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Hamburg, 29. März. Heute Mittag ist eine Abtheilung von etwa sechzig Lauenburgischen Jägern hier burchgekommen, um den Schleswig-Holsteinern zu Hülfe zu eilen.
Altona, 39. März. Der heute Nachmittag ange- langte kieler Bahnzug meldet, daß die dänische Kriegsmacht sich bei der Königöau concentrirt. Scheel ist in Odensce angekommen. Ein dänisches, armirtes Dampf, schiff nahte sich dem flenSburger Hafen, da es keine Friedensflagge hatte, so wurde von einigen Freiwilligen geschossen, woraus eS sich wieder entfernte. Bei Alsen kreuzten zwei dänische Kriegsschiffe, und auch vor der Forte (dem flenSburger Meerbusen) sollen sich zwei Fregatten gezeigt haben. Heute wurden von Friedrichoort bedeutende Quantitäten Pulver nach Rendsburg geschafft.
— Ich komme so eben von Rendsburg zurück, wohin ich gereist war, um mich persönlich von dem Stande der Dinge zu überzeugen, da sich eine Menge widersprechende und übertriebene Nachrichten kreuzen. Bis jetzt hat noch kein feindliches Zusammentreffen mit den Dänen Statt gefunden. Die provisorische Negierung scheint in Voraussicht deö Beistandes Seitens Preußens und des zehnten Armee-CorpS die fremdep Freischaaren nicht begünstige» zu-wollen. Die VolkS-Bewaffnung im Lande selbst wird mit so großem Eifer betrieben, daß bereits daS kleinste Dorf seine Schutzwehr hat. Ueberhaupt ist der Enthusiasmus deS Landes unbeschreiblich, jm Dithmarschen und in Angeln, der Urheimat der freien Briten, zwei Marken, an der Norsee bis zur Eider-Mündung gelegen und von den reichsten Bauern bewohnt, die eS vielleicht in Deutschland gibt, haben Versammlungen v^n vielen Tausenden Statt gefunden und ist ein Landsturm von 800 Mann gebildet worden, welcher gerade während meiner Anwesenheit in Rendsburg eiozog. Ueberall spricht sich der beste Geist aus, man bringt die größten Opfer: ein Bezirk schickt Geld, der andere Pferde, der dritte Lebensmittel. General en chef ist der Prinz Friedrich. Der bekannte Philhellene, Oberst > Lieutenanl FabriziuS, ist zum Chef deS Generalstabes ernannt worden. Die Arbeiten bei der Armirung der Festung Rendsburg sind so weit gediehen, daß sie in VertheldigungS-Zustanb gesetzt ist. Doch fehlt eü noch an Kanonen, und heute soll eine Batterie von Hamburg eintreffen, welche der Senat, aber unbespannt und unbemannt, auâ dem Arsenal bewilligt hat. Ich habe den Prinzen Friedrich gesprochen, er ist voll Vertrauen und glaubet, bis zum Eintreffen der deutschen Hülfstruppen durch eigene Kräfte sich halten zu können. Er ist übrigens der Ansicht, daß die Dänen das Aeußerste aufbieten werden; der neue Kriegsminister ist ein Ultra. Man will sich der Landung der Dänen nicht widersetzen, und daü der Vertheidigung unfähige Kiel aufgeben, indem man eü sonst einem Bombardement auSsetzen würde. DaS Hauptquartier bleibt Rendsburg, der Schlüssel der Herzogthümer, vor dessen Mauern die Schlacht angenommen werden soll. Nach Jütland sind etwa 1200 Mann aufgebrochen, um einen Handstreich gegen die Festung Friderica, welche den kleinen Belt beherrscht, zu unternehmen. Hauptmann Lose kam gerade von Berlin zurück und meldete, daß 5000 Mann aus der Provinz Sachsen marschfertig stehen, in Havelberg eingeschifft und je nachdem in Altona oder Glückstadt landen sollten. DaS zehnte Armee-Corpö soll 4000 Mann, Hannoveraner und die Hamburger Division, mobil machen. Der Befehl zum Einrücken in die Herzogthümer soll aber erst in Frankfurt erfolgen. Ein weiter Umweg! An der Nachricht, England habe sich für Dänemark erklärt, ist kein wahres Wort; dagegen hören wir, daß von Dover her zwei Corvetten nach Helgoland beordert sind, wahrscheinlich, um die Mündungen der Elbe und der Eider zu bewachen. — Die provisorische Regierung, deren demokratisches Element durch den Eintritt deS Hrn. Olshausen gestärkt ist, entwikelt große Thätig, keit, auch in der Civil-Verwaltung. — Freudige Aufnahme hat die Abschaffung der Kopfsteuer gefunden, und morgen soll ein Decret erscheinen, welches daS verderbliche Lottospiel für ewige Zeiten verbietet.
