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permanent bleibenden Ausschuß von 15 Personen wäh­len und danach die Versammlung auflösen.

Ein vermittelnder Vorschlag GagèrnS, daß. die gegenwärtige Versammlung permanent bleiben solle/ aber nicht als Ganzes sondern reprasentirt durch einen zu wählenden Ausschuß von 50 Mit­gliedern ,. daß dieser Ausschuß gemeinsam mit dem - Bundestag die überhaupt erforderlichen und msb - sondere zur Bewerkstelligung der Wahl der National- repräsentanten nöthigen Maßregeln ergreifen, un falls er cs für nothwendig halte, die gegenwärtige Versammlung wieder zusammenberufen oder selbst handelnd auftreten solle,"

erhielt trotz der enormsten Anstrengungen der Linken die überwiegende Mehrheit, indem 142 Abgeordnete dagegen und 368 dafür stimmten.

' Heute morgen während ich dies schreibe geht die Wahl des Ausschusses vor sich; dem Ergebniß sieht man mit der größten Spannung entgegen. Nament­lich handelt cs sich darum, ob die Mitglikder der äußersten Linken, welche in der Versammlung selbst nicht zahlreich vertreten ist, in denselben gewählt Wer­

der Versammlung sind bereits durch die Zeitungen be­kannt geworden. Sie hielt sich mit Rücksicht auf die mangelhafte Art ihrer Zusammensetzung und auf die mangelhafte Vertretung der einzelnen deutschem Stamme, namentlich der norddeutschen, nicht stir befugt, als constituirende aufzutreten, und beschränkte ihre Aufgabc darauf, ein Wahlgesetz zu entwerfen, auf Grund dessen binnen 4 Wochen hon heute an die connttnlreudc Nationalrepräskntation zusainmentreten sollte.

Man verließ bei der Berathung ben Entwurf der Siebenercommission, welcher die Mehr bett nickt bi rite- digte, und von der äußersten Linken entheben zuruck­gewiesen wurde. Die Gegenstände der Berathung waren.

n das Gebiet des deutschen Fordcrativstaates,

2) die Zahl der Nationalrepöäsentanten,

3) die Wahl derselben, und

der Zeitpunkt des Zusammentritts derielbcn, und daS Verhalten der gegenwärtigen Versamm­lung bis zu diesem Zeitpunkt.

Bemal,ch des Gebiets beschloß man, daß sich das­selbe nicht nur über alle dcrmaligc deutsche Bundes­staaten erstrecken, sondern auch Schleswig, sowie Ost- und Westpreußen als organische Bestandtheile Dcut,ch- landS umfassen solle. Die Frage, ob Posen zu zu ziehen sei, erregte lebhafte Debatten über das Verhalten Deutschlands zu der Wiederherstellung des pointieren Reichst Während man auf der einen Seite so weit ging, zu behaupten, daß man Posen, wenn es noch nicht zu Deutschland gehörte, sogar erobern muhe, sprach man sich auf der andern Seite entschieden dahin aus, daß man es unbedingt ausscheiden und bei der Wiederherstellung Polens auf jede Weise hilfreiche Hand leisten müsse, um an unserer östlichen Grenze ein befreundetes Reich und einen Schutzwatt gegen Rußland berzustellen. Bei der Abstimmung siegte eine sich der letzteren Ansicht näbernde Meinung und man stellte die Entscheidung der Frage der nächsten Zukunft und der Willenserklärung Posens anheim.

den.

Die obigen Mittheilungen kann ich Ihnen blos aus dem Gedächtniß machen. Man hat zwar beabsichtigt, die Verhandlungen sofort stenographiren und drucken zu lassen, aber durch eitle unbegreifliche Vergessenheit hat man es übersehen, neben den Stenographen auch Dechifreure zu bestellen, so daß nunmehr die Steno­graphen selbst ihre Aufzeichnungen auch umschreiben mußten.

Durch diesen Umstand und dadurch, daß die Mit­glieder ihre Reden vor dem Drucke noch einmal sehen und corregiren wollen, ist es denn gekommen, daß von den Verhandlungen bis zur Stunde noch nichts ge­druckt oder wenigstens noch nichts ausgegeben worden ist.

Ich muß schließen um in der Paulskirche das Er­gebniß der Auöschiißwahl zu erfahren.

Was die Zahl anlangt, so entschied man sich da­hin, daß auf je 50,000 Einwohner 1 Nationalrepre- fentant zu wählen sei, daß jedoch auch diejenigen kleine­ren Staaten, deren Einwohnerzahl nicht bis zu 50,000 reichen, einen Deputaten zu schicken berechtigt seien.

