ruhig das Mädchen bei dieser Windstille glücklich an'S Land zu bringen?"

Ich sitze meinen Kopf zum Pfande!" erwiederte der Jüngling.Ihr hört indeß , daß Marie nicht einwilligt."

Sie wird einwilligen!" fuhr der Alte in festem Tone fort.Da wir indeß" sprach er weiter leicht getrennt werden könnten, so vergiß nicht, daß Papiere in dem schwarzen Kästchen zu den Häupten mei­nes Lagers" . . .

Was wollt Ihr thun?!" rief Fedor, den Al­ten, welcher sich ihm zu entreißen suchte, plötzlich am Arme fassend.

Vater, denkt an Gott!" schrie bad Mädchen, sich dem Alten zu Füßen werfend, und indem eS seine Kniee umklammerte.Was Ihr auch thun wollt, ich

bleibe bei Euch, ich folge Euch nach, und wäre eS bis auf den Grund des Eismeeres!"

So haltet Euch denn zu einem gemeinsamen Tode bereit!" sagte der Alte kalt und bitter.Eine andere Rettung ist unmöglich."

Unmöglich?" rief Marie aufspringend, indem ihr Auge leuchtete.WaS ist dem Herrn unmög­lich? Ha! sagt nicht der Psalmist, spricht nicht der königliche Sänger: siehe, er fuhr auf dem Cherub unb flog daher, er schwebte auf den Fittichen deck WindeS; er schickte auS von der Höhe und holte mich und zog mich aus tiefen Wassern? Sagt, mein Vater, welche Gefahr wäre eS, aus der der Herr nicht helfen könnte? Welchen Trost gäbe eS, wenn jene Worte nicht mehr trösteten? welch' ein Glaube wäre der, der nicht vor­hielte im Augenblicke der Gefahr?"

Ich verzweifle nicht an unserer Rettung" sagte Fedor ruhig.Der kleinste Wind, der leiseste Nordost könnte sie uns bringen; dennoch würde eS gut sein, auf Mittel zu denken, unsere Subsistenz bis dahin zn friste«. DaS erste dieser Mittel wäre, die Hunde bis auf den zu tödten; unser Proviant reicht nicht einmal auf 24 Stunden."

Die Hunde tödten? die treuen Thiere?" rief Marie schmerzlich, indem sie FedorS Hand ergriff. Ich kann die Nothwendigkeit der That begreifen, aber wie Du sie ausführen willst, begreife ich nicht. O, sieh nur in die lieben Augen dieser alten Leidensgefährten!" fuhr Marie fort, als einer der Hunde wedelnd an ihr emporsprang; ich kann mir denken, daß der Verstand