Aus Schleswig-Holstein lauten die Nachrichten wie bisher. Ueberall Begeisterung für die Freiheit und das Vaterland. Auch im nördlichen Schleswig will kein Mensch etwas von der dänischen Jncor- poration wissen. Hin und wieder werden Waffen und Kriegsmunition genommen, die für die Dänen bestimmt waren; sie hatten sogar den Plan gemacht, Schleswig zu überrumpeln. Alle fremden Beamten haben das Land verlassen, mit Pässen über Lübeck versehen. Die Presse in Schleswig-Holstein ist frei. Die Aufforderung des Bundestages, die holsteinischen Truppen zum 10. Arnfee-Corpö stoßen zu lassen, ist in Kopenhagen zurückgehalten worden. Von dort aus vernimmt man, daß mit nicht geringerem Eifer, als in Schleswig gerüstet wird.
Verliu, 27. März. Ich habe in den letzten Tagen eine große Anzahl Zuschriften erhalte«, sogar schon aus den entlegensten Städten unseres Landes und -lle voll patriotischer Gesinnung. Sie sprechen sich auâ für daS verfassungsmäßige Königthum und für die Erhaltung deü gegenwärtig errungenen köstlichen Gutes, sogleich mit her Besorgniß daß wir hier in Berlin weiter gehen könnten, als die Wünsche der Provinzen reichen. Zur Beruhigung und Befreundung kann ich den geehrten Schreibern die Versicherung ertheilen, daß wir hier in Berlin gewiß nicht daran denken, einen Schritt weiter zu thun, als uns unsere Einsicht und unser Gewissen erlauben, daß wir unsern verfassungsmäßigen König als unsern Haltpuakt ansehen, und diejenigen, welche eS so und nicht anders meinen, noch zu einem besondere» Vereine zusammentre.
teu werden. Urban, einer der größten Helden der Barrikadenoacht, denkt eben so, die große Volksversammlung vom Sonntag hat sich nicht anders ausgesprochen. Es mag jeder offeu feine Meinung aussprechen, aber die Barrikadenmänner werden eö nicht dulden, daß nach ge. thaner Arbeit Andere jetzt ihr Haupt erheben, um das, was sie erstritten, auszubeuten. Die gute Sache steht hier unerschüttert fest und die Provinzen mögen sich beruhigen. Berlin will nicht Preußen, nicht Deutschland sein, wie Paris Frankreich geworden ist. Wir bleiben Alle Einer für Alle und Alle für Einen, und wer nicht denkt wie wir, von dem hoffen wir, daß Einsicht und vaterländische Gefühle ihn noch zu unS bekehren werden. Gezwungen wird Niemand. Wir können jetzt frei reden und frei schreiben, Jeder bleibe in seinem Rechte. — Gruß und herzliches Lebewohl. Julius Curtius.
Verlin, 28. März. Seit den Märztagen sind die Russen, welche sich hier in großer Anzahl zu ihrer geisti- gen Ausbildung anfhielten, wie verschwunden.
Vertin, 29. März. Die Lage Preußens wird von Stunde zu Stunde mißlicher! Heute Nachmittag ist hier eine Deputation Deutscher aus dem Groß- herzogthum Posen mit den himmelschreiendsten Klagen und Beschwerden eingetroffen. Die Kreise Chodzesen, Tscharnikow, Wirsitz und Bromberg haben die Herren Graf v. Königsmark, v. Leipziger, Seinsdorf, Fredersdorf, Stahl und Lesser hierher gesandt, um Hilfe gegen die Gefahr, welche vom polnischen Slaventhum der deutschen Nationalität droht, zu suchen. Jeden Augenblick fürchtet man in den 4 Kreisen eine polnische Invasion, welche die Deutschen um jeden Preis polni- firen will. Um 7 Uhr hatten die 6 Deputaten Zutritt beim Minister des Innern, v. Auerwald. Sie stellten ihm die drohende Gefahr vor; setzten ihm auseinander, daß die deutschen Einwohner (7a der Ge« srmmtbevölkerung) deutsch bleiben will; daß selbst der Bauer die Herrschaft des polnischen Adels mit Zittern befürchtet; verlangten Waffen und etwas militairische Hülse, um nicht wie Schlachtvieh von den fanatisirten Polen gewürgt zu werden. Allein sie erhielten eine ausweichende Antwort und sind nun außer sich, daß ! sieben Achtel von den 250,000 Menschen jener Kreise in ihren nationalen Gesinnungen keine Unterstützung finden. Selbst drei Viertel der Gutsbesitzer sind Deutsche. Die Deputation will nicht eher abgehen, als bis fiel eine entscheidende Antwort vom Könige erlangt hat. Ein Pole, den ich in dem Augenblicke, wo zwei von der Deputation von mir gehen, spreche, ist über meine Verhaltung bestürzt, und schreibt die Schuld dieser Stimmung, die er nicht in Abrede stellt, auf die Maßregeln der Regierung, um wenigstens die Polen in Schutz zu nehmen. Das ist also der Dank für die Benvendung Berliu'S, -das die zum Dove VcriMhri^ ten vom Tode betreit, den in die Nacht des Kerkers Geworfenen die Freiheit wieder verschaft hat. Das also ist die Bethätigung der festen Worte, welche die Polen an die deutsche Nation gerichtet haben!