Die Art der Wahl, namentlich die Entscheidung für directe oder indirecte Wahlen erregte lebhafte De­batten. Die norddeutschen Abgeordneten namentlich erklärten, daß in ihren Stämmen das Volk aus Rück­sicht, sowohl auf die Stufe seiner Bildung als auch auf die noch vorhandenen politischen und gutherrlichen Verhältnisse zur direeten Wahl noch nicht reif sei. Man entschied sich dahin, daß die direeten Wahlenals Zwangsvorschrrst nicht aufgestellt, wobl aber als Regel und Princip anerkannt werden sollten, wogegen es den einzelnen deutschen Staaten überlassen bleibe, aus vor­liegenden dringenden Gründen ausnahmsweise indirecte Wahlen Eintreten zu lassen.

Im Nebligen soll sowohl die Wahlfähigkeit als auch die Wählbarkeit weder von einem Census noch von irgend einem religiösen Bekenntniß , noch von einem bürgerlichen oder politischen Stand, noch auch endlich von einem bestimmten Alter abhängig sein; in letzterer Beziehung soll vielmehr die Großjährigkeit entscheiden, auch soll es jedem einzelnen Staat unbenommen sein, aus sämmtlichen deutschen Staatsbürgern frei zu wählen, ohne Rücksicht darauf, wo dieselben domicilirt sind.

Endlich war man, was den 4. Punct der Bera­thung anlangt, dahin einverstanden, daß die zu wäh­lende constituirende Versammlung spätestens binnen 4 Wochen von jetzt an zusammen treten müsse; lebhafte Debatten dagegen erregte die Frage, welches Verfahren bis zu dem Zusammentritt jener die gegenwärtige Ver­sammlung einzuhalten habe. Während man sich auf der einen Seite für unbedingte Permanenzerklärung entschied, wollte man auf der andern Seite blos einen

* F r ankfurt, 2. April, Abends.

Die heutige Sitzung war äußerst stürmisch. Es wurde der Wahlmovuö kiöcutirt, und der Antrag des Abgeordneten Robert Blum, daß nämlich Zeder 50 Na­men notiren und dabei möglichst die verschiedenen Län­der, Stämme und politische Meinungen berücksichtigen solle, angenommen. Die Wahl selbst wird morgen früh statt finden.

ES hatte ein Theil der Abgeordneten, an ihrer Spitze Robert Blum, Zitz, Leisler 1. und Leisler II. den Antrag gestellt: Bevor die Bundesversammlung die Geschäfte pir Einberufung der constituirenden National-Versamm­lung in die Hand nimmt, muß dieselbe sich von den er­lassenen Ausnahme-Beschlüssen^) lossagen und diejenigen Manner, welche zu ihrer Emanation mitgewirkt Haden, aus ihrem Schooße entfernen.

Der Antrag wurde von Zitz motivirt und von Struve, Kapp, Hecker und andern glänzend vertheidigt. Basser­mann stellte das Amandement, statt des Wortesbe­vor", das Wortindem" zu setzen. Für den Antrag sprach Gagern auS Darmstadt und andere. Hecker hatte in seinem Vortrage erklärt, daß zwischen dembevor" und demindem" derselbe Unterschied sei, wie zwischen That und Wort, und daß, wenn der Antrag nicht an­genommen werden sollte, er und seine Freunde die Ver­sammlung verlassen müßten.

Der Antrag von Zitz kam zur Abstimmung und fiel durch. Die äußerste Linke, circa 40 Männer, verließ darauf die Versammlung unter allgemei­nem Tumulte und dem Bravorufen Gleichgesinnter. Ra' veaux von Köln trat mit der Erklärung auf, daß er

*) Wir machen auf die so eben erschienene Schrift:Die deutsche Diplomatie wider das deutsche Volk. Eine Sammlung wichtiger Aktenstücke. Zum Verständniß der Ver­gangenheit und zur Warnung für die Zukunft. Wiesbaden, Wiloelm Friedrich. Preis 18 kr." aufmerksam, welche alle Aus- nahmgesepe des deutschen Bundestags enthält.

führbar. Nur wenige Tage, ich fühle dies mehr als je, habe ich noch zu leben. Schon längst habe ich nach dem letzten mich gesehnt. Weiß ich Dich gerettet, so schlafe ich eben so ruhig auf dem Grunde des Eismee­res wie an dem Ufer des Ob; die Erde ist ja überall des Herrn. Darum gehe! Eile, weil noch Zeit ist! Ich, Dein Vater, befehle eS Dir!"

