sein; Feldmarsch all Radetzky ist auf dem Rückzug aus Mailand nach Verona, unter dessen Mauern sich zweite Armeecorps unter Feldmarschalllieutcnant d Aspre sammelt. Beide Armeecorps zusammen zählen, nach dem Abfall der italienischen Truppen und den erlittenen Verlusten, noch etwa 60,000 Mann.
Sriest, den 24. März. C* 3J Als bieJM> richt von den letzten Ereignissen rn Venedig hier ein- traf, erließ unser Gouverneur einen Aufruf, der einen außerordentlich aünstiqen Eindruck auf unsere Bcvolker- 2 eilten vor den Regierungspalast
um dem Kaiser der Institution und dem Gouverneur, der sich so wie der Feldinarschalllieutenant, Graf Glu- lay W der PoL-sirettor Ritter v. Schicht sehr populär zu machen wußten, ein Hoch zu bringen. Welches sind unsere Farben? fragten viele stimmen. Der Gouverneur zeigte seine Cocarde, und em be- aeistertcs Hoch erschallte. Nein, rief ein Fanatiker, Sem seinen Hernanihut mit der dricoloren Cocarde durch die Lüste schwang, und er würde von den er- bittetten Matrosen ins Meer gestürzt worden sem, hatte ibn näht die Nationalgarde sogleich umgeben und der Wuth derselben entrissen. Als der Felvmarschall Om- kap sichtbar ward, umringte ihn die dichte Masse, man umarmte und küßte ihn, Officiere und Burger schlossen einander an ihre Brust. Vo§liano la banda |$rte eo plötzlich, und wie eine immer mehr anschwellende Lawine wuchs die Menschenmasse mit jeder Minute, und zog das Musikcorps an der Spitze unter dem stur- msschen Jubelruf durch die Straßen. Plötzlich schlossen sich die Kaufläden. Die Nationalgarde trat unter die Waffen, arretirte einige mit dreifarbigen Farben, pa- trouillirte durch die Straßen; die Gemüther beruhigten sich und die Geschäfte nahmen bald wieder ihren gewöhnlichen Gang. Die Nacht verging vollkommen ruhig, und ein herzlicher Aufruf des Fcldmarschâeu- tenants trug vollends dazu bei, allgemeines Vertrauen zu erwecken. — Die hier im Hafen liegenden Wacht- schiffe, die, wie cs hieß, nach Venedig abgehen wollten, wurden desarmirt, und der Commandant nebst der Be-
satzung ist in Haft.
München, 26. März. Unserm Schreiben vom Gestrigen über die aufgeregte Stimmung dahier gegen König Friedrich Wilhelm von Preußen und über die sowohl öffentlich alö in vielen engeren Kreisen vorgekom- mrnen Thatsachen, welche diese Stimmung nur allzu deutlich beurkunden, müssen wir heute wieder einige Zeilen zufügen. ES sollen gestern von einer Menge junger Leute, denen sich voraussichtlich das Volk in Massen zugesellt haben würde, dem preußischen Gesandten die Fenster ein- geworfen werden. 'Mali teuere eS allgemein und eS wurde Alles aufgeboten, um auf dem Wege der Ueberredung die Aufregung zu beschwichtigen; aber ganz umsonst, und ohne daS augenblickliche Heroereilen zahlreicher Mrlitär- «annschaft würde wahrscheinlich arger Unfug getrieben worden sein. So ist'S mit einer lebhaften Katzenmusik und mit einiger Beängstigung für die Bewohner des Hotels abgegangen. Wünschen Sie nicht, daß wir die Wahrheit absichtlich unterdrücken, was uns übrigens zuletzt doch uicht für die Dauer gelingen würde, dann müssen wir offen bekennen, daß sowohl die Verbrennung des Königs in effigie vorgestern, alö wie die gestern seinem Gesandten gebrachte Katzenmusik noch lauge nicht der eigentliche Ausdruck dessen sind, waS sich in ganz München regt und bewegt, seit man aus Berlin die sichere Kunde
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von der Selbsterhebnng des Königs zum deutschen Ober-Ibeschluss«! vom â gemacht. Die Truppen sind bereits Haupte erhalten hat. Ganz gewiß ist e-ne Regen enhand- Arme Arsche nach ihren Sammelplätzen.