Verlin, 29. März. Gegen die republikanischen Bestrebungen erheben sich gegenwärtig hier mehrere große Gesellschaften, die sich rasch nach einander als politische Vereine gebildet haben, Es wollen diese Vereine, denen die angesehensten und einsichtsvollsten Männer der Stadt aus allen Ständen angehören, eine Schutzmauer bilden für das constitutionelle Königthum in seiner freiesten und höchsten Entwickelung und zugleich die Hüter und Wahrer der errungenen Freiheit sein, auf daß der Nation diese kostbaren Güter ungeschmälert erhalten bleiben.
Berlin, 29. März. Nachdem der bisherige Vorsitzende des Staats-Ministeriums, Graf Arnim, und der Kriegs-Minister von Rohr heute ihre Entlassung kingereicht haben und dieselbe von Mir angenommen ist, habe Ich den Präsidenten der Handelskammer zu Köln, Camphausen, zum Vorsitzenden des Staats - Ministe- riums ernannt und bis zur Wiederbesetzung der Stelle des Kriegö-MlnisterS den General-Lieutenant von Reyher mit deren einstweiliger Verwaltung beauftragt. Zu- gleich habe Ich den Präsidenten der Handelskammer zu Aachen, Hansemann, zum Finanz-Minister ernannt und die Verwaltung deS Staatsschatzes und deö Münz- wefenS dem Vorsitzenden deâ Staats - Ministeriums in Gemeinschaft mit dem Finanz-Minister übertragen, wovon Ich daS StaatS - Ministerium hiedurch in Kenntniß setze. Friedrich Wilhelm.
Verlin, 30. März. Sicherem Vernehmen nach ist der Ober-Bürgermeister Pinder zum Ober-Präsidenten von Schlesien, und der Präsident v. Auerswald in Trier zum Ober-Präsidenten der Provinz Preußen ernannt. — Der Letztgenannte ist gegenwärtig hier anwesend. (Boss. Z.)
Berlin, 30. März. So eben, Nachmittags 4 Uhr, ist das 24. Linien. Infanterie - Regiment, von dem lebhaftesten Hurrah der zahlreich varsammelten Einwohner begrüßt, mit klingendem Spiele hier einmarschirt und hat die ihm angewiesene Caserue bezogen.
— Wie bereits aus der Bekanntmachung des kömg- lichen Gouvernements und deS königlichen Polizei-Prä- sidiums vom 29. März hervorgeht, so wird, — heißt eâ im amtlichen Theile der „Preuß. Allg. Ztz." -- dky getroffenen Anordnungen zufolge, die HülMeistung des Militärs zur Aufrechthaltung der Offenheit Ordnung nur für den äußersten Nothfall und ah^h dann nur auf ausdrückliche Anforderung der städtisch»« oder Civil -Behörde«, erfolge«.
— Ich beabsichtigee, ein eigenes Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten zu bilden, und beauftrage daâ StaatS-Ministerium, Mir wegen der dadurch bedingten Reffort-Veränderungen bei den bestehenden Central-Behörden schleunigst Vorschläge zu machen.
Berlin, den 27. März 1848.
(gez.) Friedrich Wilhelm.
— In Rußland ist Alleâ ruhig. Nur gibt sich eine moSkowitische Bewegung zu Gunsten deö Kaisers und gegen die Ausländer kund. Man will alle Deutschen und Franzosen fortjagen. — Mau glaubt, ohne dies jedoch ganz und gar zu verbürgen, daß am nächsten Sonntage der Landtag ohne Thronrede werde eröffnet werde«. — Es wird versichert daß daâ Wahlgesetz der Regierung einen Census, wenn auch nur einen sehr geringen, au* nehmen werde. Eine weite Adjunktion der Capacitäten werde statt finden. DaS Ganze soll an Belgiens Constitution mit Inbegriff der vom Ministerium Rogier kürzlich angeregten Modifikationen in mancher Beziehung erinnern. — Man rechnet aus, daß die preußische National-Versammlung, in den ersten vierzehn Tagen des Maimonats werde zusammentieten jköonnin.
Braunschweig, 26. März. Unser Herzog ist gestern in Begleitung des Staatsministers Freiherrn v. Schleinitz nach Berlin abgereist, wie man vermuthet, um über die mit so vieler Begeisterung von ihm er» griffe ne Idee eines deutschen Kaisers zu unterhandeln.