Kein Wort davon, wenn Ihr mich liebt!" rief Marie mit Thränen, indem sie die schönen Arme um den Nacken des Greises schlang.So Entsetzliches darf ein Vater nicht fordern."

Es ist jetzt ohnehin zu spät!" hob Fedor an. Die Spalten, welche die Schollen trennten, haben ich bereits zu Zwischenräumen erweitert, die nicht zu überspringen sind, und immer treibt uns der Wind in die offene See."

Leider hatte der junge Mann nur allzu gut beobach­tet. Der Sturm ließ mehr und mehr von seiner Hef­tigkeit nach und verwandelte sich in einen frischen Land­wind, der das zerschmetterte Eisfeld immer weiter von der Küste trieb. So dauerte eS mehrere Stunden; end­lich sank die Nacht hernieder. In stummer Verzweif- inng faß während dieser der alte Alexei auf einem der umgestürzten Schlitten und fuhr nur dann und wann mit der flachen Hanv über das lockige Haupt der Toch­ter, die unter freundlichem Zuspruche alleS Gepäck, daS dazu beitragen konnte, die erstarrten Glieder des Grei­ses vor der Nachtkälte zu schützen, um ihn herum auf­häufte. Fedor ging indeß still und nachdenkend auf dem die Unglücksgefährten tragenden Eisfelde auf und ab,

muthig, indem er den Alte», der sich und sein Geschick verwünschend in dem greisen Haare wühlte, am Arme faßte.Noch ist nicht Alles verloren, noch ist Ret­tung möglich."

Keine!" antwortete Marie.

Keine!" sprach dumpf ihr der Alte nach.

Hört mich ruhig an!" sprach Fedor.Ihr seht, daß die Spalten noch nicht unüberschreitbar sind. Wir springen von Scholle zu Scholle und erreichen so daS Land."

Ja! thue daS nnd rette Marien!" rief Alexe: dringend.

Nimmermehr!" entgegnete daS Mädchen.Ohne meinen Vater welche ich nicht von hier, nnd dieser is solcher Anstrengung nicht fähig; doch Du, Fedor, retti Du Dich. Dir würde es nicht schwer werden, aus diese Weise anS Land zu kommen."

Fedor schwieg, doch ruhte sein Blick voll Stolz, ge­mischt mit einem kleinen Vorwurf auf dem Mädchen.

Du könntest unS vielleicht Rettung bringen!" sagte Marie mit gesenktem Auge.

Und welche? welche Rettung könnte ich von der

öden Küste herbeischaffen?" fragte Fedor.Nein Vater Alexei! Meine Meinung war, daß ich, Euch auf meine Schultern lâdend, ben Uebergang versuchen wollte. Mit Gottes Beistanv erreichen wir daS Land."

Das möge Gott verhüten, daß wegen meiner, deS ohnehin am Rande des Grabes stehenden Alten, Dein junges Leben dahingeopfert werde!" sprach der Greis.

Nein Marie! FedorS Vorschlag ist gut, ist aus­

und leine Freunde auch für den Antrag des Abgeord- neten Zitz gestimmt hätten, jedoch geblieben wären, weck

die Unterordnung unter die M-yontät für erste Pflicht dielten Er stellte den Antrag, diese Erklärung und die Namen derjenigen, welche für den Zitzschen Antrag ge- stimmt, aber geblieben wären, zu Protokoll zu nehmen, was geschah. Der Präsident Mittermaier schlug vor, Raveaur für diesen besänftigenden Vortrag den Dank der Versammlung auszusprechen, waS durch allgemeinen Zuruf geschah.

Was die nächste Zukunft bringen wird, wer mag es sagen?!

Nachwort der Nedaction.

Wir halten daö uns von unserem Herrn Correspon- denten mitgetheilte Ereigniß für ein sehr wichtiges, aber

für ein im Interesse der Freiheit und der deutschen Wenn dieser Bruch nicht wieder vermittelt wird, so Spaltung unseres ganzen mißbilligen gleich sehr das daS der äußersten Linken.