lung so shr zu spät entmeber ober aO«^ den 30. März. Die von hier aus
vorgestern nach Schleswig-Holstein «gegangene Freischaar fand hier reichliche Unterstützungen, sowohl zu ihrer schnellen Abreise, als auch zu ihrer Bewaff-
Za vor sechS Wochen, oder nur vor den Ere.gmssen in Wien — ober doch unter allen Umstanden- vor d Schlächterei in der eigenen Hauptstadt, a ^ jjnb Friedrich Wilhelm zu allen Deutschen reden mogcm U warum hat man nicht nach dem
den 28. März. Die allgemeine St^mung^gegen die Person des Königs ^Hvon Preußen als Führer der deutschen ^- Bewegung ist bekannt. Die Absicht und Gesin- ' nung unserer Negierung gegenüber dieser Frage kann, : wie mir scheint, keineswegs darauf gerichtet sein, je- ' gereizten Stimmung unbedingt zu folgen und der
der dneoloren Cocarde Deutschlend, die gerade jetzt mehr als
i je entfernt gehalten werden muß, dadurch in die Hände zu arbeiten. Wenn indeß mit dem Provisorium eines deutschen Königthums in Berlin beabsichtiget sein sollte, Baiern ganz und dauernd von der Leitung der deutschen Verhältnisse auszuschließen, so müßte dasselbe dagegen feierliche und ernstliche Verwahrung einlegen. Baiern kann nur wünschen, daß die definitive Con- stituirung des einigen Deutschlands in Frankfurt, also auf einem durchaus neutralen Boden, vor sich gehe. Daß unsere Regierung in dieser Weise die Frage entschieden wissen will, geht einmal schon aus der Nichtbetheiligung an dem beabsichtigten (nunmehr gar nicht zu Stande kommenden) Fürsten-Congresse hervor ferner daraus, daß Herr v. Gagern mit einem Haupttheile seiner neulichen Mission hier: nämlich Baiern für Uebertragung der deutschen Hegemonie an Preußen zu gewinnen, gänzlich gescheitert ist, endlich aus
der Wahl unseres neuen Bundestagsgesandten.
München, 29. März. Eine Deputation der Kam- mer der Abgeordneten, daS Direktorium der Kammer an der Spitze, überreichte gestern dem König die Adresse auf die Thronrede. Der König nahm dieselbe freundlich entgegen und äußerte, daß er alle Wünsche der Kammer, so weit immer möglich, erfüllen werde. — Eine Bürgerdeputation überreichte Nachmittags Sr. Maj. dem König die schon erwähnte Adresse bezüglich der politischen Manifestation des Königs von Preußen. Obwohl diese nur einen Tag auf dem Rathhaussaale aufgelegeu war, erhielt sie dennoch nahe an 9000 Unterschriften. Der König soll die Adresse sehr freundlich entgegengenommen haben. — Ein Bataillon des Infanterieregiments Kronprinz erhielt vorgestern Be- fehl zum Ausmarsch, gestern Abends aber erschien Gegenbefehl. Man glaubt indeß in militärischen Kreisen, daß in einigen Tagen die Infanterieregimente! König und Kronprinz unsere Stadt verlassen werden. (N. C.)
Ulm, 29. März. Ueberall, wo das nach der Gränze marschirte Militär sich zeigte, wurde es zuvorkommend ausgenommen, und als Beleg für die gute Gesinnung des würtembergischen Volkes mag die Thatsache dienen, daß man aller Orts den Truppen sich anschließen wollte, so daß die militärische Erekutions- truppe um mindestens iO—12,000 Bewaffnete vermehrt worden wäre.
Karlsruhe, 31. März. Nach einem Bundes-
26. d. M. sind das siebente und achte
NUNg.
Schweiz.