Halle, den 29. März. Die hiesigen Buchhändler haben einstimmig beschlossen, alle Pamphlets und fliegenden Blätter, die einen böswilligen Charakter an sich tragen und zur Anarchie aufreizen, unnotirt zurück zu schicken oder, falls sie annonym eingesentet sind, zu vernichten, um ihrerseits alles zu vermeiven, was die Aufregung vermehren könnte. Es scheint ihnen dieS eine Pflicht zu sein, die jedem Besonnen, jedem sein Vaterland wahrhaft liebenden Deutschen obliege.
(D. A. 3.)
Stettin, den 26. März. Nach den Borsen-Nach- richten der Ostsee hat die englische Flotte 52 dänische Lootsen angeworben, wie die Zeitung meint, um die englische Flotte durch das Kettegat in die Ostsee zu führen.
Pofen. Hier herrscht gegenwärtig ein Zustand, wel- cher der Anarchie nicht unähnlich ist. Leider läßt sich der alte Haß zwischen Polen und Deutschen so leicht nicht zur Ruhe bringen; Deutsche und Juden sind an vielen Orten schon der Gegenstand der Verfolgung geworden. Andererseits beginnen die Deutschen bei dem Gedanken zu erschrecken, daß sie von dem neubelebtcu deutschen Vaterlande gerissen^ werden könnten: eö sind ihrer beiläufig. 500,000 unter den 1,160,000 Einwoh- ttertt w ^toMwtg, â jmar bitte« (U m rrrfrn Kreisen die sehr überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung.
Pofe«, 27. März. Aus Warschau haben wir die Nachricht, daß eS auch dort anfängt sich zu regen, meß- halb der Militärgouverneur, Fürst Gortschakoff, Warnungen vor Zusammenrottungen unter Androhung militärischen Einschreitens hat .rgehen lassen. Eben erhalten wir die officielle Nachricht, daß bei dem Städtchen Slupze, hart an der preußischen Grenze, ein russisches Lager für 50,000 bis 70,000 Mann abgesteckt wird. Die ganze Grenzlinie ist mit russischen Soldaten besetzt. Alles hofft hier ans einen Krieg gegen Rußland.
Wien, 26. März. (N.Kur.) Wir sind hier dur^ die schrecklichen Ereignisse in Italien in eine neue fürchterliche Krisis gerathen, und die Stimmung und die Besorgnisse aller Art werden immer ernster. Der vertriebene Gouverneur von Venedig, Graf Palffy, traf hier ein. Seine Berichte haben die Staatskon« ferenz erschüttert. Aus Mailand fehlen alle Posten und direkten Nachrichten. In Gratz gab cs gestern Abends unruhige Scenen und in vergangener Nacht Allarm, indem die Fabrikarbeiter in der Vorstadt Schottenfeld Miene machten, sich zu empören und gegen die Stadt zu ziehen. Mitten in diesen Bedrängnissen dauern die Aufregungen unter den Studirenden fort, die gestern mit dem Geschrei: fort mit Fiquel- mont, fort mit Windischgrätz! in die Aula stürmten. Gebe Gott, daß die Regierung unter solchen Umständen der öffentlichen Meinung nicht trotzt. Unterdessen stocken alle Geschäfte und es zeigt sich nichts, als ein Kaleidoskop von endloser Verwirrung. Alle Geschäfte haben so zu sagen aufgehört. — Nach den heutigen Nachrichten aus Venedig vom 24. hatten sich englische Schiffe gezeigt und diese lassen nichts passiren. (?) Aus Lemberg traf die Nachricht vom 22. ein, daß die bewaffnete Nationalgarde die Entfernung der Truppen aus der Stadt verlangte und daß diese hierauf auf Befehl des Gouverneurs Stadion abzogen. — Gestern wurde vom Grafen Fiquelmont, Minister deâ Aeußern, das sogenannte schwarze Kabinet (Chiffer« Kanzlei) aufgehoben und die dort angestellten Beamten bei der Posl_ufillZLcheüt, Der bisherige Grenzoberst Baron Jellqchich ist zum General und Banus von Kroatien ernannt. Der bisherige Vicepräsident deS Hofkriegsrath, Fürst Hohenlohe, hat einstweilen bat Kriegsministerium übernommen.
Wien, 28. März. Die aus Triest eingelaufenen Nachrichten vom 24. März lauten sehr erfreulich über die Lage dieser Stadt. Es herrschte dort unter allen Ständen der höchste Enthusiasmus und die treueste Anhänglichkeit an das Kaiserhaus.
3tUt0brttdv 29. März. DaS Schicksal der österreichisch «italienischen Provinzen scheint entschieden zu