guten Sache, der deutschen Einheit sehr beklagenâwertheâ. geheilt, diese Spaltung nicht ist er daS Signal zu einer deutschen Vaterlandes. Wir Verfahren der Majorität, als Auch wir hätten^ gewünscht,

daß der Antrag von Blum nnd Zitz durchgegangen wäre. Denn eS ist nicht an der Zeit, mit einer traurigen Ver­gangenheit zu unterhandeln, und mit ihr zu kocketiren. Es ist an der Zeit mit ihr zu brechen, an der Zeit, daS Schwarze schwarz und das Weiße weiß zu nennen. Wir würden also ebenfalls statt für daSIndem" für daS Bevor" gestimmt haber. Aber ebenso unrechtlich als der Beschluß der Majorität, ist der Austritt der äußer­sten Linken. Der Austritt ist über allen Umständen der Ausdruck einer Schwäche. An seinem Posten bleiben und unablässig kämpfen, auch unter Verhältnissen, welche einen Erfolg zweifelhaft erscheinen lassen, ist Sache deS Mannes. Zu r.signiren, seinen Posten zu verlassen, ist ein Bekenntniß, daß man seiner Aufgabe nicht gewachsen sei. Es ist unter den vorliegenden Umständen ein poli­tischer Selbstmord, ein Verrath am Vaterlande.

Möchten alle von gleichem Geiste beseelt f in, wie Franz Raveaur auö Köln, dieser klare Kopf, dieser ent­schlossene Charakter und treffliche Redner. Er bat aller­dings den Dank der Versammlung verdient. Aber eS wäre besser gewesen, wenn die Versammlung so gestimmt hätte, daß sie weder Raveaur'â Dienst noch dieser ihre» Dank bedürft hätte.

Wiesbaden, 1. April. Wir entnehmen der Köln. Ztg. folgende Erklärung:

DasFrankfurter Journal" vom 28. d. M. be­richtet von einer angeblichen in Heidelberg beschlossenen Adresse an den König von Preußen.

Diese Adresse verletzt und empört auf das aller- tiefste jedes tapfre und fromme Männergefühl deutscher Ehre und Treue, und die Unterzeichneten finden sich veranlaßt, im Namen dieser deutschen Ehre und Treue, indem sie überzeugt sind, in dem Sinne von Millionen ihres Volkes zu sprechen, den Ausdruck eines solchen Gräuels mit Abscheu von sich zu stoßen. Wehe uns Allen, die den Nameu eines großen Volkes der Nach­welt unbefleckt überliefern sollen, wenn wir in einer Zeit, wo das Vaterland dreifacher Treue, Männlich­keit und Eintracht bedarf, solche wüste, mehr als jako­binische Wuth nicht für das erklärten, was sie ist: für eine blinde, tolle Wuth!

Diese treten wir mit Abscheu nieder und werden so wahr uns Gott helfen wird unsere Ueber­zeugung mit Herzen und Händen zu bewähren streben.

Bonn, 29. des Lenzmonds 1848.

E. M. Arndt.

(Im Auftrage vieler ehrenhafter Männer und , Bürger der Stadt Bonn, welche diese Erklärung unter- . schrieben haben.)

* Wiesbaden, 2. April. Da die zur vorbe- ; rathenden Versammlung nach Frankfurt abgegangenen Nassauischen Depulirten noch nicht zurückgekehrt sind,

und gab nur auf Augenblicke sein geräuschvolles Wan­deln auf, um Marien zu ermahnen, über dem Bemü­hen, den Vater zu schützen, nicht gänzlich die eigene Gefahr zu vergessen. So hell auch die Sterne hernie­derblitzten, in so purpurfarbenem Glanze ein Nordlicht herableuchtete, so war doch die Nacht zu dunkel, um ge­nau zu erkennen, wie weit man sich vom Lande ent­fernt habe.

Der Wind hatte sich indessen gänzlich gelegt, und ehe noch der Morgen graute, war eine völlige Wind­stille eingetreten; daâ Meer ebnete sich immer mehr. Fedor schien indeß mit den Plänen, über denen er brü­tete, zu Ende gekommen zu sein; freundlich trat er zu dem Greise, um ihm Muth einzusprechen.

Laß gut sein, Fedor!" sagte dieser, indem er mit dem Kopfe schüttelte und mit der Hand abwärts winkte.Der alte Alexei hat zu ost dem Tode inö Auge geblickt, er hat zu trübe Erfahrungen in seinem langen Leben gemacht, als daß ihm ein Ende wie dieses so bitter erscheine» sollte. Daß aber meine junge Ma­rie, daß dieß kaum erblühte Wesen auf diese Weise en­den soll" . . .

O, sprecht nicht so, mein Vater!" rief Marie, ihren Arm um den Hals des Greises schlingend. ist wahr, daß furchtbar, daß entsetzlich ist, sein Grab in den Wellen des MeereS zu finden, aber erin­nert Euch uuserö gestrigen Gesprächs, und seid versichert, daß ich es vorziehe, mein Leben im Schooße der Ge­wässer zu enden, als ohne Euch und ohne Fedor in die