Seen, 24. März. Ueber Lola Montez sind wie im Stande, folgende Aufklärungen zu geben. Sie reiste von hier mit einem russischen Hofrathe, Baron v. Möller nach München und brachte dort mehrere Stunden mit dem König auf dem Polizcigebäude zu. Der König gab ihr eine Anweisung von 500,000 fl. auf Rothschild in Frankfurt. Um diese Anweisung, ehe etwas dazwischen treten könne, zu realisiren, gieng Lola nach ihrer Zurückkunft mit der Post nach Frankfurt ab, nur von dem Bedienten des Herrn v. Möller begleitet. Seit vorgestern Abend 9 Uhr ist sie wieder hier, mit dem Erfolg sehr zufrieden. Kurz nach ihrer Zurückkunst besuchte fit Peel, bei dem sie bis spät in die Nacht blieb. Sie spricht davon, daß sie bei ViviS ein Gut kaufen, und daß der König, von dem fast täglich Briefe anlangen, im Sommer hier mit ihr zusammentreffen wolle. Die Abdankung des Königs haben wir heute erfahren. Ich möchte vermuthen, daß er damit nur gezögert habe, um vorher seine Geldverhältnisse zu ordnen und Lola'S Zukunft sicher zu stellen. Wahrscheinlich werden wir ihn also bald in der Schweiz sehen.
Angarn.
Presburg, 25. März, Mitternacht. Der Erzherzog Stephan, dee Ministerpräsident und der Justizminister sind bereits gestern früh nach Wien gereist, um die k. Bestätigung der ungarischen Minister zu erhalten. Aber bis jetzt ist hier die Meldung solcher Bestätigung noch nicht eingetroffen. Dagegen berichten Privatmit- theilungen aus Wien, daß der Erzherzog Ludwig im Namen deS Königs die Bestätigung eines gesonderten und selbstständischen ungarischen Finanz- und KriegSmimste- riumü verweigere, weshalb der Erzherzog Stephan seine Entlassung einreichen zu wollen erklärte. Diese Nachrichten haben hier eine furchtbare Aufregung erzeugt. Die Juraten wollten selbst eine republikanische Bewegung machen und mit dem Militär anfangen, wurden jedoch von den Besonneren zurückgehalten. Man fürchtet aber nicht ohne Grund einen Ausbruch in Pesth, wo die republikanischen Gelüste sehr verbreitet sind.
Börsenberichte.
Amsterdam, 31. März. — 4 Uhr. Integrale 38; 3 pCl. hott. 42'/.; 4pCt. holl. 55'/,; 3'/, pCt. Synd. —; Handclm. - ; Ard. â 510 Pf. St. 67,; span. inl. 3 pCt. R. 20 7,; Port. 3pCt. R. — ; Port. 4pCt. 13'/.; 4pCt. russ. —; österr. 5pCt. Met. -; österr. 2'/,pCt. Met. 28 y,.
Paris, 31. März. Franz. 5pCt. R. 59. 75; franz. 3pC. R. 40. —; neue 3pCt, R. —. —; Neapol. —. —; Actien b. Bank von Frankr. 1150. —; St. Germain.-E.-V.-A. —. — ; Versailler (r. U.) 105. —, (l. U.) 102. 50; Paris-Orleans 522. 50; Paris-Rouen 340. —; Rouen-Havre 200. —; Marseille- Avignon 212. 50; Strasburg-Basel 80. —; Orleans-Vierzon 220. —; Orleans-Bordeaux 386.25; Nordbahn 322. 50; Paris- Lyon 290. —; Paris-Strasburg 335. —; belg. 3pCt. —; belg. 27,p6t. — ; belg. Bankactien —; Ardoins —; 3pCt. span. —; 3pCt. span. inl. —; Diff. —; paff. Sch. —; (3pCt. vor der Börse —; nach der Börse, 4 Uhr. —)
London, 30. März. Consols 80’/, a 81'/,; 5pCt. Ard. 11’/, â '/,; span. 3pCt. 207,; Port. 14'/,; Integrale 39'/,.
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Vom 1. April d. I. anfangend gehen ab:
1) der erste Eilwagen von Wiesbaden nach Limburg um 9 Uhr Morgens;
2) der Eilwagen von Limburg nach Dillenburg (nach Ankunft des ersten Eiswagens von Wiesbaden) um 2% Uhr Nachmittags;
3) die Personenpost von Rennerod nach Siegen (nach Ankunft des Eilwagens von Limburg) um 7 Uhr Abends;
4) die Botenpost von Idstein nach Neuhof um 8^2 Uhr Morgens;
5) die Botenpost von Runkel nach Limburg um 12 Uhr Mittags.
Frankfurt a. M., den 31. März 1848.
General-Post-Direktion.
Freiherr v. Dörnberg.
(70) vdt. Kölle.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Fciedrichsplatz. — Verantwortlicher Redacteur : Wilhelm Friedrich.